Ausgabe 
12.3.1881
 
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Datum der

^drs" Verbots"g Bezeichnung der Druckschrift.

1880. ' M

London erschienene Flugblatt:An die deutschen Socialisten", London, im Sep­tember 1880: Expedient I. Nevoe 22, Percy Street.

21. Decbr. 472. Das im Verlag und Druck desSocial- demokrat" bei A. Herler, Jndustrtehalle, Riesbach-Zürich, erschienene Flugblatt, betitelt:Die Herrschaft der Verbrecher",

Datum der

Bezeichnung der Druckschrift.

1880. , t

ein Separatabdruck aus Nr. 44 des Socialdemokrat

24. Decbr. 473. Das in der Schweizerischen Pereinsbuch­druckerei zu Zürich Holt.ngcn gedruckte und von dem im Verlage A. Hertcr in Zürich-Riesbach (Schweiz), Industrie- Halle, erscheinenden Wochenblatt:Der Socialdemokrat; internationales Organ

Datum der

B-ze.chnung ter Druckschr.it. pes Aerooiv.

1880.

der Socialdemokratie deutscher Zunge" h^rausgegebene Flugblatt mit der Uebec- schrift:An das arbeitende Volk!"

29. Decbr. 474. Das ohne Angabe des Druckers oder Herausgebers als Flugblatt erschienene Gedicht:Das Grab zu Ottensen" mit der Ueberschrist:Zum Besten der aus Hamburg Ausgewie,enen".

B e k a n n t m a ch u n g.

Wegen Kablet, bruchs in der Bahnhofstraße ist der Verkehr durch diese Straße von der Kaplan-gaffe bis zur Wolkengaffe für Fuhrwerke bis auf Weiteres g> sperrt. n 1881. Großhcrzogltche Polizeiverwaltung Gießen.

Frelenius.

Deutschland.

m. Darmstadt, 10. Alärz. Die-zweit« Kammer der Stände ist zur Schlußsesston des gegenwärtigen 23. Landtags aus Dterstag, den 15. d. Mts., eingerufen. Der feierliche Schluß des Landtags wird voraussichtlich L-amstag den 19. d. Mts. statt finden. ...

Berlin, 9. März. Die Preise der Pferde sind in den letzten Jrhren im steten Steigen begriffen gewesen; die« wirkt auch nachthe>ltg auf di- finanziellen Verhältniffe unserer Militärverwaltung, namentlich mit Rücksicht auf die bevorstehende Neueinrichtung eines Feldartillerie-Regtments und weitere 24 (nickt rettende) Batterien. Für dieS Regiment werden im Tanzen erfor- berlt* 896 Zug- und 514 Reitpferde, welche demnächst angekauft w.rden müffen. Der Preis, welcher für die Beschaffung dieser 1410 Pferde in Äus sicht genommen ist, beläuft sich auf 1,478,480 X (1080 X für ein Zugpferd und 900 X für ein Reitpferd nebst einem Zuschlag von 100,000 X?) und beträgt 50,000 X mehr alS der Betrag, den man bet ähnlicher Veranlassung vor 5 Jahren gezahlt hat.

Am 16. März wird in militärischen Kreisen das große Avancement erwartet, welche- durch die Besetzung der Osficiersstellen der neu formirten Regimenter erfolgen und namentlich in den Stellungen vom Major abwärts ein schnelleres Beförderungs-Tempo zur Folge haben soll.

Luxemburg.

Luxemburg, 8. März. Das Tagesgespräch bildet seit Kurzem hier ein von französischen Jesuiten an die luxemburgische Regierung gerichtetes Er- suchen, daß sie erlaube, in Luxemburg eine französische, also ixterne, Univrr- sität zu gründen. Bis jetzt ist die Erlaubnlß dem Vernehmen nach weder ertheilt noch abgeschlagen. Die Regierung soll sich u. A- mit der Frage beschäftigen, ob sie nicht aus Rücksichten für Frankreich, also einer die Neu­tralität Luxemburgs giwährleistenden Macht, die Erlaubniß verweigern muffe.

Irankreich.

