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fremder Mächte zur Einmischung in eine innere deutsche Frage habe im theil in allen maßgebenden Kreisen Billigung und Zustimmung gesunden.

Wien, 12. December. Heute Vormittag sand im StephanSdome das feierliche Requiem für die bet dem Brande des RmgtheaterS Verunglückten patt. Der Dom war ganz schwarz drapirt; in demselben stand der von exo­tischen Pflanzen eingerahmte und in einem Ltchtmeer erglänzende Katafalk, Die Kirche war von einer unübersehbaren Menge Andächtiger, welche Trauerkletder trugen, übersüllt. Unter Vorantrtit der Geistlichkeit erschienen der Kronprinz, die Erzherzöge, der gesammte Hofstaat, die obersten Hofchargen, sämmtltche Minister, Mitglieder des Herrenhauses und des Abgeordnetenhauses mit den beiden Präsidenten, die Spitzen der Behörden, der Gemetnderath mit dem Bürgermeister, die Generalität, Vertreter der Officter-Corps und andere Nota- bilitätrn. Bischof Angerer celebrirte das Requiem, die Mitglieder des Hof- opern Chors sangen ergreifende Choräle, in welche das erschütternde Schluchzen der Leidtragenden htneintönte. Der wette Platz vor dem Dome, soa>ie die etnmündenden Straßen waren von vielen Tausend Menschen besetzt.

Der Brand des Wiener Ringthcaters.

Wien, 10. December.

Vor den Ruinen des abgebrannten Theaters, vor der Polizet-Direction und im all­gemeinen Krankenhause drängen sich Tausende und Abertausende. Die Meisten weinen. Seit­dem es sich herausgestellt hat, daß in vielen Winkeln und Gängen des Theater«, wohin man bisher wegen der noch nicht gedämpften Feuersgluth nicht dringen konnte, noch ganze Haufen Leichen liegen, ist auch die Befürchtung, daß unter den Trümmern, die das Parquel bedecken, noch unzählige Opfer liegen werden, nahezu zur Gewißheit geworden. Ganze Theile dec Gaüerieen sind in die Tiefe gestürzt und was von lebenden Wesen noch auf ihnen geweilt hatte, ist unzweifelhaft eiend umgekommen und verbrannt. Man weiß fetzt bestimmt, baß an lechs- bunde't Billette für die oberste Gallerte ausgegeben worden waren und es Haden sich auf der Polizei noch keine 150 Personen gemeldet, die Gallertebtllette hatten und entweder davonkamen oder das Theater noch nicht betreten hatten. Der Poltzet-Commissar Patzelt, welcher in den ersten Stunden nach Ausbruch des Brandes mit einigen Genossen in die oberen Räume des Theaters gedrungen war, erzählt: Ich und einige Wachtmänner eilten sogleich, als wir'.ten, daß im dritten Stockwerk noch Menschen sein sollten, so gut es in der herrschenden Dunkelheit möglich war, die Treppen hinauf und zündeten, oben angekommen, einige Pechfackeln an; wir fanden hier die Thür, welche auf die Treppe htnauSführte, geschlossen und konnten trotz allen Rüttelns dieselbe nicht öffnen. Ein uns nachkommender Feuerwehrmann zertrümme te mit seiner Axt die Thür. Ein schauerlicher Anblick bot sich uns dar: An die Thür gedrückt lag und stand eine große Anzahl Leichen, hinter denselben züngelten die Flammen an den Sitzen der dritten Gallerie und hatten bereits die Füße der rückwärts liegenden Leichen erfaßt. Wir griffen hinein in den Leichenhaufen und zerrten einzelne an den Kleidern heraus, die wir so rasch als möglich in das Polizetdirecttonsgebäude trugen. Der Knäuel der übereinander- liegenden Leiwen war so dicht, daß beim Zerren sogar einzelne Gliedmaßen herausgeiiffen wurden. Ich habe von dort allein neun Menschen fortgetragen. Wir hatten eben wieder eine Menge Leichen über die Treppe geschleppt, als plötzlich die vierte Gallerte krachend und prasselnd sich senkte und auf die dritte Gallerie stürzte. Run bot sich ein schauerlicher Anblick dar: Von der vierten Gallerie stürzte eine Menge menschlicher Körper in das Flammenmeer, in dem sie verschwanden. Wir konnten hier nichts mehr ausrichten und mußten uns, um unser eigenes Leben zu retten, rasch entfernen. Die Wiener Blätter die in der raschen, vielseitigen und würdigen Darstellung des Unglücks geradezu Großartiges geleistet haben bringen zahllose Erzählungen einzelner Geretteter. Eine Schilderung ist immer furchtbarer als die andere, und man könnte ganze Zeitungen füllen, wenn man auch nur die entsetzlichsten Fälle wicdergeben wollte. Den gräßlichsten Eindruck machen aber die Leichen im Krankenhauje und im Garnisonhospital. Hören wir darüber die Schilderung eines Arztes, der sich folgendermaßen autzdrückt: Die Meisten waren entweder vom Rauch erstickt oder durch die nachdrängendc Menge erdrückt worden. Geschwärzt bis zur Unkenntlichkeit, mit dem Ausdruck der Angst und Verzweiflung 'm Gesichte, harten fast alle diese Unglücklichen die Arme im Ellenbogengelenke gebeugt über den Kopf er­hoben, die Hand krampfhaft zur Faust geballt; bet vielen waren die Augen aus den Höhlen getreten. Furchtbar war der Anblick Jener denen die stark angeschwollene Zunge zur Hälfte aus dem Munde hing. Der vor dem Tode eingetretene Starrkrampf grub die Zähne tief und fest in das Zungenfleisch ein. Die Mosten hatten die Nasenbeine eingeschlagen, wahrscheinlich von den Füßen der über sie Hinwegstürmenden oder in Folge des Fallens üller die Treppen. Im ehemaligen Secirsaale des Garnlsonspitals liegen 50 Leichen oder vielmehr bis zur Unkennt lichkett verkohlte Klumpen oder Gerippe; bei vielen war die Schädeldecke durchschlagen, das Gehirn zu einer harten Masse zusammengebacken, im Gesichte kerne Spur eineZ physiognomischen Ausdrucks, von den Mu.keln nur die widerstandsfähigen Sehnen übrig. Die Röhrenknochen waren splittrig gebrochen, das Mark im Innern derselben zerschmolzen, hier und da sanden sich noch Fetzen von Kleidungsstücken, an manchem Finger glänzte ein Ring. Man hatte den Leichen auf die Brust das Vorgefundene Geld gestgt, meist in Kupfermünzen bestehend, welche ihre Form in der Hitze verändert hatten. Die bereits tdentificirten Todten sind meistens den An­gehörigen ausgeltefert worden. Ditjcniien menschlichen Ueberreste, deren Zustand jede Jventi- ficirung vollständig unmöglich macht, werden, so genau es eben geht unter,ucht und beschrieben werden. Man wird bann das Ergebntß veröffentl chen und die traurigen Utbemfte auf Gr- metndekosten in einem gemetnschafclicken Grabe besetzen, welches einen Denkstein zur Ertnneruna an das beispiellose Unglück erhalten soll. 8

