auf die im vorigen und in diesem Jahr in Nachbarstaaten veranstalteten Ausstellungen für größere Bezirke — Mannheim für die Pfalz, Düsseldorf für Rhrinlano uno Westphalen, Stuttgart für Württemberg und Frankfurt o. M. für diese Stabt uno für Solche, welche sich bet dem Versuch einer Patent- und MustrrschutzauSstellung betheiligen wollten — schien eS nicht für räthlich, noch eine Lokalgewerbr-Auöstellung in Gießen zu veranlassen. — Localausstellungen sind zwar recht nützlich, man hat aber zu vermeiden, Ueberdruß an Ausstellungen in den Kreisen der betbeiligten Fabrikanten und Gewerbtreibenden, sowie bei dem größeren Publikum zu erzeugen; man soll Ausstellungen nur da und dann veranstalten, wenn damit bestimmte wirth- schaftliche Zwecke verfolgt und voraussichtlich auch erreicht werden.
Unter den diesjährigen deutschen Gewerbe-Ausstellungen ist insbesondere die LandeS- gewerbe-Autzstellung für Württemberg von hervorragender Bedeutung. Einerseits stellt dieselbe in retzci'den Bildern die Erzeugnisie des schwäbischen GewerbefleißcS dem Beschauer dar; sie zeigt nicht nur vorzügliche Anordnung des Grundplans und vortreffliches Detail-Arrangement durch ein bet früheren Ausstellungen meisterhaft geschultes Directionspersonal, sondern beurkundet auch eine künstlerische Durchbildung und die großen Fortschritte, welche die Aussteller selbst in dem Ausstellungsgeschäft, in der Art ihre Erzeugnisie so auszusteüen, daß sie zur wirkungsvollen Geltung kommen, gemacht haben. Andererseits giebt sich die Stuttgarter Ausstellung als Ausdruck der geistigen Arbeit des Volks ; sie läßt die Erfolge des durch zahlreiche Gewerbe-, Kunst-, Industrie« und Fachschulen geweckten Ersindungsgeiftes und Schaffungstriebes, sowie des gepflegten Formen- und Farbensinns klar erkennen. Die Ausstellung legt aber auch Zeugniß dafür ab, daß die technischen Fertigkeiten und allgemeine gewerbliche Entwickelung in Württemberg durch Einführung der Gewerbefreiheit und in Folge der während der letzten Jahrzehnte bis in. die jüngste Zeit in Deutschland verfolgten freisinnigen Zoll- und Handelspolitik überraschend gefördert worden sind. — Ich kann den Besuch und das Studium der gegenwärtig noch geöfsircten Stuttgarter Landesgewerbe-Ausstellung nur angelegentlich empfehlen. — Mit Zustimmung Ihres Ausschusies wurden Lehrer an diesseitigen erweiterten Handweiker- und Kunst Industrie-Schulen zum Besuch dieser Ausstellung veranlaßt und mit Reise-Stipendien versehen.
Ueber den Einfluß der veränderten Zollgesetzgebung sind die Ansichten verschieden. Bei der kurzen Geltungsdauer deö neuen Tarifs lasien sich desien Vorzüge und Nachtheile noch nicht und um so weniger klar beurtheilen, als noch die zu dem alten Zoll eingeführten und aufgrspeicherten Rohproducte und Waarcn die Vergleichung beeinfiusien und als die Grnteergeb- nisie nicht nur in Deutschland, sondern auch in den mit uns in Handel stehenden auswärtigen Staaten wesentlich mit in Betracht kommen.
Im vorigen Jahre konnten wir bezüglich der GeschäftsthäOgkeit im Allgemeinen Zeichen der Besierung constatiren; die gehegten Erwartungen sind indessen wenig in Erfüllung gegangen; die bald wieder vorübergegangene Geschäftsbewegung war insbesondere durch die reichen Ernten in Amerika und die Verwerthung der dadurch erzielten Ueberschüsie veranlaßt worden. Nachhaltige Besierung der Geschäftsthätigkeit steht erst zu erwarten, wenn für ganz Deutschland einige gute Erntejahre gekommen sind, auf welche wir noch warten.