Pari«, 8. März. Ein unerhörter Vorgang, der sich wohl noch nie ereignet hat, trug sich am letzten Freitag im Elysäe zu, wo der Präsident der Republik wohnt. Man vergaß die Ehrenwache, die jeden Morgen um 9 Uhr im Elysäe für 24 Stunden einrückt, am Freitag um 9 Uhr Morgen- abzu- lösen. Die Ehrenwache bestand aus Soldaten der republikanischen Garde. Der Osficier, welcher sie befehligte, sandte, als er zur bestimmten Zeit nicht abgelöst wurde, nach der Place Vendome, wo sich das Platzcommando befindet. Er erhielt jedoch keine befriedigende Antwort. Um 4 Uhr endlich benachrich­tigte der commandirende Osficier den General Pittiä, den Cabinetsches des Präsidenten der Republik, und thetlte ihm zugleich mit, daß seine Soldaien seit beinahe 20 Stunden nichts gegessen hätten. General Pittiö sandte sofort seinen Ordonnanz-Osficter noch der Place Vendome, der Befehl gab, die Ehrenwache abzulösen. Präsident Grevy, dem die Sache mitgetheilt wurde, sandte aus seiner Küche Nahrungsmittel für die Soldaten. Gegen 6 Uhr erschien endlich die Abtheilung Infanterie, welche 10 Stunden vorher die Ehrenwache hätte beziehen sollen.

Pari», 9. März. Der durch den Brand des »Magasin au printemps angerichtet- Schaden wird auf 9 Mill. Frcs. geschätzt. Derselbe wird von mehreren Versicherungs-Eesellschasten getragen. 26 Personen haben bei den Rettungsarbeiten Verletzungen davongetragen, mehrere sind schwer verwundet. Ein Theil der Fayäde ist eirgestürzt. Die Feuerwehr ist noch immer auf den Trümmern mit dem Löschen beschäftigt.

Telegraphische Depeschen.

Wolff's teleflt. S-rresporrdeuz-Vuteau.

Berlin, 10 März Der Reichstag verwies in seiner heutigen Sitzung die Vorlage über zweijährige Etatsperioden und vierjährige Legislaturperioden mit 127 gegen 111 Stimmen an eine Eommission zur Vorberathung. Bei der sodann statt- nndenden Beratbung der Denkschrift über die Ausführung des Münzgesetzes spricht sich Freiherr v Mirbach gegen die weitere Durchführung der reinen Goldwährung aus. Der Abg. Bamberger tritt für die letztere ein und hofft mit Rücksicht auf die bisherigen günstigen Resultate, dah die Seeschlange des Bimetallismus bald ganz verschwinden werde, die Regierung habe den Standpunkt der Münzgesetzgebung von 1873 nicht ver­lassen. Er sehe der Pariser Münzconferenz mit Vertrauen entgegen Abg v. Lenthe erklärt, er habe zwar seinerzeit für die Goldwährung gestimmt, in seinen damaligen Voraussetzungen sich aber geirrt und sei zetzt ein Gegner der monometallistischen Schule. Auch Delbrück siebt ohne Besorgniß der Pariser Conferenz entgegen, nachdem der Bundesratb im vorigen Jahre erklären ließ, daß an den Grundlagen der jetzigen Münzpolitik seftgebalten werden solle. Delbrück deducirt unter einem längeren ge­schichtlichen Rückblick auf die Entwickelung des deutschen Münzwesens die Nothwend'g- feit, auf der von dem Reich betretenen Bahn mit Umsicht und Energie weiterzugehen. Staatssecrctär Scholz gibt die Erklärung ab, die verbündeten Regierungen hielten daran fest, von der gegebenen Basis der Münzresorm nicht abzuweichen. Die Sistirung der Silberverkäufe habe keine bimetall.stische Tendenz, der Reichskanzler sei persönlich ent­schieden für die Aufrechterhaltung des Status quo. Die Münzreform werde nur im vollsten Einvernehmen mit dem Reichstage durckgcführt werden. Die Pariser Münz­conferenz solle nicht ein Experim nt bilden, wobei Einer gewinnen und Einer verlieren müsse, sondern nur eine gemeinsame Verständigung gegen die Gefahren der Zukunft. Nachdem sich v. Kardorff für Doppel-, Sonnemann für Goldwährung erklärt, wird die Debatte geschlossen. Nächste Sitzung morgen.