Wien, 11. Dezember.

Noch immer brennt der Eckpavillon des Ringtheaters, das Feuer greift durch die Pla­fonds noch in die bisher verschont gebliebenen unteren Wohnungsräume; die Löschung ist un­gemein schwierig, weil der Feuerherd durchaus unzugänglich ist. Die Feuerwehrleute stehen draußen auf hohen schwankenden Lettern und suchen vergebens die Wafferstrahlen in die brennenden Zimmer htneinzuleiten. Die stehengebliebenen Außcnmauern können von der Feuerwehr nicht betreten werden, weil sie jeden Augenblick dem Einsturz drohen, darum sind zunächst an verschiedenen Punkten Pölzungen vorgenommen worden, welche selbst wieder schwierig und gefährlich sind. Zur Zett ist es unmöglich in das furchtbare Chaos im Innern vorzu dringen, das noch wertere Leichen birgt. Zeitweise stürzen noch Theile der Galerien und Treppen ein; auch in einzelnen bisher unzugänglichen Winkeln der oberen Treppen muffen, k zahllose, vielleicht Hunderte Tobte liegen, viele sind an einzelnen Punkten

buchstäblich zu Asche verbrannt. Heute Vormittag ist die entgültig festgestelltc berichtigte Liste der Vermißten erschienen, sie erreicht die erschreckend hohe Summe von 917. Es ist doch fast ^audlich, daß so viel umgekommen sein sollten. Immerhin aber scheinen nach den genauesten Schatzungen über 600 Menschenleben vernichtet; recognoscirt konnten nur 167 werben. Der

