Am Kurhaus brachten die Gesangvereine und die Kurhauskapelle em Ständchen, worauf brillante Illumination des Parkcs, der Stadt und des Sprudels erfolgte. Um 8 Uhr nahmen die allerhöchsten Herrschaften den Thee bei dem Großherzogl Bade- commissär in dessen Wohnung ein; auf dem freien Platze am Sprudel conceitrrte die Kapelle der Marburger Jäger. Gestern (Sonntag) Morgen nahmen S K. H. der 1 Grobherzog nebst gesammter Familie Theil am Gottesdicnste tn der Stadtkirche. Nach. : mittags 2 Uhr fand große Tafel zur Vorfeier des allerhöchsten Geburtstages statt, zu welcher die höheren Offiziere der manöorirenden Truppen und einige fremde Offiz'ere eingeladen waren. Während des Diners spielte die Mustk des 115. Regiments im . Schloßhofe. Abends 7 Uhr fand großer Zapfenstreich von sämmtlichen Militär-Mufik- corps circa 300 Mann, statt. Heute früh begab sich S. K. H. mit Familie und Gefolge zu den Manöoern in der Gegend zwischen Ilbenstadt und Kaichen. Aufs neue sind heute alle Flaggen und Fahnen m Friedbergs Mauern zu Ehren des allerhöchsten Geburtstages aufgezogen. Zu der Illumination heute Abend trifft unsere Einwohnerschaft die letzten Vorbereitungen.
Berlin, 11. Septbr. Die „Nordd. Allg. Ztg." bringt einen berner- kenSwerthen Artikel über die EntschLdigungsfrage bei Einführung des Tabaks- Monopols. Sie schreibt: „Die Ziffer von 700 Mill. JL als Betrag der Entschädigungskosten bei dem Monopol rührt aus einem dem Monopol höchst feindlichen Berichte der Enquetecommisston her. Nach anderen wohlbegrüadeten Berechnungen bleibt die Entschädtgungs-Zahlung weit unter der Hälfte der obigen Annahme zurück, weil ein großer Theil der Ansprüche auf Entschädigung vom rechtlichen Standpunkte durchaus nicht so begründet erscheint. Zunächst ist bei der Einführung des Monopols der Ankauf von Rohtabak und Fabrikaten, die sich in den Lagern der Fabrikanten und Kaufleute vorfinden, als unerläß- lich zu bezeichnen. Hierfür werden 80 Millionen erforderlich sein. Zu diesen kommen noch für Ankauf und Anlegung von Fabriken 20 Millionen. Diese 100 Millionen würden für Zinsen und Amortisation eine JahreSausgibe von 5 Millionen, der Ankauf der in den Fabriken vorhandenen Werkzeuge und Utensilien 3 biS 4 Millionen erfordern. ES wird die Frage zu erwägen sein, ob den Fabrikanten überhaupt Entschädigung wegen Aufhebung ihre- Gewerbe- Betriebs gewährt werden soll. Frankreich gewährte diese Entschädigung nicht. In Oesterreich hielt diese Entschädigung sich in sehr geringen Grenzen. Wich- tiger aber erscheint die festzuhaltende principlelle Auffaffung, daß in keinem Staate ein Recht von Privatpersonen auf Erhaltung der jeweiligen öffentlichen rechtlichen Ordnung deS Erwerbslebens anerkannt werden darf. Die Gewerbe- freihett ist nur ein öffentliches rechtliches Princip, welches niemals eine Quelle der privatrechtlichen Ansprüche auf Gewerbebetrieb oder deffen Fortführung bei veränderten öffentlichen rechtlichen Normen werden kann. Es kann überhaupt nie von einer privatrechtlichen Entschädigungspflicht des Reiches dem Tabaks- fabrikanten gegenüber die Rede sein, sondern nur von Entschädigung auS Billig- keitsgründen, welche deshalb auf ein bescheidenes Maß zu beschränken wäre. Die GesammtauSgabe für Uebernahme der Utensilien und für Unternehmer- Entschädigung, ausschließlich der für TabakSvorräthe, wird 9 Mill, betragen. Hiermit würden überhaupt 109 Mill. JL als Kosten für Einführung des TabakSmonpolS nothwendig werden, also eine Jahresausgabe von 6 Mill, an Verzinsung. Die „Nordd. Allg. Ztg." hielt eS für angezeigt, darauf aufmerksam zu machen, daß die Regierung ganz andere Ziffern zur Grundlage ihrer Rechnung machen könnte, als diejenigen, die jetzt von leidenschaftlichen und kenntnißlosen Gegnern des Tabaksmonopols unablässtg aufgetischt werden.
