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Mittivoch den 23. März

isst.

»ichener Anzeiger

euriMi Schulflraße B. 18.

Amige- uni) Amtsblatt für bra Kreis Gießen.

Erscheint täglich mit Ausnahme bei Montag-.

Preis vrerleLzLhrlich 2 Warf 20 Pf. mil vringericchn.

Durch Post bezogen merteljihrlüh 2 Warf 50 Pf.

Amtlicher Höeil.

Betreffend: Rotzkrankheit unter Pferden zu Wetterfeld.

Bekanntmachung.

Bel einem Pferde de- Daniel Münch in Wetterfeld, freit Schotten, ist die Rotzkrankdeit au-gebrochen.

Diese- Pferd war bei Hermann Fuldat,Gafihau- zum Rappen" in Grünberg, bet Jhrtng ^Gasthaus zum Löwen in Ltch und 6d Wirth Heinrich Schäfer in Lang-dorf eingestellt und ist weiter auch mit Pferden de- Fruchthändler- -eil in Ober - Beifingen, de- Ort-diener- Pfarrer, sowie de- Butterhändler- twtrack in Villirrgen in Berührung gekommen.

Die erforderlichen Sperrmaßregel sind angeordnet worden.

Gießen, am 21. März 1881. Großherzogltche- frei-amt Gießen.

Dr. Boetmann.

Das Programm des Ejaren.

Ml! einer erregten Spannung Hal man allseitig auf die ersten frinb» gedungen gewartet, au- bei en sich da- politische Programm de- Kaiser- Alexander 111. herau-sehen lasten werde. Das Manifest, welche- Alexander HL bei der Uebernahme der Regierung erließ, konnte al- eine solche Kundgebung unmöglich aufgesaßt werden. Derartige Aktenstücke sind al- Lhetle eine- ceie- monitflen Vorgang- nothwendiger Weise in so allgemeinen und de- Eindruck­wegen schwunghaft pathetischen Wendungen abgesaßr, daß in ihnen eine präcise Klarlegung eine- princtpiellen Standpunkte- kaum zu erwarten ist. Neuesten- bat nun der Verweser de- russischen au-uärngen Amte- eine Eirculardepesche an die Vertreter de- Ezarenreiches bei den auswärtigen Regierungen ertasten zur Vorlesung an diese, au- der schon in bestimmteren Umrissen und in nüch- fernerer Form da- politische Programm, da- der Lzar (einem Regimente un> krrgelegt wlsten will, herau-schaul.

greihd) haben auch Veröffentlichungen dieser Alt keinen allzusehr bewei. senden Werth, weil auch sie daraus berechnet find, auf bestimmte Personen zunächst einen bestimmten günsu en Eindruck hei vorzurufen. Es »st bekannt, wie (ehr n an in den diplomatischen Ansprachen mit Phrasen der Freundschaft und Frieden-liebe herumiuwerfen pflegt und daß alle Regierungen die friedlichsten Versicherungen abgeben, selbst wenn Feindschaft ui.b Krieg bei ihnen längst be- schlostene Sache ist. Der Diplomatie gilt aber noch heute wie ehedem da- Talleyrand'sche Wort al- Regel, daß die Sprache da sei, um cie Gedanken zu verbergen. Allein in der betr. Lirculard'pesche ist so sehr btr Zwang der mneren Lage Rußland- auf die nächste Politik seiner Regierung brmerkbar, daß man an die Ehrlichkeit der darin abgegebenen Vrtfiche, ungen nicht zwei« sein kann, wenngleich e- ober dieser Zwang ist und vielleicht nicht die persön­liche Gefinnung der leitenden Männer, was sie dictirt. Der Truck der peln- lichen inneren Derhältniste ist es aber, der eine andere al- die im Circular mnriflene Politik unmöglich n acht, und daß dies in nackten Worten eingestan­den wird, da- ist e-, wo- dieser Manifestation überzeugenden Werth verleiht.

