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nachgegeben, so würde nicht nur die Einnahme aus Holz schwinden, sondern es würde auch der Ertrag aus Gras, welches im Schutz der Weidenpflanzungen gedeiht und ohne dieselben nicht aufkommt, wesentlich geringer werden. Der Ertrag der Flscherei während der kommenden Finanzperiode ist auf jährlich 12 000 JL veranschlagt. Es wirb dazu bemerkt, daß zwar in jüngster Zeit in Folge des Fts chereigesetzes mehr­fach Pachtverträge für Fischereien gekündet worden sind und bei versuchter Neu­versteigerung bedeutend geringere Gebote eingelegt wurden, daß aoer zu erwarten steht, daß demnächst höhere Erlöse aus den Fischereien erzielt werden, wenn das neue Gesetz in volle Wirksamkeit getreten sein wird. Es ist deßhalb die Absicht, mit der Ver­pachtung der frei gewordenen Fischereiloose, für welche zu niedrige Gebote eingelegt wurden, vorerst einzuhalten. '

Berlin, 15. Oktober. DieNordd. Allg. Ztq." erklärt, das von Jörg in den historisch-politischen Blättern dem Reichskanzler untergeschobene Wort an den Kultusminister v. Pultkamer: Schaffen Sie mir den Cultur- kampf vom Halse, sei vollständig aus der Luft gegriffen und einer Dementi' rung gar nicht werth.

In Folge orkanartigen Sturmes in gestriger Nacht stad sehr viele oberirdische Leitungen gestört. Mit sämmtlichen wichtigeren Plätzen Deutsch, lands besteht jedoch durch dle unterirdischen Kabel Verbindung, mit Ausnahme von München. (In Bayern bestehen keine unterirdischen Leitungen). Von außerdeutschen großen Plätzen ist Paris, Wien, Prag, Warschau und Riga zu erreichen, London nicht.

Bonn, 15. Oktober. Dem Grneral-Feldmarschall Herwarth von Bit- tenscld wurde aus Anlaß seines 70jährigen Dienstjubtläums gestern Abend vom hiesigen Kriegerveretn ein Fackelzug dargebracht.

Leipzig, 15. Oktober. Hochvcrrathsproceß gegen Breuder und Ge- i «offen. In der heutigen Verhandlung des Reichsgerichts wurde die Beweis­aufnahme zu Ende geführt. Von den Aussagen der weiter vernommenen Zeugm waren namentlich diejenigen mehrerer Unteciuchungsgefangener, welche sich mit den Angeklagten gemeinschaftlich in der Untersuchungshaft befanden, belastend. Die erwähnten Zeugen bekundeten, daß die Angeklagten ihnen com- promttttrende Mitthetlungen gemacht hätten. Die Angeklagten leugneten und behaupteten, daß jene Zeugen bestochen worden seien. Am Montag beginnen die Plaidoyers.

Karlsruhe, 15. Oktober. Die Generalsynode hat in dec heutigen Sitzung mit 39 gegen 17 Stimmen das Gesetz, betr. die Pfacrwahl, ange­nommen, in welchem festgesetzt wird, daß bei mangelnder Bewerbung der Groß­herzog die Stelle besetzt und daß von den jährlich verfügbaren Wahl-Pfarreien der Großherzog 5 derselben auf 6 Jahre besetzen kann, nach deren Ablauf Besetzung durch Wahl auf 10 Jahre stattfinden soll. In threr gestrigen Abend- sitzung hatte die Generalsynode den von der Minorität auf Alternirung ge­stellten Antrag abgel-hnt.

Baden-Baden, 15. Oktober. Se. Maj. der Kaiser empfing heute den Statthalter Feldmarschall v. Manteuffel aus Straßburg in Audienz.

Hamburg, 15. Oktober. In Folge heftigen Sturmes und eingetre­tener Sturmfluth sind die in der Nähe des HafenS uns an den Fleeten bele- genen Straßen überschwemmt, die Paffage ist vielfach gehemmt und viele Keller stehen voll Waffer. Der Schaden ist erheblich. Verluste an Menschenleben sind bis jetzt nicht zu beklagen.

