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Sir» 34. Freitag den 11. Februar INSI.

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Die BoerS in Transvaal.

Wenngleich die in Transvaal für ihre Unabhängigkeit so töpfer kämpfen- den Bauern entschiedene Republikaner sind, so sympatlfirt doch die ganze gebil­dete Welt mit diesen Ansiedlern, welche ihre wohlerworbenen Rechte gegen schnöde englische Gewaltpolitik vertbetdigen. Der Kampf dieser Bauern erinnert daran, wie einst die alten Bauern tm Dithmarschen die Dänen schlugen. Mit geringer Mannschaft, ohne Kanonen und ohne andere Hülfe, alS ihren eisernen Muth haben die Boers eine wohlbewaffnete und ganz modern ausgerüstete rvglijche Armee besiegt. Allerdings steht der eigentliche Entscheidungskamp noch bevor, zu dem England große Truppenmasien auS Indien betgezogen hat. ES hat den Anschein nicht, alS ob die BoerS gegenüber den Anstrengungen der liberalen englischen Regierung Sieger bleiben sollten, denn die BoerS find allein und die Kaffernstämme, an die sie fich gewendet, haben eS abgelehnt, gegen England zu kämpfen. Es rächt sich jetzt, daß die Boers früher die Koffern so hart behandelt und den Engländern HülfStruppen gegen Cetewavo geschickt haben. Jndeffen legt man anderSwo manch gutes Wort für die BoerS ein. DerNorddeutsche Verein für Colonisation und Export" hat auf Antrag des bekannten Missionärs Dr. Fabrt den Reichskanzler aufgefor­dert, zu Gunsten der BoerS zu tnterventren, da fich doch auch viele Deutsche in TrrnSvaal befänden.

Deutschland.

Darmstadt, 9. Februar. Dem Vernehmen nach werden Seine Kgl. Hoheit der Großherzog den Verrnählungsfeierlichkftten deS Prinzen Wilhelm von Preußen und der Prinzessin Victoria Augusta von Schleswig-Holstein bei­wohnen und zu dem Ende am 25. d. M- nach Berlin abretsen.

Berlin, 7. Februar. Wie derReichs-Anzeiger" meldet, ist den Sammlungen unserer Hauptstadt eine neue und unerwartete Bereicherung durch eine Schenkung zu Theil geworden, welche ebenso sehr durch ihr hohes lvizzenschaftlicheS Interesse wie durch die patriotische (Besinnung, von wrlcher sie eingegeben ist, der allgemeinsten Theil- nabme und Anerkennung würdig erscheint. Der durch seine Entdeckung m ondon und Mvk.rrac bekannte Dr. Heinrich Schliemann hat seine bisher in London ausgestellte Sammlung trojanischer Allcrtbümer zu einem beschenk für das deutsche Volk und zur Aufstellung in der Reichshauptstadt bestimmt. Diese Schenkung hat soeben die Aller­höchste Genehmigung des Kaisers durch folgenden Allerhöchsten Erlaß gefunden:

W Ihren gemeinschaftlichen Bericht vom 21. d. M- will Ich hierdurch ge­nehmigen. daß die von dem Dr. Heinrich Schliemann in Athen für daS deutsche Volk |u ewigem Besitze und ungetrennter Aufbewahrung in der Reichsbauptstadt als Geschenk bestimmte, bis jetzt m London ausgestellt gewesene Sammlung trojanischer Alterthümer von Ihnen, dem Reichskanzler, Namens des deutschen Reiches cntgegengenommen werde. Entsprechend den von dem Dr. Schliemann an seine Schenkung geknüpften Bedingungen brstinrme Ich zugleich, daß die genannte Sammlurg der Verwaltung der oreußischen Staatsregierung unterstellt und in der Folge in dem im Bau begriffenen ethnologischen Museum in Berlin in fo vielen besonderen Sälen als zu ihrer würdigen Aufstellung erforderlich sind, auibewahrt werde, sowie daß die zu ihrer Aufbewahrung dienenden Säle für immer den Ramen des Geschrnkgebers tragen. Bis zur Vollendung de« ethnologischen Musiums ist die Sammlung in dem Ausstellungssaale des n.uen Kunsigewerve Museum« in Berlin aufzubewahren und dieser Saal für die Dauer dcr provisorischen Aufstellung gleichfalls mit dem Namen des Geschcnkgebe, s zu bezeichnen. Hiernach baden Sie das Weitere zu veranlassen.

Berlin, 24. Januar 1881.

Wilhelm, v Bismarck Puttkamer-

An den Reichslanzler und den Minister der geistlichen rc. Angelegenheiten."

