Ausgabe 
18.8.1881
 
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Donnerstag den 18. August

Sir. 190.

1881

Gießener WnMger

Aaikigk- nnb Amtsblatt für hm Kreis Gießen.

ttureau 1 Echulftraße B. 18.

- ,. . _ . - . . . , _ Preis Dtrrtdiabr(tc6 2 Warf 20 Pf. mit Brrnqerlohn.

Ertchcrut täglich mit AuSncchine M MonlagA. r , .. V\ . . Q Ä

Durch bu Poft bezogen vierteljährlich 2 Warf 50 Pj.

Amtlicher Hheil.

Betreffend: Tollwuth unter den Hunden in Garbenteich.

Bekanntmachung.

Nachdem am 14. l. M. in einem Wäldchen bei Garbentetch ein seit ®ei igen Tagen verendeter fremder Hund (Schäferhund, männlichen Geschlecht-, etwa 5 Jahre alt, mittelgroß mit langen schwarzen Haaren, braungelben Pfoten) gefunden worden ist, welcher nach der vorgenommrneu Sectton mit höchster Wahrscheinlichkeit an der Tollwuth v.rendet ist, ordnen wir auf Grund des $ 38 des Retchsviehserchenqesebes und des § 20 der dazu erlafienen Reich-- Jnstruct on die Festlegung aller Hunde zu Garbenteich, Dorf-Gill, Gröningen, Watzenborn-Steinberg, Hausen, Steinbach, Albach und Schiffenberg auf die Dauer von drei Monaten hiermit an.

Der Festlegung der Hunde ist gleich zu achten das Führen der mit einem sicheren Maulkorbe versehenen Hunde an der Leine; jedoch dürfen die Hunde ohne b.sondere polizeiliche Erlaubuiß aus den Gemarkungen der genannten Orte nicht ausgeführt werden.

Die Benutzung der Hunde in den genann'.en Orten zum Ziehen ist unter der Bedingung gestaltet, daß die Hunde fest angeschirrt, mit einem sicheren Maulkorbe versehen und außer der Zeit des Gebrauchs festgelegt werden.

Die Verwendung ton Hirtenhunden zur Begleitung der Heerden, von Fletscherhunden zum Treiben von Vieh urb ton Jagdhunden bei der Jagd in den srag tchen Gemeinden wird unter der Bedingung gestattet, daß die Hunde außer der Zeit des Gebrauch- (außerhalb des Jagdreviers) festgrlegt ober, nit unem sicheren Maulkorbe versehen, an der Leine geführt werden.

Hunde, welche innerhalb der in Rede stehenden Gemarkungen frei umher laufend betroffen werden, find sofort zu lödten.

Die Grohherzogltchen Bürgermeistereien beziehungsweise OrtePolizeibehörden der vorstehend genannten Orte wollen dteö al-bald auf ortsübliche Weise bekannt machen lasten und wie geschehen binnen 8 Tagen anzeigen, auch den Vollzug dieser Anordnungen überwachen.

Gleichzeitig werden alle Polizeibehörden und die Gendarmerie deS Kreises aufgefordert, nachzuforschen, wem der betreffende Hund gehört hat, und uns im Falle der Ermittlung Anzeige zu machen.

Gießen, am 17. August 1881. GroßherzoglicheS Kreisamt Gießen.

I. V.:

Dr. Hoff mann, Negierung-ratb._____

Lehre r C 0 nferenzeu:

deS Conferenz-Bezirk- Lictr-Hungen: Montag den 22. August, Vormittags 10 Uhr, zu Lieh;

de- Conferenz-Bezirk- GießenGroß-LindenLollar: Mittwoch den 24. August, Vorm. 10 Uhr, zu Gießen;

des Confcrenz-Bezirks Groß Nufeck: Donnerstag den 2 5. August, Vorm. 10 Uhr, zu Groß Buseck.

NB. Zügle ch wird an die Einzahlung der Beiträge für den Thierschutzverein erinnert.

Geeften, den 16. August 1881.Büchner, Kreisschulinspector.

Die politische Lage.

Kein Wölkchen trübt den Horizont der äußeren Politik. Wohin wir blicken, herrscht aufrichtige Freundschaft für Deutschland oder, wo man daran zweifeln kann und muß, die vetheuerung des Frieden-. Niemals konnte Fürst BiSma.ck ruhiger auf die diplomatische Winter-Eampagne bl cken. Rußland- Schwerpunkt ist nach Sfien, der Frankreich- nach Afrika verlegt; beide Staaten stehen in schroffem socialem Gegensatz; die franco-rusfische Allianz, die Waffen- brüderschaft de- Despotismus und der Republik, ist von der Tagesordnung Europa- gestrichen. Italien zeigt neuerdings wieder Neigung, sich an Deutsch­land und Oesterreich anzuschließen; da aber seine Politiker gle.chzeittg empseh. len, eS ja nicht mit Frankreich zu verderben, so setzen fie sich wieder einmal zwischen zwei Stühle.