Bremen, 15. Oktober. Die Rettungsstation Cuxhaven der deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger meldet: Am 15. Oktober von der deutschen TjalkMartha", Capttän Siemers, mit Petroleum von Bremen nach Hamburg bestimmt, bet Duhnen gestrandet, 2 Personen gerettet durch das RettungsbootErnst Merck" der Station Duhnen. Das Schiff unter Waffer.

Die Rettungsstation Spiekeroog meldet: Am 15. Oktober von der deut­schen KuffFrau Gretje", Capttän Büschen, gestrandet an der Südseite von Spiekeroog, mit Roggen von Leer nach Mariensiel bestimmt; 2 Personen ge­rettet durch das RettungsbootAurich" der Station Spiekeroog; Sturm aus NW. mit Regen und Hagel, Boot 6 Stunden unterwegs.

Der Lootsen-Commandeur Gräfenhain aus Enden meldet: In der Nacht vom 14. zum 15. Oktober ist der königliche Dampfbagger unterhalb der Emder Rhede gesunken. 6 Mann ertrunken, 2 Mann durch das Rettungs­boot der Station Nefferland gerettet.

Der Lootsen-Commandeur v. Krohn in Wilhelmshaven meldet: Das RettungsbootBonn" der Station Wilhelmshaven rettete 14 Personen von den Oberahn'schen Feldern; 7 Personen sind die letzte Nrcht ertrunken. Sturm aus NW.

Die Rettungsstation Horumersiel meldet: Am 15. Oktober von der deutschen TjalkTina Margarethe", Capttän Reemts, gestrandet auf Horu- mersieler Rhede, leer von Horumersiel nach dem Ems-Kanal bestimmt; 2 Per­sonen gerettet durch daS RettungsbootVegesack" der Station Horumersiel. Sturm aus W. mit Hagel. Boot 6 Stunden unterwegs.

Straßburg, 15. Oktober. Der Statthalter, General-F-ldmarschall v. Manteuffel, hat sich heute Vormittag, vom Oberst v. Strantz und von dem Chef deS Generalstabs des 15. Armee-Corps, Obeist v. Winterfeld, begleitet, zu Sr. Maj. dem Kaiser nach Baden-Baden begeben und kehrt von dort heute Abend wieder hierher zurück.

Arankreich.

Paris, 15. Oktober. DieAgence Havas" veröffentlicht eine Mit- thetlung, in welcher wiederholt erklärt wirb, daß der französische Botschafter in Berlin, Gras de Saint Ballier, nicht die Absicht habe, gegenwärtig seine Entlaffung zu nehmen.

England.

London, 15. Oktober. Oie Agitation in Irland tst im Zunehmen. Versammlungen der Landliga in Dublin, Limerick und anderen Städten erklär­ten, sie würden keine Pacht zahlen, so lange Parnell verhaftet sei.

Gestern wüthete rin fürchterlicher Sturm in ganz England. Der­selbe verursachte enormen Schaden und eine Menge Schiffbrüche an der Küste. Viele Personen wurden theils getödtet, thetls verletzt, die Telegrapdenleitungen größtentheils zerstört. Der Verkehr mit den Provinzen und dem Auslande tst thetlwetse unterbrochen.

Dublin, 14. Oktober. Sexton, Deputtrter der Grafschaft Sligo, und Quinn, Secrrtär der Landliga, sind heute Nachmittag verhaftet worden. Man erwartet noch weitere Verh ftung-n.