Amerika. A
Washington, 11. September. Staatssekretär Blaine telegraphirt über das Befinden des Präsidenten, das Fieber habe in der verflossenen Nacht erheblich zugenommen, Staatssecretär Windom, welcher den Präsidenten Mittags besuchte, habe denselben sehr erschöpft gefunden, sein Geist sei indeß klar.
Telegraphische Depeschen.
Wolff'S telegr Correspondenz - Bureau.
Berlin, 12. September. Der fünfte internationale Orientalistencongreß wurde heute früh durch den Präsidenten Prof. Dillmann in der Aula der Universität eröffnet. Etwa 150 Gelehrte aus dem Auslande und eine zahlreiche Zuhörerschaft waren zugegen. Der Eultusminffter hieß den Congreß im Namen der Staatsregierung willkommen und sagte in seiner Rede: Wenn der Congreß beschlossen habe hierher zu kommen, so habe er auf die Annehmlichkeiten der Natur verzichtet, aber derselbe finde dafür im Norden viel Ernst und Tüchtigkeit. Er begrüße die Theilnehmer deffelben aus Paris, London, Rußland, Amerika, Indien und China, so viele Männer seien zusammengekommen aus allen Culturländern zu ernster Arbeit. Das Programm deute eine Fülle der Bestrebungen des Congresses. Derselbe zeige den wunderbaren Zusammenhang zwischen Occident und Orient, an diesem Zusammenhang sei nicht unbetheUigt die Berliner Universität, an der schon im Jahre 1816 Bopp gewirkt. Die Wissenschaft kenne keine Nebenbuhler, sondern nur Mitarbeiter.
— Der „Reichsanzeiger" schreibt: Die Staatsregierung hat definitiv den Antrag der Deputation der Actionäre der Bergisch-Märkischen Bahn, das Angebot des Staates von 44/5 pCt. Rente auf 5 zu erhöhen, abgelehnt. Die Generalversammlung werde sich eirdgültig darüber schlüssig zu machen haben, ob sie das Angebot der Staatsregierung annehmen wolle.
— Die Kaiserin wird Ende dieser Woche auf Wunsch der Aerzte liach Baden-Baden übersiedeln. Die Kaiserin hat die nachgesuchte Antrittsaudienz des Bischofs von Trier bis auf spätere Zeit verschieben müssen, weil der langsame Verlauf der Reconvalescenz noch keine offiziellen Audienzen gestattet.
Itzehoe, 12. September. Zum Empfange Sr. K. K. Hoheit des Kronprinzen, der sich gestern Abend nach seinem Absteigequartier in Schloß Breitenburg begeben hatte, waren alle Ortüvorsteher, der Kriegerverein und die Liedertafel erschienen. Die Schuljugend begrüßte Se. K. K. Hoheit mit einem Gesang. Der Kronprinz unterhielt sich mit den Lehrern und Kindern aufs Leutseligste. Später am Abend wurde Sr. K. K. Hoheit von sämmtlichen Gutseingesessenen ein Fackelzug dargebracht.
Se. Majestät der Kaiser begab sich heute Dormittag 10 Uhr 30 Minuten von hier zur Abhaltung der Parade über das 9. Armeekorps nach dem Lockstedter Lager und wurde von der zahlreich von allen Seiten zusammengeströmten Bevölkerung mit lautem Jubel begrüßt. In seiner Begleitung befanden sich Ihre K. K. Hoheit die Kronprinzessin, sowie Ihre K. Hoheiten tue Prinzen Wilhelm und Heinrich und der Großherzog don Mecklenburg-Schwerin. Die Parade verlief glänzend. Nach 2 Uhr kehrte S. Majestät mit zahlreicher Suite in die Stadt zurück. Um 4 Uhr findet im Rathhause ein Diner zu 220 Couverts statt, zu welchem ausschließlich höhere Militärs und insbesondere die fremdherrlichen Offiziere Einladungen erhalten haben.
.Oamburfl, 12. September. Der Präsident der Handelskammer forderte soeben die Kaufmannschaft auf, am künftigen Mittwoch, wo Se. Maj. der Kaiser die Stadt Hamburg besucht, nicht allein den Börsenbesuch zu siftiren, sondern auch ihren Angestellten frei zu geben, damit sich Alle an den Empfangsfestlichkeiten betheiligen könnten. Die Aufforderung wurde sehr enthusiastisch und mit einem dreimaligen stürmischen Hoch auf den Kaiser aufgenommen.