J?TC. ^"gehörigen nicht mehr gefunden haben, ist geradezu un- beschreibl ch. Heute Mittag erscholl von den Thürmen sämmtlicher Wiener Kirchen klagendes Trauergkiaute. Da die meisten der erkannten Verunglückecn beute beerdigt werden, so war die Straße nach dem Friedhof mit Fuhrwerken und Menschen dicht besetzt. In allen Wagen siebt man nur Weinende, auch das Publikum auf allen Straßen ist sichtlich gedrückt, der ganze Ver­kehr vollzieht sich mit auffälliger Solle; morgen werden die Ueberreste der nicht tdentificirten ul» 6ctmVOn tct Gemeinde veranstalteten Leichenfeier nehmen sämmk-

ltche Beböiden, Corporationen, Vereine, die Studentenschaft u. s. w. tbeil. Um 9 Uhr findet ttn Traue,amt in der Stephansltrche statt; dann die Fahrt nach dem Centralfriedhof, wo ein Un,b?rllUd)ttt<I Äat,Qfalf «dichtet wurde. Um 11 Uhr findet d.e Einsegnung nach katholischem, griechischem, evangelischem und israelitischem Ritus statt; schließlich wird der ^ü^E^"^i^« -in- Trauerrede halten Im Gemeinderathe krm .s gestern wegen der Form der Leichenfeier zu heftigen, stürmischen, oft unwürdigen Scenen. Eine Partei durch Dr Lueger vertreten, wollte einen großen Leich nzug von 280 Särgen, hinter welchen'alle Corpo- rationen der Bevölkerung einhe,schreiten sollten ; eine andere, durch den Redacteur der treffe" «"ter v. Wiener, gefühlt verlangte die Übertragung der Leichm zum Friedhöfe bei Nacht' bann ein Requiem in der Kirche und eine Feier auf dem Friedhöfe. Die letztere Ansicht si-gie mtl b«' Stimmen Mehrheit. Die Benö.kerung ist durch diese Zwistigkeit ziemlich erregt und unwillig. Morgen werden auf Befehl des Kaisers alle Theater geschloffen; desgleichen wird die Borie geschloffen bleibe.-. W'e sich vorauSsehen ließ, tritt die F.age nach den Schuldigen immer stürmischer hervor, es erscheint nunm hr nach den bestimmten Aussagen einzelner (tic; rdteten unzweifelhaft, daß die Polizei im unseligen Wahne, daS Theater sei vom Publikum völlig geiaumt, die Suche nach verung'.ückon Menschen gegen halb 8 Uhr einstellte. Thatsäch- lich wurde dem beim Brande erschienenen Erzherzoge Albrecht vom Polizetrathe Landstemer die ! Meldung erstattet:Es ist Niemand mehr im Theater." Einer gereiteten Dame, einem Fräu- | hin Pawlik welche vorher versichert batte, es seien noch Hunderte im Hause, darunter ihr I Vater, ihre Mutter und Schwester, riefen Polizeibeamte zu:Es ist Niemand drin, schreien

Sie nicht! und nomten als sie'weiter jammerte, ihren Namen und Adresse. Weiter geschah nichts und die Angehörigen der Dame v-rbrannten sammtlich. Die Schuld liegt offentu iDiq aut allen Seiten. Wien fordert gebieterisch durch die gesammte Presse entschieden Sühne für die armen Opfer, die theilweise im Schutt verwesen, so vaß heute die ganze Drandstä.t' mt tarbolhaltigem Wasser desinficirt werden mußte. G eicheS geschah auf der Polizeiciceciion u..d tm Krankenhause.

Wien, 12. December.

