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Nr Freitag den 23. December 1881.

oh d;c n er Htnzeiger

Allikigk- unh Imlüblatt für den greis Kichn.

»»«' «ch-lstr-s- B. in. «rWent täflli* mit -u.nohm- M T WartTT

Deutschland.

Darmstadt, 31. Decbr. Sr. König!. Hoheit der Großherzog nahmen heute militärische Meldungen 'entgegen und empfingen den Domänenrath Stoltz auS Friedberg, den Hostheater-Director Wünzer; zum Vortrag den Staat-- Minister Fehrn, v. Starck.

Barmftabt, 21. December. In dem nunmebr gedruckt vo>liegenden Antrag des Abg Kugler auf Verpachtung der oderheistfchen Bahnen an em.n Prival-Unter-. nehmer wird au-geführt, daß bei Einführung detz vom Anttaasi-ller lebhaft befür, worteten Secundärdrtriebs statt der aegenwäriig vorhandenen 690 Beamten 200 ge­nügen würden, dann de ßt e- wörtlich weiter: .Bon den vorhandenen Beamten kann der Pächter felbftverständltch nur die Zahl übernahmen, welche ihm für den Betrieb geeignet erscheint- Wenn er aber die Verwendbaren unter gleichen Bedingungen Über» nimmt, unter welchen sie jetzt dienen, so scheint mir kein Grund vorhanden zu sein, daß den Angestellten die Wahl gelassen werden müßte, ob sie fortd'enen oder penflonitt tetn wollen " Wir begnügen unft heute zu constattren, daß ein solcher Antrag oder ein von ähnlicher Tragweite, in unserer Kammer noch nicht gestellt wordcn ist und baß dessen Ausführung der Anfang der vollständigen Auflösung unsere- Staat-- organi-mus fein würde. (N. H. B)

Darmstadt, 20. December. [ßur Frage der Revision de- deutschen (^enossrn- schafts-Gesetze- J Die Delegirten Versammlung detz zur Zeit 124 Vereine mit über 6500 Mitgliedern umfassenden Derdandetz der hessischen landwirtbschaftlichen Oonsum- Vereine hat in ihrer von 150 VerbandSgenossen besuchten S'tzunA in Darmstadt am 14 December ds. I-. cuf Antrag detz Referenten, f>enn GutSb.sitzer- Dr. Hei de ir­ret ch - Affolterbach einstimmig die folgende Resolution gefaßt:Tic Delegirten- Versammlung erklärt sich in der Frage der Revision deS Gesetze- vom 4 Juli 1868, detr. die privatrechlliche Stellung der Erwerb-- und W'Nbschast- Genossenschaften, mit den Beschlüssen de- allgemeinen Verein-tage- der deutschen (Erwerb-- und Wi' thschaft-- Genossenschaften vom 27. August d. I zu Kassel durchau- einveritanden, insbesondere auch mit der Stellung de- Anwälte- der deutschen ^rroerb^ und WittbsckaftS- Genofsenschaften, Herrn Dr. Schulze-Delitzsch, zu den Anträgen von Mirbach und Ackermann, fn deren Annahme sie eine schwere Schädigung des gcsammten deuischen und in-besondere auch de- landwirthschaftlichen Genossenschaftswesen- erblicken müssen. Im Laufe der vorhergebenden lebhaften Debatte wurde von allen Rednern, rn-desondere vom Verbant-vräsidevten Haas-Dormfladt, heroorgeboben, daß an den frerheitlichen Grundsätzen d<-Genossenschast-wesen- nicht gerüttelt und der feste Boden der Selbsthilfe und der Solidarität nicht verlassen werden dürfe, wenn man bim aesammten genossenschaftlichen Leben und seiner weiteren Entwickelung nicht den Todes­stoß versetzen wolle. (F. I.)