Dublin, 15. Oktober. Die offizielle Zeitung veröffentlichte gestern Abend eine Proklamation, in welcher jede Form der Einschüchterung, sei es um Entrichtung des - Pachtge ldes zu verhindern, >ei es um Unterthancn der Königin zu nöthigen, sich der

Landliga anzuschließen, sei es um Jemand zu hindern, etwas zu thun, wozu er gesetz­lich berechtigt ist, für eine ungesetzliche und verbrecherische Handlung erk.ärt und jede Person, welche sich solcher Handlungen schuldig machen sollte, mit Verhaftung und Gefängniß bedrobt wird. John Dillon, Mitglied des Parlam.-nts, ift heule Nach­mittag 4 Uhr verhaftet und nach dem Gefängniß von Kilmainham abgeführt worden. Der Deputirte für Rosrornmo». O'Kelly, und der Redacteur des JournalsUnited Jrishmen", Ovrien, sind ebenfalls verhaftet worden. Verhaftungsbefehle sind ferner gegen den Deputirten für Queens County, Arthur O'Connoe, und gegen den Depa- Nrten für Wexford, Healy, erlassen worden. Letzterer ift jedoch rechtzeitig von seinen Freunden gewarnt worden und hat feine Reife nach Dublin nicht fortgesetzt.

Italien.

Rom, 15. Oktober. I n Laufe des gestrigen Tages besuchten etwa 1000 Pilger gruppenweise ba§ Grab Pias IX. unb legten daselbst prachtvolle Kränze nieder. Eine Unordnung ist nirgends vorgrkommen. Die antiklerikalen Kreise haben den Anordnungen der Behörde Folge geleistet und die Legung des Grundsteins für das Denkmal Gioroano Bruno's auf einen geeigneteren Zeitpunkt verschoben.

Men.

Bombay, 15. Oktbr. Telegramm desReuter'schen Bureaus: AuS Mesh-d hier eingegangenen Nachrichten zufolge ist H-rat von den von Turke, stan her vorrückenden Truppen des Emir besetzt worden. Das Gros der eng- lisch-n Armee in Süd-Afghanistan Hit sich zurückgezogen; nur eine Brigade ist in Quetta geblieben.

Afrika.

Konstantine, 14. Oktober. In dem Bezirke von Ain Mltlah sind durch eine Wafferhose große Verwüstungen angerichtet worden; gegen 65 Per­sonen sind dabei um's Leben gekommen.

Amerika.

New-N^rk, 15. Oktober. Nachrichten auS Peru zufolge haben die dem Expräsidenten Pierola treu gebliebenen Truppen nunmehr den Präsidenten Culderon anerkannt. Man glaubt, daß diese Thatsache die Anerkennung Sil» deron's auch von Seiten derjenigen Regierungen zur Folge haben wird, die dieselbe bisher verweigerten und daß auch die Friedensvrrhandlungen zwischen Chili und Peru nunmehr eröffnet werden körnen.

Washington, 15. Oktober. Guftem wurde gestern dem Gericht unter der Anklage der Ermordung Garfields vorgeführt. Der Angeklagte bekannte sich nicht schuldig. Der Gerichtshof bewilligte auf Antrag des Ver- theidigess Vertagung der Verhandlung, welche auf den 7. November anbe­raumt wurde.

Washington, 15. Oktober. Der deutsche Gesandte v. Schlözer ist von dem ^Präsidenten Arthur in Audienz empfangen worden und drückte demselben das Beileid des deutschen Kaisers, des Kronprinzen und des Fürsten Bismarck anläßlich des Todes des Präsidenten Garfield aus. Die französischen und die deutschen Gäste, welche zur Theilnahme an den Festlichkeiten in Aorktown hier eingetroffen sind, wurden gestern auf dem Capitole von dem Präsidenten Arthur und Richtern des obersten Gerichtshofs und bürgerlichen und militärischen Notabilitäten empfangen und begaben sich darauf zu dem Senat, welcher seine Sitzung suspendirte. Später fand das zu Ehren bnr Familie Steucen veranstaltete Diner statt. Am Abend waren die Häuser der Stadt festlich illuminirt.

Telegraphische Depeschen.

Wolff'S telegr Korrespondenz-Bureau.

Baden-Baden, 16. Oktober. Se. Maj der Kaiser speiste gestern und heute nut Ihrer Maj. der Kaiserin allem. Ueber die Abreise deS Krise:- von hier sind noch keine Bestimmungen getroffen.

Karlsruhe, 16. Oktober. Die hiesige Kunst- und Kunstgewerbe-Aus- stellung wurde heute von dem Erbgroßherzog geschloffen.

