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9hr. 13M. Dienstag den 14 Zuni 1881.

chiehencr Anzeiger

Aiiicigt-- uni) AmlsblE für irn Kreis Gießen.

Bureau: Schulstraße B. 18.

Erscheint täglich mit Au-»nahrne bei Montags.

Preis vierteljährlich 2 IRarf 20 Pf. mit Vrinzerlohn.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Amtlicher Hyeil. Bekanntmachung.

Montag den 20. Juni L I, Vormittags 10 Uhr, findet in dem Reglerungsgebäude zu Gießen die diesjährige regelmäßige öffentliche Sitzung deS Provinztaltag- der Provinz Oberheffen statt.

Tage-ordnung: 1) Prüfung der Wahlen zum Provinzialtage.

2) Wahl von 4 Mitgliedern und 2 Ersatzmttgltedern zum Provtnzialtage.

3) Wahl eine- Mitgliedes und eines Ersatzmitgliedes zur Ober-Ersatzcommission.

4) Prüfung der Rechnung der Piovinzialkaffe für 1880.

5) Erstattung deS VerwabtungsberichtS für 1880.

6) Feststellung des Voranschlags der Provinzialkaffe für das Rechnungsjahr 1882/83.

Gießen, am 11. Juni 1881. Der Vorsitzende des ProoinzialtagS.

Dr. Doekmanu. _____________________________________________

Gießen, am 10. Juni 1881.

Betreffend: Da- Lavdgestüt, insbesondere die Bedeckung der Stuten durch die LandgestütSbeschäler.

Das Grobherzogliche Kreisamt Gießen

an die Großherzoglieben Bürgermeistereien des Streifet).

Wir erinnern Eie an Einsendung der Derzeichnisie der von Ihnen ausgestellten Bedeckjchetne. Dr. Boekmann.

Vor den Wahlen.

Die nunmehr bald abgelaufrne ReichStagSperiode hat die Parteien im Parlamente und im Volke in Fluß gebracht; man muß der Reactton zugestehen, daß ße e- wrftanten hat, die alten Parteiufer zu verschieben. Der Strom politischer Thatrnlust hat hier ein Stück Land abgeriffen, ton angeschwemmt, ja man hat ibn sogar thetlweise in em ueu.S Bert zu leiten versta» den. Die Wirksamkeit der klerikal conseroativen Majorität läßt sich recht gut mit einer Ueberschrremmung vergleichen, deren Eintritt Schrecken und Bestürzung, deren Toben Verwüstung hrrvorruft, und nur die Frage wäre zu erörtern, ob sie nur verödet und versandet, oder ob sie auch erweich« n fruchtbaren Schlamm zurückgelaffen haben wird, aus welchem etwas Nützliches erblühen kann. Der Reick-tag ist hierüber bek nntlich sehr getheilter Meinung, die Abstimmungen zu Gunsten der Regierung tragen fast niemals ein einheitliches G«präge, die Majoritäten find zusammengestückelt und ßetS dürftig.

Unter diesen Verhältnissen st man mit Recht darauf gespannt, zu erfah­ren, wie da- bunte Verhälrniß der Parteien und Gruppen, welche sich tm deutschen Reichstage herauSgebildet haben, die Parteiverhältniffe tm Volke beetnfluffen und gestalten wird. Mit Ausnahme der ultramontanen und der wenigen socialdemokratischen Wahlkreise, in denen der blinde Gehorsam gegen die Führer die Prrtetdlsciplm ersetzt, zeigt sich überall ein lebhafte- politisches Agitiren für die nächsten Wahlen, und noch niemals so, wie im Jahre deS Heils 1881 find Wahlreden inner« und außerhalb der Mauern des Reichs« tag-gebäudes so eifrig und so zeitig vor dem Wahltermin auf der Tagesordnung gewesen. Schon dieser Umstand zeigt, welche Wichtigkeit Wähler und Gewählte den nächsten Reichstagswahlen beilegen, und da man die Vögel jetzt schon so lebhaft zwitschern hört, so ist leicht zu prophezeieo, welches L.ed sie in dem großen Wahlconcert pfeifen und fingen werden.

Die bisherigen Nachwahlen verrathen eine Stärkung de- liberalen, ja sogar meist de-fortschrittlichen" Ge:ankenS in der Waffe der Wähler; und da die Regierung dies weiß, so ist darauf zu rechnen, daß sie alle Hebel in Bewegung setzen wird, um das Volk über ihre Absichten aufzukären und zu gewinnen." Fürst BiSmarck beansprucht eine solche tndirecte Beeinflussung bekanntlich als fein gutes Recht, und da er der Meinung ist, einem nach Macht- erweiterung strebenden Parlamente mufft die Regierung zuweilenetwas Die- tatur" entgegensetzen, so sind wir vor mancherlei UeberrasLui gen im Wahl« kämpfe nicht sicher. Die Eonservatwen taS haben sie oft genug bewiesen verstehen es, imgeeigneten Momente" mit Hochdruck zu arbeiten und die Liberalen kämpfen diesmal mit vollem Bewußtsein einen Existenzkampf. Eine erneute Stärkung der Reaction aus drei oder vier Jahre, eine conservative Majorität im neuen Reichstage, würde die Vernichtung vieler, wenn auch nicht allerErrungenschaften" bedeuten. Die Liberalen dagegen wissen, daß sie nicht nur weiteren Schaden zu verhüten, sondern den geschehe, en zu repariren haben; sie wissen, daß der Parlamentarismus nicht nur zu stäiken, sondern sicher zu stellen ist gegen jeden Versuch der Vergewaltigung; sie wissen endlich, daß es nicht nur gilt, die Reaction abzudäm 7en, sondern auch der freiheitlichen Ent« Wickelung neues Terrain zu gewinnen. Die staatssocialistischen Experimente, die Monopolseuche, die neuen Steuern sollen für alle Zeit zurückgewiesen werden. So steht System gegen System, und die Wahlen bringen die Ent­scheidung; jeder Entscheidungskamps aber ist ein harter und erbitterter.