Berlin, 20. December. Der vom Abg. Wmdthorst M'.t Unterstützung de- Centrums im Reich-tag eingebrachte Antrag aus Aufhebung de- R-ickSge« setze- vom 4. Mal 1874 glebt au manchen Commentaren Anlaß. Im Wesent- 'scheu läßt fich die Absicht de- Antragstellers dahin präclfiren, daß eS Windt- horst daraus ankommt, zu erkennen, nie denn nun eigei tlich die Regierung in Wahrheit den Forderungen de- Centrums gegei übersteht. An und für fich har natürlich der Antrag keine Aufsicht aus Annahme, er ist eben nur ein Fühler. Gerade nicht sehr angenehm berührt fühlt sich durch diese- selbststän. dige Vorgehen deS Cer trum- die conservative Partei, die nun r.ird Farbe bekennen müssen, cb eS ihr Ernst lst mit der gesuchten Freundschaft deS Een» trum-. Wlndthorst setzt olle Hebel in Bewegung, um die Berathung des An. trage- noch n dieser Session durchzusetzen und vermeidet mit Rücksicht darauf All»-, was nach Oben hin einigermaßen verletzen könnte. Ganz abgesehen davon, daß der Hamburger Zwischenfall längst begraben ist, zeigt besonders die nachstehende Rotiz, daß man zur Erreichung deS Hauptzweckes Alle-, waS AussehtN machen könnte, verhüten will: Die Volk-rartei deS Reichstag- hatte, wie schon mitgetheilt, einen Antrag auf Einführung von Diäten für die Reich-tag-.Mitglieder vorbereitet, und ein Theil de- CentrumS hatte seine Unterstützung zugesa^t Aus Widerspruch der höheren Parteileitung mußten die betr. Mitglieder des Centrums ihre Zusage wieder zurücknehmen. Die Volkspartei, welche nur noch die Namen der Polen und Elsässer für ihren Antrag gehabt hätte, beschloß darauf, die Sacke fallen zu lasten.

Im October d. IS- kamen auf deutschen Eisenbahnen vor: 7 Ent. gleisungen und 5 Zusammenstöße auf freier Bahn, 32 Entgleisungen und 50 Zusammenstöße auf Stationen und 180 sonstige Unfälle. Es verunglückten dabei 202 Personen; 92 Eisenbahnfahrzeuge wurden erheblich, 163 unerheblich beschädigt, Don den 16,105,297 beförderten Reisenden wurden 1 get-dtet, 9 verletzt, von Bahnbeamten und Arbeitern im Dienst beim eigentlichen Be. trieb 32 gelödtet, 86 verletzt; bei Nebenbeschäftigung 1 getödtet, 31 verletzt. Von Post- Steuer, u. s. w. Beamten wurden 1 oetödtet, 3 verletzt, von fremden Personvn 24 getödtet, 5 verletzt; bei Selbstmordversuchen wurden 7 gelödtet.

Die conservativen und klerikalen B!ä ter geben fich viele Mühe, eine Vereinigung der drei liberalen Fraktionen als unmözlick hinzustellen. Sie berufen fick dafür auch auf eine Tischrede de- Herrn v. Bennigsen; dieser hat aber versichert daß seine Worte solchen Sinn nicht gehabt haben. Die drei liberalen Fraktionen des Reichstages haben die Absicht, die RrichStagSv^rhand. fangen über die Anträge Hänel-Dirichlet. Rickert. Baumbach und Genosten, betr. die Reichstagswahlen zur gegenwärtigen Legislaturperiode, nach dem steno­graphischen Wortlaute als Broschüre berauSzugeben. Die auS den drei libe­ralen Fraktionen gebildete freiwillige Commission für das Haftpflichtgesetz hat bereits ihre Arbeiten beendigt und fich geeinigt. Dorausfichtlich wird der aus- gearbcitete Entwurf al- gemeinsamer Anttag der liberalen Parteien nach den Ferien eingebrach» werden. . ,

Auf Veranlassung der Reichsrezierung ftns bekanntlich früher Erhe­bungen im ganzen Reiche über den Aufwand für die öffentliche Armenpflege,

die event. vom Reiche übernommen werden soll, angeordnet. Da- erste Re» sultat verlautet auS Baden und zwar dahin, daß da- Gtoßherzogthum jährlich 6 Mill. JL für diesen Zweck bedarf. Am 1. Oktober d. I-. wurden 36,946 Ort-arme unterstützt, davon dauernd 27,061, vorübergehend 9885, in den Städten 11,819, in den übrigen G-meinden 25,127. In den Stätten kam ein Ort-armer aus 29 6, in den übrigen Gemeinden auf 48,5, im ganzen Lande auf 42,5 Einwohner; 40 pEt. der dauernd Unterstützten wer .en ' öllig, 60 pEt. theilweise erhalten. Der durchschnittliche Werth de- völligen iägl'chen Unterhalts beläuft sich für einen Mann auf 75 für eine Frau auf 62.5^, für ein Sind auf 32,9 H. Den durchschnittlichen Werth der theillveisen Un­terstützung annähernd auf die Hälfte des Werth- der völligen Unterhaltung berechnet, ergabt fich für die Ort-armenverbände ein TageSaufwand von 13 680 JL und sonach ein JabreSauswand yon rund 5 Mill. JL Die U ter. stützungS.Bedürstigkeit beruht bei 1,7 pEt. der Unterstützten auf Unfall, bei 15,2 pEt. auf geistigen und körperlichen Gebrechen, bei 34 2 pCt. auf sonstiger Arbeit-unfähigkeit, bei 48,9 pCt. auf andern Gründen. Landarme zählte man am 1. Oktober 2095. Die Gesammtzahl der öffentlich unterstützten Armen beträgt daher 39,041 oder 2,5 pCt. der Bevölkerung d. h. auf 40 Einwohner deS Großbrrzogthum- kommt 1 öffentlich unterstützter Ärmer

