So ist, den Obstbau betreffend, daraus zu halten, daß die für vorigen Monat näher bezeichneten, aber noch nicht zu Ende geführten Arbeiten, als: Beschneiden und Ausputzen der Bäume und Sträucher, Ausrotten schadhafter, abständiger und abgestorbener Bäume rc., derart zu beschleunigen, daß dieselben bis M'tte dieses Monats beendet sind. Dann sind auch unbrauchbar gewordene Baumpfähle durch neue zu ersetzen und der Erdboden um den Stämmen zu lockern und umzugraben. Außerdem kann jeden Tag, wenn es das Wetter erlaubt, so auch die Terrainverhältnisse es gestatten, der Boden also nicht zu naß ist, gepflanzt werden. Auf die Pflanzung selbst ist mit das größte Gewicht zu legen, denn hierbei kommt die richtige Sortenwahl, dann auch das regelrechte Setzen der Bäume in Betracht. Es ist keineswegs damit abgethan, ohne Rücksicht auf die Sorte ein Bäumchen zu pflanzen, sondern die Auswahl den klimatischen Verhältnissen und der Lage entsprechend zu treffen. Was es für Folgen hat, wo man sich dieser hochwichtigen Bedingnisse entschlägt oder nicht bewußt ist, davon geben gar viele Pflanzungen in Rah und Fern das beredteste Zeugniß. Daß aber auch auf Unkennlniß der Sache, auf Bequemlichkeit oder verfehltem Sparsystem basirend, die gröbsten Fehler beim Pflanzen der Bäume und Sträucher verübt werden, ist ebenso wahr, gesellt sich hierzu noch schlechte Wartung der Baumpflanzungen, dann ist es vollends aus. In allen Fällen sollten unkundige Leute da nie ohne Zuratheziehen tüchtiger und erfahrener Baumgärtner verfahren, die öffentlichen Obstplanlagen aber einer schärferen Controle unterworfen werden. Bei Eintritt milder Witterung thut man gut, junge, sowie ältere, vorher von Moos und loser Borke gereinigte Bäume am ganzen Stamm bis in die Aeste mit verdünntem Kalk, sog. Kalkmilch, zu überstretchen.
Im Gemüsebau gibt es auch alle Hände voll zu tbun. Treibbeete werden angelegt und mit den bekannten Treibgemüsen bestellt. Dann aber wird Poree, Sellerie, Blumenkohl, Roth- und Weißkraut, zur Frühpflanzung berechnet, auf hierzu vorbereitete lauwarme Beete ausgesäet. Sobald es die Witterung erlaubt und der Boden genügend abgetrocknet ist, geht es an das Ausstellen der Gemüsegärten und Felder Die Länder werden gegraben oder umgepflügt und Aussaaten von Zwiebeln, Früh-Carotten, Sommerspinat, Petersilie vorgenommen, auch Erbsen und Puffbohnen gelegt. Aeltere Spargelbeete werden gereinigt, mit kurzem Dung überworfen und gegraben, neue Spargelanlagen hingegen werden nur vorsichtig aufgelockert und mit einer bis 6 Zentimeter dicken Lage von gut verrottetem, reich mit Sand durchsetzten Mist überdeckt. Bei ungünstiger Witterung bindet man Strohdecken und setzt bcfcctc Geschirrstücke in brauchbaren Zustand.
Im Bereich der B l u m e n z u ch t hat auch aus allen Gebieten die umsichtigste Thätigkeit Platz zu greifen- Aus lauwarme Beete oder in Töpfen, Samenschalen re. werden Aussaaten vieler Blumenarten, zum Frühflor geeignet, als Sommerleokoyen, Astern, Löwenmäulchen, Chineser Nelken re-, gemacht. In dunklen Räumen über- • winterte Gewächse werden an das Licht gebracht und alle Tops- und Kübel-Pflanzen nach Ersorderniß beschnitten und in neues, den einzelnen Arten entsprechendes Erdreich versetzt. Von den Pflanzen des Warmhauses, denjenigen, welchem der Mehrzahl nach die sog. Zimmerpflanzen angehören, sind die hartblättngen zeitweise zu waschen, die weicheren Arten aber abzustäuben; die Kalthauspflanzen sind ebenwohl des öfteren zu reinigen und denselben bei mildem Wetter möglichst viel frische Lust zuzuführen. So Topfpflanzen von Ungeziefer befallen werden, hat man dessen Vertilgung energisch zu betreiben. Nimmt das Wetter einen milden Character an, dann deckt man Rosen und sonstige gegen Kälte geschützte Strauch- und Blumenarten auf. Bei sich steigernder Vegetation kann man auf kräftige Entwickelung und Vermehrung des Blüthenreichthums der Topfpflanzen durch Begießen mit löslichem Dünger wirken. Es darf dies aber nur bei durchaus gesunden Exemplaren und auch nur bei solchen geschehen, welche nicht frisch umgepflanzt waren. Ganz besonders ist hierbei darauf zu halten, daß die Dunglösung nicht zu kräftig genommen werde, auch nicht zu oft damit be« gossen wird.