f. Z061 Requiem in der Stephanskirche folgte die von dem Gemeinderatb ver­anstaltete Lelchenfeler. Vom Dome aus fuhren lange Wagenrethen von Theil- nehmern nach dem Central-Friedhofe, vor dessen Hauptthor seit heute früh eine starre Aothellung Cavallerie zur Aufrecht erhaltung der Ordnung posttrt war. In weitem Halbkreis um die Arkaden war Infanterie und die Sicherheitswache zur Frei- haltuiig des für die Feter reservirten Raumes aufgestellt. Zwischen den Arkaden war em prachtvoller Katafalk mit vielen hundert Lichtern über einem prächtigen Kastrum errichtet, darüber ein reich mit Silber gestickter Baldachin; vor dem Katafalk waren schwarz behangene Betstühle aufgestellt und eine Estrade errichtet. Ringsherum waren e^Otl,Sv Punzen ausgestellt; von Kränzen, deren Schleifen meist die Namen der un­glücklichen Opfer trugen, war im Laufe des Vormittags eine große Anzahl einae- troffen. Der Erzherzog Carl Ludwig und seine Gemahlin widmeten einen großem Kranz, aus Veilchen. Cam lien und Palmzweigen bestehend. Das Abgeordnetenhaus spendete einen Lorbcerkranz mit der Inschrift auf den Schleifen:Den unglücklichen Opfern des Rkngiheaters!" Kränze wurden ferner gespendet von dem Jnfanterie- Regimenie Kuhn, dem Schubert-Bund, dem kaufmännischen Verein u. s. w Zur Seite des Katafalks standen je 50 uniformirte Fackelträger der BestattungsanstaltCon­cordia", hinter denselben eine Militärkapelle. Zu beiden Seiten des Katafalks, entlang den Arkaden, standen auf schwarz drapirten Postamenten je 70 Metallsärge, theils mit Nummern versehen, letztere Nicht agnoscirte Leichen enthaltend Auf jedem Sarge lagen meh-ere Kränze. Bis gegen 10 Uhr war der Andrang des Publikums ein mäßiger, nur die jammernden Leidtragenden waren sehr zahlreich Eine herzergreifende Scene war es, als b e Trauernden die langen Sargreiben entlang schritten, die Emen die Sarge ihrer agnoscirten Angehörigen suchend, die Andern jammernd die Reihen der nummerirten Särge durchirrend. Leute aller Berufsklassen, aller Stände, Männer Frauen und Kinder waren unter den Leidtragenden und Trauergästen, deren ^ahl rou[i>e". Um 11 Uhr erschienen Feldmarschall-Lieutenant Tiller, General- Mafor Kaiffel und eine große Anzahl von Osficieren, darunter auch von der ungar­ischen Garde. Mit dem Trauerzuge aus der Stephanskirche kam der Gemeinderath fast vollzählig, ferner viele Abgeordnete, zahlreiche Schauspieler von hiesigen Theatern Vertreter der Aristokratie, der Studentenschaft, von Vereinen und Corporation^ rc. Zehn Minuten nach 11 Uhr begann die Leichenfeier. Die Musik-Capelle intonirte den Trauermarsch von Beethoven. Der Opernchor sang einen Trauerchoral. Inzwischen nahe.te sich die Geistlichkeit aller Confessionen dem Katafalk. Voraus gingen die Träger des Kreuzes, hierauf folgten acht römisch-katholische Geistliche mit dem Probst Marschall, sodann der griechischckatholische Archirnandrit und ein Geistlicher, vier pro­testantische Pastoren, ei» Rabbiner und der Synagogenchor. Probst Marschall nahm zuerst die Einsegnung vor- Der Opernchor sang:Es ist bestimmt in Gottes Rath" Die katholischen Geistlichen schritten die Sargreihen ab, wobei Probst Marschall jeden Sorg mit Weihwasser besprengte und segnete. Hiernach traten die griechisch katholischen Geistlichen zur Einsegnung der Todten vor. Lautes Wehklagen unterbrach wiederholt die heilige Handlung. Eine Mutter wurde am Sarge ihres Kindes wahnsinnig und konnte nur mit Mühe entfernt werden. Nachdem die griechisch-katholischen Geistlichen die Einsegnung, welche nur wenige Minuten in Anspruch nahm, beendet hatten, hielt der Pfarrer der evangelischen Gemeinde eine Leichenrede, n welcher er in ergreifenden Worten das Unglück schilderte, die von Trübsal schwer Heimgesuchten auf die Allmacht, aber auch Allgüte des Ewigen verwies, unter dessen gemalt ge Hand wir uns beugen wollen: Er hat uns zerrissen, Er wird uns auch heilen. Kein Auge blieb thränen- leer. Hieraus folgte die Einsegnung durch den Pastor der helvetischen-Gemeinde. Nach dem ein Choral gesungen worden war, trat der jüdische Prediger Jellinek vor und hielt gleichfalls eine herzergreifende Leichenrede, in welcher er sagte, das unsäglich traurige Ereigniß möge Allen, welche Kunde davon erhielten, eine ernste Mahnung sein streng und gewissenhaft in jeder Richtung ihre Pflicht zu thun, denn die geringste Pflicht ist heilig und eine Vernachlässigung derselben kann Verheerung und Vernichtung herbeiführen. Möge aus dem thränenfeuch'en Staube, aus der gemeinsamen Erde der Baum des religiösen Friedens und der confession<llen Eintracht auch für das Leben entsprießen, möge unsere Stadt von heute an allen andern Städten und Staaten voran- leuchten durch edle Brüderlichkeit, welcher keine Sprache fremd ist, keine Confession ferne steht, dann wird der Feuerschein in der Nacht vom 8. December nicht blos zer stört und gelobtet, fonbern auch Frieden gestiftet und den Brudersinn belebt haben Nachdem hierauf der Synagogenchor ein Trauerlied oorgetragcn hatte, betrat Bürger meister Rewald die Estrade, um der Trauer der Stadt Wien Ausdruck zu geben. Der Redner schloß: An diesem Grabe trauert die Bevölkerung W'ens, trauert Oesterreich trauert die ganze Welt So mächtig und allgewaltig der Schmerz ist, so unoergäng lich wird die Trauer sein. Nimmer werden d e vergessen werden, welche dort ruber, sorgsam soll ihr Grab gepflegt, an jedem wiederkehrenden Todestage geschmückt werden Ein Denkmal soll sich über ihnen erheben zum Trost für die U nterbliebenen zur warnenden Erinnerung für ewige Zeiten. Hiernach setzte sich her Trauerzug 'zum Grabe in Bewegung.