Paris, 12. September Nachrichten aus Tunis zufolge hat Mustapha Pascha auS Gesundheitsrücksichten seine Entlastung gegeben und glaubt man, daß der Bey dieselbe annebmen werde. Tie Nachricht von der Niederlage eines französischen Detachements bei Gabes bestätigt sich bis jetzt noch nicht. — Eine Korrespondenz der „Agence Haves" aus London weist auf die schweren Unzuträglichkeiten hin, welche eine Besetzung Egyptens durch die Türkei herbeiführen würde; dieselbe wurde alle in Egypten erreichten Fortschritte zerstören. Es sei nicht anzunehmen, daß Frankreich und England einen derartigen Fehler
zulaffen würden; das Einvernehmen dieser beiden Mächte in Bezug auf die finanziellen Angelegenheiten habe Egypten gerettet. Die öffentliche Meinung in Frankreich und England wünsche lebhaft die Aufrechterhaltung dieses Einvernehmens.
Friel, 12. Seplbr. Das deutsche Panzer-Gejchwider und die Nicht „Hchenzoüern" find heute Vormittag wieder hier eingelauseu.
— Die russische Fregatte „Swetlana" und die russische Eorvette „ALkold" sind gestern Abend hier einqelaufen.
Karlsruhe, 12. Srptbr. Der „Bad. LandeSztg." wird aus Stock« Kolm gemeldet: Die Königin und der Kronprinz von Schweden werden am 15. ds. in Frankfurt a. M. eintreffen, wo die Königin b:s zum 18. ds. verbleiben wird, an welchcm Tage der König mit großem Gefolge dort ankommen wird. Die Ankunft in Karlsruhe erfolgt am 19. dS.
Zürich, 12 Septbr. Gestern Abend Uhr hat bei dem Dorfe Elm im Kanton Glarus ein Bergsturz stattgefunden. Es sollen an 30 Häuser und gegen 200 Personen verschüttet sein. DaS Thal steht unter Master.
Basel, 12. September. Die „Baseler Nachrichten" melden über den Bergsturz bei Elm: Das Bergdorf Elm im Sernfthal (Kanton Glarus) ist durch den Plattenberg theilweise verschüttet, 150 Personen sind unter dem Bergsturz begraben, Hllfe ist unmöglich, das ganze an tausend Seelen zählende Dorf ist bedroht.
Petersburg, 12. Septbr. Nach einer Meldung aus Baku hat die Naphtaquelle von Krasstlnikoff, welche vor einigen Tagen in Brand gerathen war, gestern, ganz von selbst, zu brennen aufgehört.
Washington, 12. Septbr. Während der Ablösung der Schildwache schoß der UnterofPcier Mason auf den Attentäter Guffeau. Die Kugel streifte den Kopf Guiteau's und drang in die Wand der Zelle ein. Mason wurde verhaftet.
New-Uork, 12. Septbr. An der atlantischen Küste herrscht ein Ost- Orkan, in den Weststaaten ist Regenwetter eingetreten; die feitherige Dürre scheint beendet.
Longe Brauch, 13. Septbr. Amtliches Befinden von heute früh 8V2 Uhr: Präsident Garfield hat die Nacht außerordentlich gut verbracht. Die Eiterung der Speicheldrüsen hat fast ganz aufgehört, der Husten ist minder stark, ebenso ist der Schleimauswurf viel geringer geworden. Puls 100, Temperatur 98,04, Respiration 18.
Lokales.
Gießen, 13. Septbr. Tagesordnung für die Stadtverordneten - Sitzung Donnerstag, den 13. September 1881, Nachmittags 4 Uhr:
1) Der Bau einer Eisenbahn von Gladenbach nach der Main-Weser Bahn.
2) Die allgemeine Bauordnung für das Großherzogthum Hessen.
3) Die Abhaltung der Wochenmärkte.
4) Reklamation des Fabrikanten Adolf Noll dahier wegen Doppelbesteuerung.
5) Die Vermiethung der Kellerräume in dem neuen Mädchenschulgebäude.
6) Klage gegen dm OrtSarmenverband Bruchköbel.
7) Gesuch des Großherzogl. Garnison-LazarethS dahier um Erlaubniß zur Rohrlegung durch städtisches Eigmthum.
8) Gesuch der Großherzogl. Garnison-Verwaltung dahier um Erlaubniß zur Utber brückung des Schoorgrabens.
9) Die Verwerthung von Steinen auS dem neu eröffneten Steinbruch an der neunten Schneise im Distrikt Hochwart.
10) Gesuch des Johannes Nickel In Wikseck um käufliche Ueberlaffung von Geräth« schäften.
11) Anschaffung von Steinkohlenöfen tn daS alte RathhauS.
12) Die Einfriedigung der städtischen Anlagen.
13) Gesuch des Maurermeisters Birkenstock dahier um Erlaubniß zum Ueberfahren des Trottoirs an der Bahnhofstraße während der Arbeiten am Lenz'schen Hause.
14) Gesuch deS Maurermeisters Christian Haubach dahier um Erlaubniß zum Lagern von Baumaterial auf städtischem Elgenthum.