Kopenhagen, 10. März. Die Königin-Wittwe Karoline Amalie < Gemahlin Christian VIII.) ist gestern Abend gestorben.

Berlin, 10. März. Die Budgetcommifsion genehmigte unverändert die einmaligen Ausgaben der RelchSdruckeret, des Rechnungthoss, der Reichs- schuldverwalruvg, des Schatz-, Justiz- urb des Auswärtigen Amts, darunter die Position für die zoologische Station zu Neapel. B.i dem Etat der Reichsbahnen wurden von btn Baukosten für das Gibäude der Generalduec- tio i zu Straßburg im Ganzen 332,000, für das laufende Jahr 75,000 JL abgesetzt, Lei dem Postetat für das Drcnstgebäude in Loblenz statt 543,000 nur 500,000 JL, für daS Dienstgebäude in der Königstraße zu Berlin statt 200,000 nur 150,000 JL bewilligt.

En e Resolution gegenüber den Acußerungen des Fürsten BiSmarck über die Stadtverwaltung ton Berlin tst in der heutigen Sitzung der Stadt­verordneten nicht beantragt worden, dagegen interpellirte dec Vorsitzende der Scroiscommission, Pätel, die anwesenden Vertreter des Magistrats, darunter Oberbürgermeister v. Forckenbeck. Stadtrath Nöldechen, über die Einschätzung der Dienstwohnung deS Fürsten BiSmarck zur M.ethssieuer, ferner ob Fürst BiSmarck reclamirt habe, ob eine Revision stattgefunden, sowie darüber, welche Schritte der Magistrat gegenüber den Beschuldigungen drs Fürsten Bismarck im Reichstage zu thun gedenke. Stadtrath Nöldechen antwortete, die Goh- nunz des Fürsten Bismarck sei nach Maßgabe der gesetzlichen Bestimmungen nicht zu hoch eingeschätzt, der Reichskanzler habe nicht rechtzeitig reclamirt; derselbe zahle feit Anfang April 1879 für 20.380 Jl Mieihssteuer. Ober, bürgermeister v. Forckenbcck antwortete, eS sei eine Petition an den Reichstag ausgearbeitet, welche in der morgigen Sitzung des Magistrats zur Verhand­lung gelangen, und worin gefordert werde, das Gesetz über die Besteuerung der Dienstwohnungen von Reichsbeamten abzulehnen. In der Begründung der Petition sei auf das zahlreiche acter.mäßige Material Bezug genommen, woraus sich zugleich ergebe, daß die Beschuldigungen des Reichskanzlers im Reichstage gegen die städtische Verwaltung unbegründet seien. Behufs Erhal- tung des Vertrauens für den Magistrat, die Stadtverordneten und die zahl- reichen Beamten der Stadt, welche Ehrenämter bekleideten, würden alle gesetz­lich zulässigen Schritte gethan werden, um solche Beschuldigungen, wie sie Fürst Bismarck gethan babe, zurückzuweisen.

Dresden, 10. März. Das Hochwasser steht 405 Cent über normal. Nach amtlicher Meldung tst ein weiteres Sie gen bis 430 zu erwarten. Die niedrigsten Ufertheile des Königsteins, PirnaS, Dresdens, sprciell der Fried- rtchsstadt, ferner Meißens und Riesas, stehen unter Waffer.

Stuttgart, 10. März. Die Abgeordnetenkammer nahm nach uner­heblicher Debatte den Antrag der Finanzcommtsflon, die Rtgürung zu ersuchen, im Bundesrathe auf die Einführung des Tabaksmonopols hinzuwirken, mit 56 gegen 16 Stimmen an. Unter den lttzteren sind mehrere Stimmen ton Abgeordneten, welche sich der Abstimmung enthalten hatten und deren Stim­men nach der Geschäftsordnung als verneinend gezählt werden. Der M nisier- Präsident v. Mittnacht stimmte als Abgeordneter mit Ja.

