Befinden des Präsidenten der Vereinigten Staaten ist noch immer schwankend. Der Transport des Schwerkranken von Washington nach dem Seebade Long'Branch hatte, wenn auch nicht gerade schädlich, so doch immer» hin einigermaßen aufregend gewirkt. Die Aerzte geben sich jedoch der Hoffnung hin, daß der Patient wieder genesen wird.
Sidi Scheikh.
.Oberst Negrier hat das Grabmal des Sidi Scheikh zerstören lassen", meldete der Telegraph. In Europa erregt diese Nachricht höchstens Verwunderung darüber, datz der Telegraph sich mit solchen unbedeutenden Vorkommnissen abgibt. Anders drüben tn der France africaine. Mit Schrecken vernehmen die kaum beruhigten Colonisten, daß wieder eine jener verhängnißvollen Dummheiten begangen worden, die schlimmer sind als Verbrechen. Durch die arabischen Duars aber fliegt mit Blitzesschnelle die Kunde von der begangenen Frevelthat, und wenn auch nicht momentan ein allgemeine Erhebung erfolgen wird, werden doch bald einzelne Mordthaten Zeugniß davon ablegen, daß der Araber die dem verehrten Heiligen angethane Unbill zu rächen sucht.
Sidi Scheikh ist keiner vvn den gemeinen Heiligen, wie sie der Islam nach Hunderten zählt. Deren Verehrung reicht nicht über einen Duar oder höchstens einen Stamm hinaus; Sidi Scheikh nimmt einen hohen Rang in der himmlischen Hierarchie ein und steht wenigstens im Westen nur einem nach, dem großen Sidi Abd-el-Kader el Djilane. Wie dieser ist er ein Rhut, ein Erlöser, der vor seinem Tode eine unendliche Anzahl von Sünden und Uebeln auf sich genommen und gesühnt hat, wie dieser ist er zwar leiblich gestorben, weilt aber noch auf der Erde U"d ist stets bereit, denen, die ihn anrufen, helfend zu erscheinen. Wunder tbun beide noch alle Tage in der handgreiflichsten Weise, jeder Araber kann davon erzählen. Darum sieht man auch überall Kubbah's oder wie der Franzose sie zu nennen pflegt, Marabuts, kleine Kapellen, die einem dieser beiden Heiligen zu Ehren errichtet sind. Man kennt sie schon von Weitem an ihrem blendend weißen Kalkanstrich, der sorgsam alljährlich erneut wird.
Im Thal, im bebauten Lande bat el Djilani entschieden das Uebergewicht über seinen Eollegen und Namensvetter; seine Kubvahs sind zahllos und der aufmeiksame Reisende wird stets an ihn erinnert, denn jeder Bettler spricht ihn an im Namen des großen Abd-el-Kader und wenn er mit feinem Maulthiertreiber an einer Kubbah vorbeikommt, wird der Araber nie unterlaßen, in näselndem Tone halb singend hinüber zu rufen: „Sidi Abd-el-Kader, ich grüße Dich." — Auf dem Hochplateau dagegen und in der Sahara ist Sidi Scheikh Herr, er ist der Saharaheilige par excellence uod der mächtigste und unbändigste Stamm der Wüste nennt sich nach ihm Uled Sidi Scheikh, die Kinder des Sidi Scheikh.
Der Name, unter dem der Heilige allgemein verehrt wird, ist übrigens nur ein Beiname, eigentlich hieß er auch Abd-el-Kader und war der Abkömmling einer Familie von Marabuts, also schon von Kind auf zum Heiligen und Wunderthäter prädestinirt. Bei den Arabern erben nämlich derlei Gaben fort; eheloses Leben gehört durchaus nicht zur Heiligkeit und jeder Marabut hat, wie die Franzosen sagen, wenigstens eine Madame Marabut.