Berlin, 20. December. Der Minister der öffentlich'n Arbeiten hat verfügt, daß bei Berechnung der Festen für die Beladung und Einladung der E:sinbahv'Guterwagen unter Mittag-zeit diejenige Zett zu verstehen ist,in welcher auf der betr. Station der regelmäßige Dienst der Güterezpedition nach dem veiöffentlichten Dienststundenplan ruht.- Die von den obersten Reichs, behörden vereinbarten Grundsätze, nack welchen bei Berechnung der Reise- uno Umzug-kostm der Reichsbeamten zu verfahren ist, sollen auch bei Berechnung dieser Umzu^Skosten für Personen des Soldatenstande- finngemäße Anmendunq finden. So werden Umzugskosten nur dann vergütet, wenn der Ort, von welchem, und der Ort, nach welchem die Versetzung stattfindet, zu verschiedenen Garnison-verbänden gehören. Als kürzeste fahrbare Straßenverbindung ist der kürzeste fahrbare Lindweg anzusehen. Wenn jedoch der Ort, von welchem, uub der Ort, nach welchem die Dersetzvnz ftattfindet, durch ununterbrochenen Schie- nenweg ober durch eine ununterbrochene, zur Güterbeförderung benutzbare Waffeistraße .» kürzerer Entkernung al- auf dem Landwege verbui den sind, so gilt die kürzeste derartige Verbindung al- kürzeste fah,bare Straßenverbin­dung. Behuf- Ermittelung der maßgebenden kürzesten fahrbaren Sttaßenver- bindung sind die 2 Kilometer oder m<br betragenden Entfernungen zwischen dem Anfang-, und Endorte de- Umzugs und dem zugehöiigen gleichnam.gen Bahnhof al- Schienenweg, solche Theilstrecken, auf welchen beladene Wagen mittelst Traject-, Schiff-, Fähre u. s. w. zu Waffer befördert werden, alt fahrbanr Landweg in Anrechnung zu bringen.

Hesterreich.

Wien, 20. Decenber. D e Erzherzogin Valerie, die jüngste Tochter des österreichischen Saiserpaares, bat sich als Weibnachtsbescheerung die Ueber- wcisuna eines, lurch die Drand-Katastrophe im Wiener Ringtheater elternlv- und hülfsbedürfug gewordenen -indes erbeten, um daffelbe ans eigene Kosten erziehen zu lasten.

Sraukreich.

Paris, 20. December. DerEitoyen Franca.--, da- bekannte Eom. muniften. Organ, efferirt seinen Abonnenten als pastende Neujahr- -Präm-e gute Revolver.

England.

London, 20. December. Die Stellung der katholischen Priester zu der Landliga ist eine reckt seltsame geworden. Beide kämpfen mit einander, um den Einfluß auf die Menge und es find nickt immer bie Priester, welche in bitsem Kampfe Sieger bleiben. So spielte fich neulich eine seltsame Scene in der katholischen Kirche zu DromeSkin bei bem Schlöffe Bellingham ab. Der Pater M'Cullagh batte Veianlaffung genommen, von ben Altai stufen herab die Päckter deS Lords Clermont, tic in seiner Pfarrei wohnen, zu ermahnen, als rhrl'che Leute ihre Pachtgefälle zu bezahlen unb fich nicht von einer fleinm Zahl Rebellen ineleiten zu lasten. Mehrere von ber Gemeinde verließen darauf die Kapelle. Am letzten Sonntage nun verla- Pater M'Cullagh von den Altarstufen hercb eine Liste der Namen Derjenigen, welche fich in so ungeziemender Weise vergangen haben, und forderte dieselben auf, fich dem Altaraitter zu nähern und Abbitte zu leisten oder die Kirche zu verlasten. Fast die ganze Gemeinde zog da- Letztere vor und nur einige Männer unb Frauen blieben zurück. Der Priester verlas daraus baS Eo:ngelium des Tages und hielt eine Predigt, in welcher er die Wühlereien der Landliga aufs Schärfste veruttheilt. Die Königin hat dem Verein zur Unterstützung irischer Damen, welche durch Einbüßen der Pacht in Noch gerochen find, einen Beitrag von 200 L. übersandt. Der bem gleichen Zwecke bttnenbe Manfion'Haus.Fonds hat bere is die Höbe von 6000 L. erreicht.

Kußlaud.

Petersburg, 20. December. Ein Extrablatt besRegieruiigsboren" meldet das erfolgte Wiederauffinden eineß Theils der Mannschaft des Pola---