»Der Kaiser wird sich zunächst der Sache der inneren Staat-entwicke- lung widmen, welche mit den Erfolgen der (5 oihfahon, sowie mit socialen und öconornischen Fragen im engen Zusammenhänge steht, welche jetzt den Gegenstand besonderer Sorgen sämmtlicher Regierungen bilden"; und weiter: .Rußland har vor Allem für sich selbst zu sorgen; nur die Pflicht, (eine Ehre »der seine Sicherheit zu schützen kann ,- von innerer Arbeit abwenden", so charaktensttt die Depesche den Druck, w.lchen die inneren Verw ck lungen des Landes auf die Absichten de- Ezaren üben. Und wie dieser gesonnen ist, diesem Drucke nachzugeben, da- schiloern die Worte, in denen auf die liebet» nähme der Tradition'n und dir Aufgaben der bi-herigen Entwickelung Ruß­land- hmgewiesen wird, und denen dann die Eiklärung folgt: hat

Rußland seine volle Entwickelung erreicht. Die Gefühle de- Neide- und der Unzufriedenheit find ihm gleich fern. EL erübrigt ihm nur, seine Stellung zu -sichern, sich nach Außen zu schützen, feine Kräfte, seine, Reichlhum und seine Wohlfahrt zu entwickeln." Im Späteren wird dann seine vollkommene fried­liche auswärtige Politik, treue Freundschaft den bisherigen Freunden Rußlar.ds, and endlich die Auftechterhallung des politischen Gleichgewicht-, sowie die Achtung des Recht- und der Verträge verheißen.

Man siebt, daß da- harte .Muß" in jener Erklärung sehr deutlich be« tont ist, und in der That ist dieses Muß vorhanden. Wir glauben nicht, daß die Schlächtereien der Nihilisten irgend einen zwingenden Einfluß auf den jungen Kaiser üben mögen. Der Schrecken derselben hat ja auch aus den irmorbeten reichlich gewirkt und ihn doch nicht veranlaßt, fein Svstem zu wechseln. An einer so verantwortung-reichen Stelle wie die des Herrscher- eines großen Reiche- tritt der Mensch und treten feine Empfindungen hinter dem Amte und der Einwirkung der allgemeinen Staatsoe HL'tniffe zurück, oder ge­winnen doch nur insofern Geltung als die pcrsönlichen Anschauu, gen über die letzteren das Handeln bestimmen. Alexander 111. würde schwerlich sich za "iner Reformirung der russischen Rechts- uad Social-VeihLltnisie entschließen wenn nichts Anderes chn zu bestimmen vorhanden wäre, als die Morban- drohung der Nihilisten. Er muß sich |a auch darüber klar sein, daß er die -radikalen Forderungen derselben zu erfüllen außer Stande ist, und d^ß er somit nrotz aller Reformen noch immer von den Mordwaffen der unheimlichen Ver­