L oTÖTH-
Gießen, 9. März. Gestern Abend kurz vor 6 Uhr traf der Storch auf seinem Nest am alten Regierungsgebäude ein. Hoffentlich wird er uns den langersehnten Frühling mitgebracht haben.
— sSterbltchkeit in Gießen.j Die Zahl der in Gießen während der Woche vom 27. Februar bis 5 März vorgekommenen Todesfälle belief sich im Ganzen auf 13. Hiervon ereigneten sich 8 Fälle bei erwachsenen Personen und zwar wurde Krebs 2mal, Lungenentzündung 2mal, Lungenschwindsucht, Lungenemphysem, organische Herzkrankheit, Altersschwäche je einmal als Todesursache bezeichnet. Die übrigen 4 Sterbfälle betrafen Kinder, von denen 3 der Dipythertits erlagen und eins Der häutigen Bräune. G.
Vermischtes.
Friedberg, 5. März. Gestern Abend wurde ein Seminarist während des Unterrichts unwohl und war, bis der Arzt kam, eine Leiche Ein Herzschlag hatte ein boffnungsvolles Leben geendet. Der junge Mann, einziger Sobn feiner bedürftigen Eltern, hatte auf Ostern sein Abgangsexamen machen wollen und hätte es. den Aussagen seiner Lehrer nach, sicherlich bestanden. Seine Leiche wird in seinen Heimathsort bei Alsfeld übergefübrt werden.
Friedberg, 6. März. TaS hiesige Amtsgericht »st mit einer Untersuchung über eine merkwürdige Thatsache beschäftigt. In dem Stalle einet hiesigen Wirtschaft an der Ei <nbahn wurce in der Nacht von Donnerstag auf Freitag ein Pferd eine« Händlers auS dem Vogels« berg an eine feit dem letzten Pferdemarkt n.cht mehr benutzte Kuppe gestellt, am anderen 'IMorgm lag das Pferd tobt in dem Stalle. Man schrieb dies dem Umstande zu, daß das Pferd etwas scharf an dem Tage gelaufen war. In der Nacht vom Freitag auf Samstag jedoch standen an derselben Stelle zwei werthvolle Pferde beS Grafen Laubach. Am Samstag Morgen lagen beide <fünfjährige) Pferde, die notorisch langsam gefahren worden waren und mit aller nöthigen Vorsicht behandelt in den Ätall kamen, ebenfalls tobt da. Sicher ist, daß den Besitzer des Stalles absolut kein Vorwurf treffen kann Es ist nun Sache der gerichtlichen und chemischen Untersuchung, auszufinden, wie das Unglück entstehen konnte. Die Section des ersten ThiereS, die sofort angestellt wurde, ergab eine entzündete Stelle des Magens und des Dünndarms. Die chemische Untersuchung wird das Weitere ergeben. Man ist hier, besonderer Umstände wegen, die wir, um der gerichtlichen Untersuchung nicht vorzugreifen, nicht näher auSfübren wollen, auf den AuSgang der Untersuchung sehr gespannt. (O. ST)
Mainz, 7. März. Heute Nacht und heute Vormittag wurden von der Polizei sechs Knaben im Altrr von 12—15 Jahren, welche im Laufe des gestrigen TageS nicht weniger aiS 4 schwere Einbrüche verübt hatten, verhaftet. Die jugendliche Räuberbande, deren einzelne Mitglieder bereits so verkommen sind, daß sie in den letzten 2 Jahren circa 15 — 20 Einbrüche und Diebstähle verübt haben, sind bei ihren einzelnen Dervrechen so geschickt zu Werke gegangen, baß ihre Thaten einem ergrauten Spitzbuben alle Ehre machen würden Nur dem Ümiianoe, daß wir gestern Regenwctter hatten, ist es zu verdanken, daß tue Einbrecher ermittelt wurden, die Diebe sind nämlich in zwei Fällen mit ihrer naßen Fußbekleidung aus Polstomöbel gestiegen und diese Fußabdrücke führten auf die Spur der Tbäter. In einem Falle stieg einer ter Knaben gestern Vormittag -- die anderen hielten während dieser Zeit Wache — in ein offen- stehendes Fenster, erbrach in dem Zimmer eine Commobe und entwendete daraus Schmuck gegenstände im Werthe von 30u \ gegen 4 Uhr des Mittags wuibe ebenfalls mittelst Breche