Gleichzeitig hat der Kaiser an den Dr. Schliemann ein Allerhöchstes Hand­schreiben gerichtet, dessen Wortlaut wir nachstehend gleichfalls folgen lassen:

Aus einem Bericht des Re chskanzlers und des Ministers der geistlichen, Unter« richts und Medicinal-AngelegenheittN habe Ich mit Genugthuung ersehen, daß Sie Ihre bis jetzt in London ausgestellt gewesene Sammlung troianischer Allerthümer dem deutschen Volk als Geschenk zu ewigem Besitz und ungctrennter Aufbewahrung in der Reichsbauptstadt bestimmt haben. Ich habe in Genehmigung der von Ihnen an diese vatriotische Schenkung geknüpften Bedingungen gern meine Zustimmung dazu erthe-ll, daß dieselbe für das deutsche Reich angenommen und daß die Sammlung der Ver­waltung der preußischen Staatsregierung unterstellt werde. Auch habe Ich genehmigt, daß dieselbe tn der Folge in dem ,m Bau begrifferen ethnologischen Museum in Berlin m so viel Sälen, als zu ihrer würdigen Aufstellung erforderlich sind, aufbewahrt werde, und daß die zu ihrer Aufbewahrung dienenden Säle für immer Ihren Namen tragen' 8is zur Vollendung des ethnologischen Museums wird die Sammlung in dem Aus­stellungssaale des neuen Kunstgcwcrbe-Muftums in Berlin aufbewahrt und auch dieser Saal für die Dauer der provisorischen Aufstellung mit Ihrem Namen bezeichnet werden. Zugleich spreche ich Ihnen Meinen Dank und Meine volle Anerkennung für diese von warmer Anhänglichkeit an das Vaterland zeugende Schenkung einer für die Wissen­schaft so hochbedeutenden Sammlung aus, und gebe Mich der Hoffnung hin, daß es Ihnen auch ferner vergönnt sein werde, in Ihrem uneigennütz gen Wirken der Wissen­schaft zur Ehre de« Vaterlandes gleich bedeutende Dienste zu le sten wie bisher.

Berlin, den 24. Januar 1881. Wilhelm.

An den Dr. Heinrich Schliemann in Athen."

Die Sammlung ist bereits hier eingetroffen. Die 40 Kisten, in welche sie ver­packt ist, bleiben jedoch bis zu Dr. Echliemann's Ankunft im Mai d. I. verschlossen d« dieser sich die Aufstellung Vorbehalten hat.

Berlin, 8. Februar. Die Cartellträger Bennigsen-, die Abgg. Gustedt inid Griesheim, veröffentlichen in der Duelle.ffaire BenniasemLudwig tolgendes Protokoll: Ludwig bekannte sich ausdrücklich alS Verfaffer des Artikels der .Landeszeitung" und erklärte, Bennigsen damit gemeint zu haken. Nachdem Lvdwig abgelehnt hatte, die Beleidigungen öffentlich zurück zu nehmen, über- brachten sie ihm Namens Benntgsen's eine Forderung auf Pistolen. Ludwig soeimulirte felgende schriftliche Erklärung: Die Behandlung der von mir an- geregten Dinge Seitens Benntgsen's erscheint mir nicht den Gewohnheiten r«eS Gentleman entsprechend zu sein. Ich nehme daher die Forderung nur

unter der Bedingung an, daß Bennigsen gegenüber zwei von mir zu bezeich­nenden Cartellträgern solche «ufschlüffe gtebt, die meine gegenwärtige Auf- saffung mir benehmen. Bennigsen ließ daraus Ludwig erklären, er fühle sich nicht veranlaßt, die geforderte Erklärung abzugeben, und sehe von jeder wette­ren Verhandlung ab. Ludwig nahm diese Erklärung ohne jede sachliche Erwi­derung entgegen. Nach Verlauf einer Stunde erschien beim Abg. GrieShetm der Abg. Graf Hoverden (Centrum) und theilte im Auftrage Ludwtg'S mit, daß dieser jetzt auch ohne die gestellten Bevtngungen die Forderung annehme. Beide Unterhändler erklärten, hiervon Bennigsen nicht osficielle Mitthetlung machen zu wollen, indem sie nach Benntgsen's Erklärung,er verzichte auf jede weitere Verhandlung", ihr Mandat alt Eartellträger erledigt erachteten. Bennigsen ließ darauf Graf Hoverden erklären, daß er trotz des so plötzlich eingetretenen Meinungswcchsel Ludwtg's jetzt keine Veranlaffung mehr habe, von diesem Herrn SatiSfaction zu suchen oder sich auck nur irgendwie auf wettere Verhandlungen mit thm etnzulaffen. Don diesen Vorgängen unterrtch- teteu die Cartellträgir Benntgsen's den Präsidenten und die Fraktionsvorstände des HauseS. Auf Veranlaffung der Präsidenten des Hauses, Köller und Stengel, wird ein Festmahl zu Ehren Benntgsen's stattfinden, an dem Abge- ordnete aller Fraktionen theilnehmen werden.