In der vorjährigen, zu Oppenheim abgehaltenen General Versammlung haben wir ein Statut für freiwillige gewerbliche Meisterprüfungen berathen und festgesteüt, welches für den Fall versuchsweise zur Ausführung kommen sollte, daß von Reichswegen Abstand von der Wiederbelebung des JnnungswesenS, insbesondere von der Einführung von Zwangs-Innungen, genommen werden sollte. Mittlerweile ist nun aber das Reichsgesetz vom 18. Juli l. I., betr. die Abänderung der Gewerbeordnung, (insbesondere die Innungen betr.) erschienen und auch in unserem Gewerbeblatt abgedruckt worden. Nach $ 97a dieses Gesetzes steht den Innungen unter Anderem zu, Gesellen- und Meisterprüfungen zu veranstalten und über die Prüfungen Zeugnisie auszustellen. Mit Rücksicht hierauf wird zunächst obzuwarten sein, ob und in wie weit noch der nunmehrigen Gesetzgebung Innungen sich im Großherzogthum bilden und die denselben gewährte Rechte ausüben. Sie wtsien, daß meine Erwartungen in dieser Hinsicht gering sind; indessen muß vermieden werden, in die nach dem Gesetz beabsichtigte Regelung der gewerblichen Verhältnisse durch anderweitige Einrichtungen unsererseits störend einzugretfen. Warten wir deshalb di« weiteren Erfahrungen der nächsten Jahre ab.
Es kamen die Verhältnisse der Handweberet in den Bezirken von Schlitz, Lauterbach und Alsfeld zur eingehenden Erörterung, und da von dem Localgrwerbverein in Schlitz als Mittel zur Hebung dieser Weberei auch die Bildung einer Innung, sowie Prüfungen, Lehrlings-Ausstellungen rc. in Vorschlag gebracht worden sind, so ist zunächst den dortigen Webern anheim gegeben worden, freiwillig sich zu einer Innung zu vereinigen. Die weiteren Wünsche und Bestrebungen des Schützer Localgewerbvereins, als Anschaffung von Musterwerkzeugen, Abhaltung von Lehrlingsarbeiten-Ausstellungen rc. könnte der Landesgrwerbverein unterstützen, wonach der Localgewerbveretn verständigt worden ist.
Einen wichtigen Gegenstand der Berathung Ihres Ausschusses bildete das von Reichswegen beabsichtigte Gesetz zum Schutz gewerblicher Arbeiter gegen Gefahren für Leben und Gesundheit. Au8 der im Gewerbeblatt abgedruckten Relation über die betreffenden AuSschuß- virhandlungen haben Sie entnommen, daß der Grundgedanke des beabsichtigten Gesetzes bet unS sympathische Aufnahme fand, daß man aber Bedenken trug, die Armenverbände zur Leistung von Prämienzahlungen heranzuziehen, und der Ansicht war, daß die Kassenbeiträge ausschließlich von direkt Betheiligten, den Arbeitgebern und den Arbeitnehmern, zu leisten sind.
Eine detailltrte Darstellung der Thätigkeit der Centralstelle während des abgelaufenen JahreS werden Sie mir an dieser Stelle erlassen. Im Allgemeinen kann bemerkt werden, daß die Centralstelle auch im letzten Jahre bemüht war, die Zwecke deS LandeSgewerbvereins nach den seitherigen Grundsätzen und Einrichtungen zu fördern.
In Betreff unserer engeren Angelegenheiten dürfte Folgendes hervorzuheben sein:
Die Zahl der Mitglieder des LandeSgewerbvereins beträgt gegenwärtig 3130, gegen 3196 im Vorjahre.
