die verbündeten Regierungen die Aufforderung, die Grundgedanken jener Reform zu weiterer Durchführung zu bringen und auf diesem Wege nickt nur die finanzielle Selbstständigkeit des Reiches anzuftreben, sondern auch den Bundesstaaten weitere Mittel zu gewähren zur Umgestaltung ihrer Besteuerungsoerhältnisse, zur Minderung drückender Abgaben und zur Verbesserung der Lage der arbeitenden Classen. Welche Mittel die Einnahmen der einzelnen Staaten für diese Zwecke zu gewähren schon im Stande sind, wird sich erst übersehen lassen, wenn die Uebei schüsse des Reichs aus den neuen Zöllen definitiv feststehen werden. Schon jetzt aber glauben die verbündeten Regierungen eine Vermehrung der für jene Zwecke zu verwendenden Einnahmen durch eine neue Ordnung der Stempelgesetze und der Brausteuer erstreben zu sollen. Schon bei der Eröffnung des Reichstags im Februar 1879 hat Seine Majestät der Kaiser in Hinblick auf das Gesetz vom 21. October 1878 der Zuversicht Ausdruck gegeben, daß der Reichstag seine Mitwirkung zur Heilung socialer Schäden im Wege der Gesetzgebung auch ferner nicht versagen werde. Diese Heilung wird nicht ausschließlich im Wege der Repression socialistischer Ausschreitungen, sondern gleichmäßig auf dem der positiven Förderung des Wohles der Arbeiter zu suchen sein. In dieser Beziehung steht die Fürsorge für die Erwerbsunfähigen unter ihnen in erster Linie. Im Jntenffe Dieser hat Seine Majestät der Kaiser dem Bun'oesrath zunächst einen Gesetzentwurf Über die Versicherung der Arbeiter gegen die Folgen von Unfällen zugehen lassen, welcher einem in den Kreisen der Arbeiter wie der Unternehmer gleichmäßig empfundenen Be- dürfniß zu entsprechen bezweckte.
Seine Majestät der Kaiser hofft, daß derselbe im Principe die Zustimmung der verbündeten Regierungen finden und dem Reichstag als eine Vervollständigung der Gesetzgebung zum Schutze gegen socialdemokratische Bestrebunsen willkommen sein werde.
Die bisherigen Veranstaltungen, welche die Arbeiter vor der Gefahr sichern sollten, durch den Verlust ihrer Arbeitsfähigkeit in Folge von Unfällen oder des Alters in eine hilflose Lage zu gerathen, haben sich als unzureichend erwiesen und diese Unzn- zulänglichkeit hat nicht wenig dazu beigetragen, Angehörige dieser Berufs kl ässe dahin zu führen, daß sie in der Mitwirkung zu socialdemokratischen Bestrebungen den Weg zur AbhÜlfe suchten. In demselben Stadium befindet sich bisher ein Gesetzentwurf, der auf einem nahe verwandten Gebiete die Verhältnisse der Innungen zu regeln bestimmt ist, indem er die Mittel gewähren soll, die isolirten Kräfte der in gleichartigen Gewerbszweigen beschäftigten Personen durch ihre Zusammenfassung in forporauoe Verbände zu stärken und dadurch ihre wirthschaftliche Leistungsfähigkeit sowohl wie ihre sittliche Tüchtigkeit zu heben In wiederholten Beschlüssen hat der Reichstag dem Wunsche Ausdruck gegeben, daß die Versorgung der Hinterbliebenen von Relchsbeainten gesetzlich geregelt werde. Es wird Ihnen demgemäß ein Gesetzentwurf zu Gunsten der Wittwen und Waisen dieser Beamten zugehen. Im Gebiet der Strafrechtspflege hat die bedenkliche Zunahme von Verbrechen und Vergehen, welche im Zustande der Trunkep- heit verübt worben und in Folge dessen einer strafrechtlichen Ahndung sich entziehen, das Bedürfniß einer Ergänzung der bestehenden Strafgesetzgebung ergeben. Em hierauf bezüglicher Gesetzentwurf wird Ihrer Beschlußnahme unterbreitet werben. Einige Abänberungen ber Reichsverfassung, welche bie Feststellung bes Reichshaushaltsctats für einen Zeitraum von je 2 Jahren zu ermöglichen bezwecken, waren Ihnen bereits in ber verflossenen Session vorgeschlagen worben. Die verbünbeten Regierungen be- finben sich nach wie vor unter dem Eindruck ber Schwierigkeiten, welche von ber jährlichen Concurrenz ber parlamentarischen Arbeiten im Reich unb in ben Einzelstaaten unzertrennlich sinb unb legen beßhalb ben unerlcbigt gebliebenen Gesetzentwurf von Neuem vor-