Eine Art mitteleuropäischer Alliance bahnt sich aber auch ohne Italien an. Der feste Sern bleibt da- deutsch - österreichische Bündmß, deffen jüngst erfolgte neue Bekräftigung allgemeine Beftiedigung erweckte, zumal jetzt officiös von Wien gemeldet wird, die politische Bedeutung der Besuche deS österreichi­schen Kaiser- in Mainau, München und Friedrichshafen bestehe lediglich darin, daß der Monarch die Verbündeten feines hohen Verbündeten besuchen wollte. Die kleinen Nachbarstaaten, die Schweiz, Holland und Belgien, haben jämmt- lich ein stark ausgeprägtes FriedenSbet ürftnß; bei jeder abenteuerlichen Politik Frankreichs würden fie Protest erheben, und jede muthwillige Friedensstörung verringert die Sympathien, die vielleicht roch für Frankreich weniger für da- Volk, als für ferne Sitten und Unfitten, für die Mode existrren. Endlich tritt der scandinavische Norden durch die Vermählung deS schwedischen Kronprinzen mit einer badischen Prinzessin in engere Beziehung zu Deutschland. Würde Dänemark noch gelegentlich versöhnt, so dehnte sich die friedliche Jn- tereffen-Gemeinschast von Stockholm biS Triest auf breiter BafiS auS.

England ist für lange Zeit so beschäsligt, daß eS einer^ Einfluß auf den Eontment nicht zu äußern vermag. Die alte napoleonische TriaS, Frank­reich-England-Italien , einst eine stolze Firma unter dem Namendie West- Mächte", ist gesprengt, seitdem Frankreich Italien auS TuniS verdrängt hat, seitdem es England in Annecticnen in fernen Welttheilen Concurrenz macht und die werthvollsten Bestimmungen des ftanzöfisch - englischen Handelscer- trageS gestrichen hat. Deutschland dagegen, wenn man auch in England die Deutschen ebenso wenig leiden kann, wie wir uns an den falschen Lords erfteuen, die mit wenig Geld und viel Unverschämtheit den Rhein entlang ziehen, ist mit England immer am besten auszekommen, wenn es fich gar nicht um die englischen Angelegenheiten kümmert, sondern eigene Polit.k treib'.

Die Politik Bismarck's, die bei aller Offenheit und Ehrlichkeit ihre ge­schickten Schachzüge nicht voreilig verräth, hat in verhältnißmäßig kurzer Ze.t jene Systeme besiegt, die man als russische, englische oder ftanzösische Polit k kennzeichnete. Nicht nur in den Beziehungen der Großmächte, sondern beson- der-'auch In einer ganzen Anzahl kleiner Fragen, vor Allem aber im Orient,

hat sich mir der Zeit die deutsche Politik als überlegen, und darum als ent­scheidend gezeigt. Fürst BiSmatck nahm bescheiden nur die ehrliche Makler­schaft für sich in Anspruch; er machte den hohen Collegen seine Politik als europä-sche Politik mundgerecht, aber genauer betrachtet war e- deutsche Politik, die vor und nach dem Congreffe von Berlin ferotrt wurde, und dieser deutschen Politik verdankt Europa die Erhaltung de- continentalen Frieden-.

Deutschland.

Darmstadt, 16. August. Seine König!. Hoheit der Großherzog haben Allergnädlgst geruht:

Am 13. August den ordentlichen Proseffor in der philosophischen Fakultät der LandeS-Univerfität Dr. Ludwig Weiland auf sein Nachsuchen von seiner Dienststelle, mit Wirkung vom 15. d. Mts. an, zu entlassen.

Berlin, 15. August. Die übergroße Hitze diese- Sommers hat sehr nachthrilig auf cen Gesundheitszustand einiger Truppentheile gewirkt. Typhus und Ruhr find in mehreren Regimentern verschiedener Garnisonen epidemisch aufgetreten. Es haben daher militärärztliche Berathungen stattgefunven und den Erlaß von allgemeinen Weisungen zur Folge gehabt, um theils den AuS- btuch solcher Krankheiten im Entstehen zu verhindern, theils den Krankheit-- erscheinungen wirksam entgegenzutreten. In einzelnen Fällen ist eine Disloci- rung der betroffenen Truppentheile au- den Kasernen in Bürgerquartiere rc. von günstigem Erfolge gewesen.

Der plötzlichen Rückkehr de- Reichskanzler- nach Berlin wird allge­mein große Bedeutung beigelegt, da man annimmt, daß sich jetzt die Entschei­dung der wichtigen Frage, wie sich der Staat der römischen Curie weiter gegenüberzußellen habe, fallen wird. Man ist begierig, ob Fürst Bi-marck, eventuell der EultuSwinister, Eoncesfionm machen wird, welche die TentrumS- partei bewegen türsten, für die Regierung einzutreten. In letzterem Falle droht dem Centrum übrigen- auch eine Secession, denn die Welsen werden dann auS der Partei, in der sie bisher hoSpitirten, auSscheiden. Herr Windt- horst wird auch hier sagen können,feine Rose ohne Dornen."

Zur Vorgeschichte ter Ernennung deS Grafen Eulenburg zum ^ber- Präsidenten von Heffen-Naffau erfährt man noch, daß volle drei Wochen hindurch mit dem Grafen wegen Annahme deS OberprästdiumS in Kassel verhandelt ist. D^ß sich der Graf schließlich zur Annahme bestimmen ließ, hat trotz alledem überrascht. Halte er doch, und die- ist unbestreitbare That- sache, nach dem bekannten Vorfälle im Herrenhause, welcher seinen Rücktritt zur Folge hatte, auch den dringer.sten Vorstellungen des Kais«rS gegenüber beharr­lich erklärt, unter den jetzigen Verhältniffen dem Staatsdienste gänzlich fern bleiben zu wollen. War er doch auf keine Weise zu bewegen, das Portefeuille zu behalten, wie der Kaiser so gern gewünscht hatte. Auch jetzt hat Graf Eulenburg anfänglich den chm angetrazenen hohen Posten abgelehnt, indeffen