Die Zahl der Localgewerbvereine, 33, ist unverändert geblieben. Diese Vereine bestehen an folgenden Orten, zählen an Mitgliedern und haben zu ihrem ersten Voisitzenden gewählt- AlSfeld, 37, Herr Kreisbaumrtster Schneller; Altenstadt, 47, Herr Lehrer Simon; Alzey, 33, Herr Lederfabrtkant Praetorius; Babenhausen, 33, Herr Architekt Schmidt; Beerfelden, 18, Herr Steuerratb Decker; Bensheim, 106, Herr Ledeifabrtkant Gustav Müller; Bingen, 57, Herr Maurermeister Arnold; Büdingen, 46, Herr Schlossermeister Ph. Wagner; Darmstadt, 453, Herr Baurath Busch; Erbach, 21, Herr Buchdruckereibesitzer Franz; Friedberg, 93, Herr Bürgermeister Scriba; Fürth t. O.. 48. Herr Forstmeister Jäger; Gießen, 118, Herr Geh. Baurath Professor Dr. v. Rttgen; Griesheim 58, Herr Beigeordneter Massinz ; Groß Gerau, 73, Herr Kreisbaumeister Walter; Groß-Umstadt, 28, Herr Geometer LohnesGrünberg, 37, Herr Baurath Dr. Dieffenbach ; Guntersblum, 30, Herr Schreinermeister Schäfer; Hirschhorn, 27, Herr Steinhauermeister Georg Mathes; Homberg an der Ohm, 23, Herr Amtsrichter Dr. Scriba; Lauterback, 41, Herr Steuercommissär Sommerlad; Mainz, 492, Herr Rentner I Dietrich; Michelstadt, 46, Herr Fabrikant W. d'O'ville; Nidda, 56. Herr Kreisbaumeister Grimm; Ober Ingelheim, 97, Herr Bauunternehmer I Struth; Offenbach, 168, Herr Fabrikant Ludwig Becker; Oppenheim, 90, Herr Geometer Waldsckmidt; Pfungstadt, 90, Herr Bier- braueretbesitzer Ulrich; Schlitz, 61, Herr Forstmeister Stockdausen; Sckotten, 45, Herr Fabrikant H Kromm jun.; Westhofen, 18, Herr Districtseinnehmer Göbel; Wöllstein, 82, Herr Geometer Wei8; WormS, 298, Herr Director Dr. Scknetder.
Ueoer die Thätigkeit der Localgewerbvereine im letzten Jahre sind der Centraistelle des Gcwerbvrreins Berichte zuge^angen, deren wesentlicher .Inhalt demnächst im Gewerbeblatt mitgetbeilt werden wird, so baß ick davon absehen kann, hier im Einzelnen darauf einzugehen; im Allgemeinen haben diese Vereine fortgefahren, insbesondere den unter ihren Leitungen stehenden Handwerkerschulen ihre Fürsorge zu widmen, sowie durch Veranstaltung von Vorträgen in Vereinsversammlungen und Besprechung von gewerblichen und wirthschaftlicken Fragen Belehrung und Anregung nach verschiedenen Setten zu bieten. Die letzteren Bestrebungen sind seitens deö LandeSgewerbeveretns theilS durch Gewährung von Geldbeiträgen zu den Kosten besonderer Vorträge, thetls durch leihweise Abgabe von Musterwaaren, insbesondere von neueren noch weniger bekannten Werkzeugen auS den technischen Mustersammlung bercitwilligst gefördert tootC tu•
Die Zahl der Handwerkersckulen und UnterrichtSanstalten für gewerbliches Zeichnen Rechnen, Geometrie .c., welche mit dem LandeSgewerbeverein in Verbindung fhben und von demselben unterstützt werden, beträgt 56. Hiervon stehen zwei unter specieller Leitung der Centralstelle, 33 unter Leitung der Localgewerbvereine und 21 sind besonderen Schulcommissionen an solchen Orten unterstellt wo sich keine Localgewerbvereine besindcn. Such jetzt wieder ge reicht es mir zum besonderen Vergnügen, NamenS der Centralstelle und des «ussckuffes des Land-Sgewerbevereins den Vorständen und Mitgliedern der Hanbwerkerschulcommissionen welche bei der Leitung von 64 Anstalten beteiligt sind, sowie 'ämmtiichen Herren Lebre>n'unserer Schulen warmen Dank auszuspreckcn für deren opferwillige Unterstützung drs gewerblicken Fortbildungssckuiwesens. — Der Unterrickt an Lehrer von Handwcrkrrschulen auf dem Bureau der Centralstellc wurde fortgesetzt; drei Lebrer haben sick an demselben betheiligt. — Die Centralstelle bat auck im letzten Jahre fortgefahren, an der Ergänzung des Unterrichtsmaterial« für u^rre Handwerkerschulen zu arbeiten; wettere «btheilungen der Zeickenvorlagen wurden bearbenct und werden demnächst zur Ausgabe an die Sckulen kommen. Auch wurden sonstige geeignete Vorlegeblätter angekauft und den Schulen unentgeltlich zur Benutzung überwiesen: — Es ist erfreulich, daß auch der gewerbliche Zeichenunterricht für erwachsene Mädchen und Frauen
mehr und mehr Verbreitung findet. Außer den Altce-Frauenschulcn von Darmstadt und Gießen haben auch die Localgewerdevereine Erbach und Mainz, sowie die Kunst-Jndustric-Schu-c zu Offmbach solchen Unterricht mit Erfolg eingeführt. — lieber den Bestano unserer Handwrrker- unv Kunstgewerbe-Sckulm wird Ihnen heute noch die bestellte Commission zur Prüfung der Schülcrarbrilen Bericht erstatten; Sie selbst aber sind in der Lage, durch Besichtigung und Prüfung der gegenwärtig hier in Gießen veranstalteten Ausstellung von Schüleraideiten unserer Anstalt sich ein Unheil über den Erfolg dieser Anstalten zu bilden, und ick lade Sic ein, am Schluß unserer heutigen Sitzung eine gemeinschaftliche Besichtigung dieser Ausstellung vorzunehmen.