Der junge Abd-el-Kader — er lebte erst im siebzehnten Jahrhundert und ist somit ein Heiliger neuesten Datums — zeigte sich 'auch bald als ein würdiger Nachkomme seiner heiligen Vorfahren und wirkte so zahlreiche Wunder, daß sein Name in ganz Afrika bekannt wurde und fromme Pilger von allen Seiten nach seinem Ksar — festem Dorfe — wanderten. Zu seiner Ehre sei es gesagt, daß er feinen Einfluß hauptsächlich dazu verwandte, Frieden unter den Arabern zu stiften und den ewigen Fehden zu steuern. Heiligkeit ist bei den Arabern wie anderswo ein höchst einträgliches Handwerk, denn zu einem Heiligen darf Niemand mit leeren Händen kommen und die Wirksamkeit einer Fürbitte richtet sich ganz entschieden nach den dargebrachten Geschenken. Darum wurde Abd-el-Kader auch bald reich und mächtig; aber er verwandte feine Reichtbümer zu Almosen und zum Bewirthen feiner Verehrer. Seine Kinder waren damit nicht ganz einverstanden und das fiel dem Heiligen schwer aufs Herz. Seine Verehrer hatten natürlich auch eine jener Bruderschaften, Sania, gegründet, wie der Islam so viele zählt, deren Glieder einen bestimmten Heiligen besonders verehren und ihn und seine Nachfolger durch regelmäßige Gaben erhalten. Diese Bruderschaften sind ungemein einflußreich und auch in politischer Beziehung von nicht zu unterschätzender Wichtigkeit; die Summen, welche sie dcm Gegenstand ihrer Verehrung zur Verfügung stellen, sind oft sehr beträchtlich. Abd-el-Kader dachte mit Betrübniß daran, daß feine Kinder dieselben wohl nicht in Gott wohlgefälliger Weise verwenden würden und sann auf Mittel, wie er dem abhelfen könne. Nun hatte er in feinem Haufe eine Anzahl Negersklaven aus dem Süden, wie man sie in allen Dörfern der Sahara findet und diese zeichneten sich so sehr durch frommen Wandel und eifriges Beten aus, daß der Heilige ihnen die Bewachung seines Grabes und die Verwaltung der eingehenden Gelder übertrug. Noch heute ist die Kubbah von El Abiad in den Händen der Nachkommen jener Neger, aber der Heilige ist aus dem Regen in die Traufe gekommen und feine Nachfolger leben in Prunk und Ueppigkeit und lassen die armen Pilger darben.
Als Abd-el-Kader am Sterben lag, befahl er, daß man feinen Leichnam auf fein Maulthier binde und dieses dann gehen lasse, wie cs wolle; wo es zum ersten Mal stehen bleibe, solle man die vorgeschriebcnen Waschungen an feinem Körper vollziehen; wo es zum zweiten Male anhalte, wolle er begraben fein. Das Maulthier
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ganz vvn den Nomaden gesäubert ist.
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Dienstag den 27. September 1881, Vormittags 10 Uhr, will die Unterzeichnete nachstehende Gegenstände einer öffentlichen Versteigerung an den Meistbietenden ausfetzen lassen:
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Darin liegt die Gefahr für die Franzosen. Ohne ein Wunder wird es freilich den Arabern schwer gelingen, die Fremden zu vertreiben, denn ohne Artillerie lassen sich bte testen Städte nicht nehmen. Wohl können die zablreichen zerstreuten Colonisten- dorfer ein ähnliches Schicksal erleiden, wie die spanischen Eolonistendörfer, aber der endliche Erfolg jedes Aufstandes der Araber wird doch der fein, daß wieder ein paar Stämme ihrer besten Ländereien beraubt und diese den Colonisten übergeben werden bis endlich das Thal ganz von den Nomaden gesäubert ist.