Deutschland.

Aus dem Kreise Alsfeld. Als Candidat für die nächste Reichs- tagswahl soll dem Vernehmen nach in unserem Wahlbezirk Freiherr Karl v. Schenk zu Schweinsberg auf Wäldershausen aufgestellt werden. Derselbe

würde sich im Falle einer Wahl wohl der deutschen Retchspartei anschlteßen und dürfte auch auf die Unterstützung der mehr recht- stehenden National- liberalen von der Farbe Bennigsen- zählen. Ob die Nationalliberalen in unserem Wahlkreis einen eigenen Candidaten aufftellen werden, scheint noch richt gewiß, da wie man hört, Professor Gareis eine Wiederwahl ablehnen soll. Dagegen werden die Altconservativen den Grasen zu SolmS-Laubach wieder nufstellen, wenn auch diese Landidatur kaum Aussicht auf Erfolg haben dürste. (N. H. D.)

Berlin, 11. Juni. Der Reichstag genehmigte den Rest deS Unfall* verficherungs Gesetzes in fast siebenstündiger Sitzung in zweiter Lesung unver­ändert nach den Anträgen der Lommisfion und nahm nur zu § 47 einen Zusatz an, welcher die Haftbarkeit für die Aufwendungen der Versicherungs­anstalt bet vorsätzlich oder durch grobe- Verschulden verursachten Unfällen auch auf die Innungen ausdehnt. Die Berathung der Handelsverträge erfolgt in der heutigen Abendfitzung.

Bezüglich der Neubesetzung des LultuSministeriumS erfährt die Kreuz-Ztg.", daß neuerdings Herr v. Goßler als Nachfolger Puttkamer's ge­nannt werde, da so die Continuttät in der Kirchen- und Schulpolitik am sichersten gewahrt werde.

Staffel, 11. Juni. Nach den bis jetzt vorliegenden Resultaten über die gestrige Stichwahl im Kreise Rinteln-Hofgeismar - Wolshagen^erhielt Senator Dr. Schläger 3789, Lehrer Liebermann 3302 Stimmen. Schläger'- Wahl ist gesichert.

Kiel, 11. Juni. Da- Panzergeschwader ankerte am Donnerstag bei Rügen und srtzie gestern die Fahrt nach Neufahrwasser fort, wo es heute ein* treffen dürfte. An Bord Alles wohl.

Dresdeu, 11. Juni. Der König und die Königin sind heute Dor­rn ttag im besten Wohlbefinden hier wieder eingetroffen und am Bahnhofe von dem Prinzen G^org, sämmtlichen Ministern und dem Oberbürgermeister be- grüßt worden.

Baden-Baden, 11. Juni. Ihre Majestät die Kaiserin Augusta ist heute Nachmittag V/a Uhr nach Loblenz abgereist.

Gesterreich.

Prag, 10. Juni. Der Kronprinz und die Kronprinzelfin machten Nach­mittag- eine Rundfahrt durch die Stadt. Abends besuchte der Kronprinz die Festvorsteüung im deutschen LandeStheater, wo u. A. von den deutschen Gesang- cereinen die österreichische und die belgische Nationalhymne unter enthufiasti- schem Be fall des Publikums vorgetragen wurden.

KranLreich.

Paris, 11. Juni. In der heute abgehaltenen Versammlung der vier Gruppen der Linken beantragte Bardoux eine Resolution, in welcher der Prä- sident ersucht wird, die Wahlen auf den 17. Juli festzusetzen. Der Antrag wurde von den Telegirten der äußersten Linken und der republikanischen Union unterstützt. Die Linke aber und das linke Zentrum erklärten, der Antrag komme chnen unerwartet und fie müßten denselben zunächst prüfen. In Folge deffen wurde heute keine Entschließung gefaßt und wird sich die nächste Der- fammlung der vier Gruppen mit der Motwn beschäftigen. Der Minister- rath, d-r sich heute mit der Frage beschäftigte, soll geneigt sein, die Wahlen dem Bardoux'schen Anträge gemäß früher anzuberaumen, im Falle die Kam- mer der Deputirten diesen Antrag zu dem ihrigen macht.

tzngkand.

London, 11. Juni. Die irische Regierung hat mehrere angekündigte AgrarmeetingS verboten. Die Polizeibehörde in Chester ist davon benachrich-