Ihr Ausschuß hat in seiner letzten Sitzung in Folge etneS von einer größeren Zahl von Mitgliedern gestellten Antrags, die Frage wegen Vermehrung der Mittel zur ferneren Entwickelung unserer Handwerker- und Kunstgewrrbe Schulen berathen und eine betreffende Vor läge an Großh. Ministerium des Innern und drr Justiz beschlossen, welche mittlerweile von der Centralstelle eingereicht worden ist.
Für d»e technische Mustersammlung sind von verschiedenen Seiten Geschenke eingegangen, welche dankbar angenommen wurden ES tritt jetzt die Frage der Erweiterung der Locaiitäten an un8 heran. Ihr Ausschuß hat in seiner letzten Sitzung die Vorschläge gebilligt, welche ich demselbtn bezüglich der zeitweisen Ausstellung von KunstgewerbS Erzeugnissen werthvollen Muster, waaren bei den Localgewerbvereine gemacht haben. Hiernach werden diejenigen Localgewerd^ vereine, welche aus der technischen Mustersammlung werlhvollerc Gegenstände beziehen und b.i sich zur Ansicht ihrer Mitglieder bringen wollen, die geeignete Locale zu stellen und für di« Bewahrung Sorge zu tragen haben Dagegen wird die Centralstelle geeignete Ausstellungsmöbel anjchaffen und solche an die Ausstellungsorte senden. Die Musterwaaren und Kunst- industrte-Gcgenstände werden von Beamten der Centralstellc verpackt, auSgepackt, aufgestellt uns rückgejendet. Auch können auf Wunsch der betr. Localgewerbvereine die Gegenstände durch einen Beamten der Centralstellc in Localgewerbvereins-Versammlungen erläutert, resp. besprochen werden. In dieser Weise hoffen wir unsere technische Mustersammlung auch für entlegene Orte nutzbar zu machen.
Früher von dem Landesgewerbverein gegründete und unterstützte Fachschulen, um Industriezweige in Gegenden einzuführen, wo solche nicht bestanden, oder um vorhandene Industriezweige weiter auszubilden, tote Strohflecht-, Häckel-, Spinn- und Weberschulen, Holzschnitzschulen rc. r:., gingen wieder ein oder wurden aufgelöst, nachdem solche entweder den beabsichtigten Zwick erreicht hatten oder nachdem die betreffende Jndustrieverhältnisse sich so verändert hatten, baß diese Schulen ihre Bedeutung verloren. In jüngster Zeit hat sich der Landesgewerbverein bei der von dem landwirthschaftlichen Verein für Rheinhessen gegründeten Korbflechtschule zu Rhein- Dürkheim betheiligt, weil diese Anstalt Zwecke verfolgt, welche landwirthschaftliche und gewerbliche Interesse berühren. Der Lehrer dieser Anstalt, Herr Reinhart, hat zur Ansicht der Generalversammlung Probeflechtarbeiten seiner Schüler vorgelegt, welche ich näher zu besichtigen bitte.
Meine Herren! Indem ich allen Denjenigen den Dank des Vereins ausspreche, welcke unsere Bestrebungen unterstützt und gefördert haben, hoffe ich, daß der Verein auch für die Folge sich de8 Vertrauens und der Sympathie der verschiedenen Kreise der Gewerbtreiienden und der Freunde des Gewerbewesens erfreuen und in seinen Mitgliedern die Kräfte finden möge, um auch fernerhin eine gedeihliche Wirksamkeit zu entfalten.