15) Gesuch des Kaufmanns Georg Bogt dahier um Erlaubniß zur Anlegung eines Etnfallschachts.
16) Gesuch des Metzqermeisters Karl Sack I. dahier um Erlaubniß zur Anlegung eines | Hchaä ts am Kellerloch.
17) Gesuch des Bierbrauers Eduard Pöschel dabier um Erlaubniß zum Erbauen etner Waschküche.
18) Gesuch de« Heinrich Häuser I. und des Balthaser Schueidmüller II. um Erlaub- niß zum Erbauen eines Hintergebäudes.
19) Gesuch derselben um Erlaubniß zur Ueberbrückung eines GrabenS.
20) Gesuch des Bierbrauers ZohauueS Förtsch dahier um Erlaubniß zur Anlegung eines Treppenaufgangs.
21) Gesuch deS Schloffermeisters Karl Stohr dahier um Bauerlaubntß.
22) Straßenumbau von der Bahnhofstraße nach der Westanlage.
23) Die Verbreiterung der Wrtzsteingaffe.
24) Decretur von Kostenrechnungen.
Vermischtes.
Frankfurt, 13. September. (Patent-Ausstellung). Am 15. September wird die hiesige Gartenbaugesellschaft auf dem Terrain der Villa Leonhardsbrunn ihre diesjährige dritte temporäre Ausstellung und zwar die Herbstausstellung eröffnen. Nach den dazu getroffenm Vorbereitungen und zahlreichen Anmeldungen, verspricht dieselbe sehr großartig zu werden, denn neben dm Tops« und Zierpflanzen und Blumenbindereien wird diesmal daS Obst die erste Stelle einnehmen- Auch wird die Ausstellung volle 4 Wochen dauern: vorn 15. September bis zum 15. Oktober.
— Der Schluß der Ausstellung ist jetzt bis zum 15. Oktober verschoben, denn daS Circular des Vorstandes, daS die Verlängerung tn Vorschlag brachte und tn diesem Sinne bet den einzelnen Ausstellern anfragt,, hat allgemeine Zustimmung gefundm. Auch daS große Publikum spricht sich durchweg günstig für di, Verlängerung aus, und dahin wird dann auch wohl daS eine oder andere Projekt zur vollstänvigm oder cheilweisen Erhaltung deS ganzm (Stab liffemmts für das nächste Jahr zur Reise gediehen sein.
Die 2. AusstellungSlotterie ist nun auch definitiv beschlossen, und die ersten Einkäufe werden bereits von dem betr. ComitS gemacht. Vorläufig ist die Zahl der Loose aus 150,000 festgesetzt, da aber die Gewinne nur eine ganz geringe Verminderung erfahren, fo dürfte d'r Zweite entschieden vortheilhafter als die Erste auSfallen. Die Ziehung der Erstm wird in den letztm Tagen des September stattfinden, viell:»cht schon um einige Tage früher, dmn dir Loose find nahezu tergriffen.
Krofdorf, 13 September. Gestem Mittag schlug der Blitz hier ein, beschädigte zwei Häuser, ohne zu zünden. In einem Hause wurde eine Frau leicht berührt.
Literarisches.
• • Von „Schillers Werke", tflufhirte Prachtausgabe mit mehr als 700 Jllu strattonm erster deutscher Künstler, Verlag der deutschen D«rlagS<Anstalt vormals E. Hall berget, Stuttgart, ist unS nunmehr Heft 6—9 zugegangen. Was wir schon früher über dieses Prachtwerk sagen konnten, findet autfa auf die neueren Lieferungen Anwendung : es wirb eine Zierde in jeder HauS- und Familiellbiliothek bilden_______________________________
»ehiir*berieht. MUgetheilt von dem norddeutschm Lloyd in Bremen.
Bremen, 10. September. Die „Elbs", der neue Postdampfer deS Norddeutschen Lloyd, Lat auf der soeben vollendeten dritten Reise nach Newyork noch mehr alS auf den vorhergehenden gezeigt, daß er dm rasch erworbenen Ruf deS schnellsten Dampfers auf dem Deren mit vollem Rechte verdient und auch behauptm wird. Die „Elbe" ging am 31. August, 4 Uhr Nachmittags, von der Außentonne der Weser und am 1. September, 7 Uhr Nachmittags, von Southampwn ab, und da sic l errits gestem Nachmittag 5 Uhr in Newyork eingetkoffen ist, so ergiebt sich daraus eine Rci'edauer von nur 8 Tagen 23 Stunden von der Weser, oder 7 Tage 22 Stunden von Enaland, eine Leistung, die bei Berücksichtigung des Längenunterschieds I zwischen Southampton und Queenstown wohl die schnellste Reise über dm Ocean sein dürfte- |
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