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Deutschland.
Darmftadt, 23. Februar Am gestrigen laflt, feierte der höchste lichterliche Beamte deS Landes, wiifl. (Mrbeimeratb xempfl, Präsident des OberlandcSgcricht«, . sein fünfzigjähriges Dienstjubiläum. Der Bei lauf beS Tages legte Zeugniß davon ab. I welche Liebe und Verehrung der Jubilar auf allen Seiten genießt, legte Zeugniß davon | ab, wie er in allen Stellungen, die er bekleidet und eingenommen. die volle, höchste Achtung aller Derer davongnragen, mit welchen er in seiner Wii ksamkeit in Beziehung kam oder welche sein Wirken sahen und kennen lernten. Am Vormittag empfing der Jubilar Glückwünsche von allen Seiten Seine König!. Hoheit der Großherzog beehrten ! bn mit einem Allerhöchsten Handschreiben.
Da» Allerhöchste Handschreiben lauter: [
Mein lieber Präsident Kempfs!
Ich vernehme mit lebhafter Theilnahme, daß heute das fünfzigste Jahr sich vollendet, seitdem Sie meist iür den öffentlichen Dienst verpflichtet wurden und daß Sie sonach heute Ihr fünfzigjähriges Dienstjubiläum zu begehen in der Staat sind
Sie haben unter drei Großherzogen gedient und sich jederzeit den Ruf eines cin- ^chtsvollen und gerechten Richters und Staatsbeamten erworben.
Indem Ich Ihnen mit meinen Glückwünschen zu Ihrem Ehrentage meine An- I ^ikennung für Ihre langjährige Amtüsühiung ausspreche, hoffe Ich, daß es Ihnen Vergönnt sein wird, Ihre Thäl'gkeit noch durch manche« weitere Jahr foitzusehen und bleibe Ihr wohlgeneigter
Ludwig.
Darmstadt, den 22. Februar 1881.
Der Decan der juristischen Facultät der Landesunioersität, Herr Dr- Krelschmar »on Gießen, überreichte dem Jubilar da« Diplom eine« Ehrendoktors der Rechte. Unter den Gratulanten Hauben sich die in Darmstadt domicilirten Richter vollzählig, j;i8 dem ganzen Lande waren zahl'-eiche richterliche Beamte erschienen, die Vvisitzenden Ver Laiidgerichte und der einzelnen Zkammer,! derselben sämmtlich; die Anwaltskammer biaditr durch den Vorstand ihre Glückwünsche dar. Herr Oberbürgermeister Ohly bc- Hlückwünschte den Jubilar Ramend der Stadt. (Darmst. Ztg)
Berlin, 21. Febiuar. BiS jetzt hat aller Bemühungen ungeachtet, Graf zu Eulenburg sich noch nicht bewegen lassen, sein dem Kün'fl eingereichteS Sntlafsungsbesuch zurückzunehmen. Ja, die „Kreuz-Ztg." will wissen, daß Graf Eulenburg Berlin in kürzester Frist verlassen weide. Gras Eulenburg ist bet Hofe sehr wohl gelitten und bei den Abgeordneten aller Parteien nicht minder ■ geachtet und beliebt, da er ein gewissenhafter, fleißiger und in jeder Beziehung I tüchtiger Minister ist, deflen Formen immer vornehm und versöhnlich sind. Unter den Ministern ist er derjenige, welchtr fick der größten Unabhängigkeit erfreut und auch feine Miinung dem Ministerpräsidenten gegenüber behauptet. Manche meinen, daß eben bese freiere Stellung ihn bei dem allmächtigen Reichskanzler vielleicht zu einer persona minus grata mache. Noch in der jüngsten Zeit spi'lte eine Meinungsverschiedenheit zwischen dem Fürsten BiS- marck und dem Grafen Eulenburg. Es handelt sich, nachdem der hvchbetagte Frhr. v. Patow seine Entlastung als Oberprästdent der Provinz Sachsen ge- geben, um die Neubesetzung diese- Posten« und Fürst BiSmarck wünscht den- selben einem Manne zu verleihen, den Graf Eulenburg nicht dafür geeignet hält. Eine wachsende Spannung zwischen beiden Ministern war nicht zu verkennen.
— Mit dem 1. März tritt im Verkehr zwischen Teuischland und den Niederlanden dir PostauftragSverkehr in Wirksamkeit. Die E.nz'ehung von Geldern auf diesem Wege kann im Betrage b s zu 250 oder 150 Gulden erfolgen.