Es folgte nun ein Vortrag des Herrn Geh. Baurath Prof. Dr. v. R t t g e n, Vorsitzender deS Localgewerbvereins zu Gießen, über die „geschichtliche Entwickelung und den jetzigen Zustand der Gewerbe in Gießen", in welchem den Zuhörern ein sehr ansprechendes Bild dieser Ent Wickelung bis gegen das Jahr 1880 und hierauf .ine vergleichende Uebersicht des Bestandes der Gewerbe der damaligen und der heutigen Zeit vor Augen geführt wurde. Der Vortrag wurde sehr beifällig aufgenommen und wirb demnächst im Gewerbeblatt für das Großherzogthum Hessen abgedruckt wcrden.
Im weiteren Verfolge der Tagesordnung trug hierauf Herr Geh Oberbaurath Dr. Müller von Darmstadt als Vorsitzender der Handwerkerschul-Commtssion deS Landes Gewerbvcreins den Bericht dieser Commission vor über die von Selten der Eentralstelle dieses Vereins veranstaltete Ausstellung von Schülerarbeiten aus den Handwerkerschulen rc. deS Groß- herzogthums, welche in den stattlichen Räumen des neuen RealschulgebäudeS etablirt worden war. Die Schülerarbeiten von 43 Handwerker-Sonntags-Zeichenschulen, von dec LandeS- baugewerkschule Darmstadt, von der vereinigten Kunst-Jnvustrie- und Hanvwerkerschule zu Offen« bach a. M.. von dem kunstgewerblichen Zeichenunterricht bei Großh. Ccntralstrlle ves LanveS- Gcwerbvereins. von den erweiterten Handwerkerschulen zu Mainz, Gießen, WormS, Büdingen und Erbach, von den Alice Vereins Frauenschulen zu Darmstadt und Gießen und den Damenklassen der erwähnten Schule zu Offenbach a. M. waren und sind hier noch bis nächsten Sonntag den 11. September für Jedermann frei zugänglich ausgestellt und der von der genannten Commission verfaßte Bericht constatirt mit Befriedigung, daß die Leistungen im Ganzen gegen früher entschieden vorangegangen und jetzt ganz erfreuliche geworden sind Auch bezüglich dieses Berichtes können wir wohl auf den demnächstizen Abdruck desselben im genannten Gewerbeblatt verweisen
Es folgte ein Vortrag des Herrn Baurath Busch über „Was ist unter sogenannten Fachschulen zu verstehen und unter welchen Verhältnissen und Bedingungen sind dieselben überhaupt und insbesondere im Großherzogthum Hessen nöthig?" Einleitend wies Redner auf die verschiedenen vermehrten Bestrebungen seitens der Gewerbetreibenden und de- Staates seit der letzten Geschäftskrisis in Deutschland zur Hebung des Gewerbestandes hin, die u. a. in der Vermehrung und sorgfältigen Pflege der seit Jahrzehnten daselbst, auch in Hessen bestehenden Fortbildungsschulen für Gesellen und Lehrlinge ihren Ausdruck gefunden hätten. In Preußen glaubte man zuerst bessere Resultate als in diesen Schulen durch Errichtung von sogenannten elehtcntaren Fachschulen und Lehrwerkstätten zu erzielen. Zur Beurtheilung dieser neuen Schulen übergehend, führt Redner aus, rote der ganze Jugendunterricht der neueren Zeit bei den gelehrten Schulen, den polytechnischen Lehranstalten und gewerblichen Schulen in einen höheren, mittleren und elementaren zu gliedern sei und verbreitet sich des Weiteren über die Schulen für die mittlere Stufe des geroerb lichen Unterrichts, die Handwerterschulen, die sogenannten elementaren Fachschulen und Lehrwerkstätten. Der Unterricht in den hessischen Handwerkerschulen unter der Oberleitung der Großh. Eentralstelle für die Gewerbe, deren jetzt über 50 mit ca. 3000 Schülern be- stehen, schließt sich dem in der Volksschule und der bekanntlich seit Erlaß des Schulgesetzes vom 16. Juni 1874 in Hessen eingeführten obligatorischen Fortbildungsschule völlig an. Die sogenannte elementare Fachschule bezweckt nur, junge, der