schwörer bedroht wird. Wa- chn zu reformirendem Handeln bewegen kani', das ist allein die Erkenntniß, daß da- grsammte Land und Volk <tne grü> d- liche Umarbeitung des Regierung-snstem-, de- Verwaltung-« und Iuftizwesen- brtngenb bedarf und fordert, um nicht innerlich zu verbluten, kraftlo- zu wer­ben und einer verwirrenden und verwüstenden allgemeinen Recoluiion zu ver­fallen. Soweit diese Bedürfnisse und Forderungen auch von den R'htllsteri au-gedrückt werdei, mögen sie aus den Ezaren wirken, aber eben nur darum, we l er weiß, daß in dieser Beschränkung clle wohlgesinnten, gebildeten Ele­mente Rußland- mit ihnen einverstanden find, wenn auch nicht mit der abfcheu- lichen Form der nihilistischen Action. E- ist ja nur zu bikannk, daß leit Jahren immer lauter und lauter in der russischen Prefie, und wo immer die Volk-meinung sich geltend machen konnte, der Wunsch einen lebhaften Au-drvck gefunden hat, daß Rußland endlich durch die Verleihung einer Derfaffurg in die Reihe der Staaten eingestellt n erden möge, in denen ein civll'firte- Recht und die fick frei geltend machenden Volk-bedürsniffe die Grundlage der Ler» waltung und der Gesetzgebung bilden. Und trotz de- harträckigen Wideistan- der autokratischen Anschauungen AlexanberS IL hat selbst dieser flch ent­schließen müffen, jenem Wunscke eine Art von Befriedigung zu schaffen In den Provinzialinstitutionsn, jenen Lanbschafisverlretungen, die freilich, well fle eben nur brn Schein und nicht da-Wesen von Landi-vertreiungen besitzen sollten, sehr bald kläglich Sch ffbruch litten ur.d in arg«n Mtßcredir gekommen find. Diese Vertretungen selbst toben oft genug tie innerl'che Lüge ihre- Dasein- au-ge- sprachen ur.d b.klagt und dringend ihre St mme erhoben sür d-e Herbeifühiung einer wahren Lanbesveriretung und für die Abschaffung ter oft empörenden Willkür in Verwaltung und Justiz und der da- Land schmählich beraubenden Unehrlichkeit de- Beamtenapparates. Mit ihnen hat die einigermaßen freie Presse der Hauptstädte in diesem Sinne gesprochen, und e- ist somit zLetsel- lo-, daß d'e Reform de- System- dringendes Bedürsn ß und entschiedenes verlangen de- rusfi'chen Volke- ist. Der jetzige Kaiser selbst hat al- Thror- folger die- anerkannt, indem er sich vielfach mit den reformatorischen Bestre bungen liirte und in persönlicher Verbindung zu ihren hervorragendsten Ver- tretem stand.

Kann man nun glauben, daß nach ollem Diesen und nach den furchtbaren Erfahrungen, die in den letzten Jahren gemocht worden sind, und die unmög- lich gewesen wären, wenn der Nihil'-mus nicht wenigsten- eine zulaffende Un­terstützung im Vo'ke gefunden hätte, Alexander III. in der alten Weise fort» wirthichaften werde? Die Augen de- gelammten Vclkes find Hoffnung-- leuchtend auf ihn gerichtet, und wenn er sich nicht wrnlgsten.s bemüht, die mäßigsten Hoffnungen, die auf ihn gesetzt werden, zu entsprechen, wa- wird bann die goLe s in - Kann man an eine andere denken, cls doß die jetzt stumpfe Apathie de- Volke- zur wilden Verzweiflung gelangen und in derselben sich m die brutal - gewältthä'ige Methode de- Nihili-mu- allgemeiner stürzen trerbe 3 Da- st der Zwang, ber, wenn seine eigenen Gesinnungen ihn nicht dahin führten, den Ezaren zur Resormarbrit treiben müßte, der Zwang, der sich in der Eirculardepe^che au-ipr^cht und da- er glaubhaft macht, wa- barln versichert wird, daß Rußland rorerst eine vernickelnde äußere Politik vermeiden wolle.

Feutschland.

Darmstadt, 19. März. Da- Großherzogliche Regierungsblatt (Bei- läge Rr. 6) -mhält:

1. Verzeichniß der Vorlesungen, Uebungen und Praktika, welche im Sommer-Semester 1881 in den fünf Frchabtheilungen der Grobherzoglichen technischen Hochschule zu Darmstadt geholten werden.

2. Uebersicht der für das Jahr 1881/82 von Großherzogltchem Ministe. rium des Innern und der Justiz genehmigten Umlagen zur Bestreitung von Eommunal - Bedürfniffen in den Gemeinde i de- Kreise- Dieburg.

3. Uebersicht der für das Jahr 1881 von Großherzoglichem Ministerium des Innern und der Justiz genehmigten Umlagen zur Bestreitung der Be» dürfniffe in den israelitischen Relig or s Gemeinden des Kreises Bensheim.

4. Namensveränderungen.

5. Dienstnachrichte^. Se. König!. Hoheit der Großherzog haben aller- gnäkirst geruht: cm 12. Febr. dem zweiten evang. Pfarrer Kail Sigismund Müller zu WormS die erste evang. Psarrstelle zu Worms zu übertragen ; am