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-7r. 9. Mittwoch den 12 Januar 1SS1*

Kießcner Wneiger

Jlujcißf- !!ch Amkdlgii für dkl Kreis Gichu.

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OrPeditionsbureo« r

Schulstraße B. 18.

scheint täglich mit Ausnahme des MontagS.

PrriS vierteljährlich - Mar? 20 Pf. mit Bringerloh» Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mar? 50 Pjl

Amtlicher Hßeil.

Gießen, am 7. Januar 1881.

Betreffend: Die Ablieferung der Vacanzüberfchüffe erledigter Schulstellen an die Provinzial-Schulfonds.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Großherzoglichen Bürgermeistereien und Schulvorstände des Kreises.

Wir sehen dn Einsendung der in Gemäßheit unseres Amtsblattes ')It. 1 vom 24. Januar 1878 von Ihnen gemeinschaftlich aufzustellenden Berech­nungen des Einkommen- vacanter Schulstellen, falls solche Vacanzrn in 1880 bet Ihnen bestanden haben, längstens bis zum 31. d. Mts. entgegen.

____________________________________________Dr. Boekmann.

Beka n n t ma ch u n g.

Betreffend: Das Auftreten des Rotzes bet einem Esel des Konrad Sommerlad in Villingen.

Die bezüglich eines Pferdes des Konrad Sommerlad in Villingen verfügten Sperrmaßreqeln (f. Anzeiger von 1880, Nr. 223) haben wir, nach­dem ein Verdacht, daß dieses Thier durch Rotzkrankhett angesteckt worden sei, nicht mehr besteht, auf Antrag der Sanitätsbehörden wieder aufgehoben.

Gießen, am 9. Januar 1881. Großherzogliches Kretsamt Gießen.

___________________________________________Dr. Boekmann.__________________________________________________

Bekanntmachung.

Melchior Wad enpfuhl aus Allendorf a. d. Lda., seither Dienstmann mit der Nr. 18, beabsichtigt das Gewerbe als Dienstmann nieberzulegen urd werden daher alle Diejenigen, welche etwa Ansprüche an die von demselben bet uns hinterlegte Cautton aus Aufträgen geltend machen zu können glauben, ausgefordert solche binnen 3 Tagen bet uns anzumelden.

Gießen, den 10. Januar 1881. Großherzogliche Polizetverwaltung Gießen.

_________________________________________________Fresenius.___

In der Zeit vom 1. blS 8. i. Mts. wurde davier eine goldene Damen-Remomow'Uhr mit Doppeldeckel, weiß'M Zifferblatt, römischen Zahlen, Stahlzeigern nebst daran befindlicher goldenen Kette mit länglichen platten Gliedern, am Hiken befanden sich 2 kleine Goldkettchen mit Glöckchen, gestohlen.

Gießen, den 10. Januar 1881. Großherzogliche Poltzeioerwaltung Gießen.

Die GemeinderathSwahlen in Frankreich.

Die 160,(1(11 Tage werden uns aus Frankreich Nachrichten bringen, welche geeignet (ein werden, den Lauf der politischen Eniw ckclung der Republik für die nächste Zukunft mit einiger Sicherheit zu beurtheilen. Am vergangenen Sonntage, dem 9. Januar, haben in ganz Frankreich die Neuwahlen der Gemeinderäthe stattgefunden, der communalen VertretungSkörper der französi­schen selbstständigen OrtSgemeinden.

Zunächst haben die Gemeindcwahlen ja allerdings keinen politischen Cha­rakter, clletn in einem Staate mit einer so regen Betheütgung der Verölte- rung an den politischen Angelegenheiten, wie die französische Republik, wirken die politischen Palteibewegungen auf alle öffentlichen Acte ein, und politische Sym­pathien und Antipathien spielen auch bei communalen Wahlen die entscheidende Rolle. Es ist durchaus natürlich, daß das Volk sich bemüht, den Geist, den es seiner Staatsverwaltung aufzuprägen wünscht, auch in der Verwaltung seiner engeren Angelegenheiten, der communalen, zu verkörpern. So werden unzweifelhaft die Gemeindewahlen vom 9. Januar ein getreues Bild der poli­tischen Gesinnung der französischen Bevölkerung entwerfen, aus das man um so mehr gespannt sein muß, ais in jüngster Zeit Ereignisse stattgefunden haben, welche angeblich die öffentliche Meinung in der Republik arg aufgeregt und in Harnisch gebracht haben. Die Gemeinderathswahlen geben die erste allgemeine Antworters Volks auf die Decrete gegen die geistlichen Genossenschaften und auf die Schulgesetze der heutigen Regierung. Die politische Gesinnung, welche die Mehrheit der Gewählten repräsenttren wird, muß das Zeugniß sein, ob das frarzösische Volk mit dem gegenwärtig herrschenden System einver­standen ist oder nicht, und ob es dasselbe stützen oder stürzen will.

Es erhellt, daß, je nach dem Ausfall dieses Zeugniffes, die Regierung sich sicher fühlen und auf dem betretenen Wege mit frischem Muthe fortschreiten, oder aber schwankend werden und entweder in andere Bahnen lenken od-r an­deren Parteien das Ruder in die Hand geben wird. Nach jeder möglichen Voraussicht wird das Erstere der Fall sein. Schon die Wahlen zu den Ge- meinderäthen haben ja gezeigt, daß das Cokettiren der Reactionäre mit der Entrüstung von ganz Frankreich" über die Märzdecrete sehr wenig Anklang im französischen Volke gefunden hat. Der Ausfall der Gemeindewahlen in demselben Sinne muß die fortschreitende Republik nur noch mehr ken und festigen und die ihr feindlichen Parteien etnschüchtern. Auch die Intransigenten werden wohl Enttäuschungen erleben und einsehen muffen, daß das Volk von Frankreich mit der allmäligrn, aber um so stetigeren Entwickelung der politi­schen und socialen Formen der Freiheit mehr einverstanden ist, als mit den intransigenten überhasteten Vorstößen.