Mit ben Regierungen von Griechenland unb Brasilien sinb Verhandlungen über den Abschluß von Consular-Conventionen eingeleitet. Ich darf hoffen, daß derselbe noch im Laufe der Session erfolgt unb baß noch währenb ber letzteren Ihre Zustimmung zu diesen Verträgen erlangt werben kann-
Zu allen auswärtigen Staaten erfreut sich bas bcutsche Reich srieblicher unb wohlwollenber Beziehungen unb insbesondre entspricht unser politisch 's Verhältniß zu ben uns benachbarten großen Reichen ber Freundschaft, welche Se. Majestät ben Kaiser mit ben Beherrschern berfelben persönlich verbindet- Unter ben europäischen Mächten herrscht nicht nur in bem Willen, ben Frieden zu erhalten, bie volle Uebereinstimmung, fonbern es besteht auch in Betreff ber wesentlichen Ziele ber zwischen ihnen schwebenden Unterhandlungen keine principielle Meinungsverschiebenheit Ich bin deßhalb ermächtigt, bem Vertrauen Seiner Majestät bes Kaisers Ausbruck zu geben, baß es ber Einigkeit der Mächte gelingen werde, auch partielle Störungen bes Friedens in Europa zu verhüten und jedenfalls so zu beschränken, daß sie weder Deutschland, noch dessen Nachbarn berühren-
verlin, 15. Februar. Der Reichstag wurde um 2 Uhr vom Stellvertreter des Reichskanzlers Grasen Stolberg-Wernigerode im Auftrage des Kaisers im Weißen Saale eröffnet. Der Schlußpasfus ber Thronrebe wurde von Bravorufen begleitet; die Feierlichkeit schloß mit einem breimaligen enthusiastisch angenommenen Hoch auf den Kaiser, welches ber Reichstagspräsibent Graf Arnim ausbrachte.
— 1. Sitzung bes Reichstags. Präsibent Graf Arnim beruft provisorische Schriftführer unb macht Mittheilung von ben eingegangenen zahlreichen Vorlagen, unter benen sich auch ber Etat mit sämmtlichen Spezialetats befindet. Der namentliche Aufruf ergiebt nur 183 Anwesende, so daß bas Haus beschlußunfähig ist. Nächste Sitzung morgen Nachmittag 3 Uhr: Präsidentenwahl.
— Die „Norbb. Allg. Zig." schreibt bezüglich ber Präsibentenwahl im Reichstage, worüber inbeß bie Erörterungen noch nicht abgeschlossen seien, in ber gestrigen Fractions- versammlung ber Deutschconservativen sei von verschiedenen Seiten, namentlich von bem Grafen Ubo Stolberg-Wernigerode auf bie Zweckmäßigkeit eines Zusammengehens ber gemäßigten Fractionen hingewiesen worben, eine Verstänbigung in biefem Sinne würbe wesentlich baburch erleichtert, baß Graf Arnim unveränbert an der Erklärung festhalte, zusammen mit einem Mitgltede des Centrums nicht in das Präsidium ein treten zu wollen.
— Die „Kreuzztg." schreibt, bie beutschconservative Fraction habe feine Veranlassung, sich gegen bie Wieberwahl v. Franckensteins zu erklären; die Freunbe des Hrn. v. Bennigsen unter ben Liberalen unb Freiconservativen nähmen Anlaß, es mit seiner Canbibatur zu versuchen, bas Centrum aus bem Präsibmm ganz zu Derbrängen. Die „Kreuzztg." meint, hierzu liege jetzt ein Anlaß nicht vor, wie er beim Beginn bes Landtags in ber noch nachhaltenben Wirkung bes Kölner Domfeftes vorzuliegen schien.
— Die „Norbb. Allg. Ztg " erklärt bie von ber „Revue politique" bem Fürsten Bismarck in ben Mund gelegte Aeußerung, daß, wenn ein Krieg im Orient ausbrechm sollte, es Barthelemy St. Hilaire gewesen sei, ber denselben gewollt habe, für eine willkürlich unb ohne jeben Vorwanb erfunbene. Fürst Bismarck habe niemals biefe ober eine ähnliche Aeußerung gethan, er habe durch fein Verhalten zu ben Vorschlägen Barthelemys allen Cabineten gegenüber bie Unwahrheit ber von ber „Revue" gemachten Angabe bewiesen. Diese Angabe gehöre wie viele ähnliche Erfindungen Blättern an, bie über bie guten Beziehungen zwischen ber deutschen unb französischen Regierung Zweifel unb Beunruhigung zu verbreiten suchten unb biefelbcn stören würben, wenn es in ihrer Macht stände.