Wien, 16. Oktober. Der Statthalter von Mähren, Frhr. v. Korb- Weidenheim, ist gestern in Brünn während der Theatervorstellung, der er bei­wohnte, in Folge eines Herzschlages gestorben.

Zara, 16. Oktober. Die Landwehr-Affentirung ist in 14 Gemeinden des Bezirks Cattaro ohne Schwierigkeiten durchgeführt.

Madrid, 16. Oktober. Die parlamentarische G.mppe der ehemaligen Republikaner, darunter der frühere Minister Becerra und mehrere andere her­vorragende Persönlichkeiten cu8 der Revolutionszeit, haben erklärt, die liberale Monarchie anzunehmen.

Lokales.

Gießen, 17. Oktober. Herr Dr. Gutfleisch sprach gestern Mittag in Nidda im Gasthofezur Traube" zu den Wählern. Um 3 Uhr wurde die sehr zahlreiche be­suchte Versammlung durch Herrn Kaufmann I. Jost mit kurzen einleitenden Worten eröffnet und sodann Herr Stadtrerner Mantel zum Vorsitzender erwählt. Dieser ertheilte hierauf Herrn Dr. Gut fleisch das Wort zum Vortrage. In bewährter glänzender Weise entwickelte Redner fein Programm, den allseitigsten Beifall erntend. Die Versammlung sprach sich mit der Candidatur Guts lei sch einverstanden und trennte sich mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf unfern Heldenkaiser. Abend- vereinigte sich wiederum eine zahlreiche Versamm ung in Lick im Saale des Herrn Glöckner. Herr Bürgermeister Walz eröffnete die Versammlung und sprach auch hier Herr Dr. Gutfleisch unter dem lebhaftesten Beifall der Zuhörer. Ein eigen; thümlicher Zufall (?) wollte es, daß gestern Mittag zu gleicher Zeit, wo Herr Dr. Gut- sletsch in Nidda sprach, ebendaselbst in derLudwigshalle" eine Vertrauensmänner- Versammlung für die Eandidatur des Freiherrn von Rabenau tagte. Freiherr von Rabenau wohnte dieser Versammlung bei. Was verhandelt wurde, entzieht sich unserer Wahrnehmung. Interessant war es, zu seben, wie die beiden Hernn Candidalen in gemeinschaftlichem Coupee von Gießen nach Nidda reisten.

Der am Samstag inhastirte Hausbmsche eines hiesigen Bäckers hat bei seinem Dienstherrn Unterschlagungen im Betrage von ca. 100 JL verübt.

In der Nacht vom Samstag >um Sonntag wurden eine große Anzahl Wahl­aufrufe der socialdemokratlschen Partei in der Stadt oertbeilt. Man sand dieselben am Morgen in den Hausfluren und zwischen Hausthüren vor.

Ein Bauersmann, welcher gestern Mittag em Pferd zur Stadt bringen wollte, wurde von diesem so erheblich in's Gesicht getreten, daß er in die Klinik ver­bracht werden mußte.

Vermischte-.

Krofdorf, 17. Oktober Ein der Brandstiftung verdächtiger Bursche ist am Samstng in Wetzlar verhofret worden. Derselbe ist rin geborener Krosdorfer, treibt sich aber scbon längere Zeit außerhalb Krofdorf vagabundire-.d herum. Er ist nach Wetzlar gekommen und har gesagt in Krofdorf brenne es bei Dem und Dem. Da er der Polizei verdächtig vorkam, wurde er sofort festgenommen. Das F?uer war in nächster Nähe von der Eltern- Wohnung des Burschen ausgebrochen Wahrscheinlich sollten diese dadurch auch beschädigt werden.

Witten, 9. Oktober. Ein Diebstahl, der unter Umständen sehr verhängnißvoll werden dürfte, ist hier vor einigen Tagen verübt worden. Der königl. AmtSanwalt macht nämlich Folgendes bekannt:Dem Kaufmann Wilhelm Hummrich ist aus dem Hausflur eine Seite

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