-rr. 294. Erstes Blatt. Sonntag den 18. December 1891.
Aietzener ^Anzeiger
Allikizr- uub Amtsblatt für bcn firtig Gießra.
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Purrau r Schulstraße U. 18. «tMkuiI täglich mit Ausnahme des Montags. £ur4 bie Post bezogen vierteljährlich 2 Mart 50 Pf.
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Gießener Anzeiger,
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©er „Gießener Anzeiger" erscheint, wie gewodnt, täglich, mit AuSnabme der Tage nach Sonn- und Feiertaqen, md. der Beilage JSkfttntt Samilienblätter", welche dreimal wöchentlich dem Anzeiger beigelegt werden
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©en seitherigen Abonnenten in der Stadt Gießen werden wir, wenn vorher keine ausdrückliche Abbestellung erfolgt, den Anzeiger auch im I. Quartal 1882 zusenden und den Abonnementsbetrag durch Quittung erheben lasten.
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1t.fr rn ,» Dt< »tpcDitwn.
Amtlicher H y e i l.
Gefundene O e g c n st ä n d e :
1 Messer, 2 Portemonnaie s mit Inhalt, mehrere Scv uffei.
Gießen, den 17. December 1881. Großherzogliche Polizetverwaltunq Gießen.
FreseniuS.__
Telegraphische Depeschen.
EVolst's rtUflt (Korrespondenz' Bureau.
Berlin, 16.December- Reichstag. (Anstatt bes ausführlicheren Referats über die heutige RcichStagSsitzung bitten wir unsere L.ser, sich heute mit einem kurzen Aus- ,ug brenflgtn zu trollen. D. Red ) Farlf-gung der B-rdihung derientgm E'a-rcheüe, welche an die Budget Kommission oeiwiesen waren. Der Reichstag beschloß die Em- n ahme posten von 26,00U JL für den Leikaus etneS The'leS der Trierer Palos kaierne zu streichln und die für die Errichtung einer Unterofficiei Vorschule tn Reu Breisach geforderten Posten abzulehnen. Für die Bewilligung der lttzleren waren der RnegS- min.ster aus militärische«, Tie.tschke und Mol.ke auspol'ti chen und, nationaten Gründen lebhaft eingelreien. Beim Poft-Etat w.id für bie Herstellung ''neS Trenft- gcdäudcs m (Srifuxt die geforderte Baurate abgelehnt, die für cm neues ®le",t6<bäu?e in Vübccf geforderte Baurate, deren Ablehnung die Commission beantragt hotte, wurde von dem Haufe bewilligt- Beim Etat der Zolle und' Derbrouchsueuern entsteht eine längere Auseinandersetzung über den Wenh der WiNhschastspolMk zwischen dem Adg. Bamberger und dem Adg Lcuschner, Minister Bötticher und dem Bundescommisfor Burchard
Nächste Sitzung morgen. .
Berlin, 16. December. Der „Germania* zufolge brachte soeben der Aba. Wu.dthorst, unterstützt von den Mitgliedern des Lentrume, den Polen und Llfäffern einen Antrag ein, betr. die Aushebung deS Gesetzes über ttcjßm Hinderung der unbefugten Ausübung cor. Kirchenämtern vom 4. Junt lv".
Der Reichs Anz.* pubheirt eine Bikanntmachung deS Finanzmint- fteis Bitter über den Zollanschluß der Unttt'Slbe mit einem Regulativ berr. btt zollamtliche Behandlung der Waaren-Eln., Aus und Durchfuhr auf dem dem deutschen Zollgebiete angehöngen Theile der Untei-Elbe.
— Das Militär-Wochenbl." veiöffentUcht die Ernennung des Eomman- dant.n von Berlin, Generals o. Berken, zum Lommanteur der 29. Dwifion, unb des Generals v. Winterfeld zum Kommandantin von Berlin.
— Die erste Liraskar>mer de« Sandgerichis returiheelte den früheren Redaiteur der Ostend Zeitung", Hemmet, und ben Buchdruckeretbefixer Ruppel wegen Beleidigui g des Magistrale, der Siabiverordneten und beS Llablfyn- dckis Sberin anläßlich der bekannten Lollfus'schin Sement ilffatre, Wer«8« 200 JL, Letzteren zu 400 JL Geldbuße, eventuell zu entsprechender Gesäng- E^zgraunschweig, 16. December. Der Landtag ist heute vom Staats- Minister Schulz >m Namen d.S Herzogs m,t einer Siebe eröffnet worden, welche die Finanzlage des Landes als b-friedlgenb bezeichne! unv versch,ebene Vorlagen, darunter eine wegen des Neubaues der Bibliotdek in Wolsenbullel unb eine anbere wegen Srrichiung eine« neuen Gebäude- für bas Kunstmuseum in Braunschweig, ankündigt. t
Paris, 16. December. Die Session des Lenats und der Deputaten, kammer ist heute ohne bemerienswerlhen Zwischenfall geschloffen worden.
