Nr. 21V2 b-rftre Blatt. Donnerstag den 15. Deecmber 1SS1.
Hießmer ÄnMger
Amizc- und Amtsblatt fir den Kreis Gießen.
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Deutschland.
m Darmstadt, 12. December. Rackdem nicht nur olle größeren deutschen Staaten, sondern auch kleinere, wie Braunschweig und die Tbü-tnger Staaten, forstliche Lersuch« anstalten errichtet und den .Verein der fcrstlichen Bersuchtzanstalten Deutschland«" gegründet haben, erscheint eS unserer Regierung alS ein dtingrndrS Bedürfniß für daS Großherzogtbum Hesten, im Anschluß an diesen Verein ebenfalls eine forstliche Versuchsanstalt zu errichten, wodurch intensivere Fortbildung der Forstwisienschaft und Schaffung rationeller S.undlagen für die Bewirthschaftung der Forste bezweckt wird. ES sind deßbalb im Staatsbudget für die Ftnan»veriode 1km2—K5 im Restart deß Finanzministerium« unter dee Rubrik .Forstliche« veriuch-wesen" 65'0 jl jährlich in AuSgade vorgeseben. Dieselben zerfallen in: .Remuneration der beiden Vorstände iür Leitung und wistenschoftliche veardeitung der veriuche 800 Jt, Diäten und TranSvortkosten für auswärtige Geschäfte und Theilnakme an den Berarbungen de« Vereins deutscher Versuchsanstalten 800 jt, Gehalt de« vrovisrri ck al« Aisistent zu bestellenden Forstacek'fisten 1600 JL. fftx Diäten und LranSportkosten testrlben 1200 Bureaukosten 200 je. Anschaffung und Unterdaltung der Instrumente und Werk zeuge 100 JL sonstige Kosten für Ausführung de, Versuchsarbeiten, insbesondere für TaUvhn, Transport der Instrumente re. 1700 je Hierzu sind al« einmaliger Betrag zur Anschaffung größerer Instrumente für daS erste Jahr der Finanzperiod, 300 erforderlich. Die Leitung dieser dem Ministerium d.r Finanzen, Abthnlun' für Forst und Camera!.Verwaltung, zu unterstellenden Anstalt werden die beiden Prefesioren de, Forstwisienschaft an der LandeS-Uni versität besorgen.
\ Berlin, 12. Dez. Kaiser Wilhelm, der vou der schrcklichen Katastrophe m Wiener Rin Idealer büchst ergriff n mar, Hit, wie wir hören, sich eingehenden Bericht überdaS Unglückelstalten laffen und au» eigener Initiative ingeord et, daß hier in unseren königlichen Theatern die umfaffendsten Bau-Ausführungen fofoit in Angr.ff genommen werdet, sollen. In Folge deffen habrn bereits mehrfache Eonferenzen in der Dienstwohnung d,S General Inte-danten v. Hüsen unter Hinzuziehung btt Brandt,rec'vr» Major Witte ftattgefunten mr> bereit» haben die ersten Arbeiten zur Sicherstellung im königlichen Schauspielhaus lhreu A»>- sang flenomtnrn. Herr v. Hü'sen war beka'nrlich gegen die Anbrinaeng eines eisernen Vorhänge- i > üpernbaufe. Nunmehr bat derselbe leinen Widerspruch der Br^ndcommiffion gegenüber anfaeben müff n, und es wird demnächst mit der Ausst llui.a drs Eise« vorhange» beponnen werden Auch sollet, die Thür« fütferuhpen, die von der Büdne in das Innere führen, aus Eifer.-Constiuc- ttonn, hergestellt werden. <5me andere Heizung wird auch g plant; ferner soll bafl Heizmaterial, welch s sich u> ter dem Parterre befindet, an «rsao setN'N Plttp finden. Der Kaiser will all' die Neu-rungen pelsöi'lick prüfen und selbst die Entscheidung tr.ffen. Seit dem Nizzaer Brandunglück b-ennen in den königlichen Theatern übrtaenS an jedem Ab-: d Oellampen auf den Eorridoren, von deren gutem Zustande sich vor O'ffnung des Hauses^ die königliche Feuerwache überzeugen muß. In Folge Anordnung von hoh<r Seite beg'ebt fich der Director unserer Feuerwehr, Herr Major Witte, in Beglei- turg etreS Brandmeister« nach Wien, um fich dort an Oit und Stelle über den Tbaibestand zu informtren.
— Zu der furchtbaren Katastrophe wird uns au» Wien geschrieben, daß, obgleich fich d'.e letzte Verlustliste durch Doppelanmeldu. gen einigermaßen redu- cirte, die Zahl der Opfer fich auf rund 1000 beläuft. Unser Correipondent schreibt un». daß die Anführung dieser SchreckenSzahl wohl genüge, um eS be- greifll ch erscheinen zu laffen, daß in Wien augenbl ckilch fast Niemand eines anderen Gedankens als je, eS an das grauenhafte Ereigniß fäh g ist.