Mniani feasfe 'äÄ _ar| Hense
Carl lleiimlli
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blieb bei El Abiad zum zweiten Male stehen und bort errichtete man eine große Kubbah, dieselbe, welche die Franzosen nun zerstört haben
Der Heilige that natürlich auch nach seinem Tode noch immer Wunder und tbut sie noch heute; auch den Namen Sidi Scheikh erhielt er in Folge erneS Wunders das genauer erzählt zu werden verdient. Eine Frau aus El Abiad hatte ihr kleines Kind in den tiefen Brunnen fallen lasten und schrie verzweiflungsvoll: Abd-el-Kader, zur Hülfe! Der Heilige kam auch sofort, und zwar auf dem nächsten Wege, die Erde spaltend birect aus seinem Grabe in den Biunnen, fing das Kind auf, ehe es den Wasserspiegel berührte und brachte c5 unbeschädigt seiner Mutter. Ehe diese ihm aber ihren Dank abftatten konnte, erschien noch ein anderer Acteur auf dem Schauplatz. In seinem Grabe bei Bagdad int fernen Mesopotamien batte nämlich auch Abd-el-Kader el Djilani den verzweifelten Hülfruf der Mutter gehört und war zur Hülfe geeilt; er erschien aber natürlich trotz aller Geschwindigkett etwas später als fet". Namensvetter, der ja in der Nähe war, und fand nichts mehr zu thun. * * ' '
einigermaßen, und um ähnliche Verwechselungen vorzubeugen, verbot e jetnem saharischen Namensvetter, noch ferner den Namen Abd-el-Kader zu führen und nannte ihn dafür Sidi Scheikh.
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Anders könnte sich die Sache gestalten, wenn auch die Kabylen zu den Waffen griffen. Der Kabyle ist aus einem anderen Holze geschnitten, wie der Araber. Um keinen Preis würde er in einem Zelte wohnen; kann er fein steinernes HanS erschwingen, so baut er stch eine Reiserhütte, ein Gurbi, aber um sie herum pflanzt er Oelbäume und Karruben und legt sich einen Garten an; er ist zu jeder Arbeit willig sein ganzes Dichten und Trachten ist darauf gerichtet, blanke Duros zu erwerben bte er bann m seiner Hütte vergräbt. Beim Araber wirb Alles bespotisch regiert- b-r Familienvater in seinem Zelt, ber Scheikh im Duar, ber Kaib im Stamme, ft- sind unumschränkte Herren über das Vermögen und selbst bas Leden ihrer Stammes- genoss-'n. Der Kabyle bagegen ist Demokrat seit Urzeiten; er duldet fernen Herrn über sich und alle Angelegenheiten werden auf p nlamentarischem Wege, durch gewählte Vorstände oder durch die Gemeindeversammlung entschieden; einen Herrn duldet er nicht über sich. Der Araber bient nur als irregulärer Reiter, in ber französischen Armee nur als Spahi, ber Kabyle gibt einen ausgezeichneten Infanteristen ab unb ber Kern ber Turfos besteht aus Kabylen. Sie haben in ihren Bergen ben Franzosen ben Sieg tbeuer genug gemacht- Man hat sie bei ihren alten Einrichtungen gelassen unb cs schien fast, als wollten sie sich mit ben Rum«, unter beren Herrschaft sie ungestört ihr Oel pressen und Duros sammeln fonnten, befreunben; ja, sie schickten sogar ihre Kinder in die Schulen unb bie Hanbwerke, zu benen ber Kabyle von Haus aus Neigung u d Geschick hat, blühten sichtlich auf. B 9
• B s jetzt haben sich bie Kabylen noch ruhig gehalten, es mehren sich aber b'e Zeichen ber Aufregung unb ein falscher Schritt ber Regierung, z. B- ber Versuch, sie zu entwaffnen, könne einen Ausbruck Hervorrufen. Flammen aber erst wieder einmal bie Feuerzeichen in ben Aures, auf dem Djurbjura unb dem Dahra, wirb es fahr' langen Kampf kosten, sie roieber auszulöschen, denn die Kabylen baben nicht nur bessere Waffen als früher, sie haben auch zahlreiche ausgediente Turfos unter sich, fre den Krieg und den Dienst fennen. Sie werden allerdings nicht eher losbrechm, als bis bie Gelernte vorbei ist, benn bie gebt vor Alles, aber nachher kann eine Kleinigkeit sie zum Losbrechen bringen, und bann wäre es für lange Zeit vorbei mit ber S'cher- hett unb bem Cultursortschr tt in ber France africaine