Wien, 10. März. In Folge Hochwasiers haben auf der ungarischen Strecke der Südbahn mehrere Dammbrüche und ein Btückeneinsturz stattge­funden. Auf der Strecke Stuhlweißenburg - Ofen und Stuhlweißenburg- Uf-Szoeni ist der Verkehr vorläusia eingestellt.

Lokales.

Gießen, 11. März. Die erste Aufführung des WohithLt'gkeNs-Lomite'S (,C c b f n d c Bilder aus bet Geschichte bet Burg (Bleibet 0") am gestrigen Abenb im Liubjaale war, wie nicht anders zu erwarten, ganz außerordentlich bejucht. (Ls war den Besuchern abtt auch ein Genuß geboten, wie er selten voifommcn bürste. Es herrscht nur eine Stimme der Bewunderung unv Anerkennung sowohl über daS Spiel der Mitwirkenben als auch übet die Lostümirunfl und daS Arrangement der Tableaus. Die Arrangeure des Abends laben sich den lebhaftesten Dank oer Zuschauer erworben, welcher ihnen denn auch durch reichlichen Applaus zu Tbeil wurve.

Heute Bormittag stürzte, veranlaßt durch daS fortwährende Regenweltet unv das Hochwaffct, ein Theil deS städtischen KanalS auf dem Kreuz der Bahnhofstraße und Löwengoffe ein. Der Verkehr für Fuhrwerke ist gefperrt. Die Herstellungsarbeiten sind alSdalb in An­griff genommen worben

Verrutschtes.

Darmstabt, 8. März. Gestern feierte H-rr Rentamlmann Karl Königer bahier ,m Kreise feiner Kinder. Schwiegersöhne, Enkel unb Urenkel im besten Wohlsein das seltene F st des 1 0 0. G eburts tag es.

Pirna ist der Schauplatz eines düsteren FamilienbromaS geworden. Nichts abnend unb in herzlicher Weise von ben Seinen Sbschieb nehmend, hatte sich, wie betPirn. Anz." schreibt, am Montag früh bet amiShauptmannschaftirche Registrator Seibel m'8 Bureau be- q%ben, schon nach wenigen Stunden wollte es aber ein furchtbares Geschick, baß sich ibm bei tem Wieberdetreten des sonst so trauten Heimes ein Btlb des Entsetzens barbot. Im Wohn­zimmer fanb er seine Kinder, einen Knaben von zwei Jahren und ein Mädchen von sechs Monaten mit durchschnittenen Hälsen vor und in der Küche lag sodann, buchstäblich im Blute schwimmend und ein großes Küchenmesser in der linken Hand, bu- stets so treusorgenbe Muicer und Gattin. Da bie Seibel'schen Eheleute in fluten Verhältnissen unb in vollster Eintracht lebten, so ist eben anzunehmen, daß bie unglückliche Frau in einem Anfälle von Schwermuih von unheilvollen Mordgedanken erfaßt wurde unb daß sir sodann in einet Minute bet D"- zweifiung den Kindern und sich selbst den Tod gegeben Mit welch schrecklicher Gewalt sie dabei zu Werke gegangen, wird deutlich durch den Umstand gezeigt, daß bie großen Halsartericn vollkommen durchschnitten sind. Unbeschreiblich unb tief erschüttern!) war natürlich der Eindruck, alS der so schwer geprüfte Gatte unb Vater vor ben blutbcfleckten Leichen stand, als er hänc e nngenb wehklagte und sich in feinem Schmerze nicht zu helfen wupte. Die amtlichen Er örterungen sind im Gange.

^Erstaunliche ßebenfirettung.] Aus Luzern, 2. b. M. wirb bemBunb" geschrieben. In Ballwyi tat sich in den letzten Tagen ein Ereigniß zugetragen, das seiner Seltenheit wegen gewitz ein weiteres Publikum höchst intereifiren wird. Laver Mattmann von Ballwyi, ein tüchtiger Arbeiter, war am 21. Februar damit beschäftigt, aus der Tiefe eines neu erstellen Sodbrunncns Steine unb Schutt auf bie Oberfläche zu förbern. Zu diesem Zwecke mußte er