— Die Gültigkeitsdauer der am Tage vor einem Sonn- oder Festtage aus Staats-Eifinbahi'.rn gelösten Retour B llet» hat neuerdings durch den Minister der öffentlichen Arbeiten e,ne Erweiterung erfahren, won ch diejenigen Retour-Billets, welche am Tage vor dem ersten Oster-, Pfingst- oder We,h- nachtsfeierkage gelöst werden, sofern nicht eine ohnehin längere Gültigkeitsdauer besteht, allgemein noch am nieUen Tage — den Tag der Lösung ringe, schloffen — also noch am Tage nach dem zweiten Feiertage zur Rückfahrt benutzt werden können.
Hekerreich.
Wien, 12. December. Mit den Pölzungsarbeiten wurde beute auch die Aufsuchung der Leichen und Leichenreste im Innern be» Ringlheaters fort- gesetzt. Garze Leichen würben Anfang» heute nicht gefunden bagegen viele Leichenreste aufgelesen; später verlautete, daß Nachmittag» 26 unkenntl che Leichen aufgefunden worden seien, welche nach ihrer DeSll.fect'.on r ach dem Central.Frirdhofe übergeführt wurden. Seitens der SiLerbeitsbehörden wird Alles aufgeboten, um der au» der Verwesung der im Schutt begrabenen Leichen den angrenzenden Stadttheüen möglicherweise erwachsenden Gefahr vorzubeugen. Alle Leichen, welche noch aufgefunden werden, sollen dtrect nach dem Central-Friedhöfe gebracht werden.
— In verschiedenen Zeitungen findet fich folgende» al'ichlaulendes Telegramm aus Wien: Eine hochgestellte Persönlichkeit (Wir verstehen darunter den Kaiser. D- 9bb.) hat erklärt, an Denen, welche die Schuld am Unglücke im Ringtheater trage, muffe ein Sxernpel ffatuirt werden. Ein hoher Beamter erhielt eine Rüge, weil er a- Tage nach dem Bnande em Beileidschreiben an den Director Jauner gerichtet hatte. Ter Ka fir befahl eine gründliche Reorganisation der Sicherheitswache auf Grund mtli-ärischer DiSciplin und deren Verstärkung, ferner die Reorganisation des Stadtbmamt». Der Polizeipräfident Marx tritt zurück; zu seinem Nachfolger ist der Prager
Polizeidirector StevSkal ausersehen. Der Kronprinz kam aus speciellen Biseh des Kaiser» au» Prag zum Leichenbegängniß.
Rumänien.
Bukarest, 12. Decbr. Hier verlautet au» zuverlässiger Ouelle, daß da» Wiener Cabinet der rumänischen Regierung keineswegs da» Reckt bestreitet, ihre Jntereffen in der Donaufrage zu vertheidigen, wohl aber Genugthuung dafür verlangt, daß die Donaufrage in der rumänischen Thronrede in einer dem diplomat schen Gebrauck nicht entsprechenden Weise und in einem gegen Oesterreick-Ungarn nahezu feindseligen Toue besprochen worden ist. Die rumänische Regierung ist für diesen Fall aber ganz bereit, der österreichilch-ungar,. schen Regierung die entsprechende Genugthuung au geben. Sonach nimmt man an, daß die Unterbrechung de» regelmäßigen.diplomatischen Veikehr» zwischen Oestrrreick Ungarn und Rumänien in nicht langer Frist ihre Endschaft finden werde.
Afrika.
Kairo, 12. Decbr. Die Cholera ist zu El-Vbj im Lager der egypti- scken Pilger am Rothen Meere au» «eb-ocheu.
Deutscher Leichstag.
15. Sitzung vom 13. December.
Am BundeSraihstiscke: Maybach. Scholz u A.
Präsident v. VeDet om eröffnet die Sitzung um 121 « Uhr.
Abg. ©etnarb« zeigt ferne Ernennung zum Oberlardtsgerichtsratb an. Eine Gchaltserhöbung ist mit dieser Ernennung ruckt verbunden Das Schreiben geht an die <^chäit»orbnung4.-Eomm'sston.
Tagesordnung: 1) Mündlicher Bericht der Budget-Eommisfion über den derselben aut Vo'drratbung überwiesenen Dheil dcs Etats der Eisenbahnrnrwaltung.
Bericht «^atter «dg Sckroder empfiehlt NamenS der Commission bie unot; änderte Annahme deS Caprtels 4 (Einnahme autz der Central und Betriebsverwaltung,'. — DaS HauS stimmt dem Vorschläge debattenloS zu.