Volksschule entlassene Handwerker sowohl theoretisch als auch namentlich praktisch in den Grundzügen ihres Berufes in umfassenderer Weise, als durch Besuch der Handroerkerschule und der roerkstättlichen Thätigkeit zu unterrichten, die Lehrwerkstätte in einem gewerblichen Fache zumeist praktisch auszubilden, und können beide zur Erzielung einer besonders systeinatischen Ausbildung verbunden werden. (Fachschule für Blecharbeiter zu Aue in Schlesien). In Hessen be standen früher solche Fachschulen für einzelne Gewerbe, so Weberschulen, Strohflcchtschulen, Häkelschulen Feinspinnschulen, und übernahm der Landes-Gewerbvercin die Kosten der ersten Einrichtung dieser Anstalten, die Besoldung der Lehrer resp. Lehrerinnen rc. und unterstützt dieselben soweit als möglich. Von den übrigen Staaten besitzt zetzt noch Sachsen mehrere solcher Schulen, ferner auch Oesterreich. In Preußen ist man über die Vorfragen zur Einrichtung solcher Schulen noch nicht hinausgekommen; in Württemberg sollen sich dieselben nach dem Urtheile der dortigen gewerblichen Eentralstelle nur bei der Textil- Jndustrie bewährt haben; Baden besitzt jetzt 2 solcher Schulen in Furtwangen, während in der benachbarten Provinz Nassau die Eristenz der einzigen Fachschule neuerdings durch finanzielle Galamität in Frage gestellt zu sein scheint. Ueberall kosteten die Anstalten sehr viel Geld unb seien nicht entfernt im Stande, einen wesentlichen Theil chrer soften durch Vcriverthung der in ihnen gefertigten Arbeiten aufzubringen. Zu empfehlen seien nach der Ansicht des Redners dieselben nur da, wo es sich darum handele, einen neuen In dustriezweig mit Aussicht auf Erfolg in einer Gegend einzufuhren, wie dies bei dcr neuerdings errichteten Korbflechtereischule resp. Lehrwerkstätte zu Rheindürkheim beabsichtigt wird. Redner resumirt seine Ausführungen dahin, daß er es vorerst für ungleich vor- theilhafter für unseren Gewerbestand halte, wenn mit Eifer darnach getrachtet werde, daß unsere Handwerkerschiilen immer mehr besucht wcrden, anstatt daß man sich in Projccte '. Zur Gründung und Führung von speciellen Fachschulen und Lehrwerkstätten ergeht. Gan; besonders lege er den Eltern, Angehörigen und Meistern unserer Lehrlinge und jüngeren Handwerker dringend ans Herz, sich lebhaft für den Besuch unserer Handwerkerschulen zu interessiren; er appellire weiter an die werkthätige Beihülfe der Gemeinde-Vorstände, Sparkasscn-Verwaltungen unb sonstiger gewerblicher Korporationen unb richte an dieselben, sowie an alle Freunde des Gewerbewesens die Bitte, Alles aufzubieten, um den schönen und kräftigen Flor unserer Handwerker-Fortbllbungsschulen wie seither zu erhalten uno immer mehr zur Entwickelung zu bringen. Der Vortrag würbe sehr beifällig von der Versammlung aufgenommen, unb wirb berselbe demnächst im Gewerbeblatt zum Abdruck kommen. An be« Vortrag knüpft sich auf Vorschlag des Präsidenten eine längere Dis । lufjion an. Auf eine Anfrage des Herrn Professor Dr. Thiel von Darnnstabt ob etwas Genaueres über die Einrichtung der Fachschulen für Metallarbeiter zu Iserlohn bekanu.'
Tr. v. SHitgen v entstanden leb«« eifrig b-Mn un! die technischen Hoch anfangs geivM^ btrr Dr. T htel , lanD viel gewirkt r in anderen Strebe Mainz M den st glaubt \Mi eU1' schreiben zu müsse beanlagle Leute ai zwischen schulen a unedäBlid) auf den Stilen, Gewerbeh sich £w Fabrikant Errichtung von Fa sei, constatirt der i werblicher Fachschul einzelnen Fällen sc auch Fachschulen in öffnen sich empfehl, siuyen solle.
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