Lokales.

Gießen, 13. Dezbr. (SchwurgerichtSverhandluna am 12. Dezbr. 1881.) I. gegen Heinrich Scharmann von Kestrich wegen Urkundenfälschuno.

Derselbe ist beschuldigt:

1) daß er sich tm Sommer I. IS. den Betrag von 7 Jt, welcher ihm von dem Jo Hannes Schleuntng von Stumpertenrod zur Ablieferung an Großh. Rentamt «lösest übergeben worden war, rechtswidrig zugeeignet habe,

2) daß er zu derselben Zeit eine inländische öffentliche Urkunde, nämlich eine duittunc Großh. Rentamts Alsfeld, in der rechtswidrigen Absicht, sich einen Dermöqensvortheil zu ver schaffen, fälschlich angefertigt und daß er von dieser Urkunde zum Zwecke einer Täuschung Ge brauch gemacht habe.

Angeklagter wurde für schuldig erkannt, ihm jedoch bezüglich der Urkundenfälschmzg mildernde Umstände zuerkannt. Derselbe wurde unter Einrechnung der von dem Großherzozl. Schöffengericht Alsfeld gegen ihn ausgesprochenen Strafe zu 7 Monaten und eine Woche Gefängniß verurtheilt.

II. gegen Georg Meisinger von Ober-Wöllstadt wegen Versuch« der Brand stiftung.

Derselbe ist angeklagt: Daß er am 20./21. Septbr. I. I., oder voch um diese tyif den Entschluß die Scheuer des Philipp Casimir Meisinger II. zu Ober-Wöllstadt ü Brand zu setzen, durch Handlungen belhätigt habe, welche einen Anfang bet Ausführung bei Verbrechens der Brandstiftung enthalten.

Meisinger wurde für schuldig befunden und in eine Gefängnlßstrafe von 9 Monate«, woran 2 Monate erlittene Untersuchungshaft in Abzug kommen, verurtheilt.

Gießen, 13. Dezember. Die gestern Abend in Wenzels Saale zusammen berufen- Versammlung, in welcher Herr Dr. Löwenthal, Direktor der Rabatt-Spar-Anftalt in Berlin, das Wesen dieser Anstalt erläuterte, wurde von Herrn Professor G areis präsiditt- Nach den einleitenden trefflichen Worten des Herrn Vorsitzenden, in welchen er zur Nuh- und Mäßigung aufforderte, sprach Herr Dr. Löwcnthal in längerem Vortrag über bat Entstehen, die Einrichtung und den voraussichtlichen Nutzen vorgenannter Anstalt. Nach ihm sprach Herr Ferd. Hoffmann von hier, welcher die vorher gehörte Ansicht z« widerlegen versuchte. An der hierauf stattgefundenen Debatte bethelligten sich noch außer Herrn D r. Lowenthal, die Herren Adolph Noll, Heinrich Jughardt, Dr. Eng elman n, Fr. Tresselt, welch letztere Herren sich sämmtlich gegen die Anstalt aussprachen. Herr Direktor Georg Noll schlug einen Vermittlungsvorschlag dahin vor, man möge die hier erzielten Resultate abwarten und dann enschoiden. Nach vielen pro unb contra, welches zuwellen eine erregte Färbung annahm, wurde der vorgeschrittenen Zeit halber, die Versammlung vom Vorsitzenden mit Worten des Dankes für Herrn Dr. Löwer- thal geschloffen. Im Resumo hob auch Herr Professor Gareis den volkswirthschaftlichea Werth dieser Anstalt hervor, freilich ohne alle Anwesenden vollständig zu überzeugen.

vermischtes.

Lang-GönS, 12. Dezember. Die Sonntag den 11. er. bei Gastwirth Weil dahier abgehaltene Feier zur Erinnerung des Stiftungstages der hiesigen fr. Feuerwehr verlief in