Le, den Ausgaben der Betriebsverwaltung beantragt die Commission, die Titel 1, 2, 3, 4 und 5 unverkürzt zu bewilligen, dagegen die bei Titel 2, 3 und 4 in Parenthese gesetzten Worte:
Diese 3 (Billetdrucker), 1U (Centralbureau- und Kassendiener). 32 (Portier), 364 (Weichensteller), 195 (Wottenfübrer), 736 (Bahnwärter ic), 267 (Lokomotivheizer). 289 (Bremser), 14 (Magazinaufseher), kommen künftig in Wegfall
zu streichen (Dieser Beschluß der Commission bezweckt, den vorstehend näher bk- zelchneten Beamtenkategorien die Beamtengualität und banrt die PensionSbercchtigung zuzuwenden )
Referent Abg SLradw empfiehlt den Antrag zur Annahme.
Reg -Sommlss (ycb. Ratb ediuh erklärt, daß die Maßregel für die Beamten eine Härte nickt emickluße. Im Gegentheil, bie elbe habe den Zweck ben Unterbeamten unter Umständen e n höhere« Einkommen zu gewähren und außerdem eine Herabminderuna der persönlichen Ausgaben zu erzielen. WaS die PensionSberecktigm g anlangt, so wü. dc für dieselbe die Beamten-PensionSkosse eintrcten, ein Ausfall für die betreffenbtn Beamtsn oho nicht erwachsen. WaS die Sicherheit deS Betriebe- betrifft, so fii sich bie Regierung ihrer Verantwortlichkeit für dieselbe sehr wohl bewußt und sie würde diese Maßregel nicht m Vorschlag gebracht haben, wenn ste nicht die vollste (Garantie auch für ihre Unterbeamten übernehmen könnte.
Minister Maydack: Die Tendenz dcS Antrag- habe ihn angenehm berührt, er erkenne barm das Wohlwollen, welches den Elfendahndeamten m diesem Hause ent- gegengetragen wird Die Regierung werde deßhalb dem Anträge nicht entgegentreten, um'oweniger, olS die BeamtlN der Reichsbahnen wegen ihre» großen Diensteifer- allgemeiner Anerkennung sich erfreuen. Er habe die Hoffnung daß der Reichstag bei Annahme des Antrag- im nächsten Jahre auch Gehaltserhöhungen der Ort-zulagkn die Zustimmung nicht versagen werde.
Abg. Frhr. v. Minnigerode erklärt Namens seiner Partei, dem Vorschläge der Commission ebenfalls zustimmen zu wollen, um den Gegnern deS StaatSbahnsyftems jede Handhabe gegen die Verwaltung zu entziehen
Abg. Dr- Miller ist sehr erfreut darüber, daß sich hier im Hause eine völlige Uebereinftimmung der Meinung herausstelle, daß auch jene Unterbeamten für die Folge etatSmäß g und nickt diStarrsch behandelt merben sollen. Wie gefährlich das System der diätarischen Besckä't gung für die Beschäftigten sei, das ergebe em Beispiel in Preußen wo man jenes System angeführt habe. In Königsberg seien Beamte wegen einer Collectivnote plötzl ch entlasten worden
Abg Liepers erfiärt ebenfalls fein Emverständniß mit dem Vorschläge der Commission. Es empfehle sich übrigens, in allen Ressorts darauf Bedacht zu nehmen, daß den Beamten dasjenige gewäbn werde, worauf fi* rechtmäßigen Anspruch haben.
Abg. Bücktemann ermibert dem Abg Minmgerode, daß es sich bei dieser Frage weder um das Staats, noch um das Privat-Bahnsystem bandle, sondern lediglich um ein Gebot be^ Human mt Das diSherigc Verfahren ber Verwaltung lasse das Wohlwollen derselben für ihre Beamten vermissen.
Minister Mavback weist birfe Beschuldigung entschieden zurück. Die por^ze- schlagene Maßregel fei nickt von finanziellen Interessen, sondern von einem gewisten Wohlwollen für bie Beamten bictirt worben, um denselben in theuren Crtm ein sicheres Einkommen zürnenden zu können
Nach einer kurzen Repl k des Abg. Bücktemann wird die Discussion geschlossen und der Antrag der Commission genehmigt. Die einmaligen Ausgaben werden debattenlos bewilligt Es folgt
2) Beraihung des Antrags, betr. die Errichtung eines Reicksiagsgebäudes.
Es wftd zunächst mit Zustimmung der Vertreter der verbündeten Regierungen gegen den Widersprach des Abg Windthorft beschlosten, für den Fall, daß die Vorlage nickt an eine besondere Commission verwiesen werden sollte, nur eine einmalige Be- rathung eintreten zu lassen.
Abg. Hoffmann berichtet zunächst über eine Petition des Director Engel, in welcher derselbe dem Reichstage den Erwerb des Kroll'schen Etablisternents für den Preis von 1,680,000 für den erwähnten Zweck offerirt.