Berlin, 22. Februar. Prinzessin Auguste Vctoria von Schleswig- Holstein wird am Freitag den 25. F<bruar, Nachm ttagS etwa um 4 Uhr, iw Schlosse Bellevue eintreffen, woselbst die Majestäten urb sämmtlicke Mitglieder der königlichen Familie, die Staatsminister, die Hofchargen, dte General« und Flügeladjuranten zur Empfangsbegrüßuna anwesend jein werden. Am Nach- mittag des nächsten Tage-, kurz vor 2 Uhr, wird die erlauchte Braut an der Seite der Frau Kronprinzessin Schlcß Bellevue verlosten, um ihren feierlichen Einzug in Berlin zu halten. Die Ankunft im hiesigen k-n'glichen Schlöffe, woselbst wiederum die Allerhöchsten und Höchsten Herrschaften mit den fürstlichen Gästen und ihren Hofstaaten, die Hofchargen, die Ltaa'.smimßer und die Generäle u. f. w. zum Empfange anwesend sein werden, wird etwa um 3 Ubr erfolgen. Sofort nach der Ankunft fi det alsdann die Unterzeichnung der Ehepacten statt. Im königlichen Schlöffe wird die hohe Braut mit ihrer Mutter die sog. Rerdesche Wohnung in der ersten Etage beziehen.
— Bezüglich der Mmisterkrifis ist Neues nicht zu mdben. Der Mini- Ker des Innern. Graf Eulenburg, besteht auf seinem Rücktritt. Das gestrige Auftreten des Ministerpräsidenten Fürsten Bismarck tm Herrenhause hat nicht vermocht, die allgemeinen Sympathten zu schmälern, welche sich dem Verhalten, des Grafen Eulenburg zuwenden. Die Nachricht, daß weitere Entlaffungs- gesuLe von Mitgliedern des Staatsministertums brvorständen, ist mit großer Vorsicht aufzunehmen.
— Bezüglich der Bezeichnung des Raumgehalts der Gefäße, in welchen. Alüssigkeiten zum Verkaufe kommen, hat der DundeSraths-Auslchuß für Handel und Verkehr einen Gesetzentwurf von drei Artikeln beantragt, welche wie folgt lauten: Artikel 1. An Stelle des Art. 12 der Maß- und Gewichtsordnung treten folgende Bestimmungen: Flüssigkeiten, weiche in Fässern noch dem Zlaumgehalt zum Verkauf kommen, dürfen dem Käufer nur in solchen Fäfferr., auf welchen die den Raumgehalt bildende Zahl der Liter durch Stempelung beglaubigt ist, überliefert werden. Auf Fäff rn, in welchen Flüssigkeiten nach Lern Gewicht zum Verkauf kommen, muß die Tara eichawtlich beglaubigt sein; Ausnahmen hiervon finden nur bezüglich derjenigen ausländischen Flüssigkeiten
statt, welche in den Origtnal-Gebinden weiter verkauft werden. Art. 2. Für die Schankgefäße (Gläser, Krüge, Flaschen u. s. w.), welche zur Verabreichung von Wein, Obstwein, Most oder Bier in Gast, und Schankwirthschaften dienen, gilt eine Reibe von Bestimmungen, welche sechs Paragraphen umfaffen und die Anbringung eine« Füllstrichs bet Gefäßen von einem Liter und aufwärts betreffen. Gast- und Schankwirthe müssen gehörig gestempelte Flüssigkeitsmaße zur Prüfung stets bereit halten, und werden bei Zuwiderhandlungen mit Geld, strafe bis zu 100 Jt ober mit Hast bis zu 4 Wochen bestraft, währenb auf Vernichtung ber vorschriftswidrig befundenen Schankgefäße erkannt wird. Diese Bestimmungen finden auf fest »erschlossene (versiegelte, verkappte, festver- korkte u. s. w.) Flaschen und Krüge, sowie aus Schankgefäße von V20 Liter oder weniger keine Anwendung. Nach Art. 3 tritt daS Gesetz am 1. Januar 1884 in Kraft.
Arankreich.