— Die Eisenbahncommissivn des Abgeordnetenhauses beschloß gestern Abend über den Entwurf betreffend bie Rhein-Nahe-Bahn in Abwesenheit des Finanz- und bes Eisenbahnministers 1) ber Regierung bie Ermächtigung zu erteilen zur Legung eines zweiten Geleises auf ber Rhein-Nahe-Bahn unb bie Genehmigung zur Aufnahme eines Crebits von 3,750,000 JL, 2) bie Ergänzung bes Eisenbahngesetzes vom 3. Nov. 1838 aufrecht zu halten, ferner bie Ermächtigung zum Ankauf ber Rhein-Nahe-Bahn zu ertheilen, wenn das Eigenthum berfelben zum Course von 15 Proz. abgetreten wird.
— Die Commission zur Vorberathung des Verwendungsgesetzes hat bie Anträge ber Abgg. Hobrecht unb v. Hüne abgelehnt, nachbem sich ber Finanzminister dagegen erklärt hatte, ebenso ben § 1 ber Regierungsvorlage mit 15 gegen 11 Stimmen.
Münster in Wests., 15. Februar. Wie der „Wests. Merkur" meldet, war der gestern hier abgehaltene erste westfälische Handwerkertag von etwa 800 Handwerksmeistern aus allen Theilen Westfalens besucht. Der Hand. 5 werkertag sprach sich mit allen gegen 5 Stimmen zu Gunsten der obligatori. schen Innungen aus und genehmigte einstimmig eine Resolution, die sich für die Beseitigung des die Handwerks-Jntereffen schädigenden confissionellen Haders ausspricht. Der Oberprästdent von Kühlwetter betonte in seiner Rede seine und der Staatsregierung Sympathie für die Interessen des Handwerks.
Berlin, 15. Februar. Das Abgeordnetenhaus nahm heute das Com- petenzgesetz in der Schlußabstimmung an und erledigte eine Reihe kleiner Vor
lagen. Morgen steht der Antrag Windthorst, betr. die Aufhebung der Tem- poralieniperre auf der Tagesoronung.
Wien, 15. Februar. Die „Wiener Aiendpost" schreibt: Gewiß wira die deutsche Thronrede wegen der Zuversicht, mit welcher dem Vertrauen des i Kaisers Ausdruck gegeben wird, „daß eS der Einigkeit der Mächte gelingen ' werde, auch partielle Störungen des Friedens in Europa zu verhüten und - jedenfalls so zu beschränken, daß fie weder Deutschland noch deffcn Ntchbarn berühren", wie von uns überall mit der aufrichtigsten Genugthuung begrüßt und ausgenommen werden.
Braunschweig, 15. Februar. Die hiesige Lesstngfeier begann bet herrlichem W.tt-r unter sehr zahlreicher Betheillgung der Bevölkerung am Lessing-Denkmal mit Gesangsvorträgen der hiesigen Männergesangvereine unter j Leitung des Kapellmeisters Franz Abt. Sodann wurde von einem Studirenden ? der hiesigen technischen Hochschule eine Festrede gehalten und von den studenti- . schen Deputationen wurden Lorbeerkränze mit Wtdmungsschleifen unter kurzen ' Ansprachen auf den Stufen des Lessing-Denkmals nieoergelegt. Von bc.i mei» ! sten deutschen Universitäten und technischen Hochschulen, sowie aus W en und Zürich, ferner von zahlreichen hiesigen und auswärtigen Vereinen und Privat- p-rsonen waren kostbare Krän-e gesendet worden. Um 12 Uhr fand ein feier- iicher Actus in der Aula der technischen Hochschule mit Festrede und Gesängen - statt. Nachmittags besuchten die hiesigen Studirenden und die auswärtigen Deputationen das Grab Lessing's, welches mit Lorbeer- und Jmmortellenkränzen , vollständig bedeckt ist. Das Herzogliche Hoftheater begeht die heutige Feier durch die Aufführung von „Nathan der Weise", gestern wurde „Emilia Galotti" und nm Sonntag „Minna von Barnhelm" gegeben. In dem lite- r irischen Verein „Lessing" und zahlreichen anderen Vereinen finden dramatische Aufführungen statt. In Wolfenbüttel fand eine Gedenkfeier in der Aula des • Gymnasiums statt, bei welcher der jchlge Inhaber von Lessing's Stelle, Ober- \ Bibliothekar v. Heinemann, die Festrede hielt.