— Der PoUzeipräfekl hat bis zur Ausführung der tm Zatereffe der öffentlichen Sicherheit für nothwendig erachteten Aenderunzen dem Publikum den Eintritt in das Theater Dejazet untersagt; wie verlautet, stehen die nam- lichen Maßregeln in Bezug auf die Theater Palais Royal
unb Zolles brarnatiqueS bevor. Für die bei dem Theaterbranb in Wien Verunglückten und deren Hinterbliebenen hat der Muntcipalrath 5000 Frcs- »otirt ^ie piefigen Journale wissen wollen, wird der Ministerresident Roustan nicht nach Tunis zurückkehren, sondern für einen anderen wiLtigen Posten ernannt weiden; es find demselben zahlreiche Telegramme und Zu-
schristen ^gegangen, tn denen ihm die Sympathie der Absender auSgedrückt wird. Der mpS" sa,t, die öffentliche Meinung werde daS Vetdickt der Freifprichung Rochefort'- nicht ratifiziren und weist im Uebrigen auf die eigenen Erklärungen von Rochefort - Anwalt darauf hm, daß das Verdickt nicht eine Verurtheilung der Expedition nach Tunis oder einen Tadel der Regierung bedeute sondern einfach au-spreche, daß Rochefort bei feinen Angriffen gegen Roustan im guten Glauben gehandelt habe.
— ES bestätigt sich, daß der neue KriegSminister Lampenon die Militärdienstzeit von 40 Monaten, welche der Krteg-mmtster Farre an Stelle M 5jähr gen Militärdienstes eingeführt hatte, wieder beseitigt.
— Nach einer dem hiesigen peruanischen Gesandten, Roffa, aus Lima zugegongenenen Depesche hat sich Pterola nach Europa eingeschrfft.
— Au- Turn- wird von einem heftigen Sturme gemeldet, der die Tele- grapben zerstörte und die Zelte umwarf. In Medjez el Bab wurden durch den Umsturz ei er Mauer 5 Soldaten getödtet und 7 verwundet.
— In spanischen Journalen wird behauptet, daß 45,000 arabische Familien au- Algier r.rch Marokko au-gewandert feien.
Aufruf zur Mitwirkung am Arbeiterwohl.
Die jüngsten Wahlen zum deutschen Reichstage haben die Zahl der fortab demokratischen Abgeordneten n cht unerheblich vermehrt und die Bedeutung der socialen Fragen für unser öffentliches Leden von Neuem in'S 2id)t gestellt Je mehr die Weltlage eme FoNdouer des AriedenS nach Außen zu verbürgen scheint, um so heftiger sind nunmehr die inneren Äänwfe um die Verfassung deS Volkswoblftandes entbrannt. Die Ansichten über die Zoll« und Steuergesetzgebung, über Oewerbefteihett unb Frei- zügigkert unb rnsdesonbere über bie Mtttet unb Wege zur Föiberung beS Arbetter- wobletz stehen sich schroffer als je gegenüber. Daburch wird bie Unsicherheit über die ganze R chkung der mnrren Politik und über die nächsten Schritte auf sortal-pol.ttschem <8tbitte DCTlänprt und bie Lage der Arbeiterbevölkerung nicht verbessert. ÄngesichtS bieser Thatfachen gilt es jctzt mehr wie jemals, alle Kräfte um einen neutralen Mittelpunkt zu iatnmdn, welcher bie Arbeiterfrage nickt vom politischen, sondern vom allgemein menschlichen Standpunki behandelt und versöhnend auf alle bethetligten Kreise zu wirken sucht.
Der Centraloerein für das Wohl der arbeitenden Classen hat sich seit seiner im Iabre 1844 erfolgten Begründung als ein Sammelpunkt für bie Bemühungen in ber ang-bruteten R cktung er liefen unb die Ardeiteroerhalmiffe cheils durch Anregung positiver Hilssmoßregeln, theils durch Mittheilung anderwärts bestehender Einrichtungen und gemachter Erfahrungen zu verbessern gesucht-
Als ein Hauptmittel mr Erreichung dieser Zwecke dienen die uteranfchen Unternehmungen des Cennal- Vereins: Der alljährlich tn sechs Heften herausgegebene „Arbeiterfreund" unb bie seit April 1877 wöchentlich erscheinende „Soctal- CorrespondenzE . ,p u . . . . .,
Die .Social Eorresponbenz- will bie ErkermMitz ber socialen Dinge unb bie praktischen Hilfsmittel zur Förderung bes Arbeiterwohles verbreiten helfen. »Lie will der deuftchen Preffe einen bescheidenen Hiftsdienst leisten, indem sie, fern von einer bestimmten politudoen oder kirchl cken Parttisiellung, sich mit einer einzelnen besonders brennrndni Stile bis mobernen ®eüllf(i>aftsleben§ specielltt beschaffigl, -ls bietz gewöhnlich zu geschehen vstegl. S'e bat fern abgeichlbssmes Programm ausgestellt und liefert auch ferne fertigen Universalrecevte jur Heilung ber oaalenUebelftänbe, sondern sucht vor 'lllem Gufflcrenb und versöhnend zu wirken, indem sie das Erwerbsleben des Inlandes unb Auslandes sorgsam beobachtet unb sich unter Berücksichtigung ber wissenschaftlichen Lehren und praktischen Erfahrungen einer objektiven Berichterstattung über bie Ursachen und Wirkungen ber socialen Erscheinungen befleißigt. Sie gestattet ausdrücklich ben Abbruck ihrer Artikel ohne Quellen-Angabe, weck sie nur Gemeinnütziges bezweckt und dadurch ihre Ideen leichter verbreiten zu können glaubt. Sie bittet bie Leser, das Unternehmen nicht nach rtniaen Aufsätzen unb Nummern, fonbern nach dem Inhalte eines Vierteljahrs- oder Jahres-Heftes zu beurteilen unb