Pari-, 22. Februar. Der heute tm Elysse gehaltene Ministerrath beschäfttgte sich mit dem gestrigen Zwischenfall in der Deput'rtenkammer. Die heutigen Blätter, dte sämmtlich die Rede Gambetta's erörtern , kommen im Ganzen zu dem Schluß, daß Gambetta durch seine Rede sein Ansehen nicht erhöht habe, daß man aber seine friedfertigen Erklärungen Mit Dank entgegen zu nehmen habe. Die Blätter der Intransigenten und ber radikalen Richtung werfen G mbelta cor. er habe Komödie gespielt, und sie werfen der Mehrheit vor, sie habe einen Beweis ihrer Augenbienerei geliefert. Der „National" als Organ des linken Centrums äußert spöttisch, die Minister und Beamten wären nicht mehr zu entschuldigen, wenn sie sich fortan noch vor Gambetta beugten, da ber große Redner ja erklärt habe, er halte sich fern von den Menjchen unb wisse nichts von bem Gang der Geschäfte. DaS Organ des Elysse, „Paiz", findet es erstaunlich, daß Gambetta nicht um die Mission rhomaiftn'S gewußt haben sollte, während Jedermann doch darum gewußt habe. Der „TempS" findet es höchst löblich, daß Gambetta daS Wort er- griffen und erklärt habe, er b.kämpse die Politik der Regieiuag nicht und lege sich die strengste Zurückhaltung auf, bis das Land ihn zur Gewalt berufen werde, und daß er durch s<ine Erklärungen die Frage über Krieg und Frieden aus den nächsten Wahlen entfernt habe. Die reactionären Blätter sind über den AuSgang der gestrigen Kammerverhandlungen entrüstet und reden gleichfalls von einer Komödie; die Frage wege t der Waffen für Griechenland sei durchaus nicht aufgeklärt, und eine neue Interpellation im Senat müsse die Sache von Neuem zur Sprache bringen. Die „Republique srancaise" beqnügt sich m l dem Abdruck der Rede Gambetta's, die übrigen gambettipijchen Blätter find voll des Lobes über Gambetta.
England.
London, 22. Februar. Unterhaus. Bei der fortgesetzten Einzelbe- rathung der irischen Zwangsbill wurde der Antrag Errington's, die Dauer des Gesetze- anstatt bis zum 30. September 1882 nur biS zum 31. März 1882 zu erstrecken, mit 211 gegen 68 Stimmen abgelehnt und hierauf der dritte und letzte Artikel deS Gesetzes mit 199 gegen 47 Stimmen angenommen. Die über die Zufatzanträge mehrerer Deputirten fortgeführte Debatte wurde um Mitternacht vom Vorsitzenden untekbrochen, die noch unerledigten vier Zu- satzanträge wurden von demselben als unzulässig erklärt. Die Emzelberathunq der Bill st demnach erledigt. Parnell hatte der S'tzung beigewohnt.
London, 22. Februar. Auf die holländische Petition zu Gunsten der TranSvaal-BoerS erwiderte das Auswärtige Amt, es sei gegen das Herkommen, Petitionen fremder Staatsbürger der Kö >igin vorzulegen, die gegenwärtige werde deshalb an den Colomalminißer abgegeben werden. — Von den directen Un- terhandlungen zwischen den Englärdern und ven Boers wird ein baldiger W ffenstillstand erwartet. General Wood hat nunmehr seine verschobene Rückkehr nach Pietermaritzburg angetreten dehusS Heranbringung weiterer Truppen. Die BoerS fahren fort, Brustwehren am DrakenSberg aufzuwerfen; sie feuerten auf b e englischen Posten heim Lager von Mount-Prospect. — Die Königin gieht Montag anläßlich ber Hochzeit bes Prinzen Wilhelm von Preußen ein großes Festmahl zu Winbsor.
$ekgrapljifd)e Depeschen.
Wolff'- teUflt. (ferrefponlenpÜtartau.
Berlin, 23. Februar. DaS Herrenhaus lehnte den vom Abgeordnttenhaufe zum Zuständigkeitsgefetz besLlosienen $ 7 (Bestätigung der Gemeindevorstandsrntt- Qlteber) ab.
— Das Abgeordnetenhaus beriech die vom Herrenhaus abgeänderte Kreis- und Provinzialordnurgsnovellen und nahm mehrere Anttäge der Abg. v. Liebermann und v. Zcdiütz an, welche beide die Vorlagen mit dem gegenwärtig noch giltiaen Campetenz- gesrtz in Einklang zu bringen bezweckten, unb zwar ohne Debatte. Zu $ 74 der Kreis- noaelle (Cualmcation der Landräthe) wird em Antrag Cuny's, die Bestimmung des 2. Absatzes zu streichen, welche die Präsentationsfähigkeit des Landraths von dessen einjähriger Ansässigkeit im Kreise abhängig macht, abgelehnt, dagegen eine mehr redaktionelle Abänderung des dritten Absatzes angenommen. Alles andere, sowie die Provinzialordnungsrovelle werden sodann n der Herrenhaussassung angenommen. Em Schreiben des Grafen Stolberg kündigt den Schluß des Landtags in der heutig n Abendsitzung 9 Ubr an. Die Sitzung schloß mit einem Hoch auf den König.
— Ter Kaiser confertrte gestern Nawmittag mit dem Finanzminister Bitter. Heute findet im Kgl. Schloß ein größeres Diner statt, an welchem v Bötticher unb bie Bunbesratbsbeoollmächtigten, v. Lutz, v. Crailsheim, v. Mittnacht, Turban, Starck,