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j Gieß<n, 16. Februar. In vergangener Nacht würben in ber Ludw gssiraße ; triebet einmal zwei Laternen zerschlagen unb eine Warnungstafel weggeriiien Es wurden von ben Schutzleuten einige Herren betroffen, welche bie Warnungstafel in ber j Anlage umpertiugen.
\ ~ Die leibtgc Gewohnheit, Nachts im Bette zu lesen, hätte einem Studenten in
l der Nacht vom Montag zum Dienstag beinahe das Leden gekostet. Der Betreffende | schlief während des Lesens ein, das Licht brannte herunter, sodaß das auf bem N-icht- ; tisch liegende Taschentuch Feuer fing, von hier theilte es sich ben Kopfkissen mit, ms » zu den Matrazzen. Es zeugt von eir.ein gesunden Schlaf daß hier erst ber Schiäser erwachte und noch glücklich ben Branb löschen konnte. Wie sehr leicht hätten b -r Rauch unb Dunst denselben aber betäuben können unb zwar so baß ber ewige Schlaf nge-
? treten wäre. Möge dieser Vorfall zur Warnung dienen.
j — [Sterblichkeit in Gießen.j In ber Woche vom 6. bis 12 Februar erreichte die l Sterblichkeic in Gießen Die ungewöhnlich ho^e Zahl von 15. Ee itatben 7 cr vachsene Personen unb zwar an Lungenschwindsucht und organischen Herzkrankheiten je 2, an Lungcnempdv em, Zuckerruhr, Brightiscker Nierenkrankhetr je eine. Von den K gestorbenen Kindern befanden sich ’ 3 noch im 1. Lebensjahre und erlag eins einer Lungenentzündung em anderes einer Bronchienentzündung und bei dem dritten, welches nicht arztück bebandett wo>den war, konnte eine bestimmte Todesursacke nicht angegeben werden Die 5 übrigen Kinder hatten das 2. Lebensjahr schon überschritten und erfolgte der Tod bei denselben durch Lungenschwindsucht zwelm u Durch Diphtheritis, Verschwärung der Rückenwirbel, Krämpfe je einmal. g.
— sThe ater.) ES freut uns, d?n gewitz seltenen Fall zu eonstati en, daß eine viermalige Wiederholung des Moser- und Schönthau'sck-.n Sckwankcß „Krieg im Frieden ' jeo.s- mal ein ausverkauftes Haus erzielte, so daß, wer nicht die Vorsicht besaß, sich rechtz in . mit einem Billet zu versehen, bis heute nock nickt das Vergnügen batte, disirs überaus Heike-e und witzige Stück kennen zu lernen Die Gesellschaft teiltet in demselben aber auck wirklich Vortreffliches, namentlich ist es Herr Schubert, welcker als Reif v Reiflingen vinck sein „schneidiges" Auftreten sofort das Publikum zum Beifall hinreißt und es den ganzen Abend in dieser Stimmung zu erhalten weiß, ebenso ist Frau Schubert-Schneeberger als Ilka vorzüglich und eintet namentlich mit Vortrag des Liebes „Sonnenschein ' von Lasten i n dritten Aet lebhaften Beifall. Die Rolle der El»a wird seit Neuerem von Frl. Rein bald darg-st llt und nur zum Dortbeil des Ganzen. In Frl. Reinhold b.sij,t die Direelion em< «traft, welche sich in der kurzen Zeit die allgemeine Gunst des Publikums zu gewinnen wußte. Nehmen wir noch daß Herr Fischer als H nkel Herr Müller als Stabsarzt Herr Pack'-äuier als Heintzdorf ihren Pcnthjen das Beste adzugewinnen wußten, und bas Ganze sich durch sein cxaetes Eingreifen und gerundetes Zusammcnlpiel auszeicknct, so findet man eine so oftmalige Wiederholung vollkommen begreiflich unb ist sogar überz ugt daß am nächsten Freitag bet der fünften und, wie wir hören, letzten Aufführung wieder ein gut besetztes Hrus das Streben der Dtreetion, Gutes zu bieten, lohnen wird. x.