Die größeste Wichtigkeit, wenn auch in mittelbarer Wirkung, haben die Gemeinderathswahlen aber insofern, als ihr Ausgang die Zusammensetzung des Senates, der ersten französischen Kammer, bestimmen wird, Bekanntlich wer­den die Senatoren zum größesten Theil von den Gemeinderäthen gewählt, und schon im nächsten Jahre findet die Neuwahl eine- Dritttheils dieser Kategorie der Senatoren statt..^^)er Senat war bisher ein sehr störender Theil der französischen Gesetzgebung. Maschinerien, weil seine Mehrheit in ihrer republi- kanischen Gesinnung zum Mindesten zweifelhast gewesen ist. Man weiß, daß

deshalb verschiedene Motionen stattgefunden haben, den Senat ganz adzu- schaffen. Entschieden republikanische Gemetnderäthe werden auch entschieden republikanische Senatoren wählen und so den Senat aus einem unwilligen und hemmenden ©hebe der französischen Gesetzgebung in ein freudig schaffen­des und die dauernde Republik förderndes umgestaiten.

Für Deutschland ist daS von eminentem Segen, denn die ruhige unge­störte Fortel twick-lung des französischen Staatswesens ist für uns die sicherste Bürgschaft des Friedens mit Frankreich. In diesem Sinne ist der 9. Januar ein wichtiger Tag auch für Deutschland gewesen.

Deutschland.

Darmstadt, 9. Januar. Samstag den 8. I. Mts. fand tm Weißeu Saale M Großh. Schlaffes Hoftafel flirt, an welcher Ihre Königl. Hoheit die Prinzessin Karl, Ihre Großh. Hoheiten die Prinzessinnen Victoria und Elisabeth, die Prinren Wilhelm und Alexander, Ihre Durchl. die Prinzesfi i von Battenberg, Se. Erlaucht Graf Erbach-Schönberg nebst Gemahlin, die dahier und in Stuttgart wohnenden Mitgltever des diplomatischen Corps, der Gouverneur der Festung Mainz. Generallieutenant von Woyna, fcrner Staats­minister Freiherr von Starck und M nisterial-Präfident Schleiermacher nebst Gemahlinnen, die Generalität, die RegimentS-Commandeure der Großh. Divi­sion, der Commandart der Residenz, die Mitglieder der Ministerien, die Prä­sidenten der Landes Collegien, die Provinzial-Directoren und einige andere böhere Beamte Theil nahmen.

m varmütadt, 10. Januar. Der Finanzausschuß der ersten Kammer beantragt Beittitt zu den Beschlüssen des anderen HauseS bezügl ch der Vorlage der Regierung in Betreff der stattgebabten und noch statthabenden Berichtigungen der Grundbücher über die Domänen des Großherzoglichen Fam'lienfideicommlss.s und des Landrseigen- tbums. Tas gleiche ist der Fall bei der Vorlage wegen Verwendung der durch den im Lause des Baues des Außenarbeiter- und Zellengebäudes in Marienschloß einge­tretenen Einsturz veranlaßten Mehrkosten aus paraten Mitteln der Hauptstaatskasse. Nach einem von Herrn Heyl erftatteten Bericht beantragt der Finanzausschuß be­züglich d s Antrages des Adg. Büchner auf Concesstomrung und Unterstützung einer Zweigbahn vom Viaduct Eberstadl nach Pfungstadt Beitritt zu dem Beschlüsse zweiter Kammer, wonach die Regierung macht wird, cm eventuelles, auf der Basis der in vorliegendem Antrag enthaltenen Angaben ausgearbettetes Project zu prüfen und, ein günstiges Eraebniß dieser Prüfung, sowie d-e Zusicherung entsprechender Beitrags- leistung durch bre Gemeinde Pfungstadt vorausgesetzt, den Ständen wegen einer der Bcihnlinie Eberftädter Viaduct-Pfungstodt zu gewährenden Beihülfe Vorlage zu machen. lieber die Anträge der Abgg. Schröder und Stephan (Heßloch) auf Erhöhung der Staatsstraße zwischen Nierstein und Nackenheim zum Schutze gegen Ueberschwemm- ungen durch den Rhem hat ebenfalls Herr Heyl -Worms) berichtet. Nach den In­formationen, welche der berichtende Ausschuß erster Kammer eingezogen hat, erscheint indessen inhaltlich des Berichtes die sofortige Verbesserung dieser wichtigen Verkehrs­straße, welche die Provinz Rheinhessen mit der bayerischen Pfalz und dem Rheingau verbindet, als ein dringendes B-dürmiß. D^r neben dieser Straße hinziehende Bahn­damm der Ludwigsbahn liege auf 26 Fuß, während die erstere schon bei einem Wasser­ston d von 15 Fuß Oppenheimer Pegel unter Was,er stehe. Welche Mißstände in Folge dessen bei den sich immer mehrenden Ueberschwemmungen für den Verkehr entstehen, sei leicht zu erkennen; dieselben seien aber doppelt empsindlich, weil diese Straße zu­gleich als Leinpfad benutzt werden müsse. Aus diesem Grunde sei auch die wegen Minderung des Kostenpunktes in Betracht gezogene Verengerung der Straße unzula'Ug. Ebensowenig sei die Abnahme des sogenannten rothen Berges zum Zwecke der U^ber-