StraHburg, 7. Februar. Der deutsche Consul in Messina, Herr SckneeganS, hat unter dem TitelStraßburg nach der Uebergabe an Frank- reich 16811689" in der MonatsschriftNord und Süd" einen längeren Aufsatz veiöffentl:ckt, welchen dieElsaß-Lothr. Ztg." auszugsweise wiedergtebt. Vor einiger Zeit wollte ein hiesiger Correjpondent, irren wir nicht, der Äugsb. Allg. Ztg.", angeblich auf Grund eingehendster Forschungen nachwei- sen, daß die Franzosen damals mit großer Rücksicht hier aufgetreten wären und die Bevölkerung so zu sagen mit Glace-Handschuhen angefaßt hätten; es sollte, dies Verfahren gewiffermaßen der deutschen Regierung alS Richtschnur bei ihrem Auftreten tn den Reichslanden dienen, denn die Anhängltchkett der Elsaß- Lothringer an Fraickreich set eben eine Folge dieser schonenden Behandlung gewesen. Der Aufsatz des Herrn Schneegans, der anscheinend aus sehr authen­tischen Quellen schöpft, belehrt uns denn doch eines ganz Anderen. Namentlich aus religiösem Gebiete wurde mit vollkommenster Rücksichtslosigkeit und Nicht- achtung des Bestehenden vorgegangen. Nachdem einmal erst der Bischof Egon von Fürstenberg wieder von dem bis dahin lutherischen Münster Besitz genom- men und die Jesuiten ihren Emzug gehalten hatten, wuide der größte Thetl der namentl ch angeseheneren Bewohner mit mehr oder weniger Gewalt bekehrt, d. h. zum Uebertritt zur katholischen Religion gezwungen. Auch in anderer Beziehung traten die Franzosen als arge Tyrannen auf. Ohne auS diesem Vorgehen der damaligen Eroberer ein Beispiel ziehen zu wollen, weisen wir nur darauf hin im Hinblick auf die unwahren Behauptungen jenes ausChro­niken' geschöpft habenden Correspondenten. UebrigenS haben die Franzosen laut SchneeganS mit ihrer Vergewaltigung nicht allzuviel auSgerichtet und erst die große Revolution, welche die >m Elsaß, wie irgend sonst wo gehaßten Bourbonen stürzte, wurde erst der Kitt, der daS Elsaß so fest mit Frankreich verbunden hat.

Kngkaud.

London, 5. Februar. In Dublin erwartet man, die Landliga werde unterdrückt und ihre Bureau; mit Beschlag belegt werden. Angesichts der wahrscheinlichen Verhaftung weiterer Leiter der Landliga hat die Frauenliaa unter dem Vorsitze der Miß Anna Parnell ein Manifest erlaflen, in welchem die Frauen Irlands aufgefordert werden, die Agitation fortzusetzen, blS die Noth ftrer Landsleute ihr Ende erreicht habe. Das bereit- erwähnte Manifest btt irischen Homeruler-Abgeordneten an das irische Volk schließt wie folgt:Mitbürger! Wir beschwören Euch, inmitten aller dieser Prüfungen und Herausforderungen die edle Haltung zu bewahren, die Euren schließlichen Sieg bereits gesichert hat. Weiset jede Versuchung zum Zwiespalt, zur Un- ordnung oder zum Verbrechen zurück. Laßt Euch durch eine kurze Herrschaft deS Despotismus nicht einschüchtern. Wenn Ihr Euch selbst die Treue haltet ist Euer Triumph gewiß." Durch die Verhaftung Michael Davitt'S hat die Regierung einem der entschlofftnsten Führer und Redner der irischen Agi- tation voraussichtlich für lange Zeit den Mund gestopft. Davitt hat in letzter Zeit wahre Brandreden gehalten.Im Cabinet", sagte er unlängst,fitzen heute Menschen mit so niederträchtigen Gefinnungen, mit so brutalen Neigun- gen, mit so blutdürstigen Absichten, wie fie nur je eine Whig-Partei zu ewiger Infamie verurthetlt haben." Davitt wurde 1870 wegen Hochverrats (er >alf Waffen in Irland einschmuggeln, die für aufrührerische Zwecke dienen ollten) zu 15jähnger Zwangsarbeit viturtheilt, aber tm Jahre 1878 nebst anderen fer.ischen Gefangenen mit einemticket of leave tn Freiheit gesetzt. 5t wird j-tzt, wenn ihm nachgewiesen werden kann, daß er den Bedingungen einesticket of leave nicht gehörig nachgekommen ist, den Rest seiner Straf­zeit zu verbüßen haben. Er wurde gestern unter polizeilichem Geleit von Dublin nach London gebracht und bald nach seiner Ankunft daselbst dem Poli- zeirichter in Bowstreet vorgeführt, der nach Feststellung der Identität seine .Überführung nach dem Millbank-Gkfängniß anordnete. Auf dem Transport waren alle Vorsichtsmaßregeln gegen einen gewalis men BefreiungSversuch ge­troffen worden. Vom Millbank Gefängn ß wurde Davitt gestern in später Abendstunde mittelst Sonderzuges nach dem Bagno in Dartmoor abgeführt,