W. Kobe11 in ber „Franff. Ztg.".
Dem Localheiligen zu Ehren nahmen bie Hauptstämme ber Wüste, die Harrar, bie Logbuat. bte Hamian unb bie Beni Amour feinen Namen an unb nannten sich Uleb Sibi Scheikh. Sie haben ben Franzosen immer viel zu schaffen gemacht. Im Ausstanb von 1872 waren sie bie Hauptrebellen unb sie sind dafür niemals bestraft worden; man war sehr froh, als sie um Pardon nachsuchten unb versprachen in Zukunft Ruhe zu halten, unb verzieh ihnen, daß sie mit Kabur ben Hanza zusammen eine ganze französische Division niebergemetzelt hatten. Die Anbänger Bu Amena's gehören sämmtlich biefer Stammverbinbung an. Bis jetzt war es biefem Agitator nur gelungen, einen Theil ber Uleb Sibi Scheikh fortzureißen unb auch biefe waren tn Folge feiner Nieberlage fchwanfenb geworben Die ihrem Heiligen angethane Schmach wird sie alle zu neuer Erhebung treiben unb jedenfalls bie Situation der Franzosen entschieden erschweren. Auch auf die anderen Stämme wird bie Rückwirkung nicht ausbleiben, unb selbst bie Kabylen, bie sich bis jetzt noch ruhig gehalten, können baburch möglicherweise zum Losbruch getrieben werben Die Zeit tft ba, bas glaubt jeher Araber, auf fünfzig Jahre bat Allah im Zorne bie Gläubigen in bie Hände ber Rumt gegeben, im Jahre 1831 finb sie gekommen, ihre Zeit ist um, bas steht felfcnfeft. Der Glaube bes Arabers ist unerschütterlich; auch bie schwerste Nieberlage wirb ihn nicht erschüttern, unb wenn 1881 vorbei ist, ohne baß Allah bie Franzosen aus bem Lanbe getrieben, wirb er nur ben Beginn ber Okkupation auf ein anberes Datum verlegen stets aber bereit fein, Allah beim Austreiben zu unterstützen unb babei so viel Ungläubige zu tobten als möglich.
70 Transportfaß verschiedenen Gehalts,
30 Lagerfaß unb
10 desgleichen Apfelweinfaß,
1 neu eingerichtete Malzbarre.
Sämmtliche Gegenstände befinden sich in gutem Zustand unb werben Kaufliebhaber freundlichst eingeladen.
Melbach, den 7. September 1881.
5906) Wilh. Philippi I. Wwe.
Flontsg örn 19. ds. Mls,
Nachmittags 2 Uhr, werden 150 Stück behauene Fichten- ftämme gegen Baarzahlung versteigert.
Zusammenkunft am Seltersthor.
Gießen, am 16. Sept. 1881
Feilgebotenes.
3522) Die frühere Bull e r tz'sche Besitzung bin ich geneigt zu verkaufen. Lictu hader wollen sich an mich wenden. _______________Georg Jäger.
Kaminrohre, Tuffsteine Thonröhren für Waffer leitungen und Apartement Anlagen, Cement, Platten, franz. Falzziegel rc. offerier billigst (457"
Fr. Müller II.,
Wallthor.______
Neue holl. Uollhäringc per Stück 8 $ ditto martnirt per Stück 12 H empfiehlt (5420) «. Roth, Neue-Bäm
Rosen.
4760) Abgeschntttene Rosen empfiehlt _________Z Jtatl Berger, Lindenplatz.
Eirrmachesflg
vorzüglicher Qualität empfiehlt
E. Elsoffer, Marktstraße.
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