Vermischte-.
(Sielten, 15. Februar. Am 2 >. I. Mts feiert die freiwillige Feuerwehr Hungen ihr erstes kleines Jubiläum. Vor fünf Jahren auf Anregung und mit Beihülfe der F St. F. dahier gegründet, hat sich diese Wehr unter Leitung ihieS 1. Vorstandes, des Herrn Skeuerkom- mistärs Sn eil, trotz besonders ungünstiger Verhältniste gut entwickelt und inne lich gefestigt. Herrn S nel t steht als 1 Führer — bie Führung ist hier von der Leitung abgezweig ein ehemaliges Mitglied der F St. F. zur Seite, Herr Gerichtsvoll-icher Ve tz Verger. Die junge Wehr hat das Glück gehabt in der unverhältnißmäßrg kurzen Zeit sich schon mehrfach im Feuer hervorzuthun und so darf man hoffen, daß der Gemeinberath, der der Feuerwehr seither sonderbarerweise nur eine alte schwere Spritze anverlrauen wollte, derselben, als oer beweglicheren Truppe nunmehr, nachdem sie sick bewährt hat, die neue leichtere Saugspritzr überlasten wird, welche ihr von Rechtswegen gebührt. Bisher batte, wie besonders anerkennend hervorpehoben zu werben verdien', die verwittwrtr Frau Fürstin zu Solms-Braun fei s ber Feuerwehr ihre gute Sckloßspritze zum Gebrauch überlasten. — Den ersten Toeil beS Festes bildet tine Hauptübung, die Mitcags 3 Uhr auf dem Marktplatz stau findet und sodann in öffentlich«! Besprechung dem Urtheile der auswärtigen Kameraden unterzogen werden soll. Abends folgen Concert und Ball. Da der ungünstige Fahrplan der O. H. B hiesigen Besuchern nicht ermöglicht, noch am selben Abend zurückzukehren, so hat die Einwohnerschaft Hungens Frciqaartier zur Verfügung gestellt.
— Russische Sprichwörter. In den Sprüchwörtern eineS Volkes liegt ein guter Theil seines Geistes und Charakters. Russische Sprichwörter sind z. B. folgende: „Man lobt bie Wahrheit und ladet die Lüge zu Gast ' — „Sprich leise, "Freundchen, auch die Oh'en beS tobten Czars hören nock." — „Jedes Talglichr hält sick für eine Stearinkerze." — , Nit einem si bernen Ruber fährt man auch glückuck über die Fälle des Dniepr." — „Ä(imue;c auf einer goldenen Harfe und du wirst tausend Zuhörer haben, die Alle dein Spiel vortrefflich finden." — „Mit einer gestohlenen Flinte kann man auch schießen." — „Ein goldener Hanv- schlag überzeugt den strengsten Rlckter von ber Wahrheit unserer Aussage." — „In einem Geldrubcl liegt viel UcbencDung." — „Wenn du dem Starosten neun Würste gjeb'st uno behältst eine im Rauckfange. so hast bu ibnt keine gegeben." — „Richt jeder Fisck ist ein Stör." — „Wenn das Messer nur ein wenig lang tfl, zählt man es leickt zu den Säbeln." — „Es ist mckt e.n Jever Matrose der in Kronstadt wohnt." — „Es trägt Mancher das blaue Band um bie Brust, der die Sckleife um den Hals ve-dient." — „Wer einen frommen Popen findet, der bebe ibn ja auf, denn er hat einen seltenen Fund gethrn " — „Ein guter Kaufmann ter- kaust Hermgsrogen für Caviar." — ,Wenn der Krämer den Mund aufzuthun weiß und der Käufer die Augen, so ist Beiden geholfen " — „Dem Fucks hilft nicht die List allein, sondern auch der Zahn." - „68 hat schon mancke 2BeibnÄunge einen Männerba.s abgesämitten."
- [©in Hexenproeeß.) Aus Asckaffenburg vom 7. d. M. wird gesckrfiben: „E^ war gegen Ende der vorigen Wocke, als ich dahier einem Freunde begegnete bcr mir auf bie Frage, wo er herkomme, kurz antwortete: „Von einem Hexenprocesse." — Ich traute kaum meinen Obren, da ich etwas Aehnlickes in der letzten Hälfte des 19. Jahrhunderts für eine Unmöglichkeit hielt, mußte mich aber leider überzeugen, daß mein Freuno nicht gescherzt hatte, sondern