wirkzeugen ein Zimmer erbrochen und eine goldene Uhr im Werthe von 150 JL und sonstigen Sachen gestohlen, in dem Laden eines Mctzgermristcrs und eineS Schneidermeister« wurden die Ladenkaffen erbrochen und daraus 50 resp. 120 gestohlen. — Ein Soldat deS 87. In fanterie-Regiments versuchte sich gestern Nachmittag im Rhein zu ertränken, Schiffleute brachten indeß den Selbstmords-Candidaten wieder aufs Trockene. — Das Gauturnfest des Gaue« Rheinhessen findet dieses Jahr in der Gemeinde Lastet statt.
— AuS Beckrath vom 1. d. belichtet man der „Gladb Ztg.": Gestern Abend wurde hier, kurz vor Beginn der Dämmerung, eine Erderschütterung ton ganz bedeutender Stärke verspürt. Dieselbe war so stark, daß man in vielen Häusern meinte, es müße oben im Hause ein schwerer Gegenstand, em Gewicht oder sonst etwas umgestürzt oder beradgefallen sein. Die Thüren sprangen an verschiedenen Stellen auf, und die runig stehenden W bstühle machten sich durch Rappeln bemerkbar. — Aus Wickrathberg vom 1. o. wird berichtet: Gestern Abend gegen 6 Uhr 4 M. wurde Her ein starker Erdstoß verspürt, welcher einige Seeunben anhie:t Die Richtung desselben war von Westen nach Osten. — Aus E'kelenz vom 1. d. schreibt man den „Wuppeithaler Volksblättern" : Mehrere gewaltige Erdstöße, welche einige Secunden andauenen, erschreckten gestern Abend 6 Uhr die Bewohner ter Stadt und gaben dem tollen Fastnachtstrubel selbst einen Stoß, von dem er sich nicht ganz erholte. — Aus Wanlo wird der „Körn. Volksztg." ferner mitgetheilt: Am 28. Februar, Abends 6 Uhr, wollen mehrere Personen ein Erdbeben verspürt haben. Der wellenförmige Stoß Dauerte 7 bis 10 Secunden.
Handel und Verkehr.
Gießen, 9. März. Auf dem gestrigen Viebmarktc waren aufgetrieben: 6 Pferoe. 1876 Stück Rindvieh und 360 Stück Schweine. Die Preise für Schlachtvieh und Schweine standen denen dem letzten Markte gleich, dagegln Zucht- und Arbeitsvieh biliger.
Nächster Markt Dienstag den 22. und Mittwoch den 23. d. Mts., am letzteren Tage auch Ärämcrmarft (erster in 1*81), und findet an diesem Tage von Morgens 8 Uhr ab die Derloosung der Krämcistände für dieses Jahr statt.
** Nachdem in neuerer Zeit, wie so viele Industriezweige, auch die Fabrikation Der (Saffeefurrogate in bessere und rationellere Bahnen gelenkt ist, destreven sich einige Fabriken unseres Vaterlandes, Caffeecrsatzmittel einzuführen, welche in der That so wohl al« Surrogat selbst möglichst ihren Zweck erfüllen, als auch durch die eigenthümltche Zusammenstellung Der Ingredienzien den beigemtschten indischen Caffte höher verwerthen.
Obwohl wir wett davon entfernt sind, anderen Caffeesurrogaten, falls sie gut fabriait und rationell zusammengesetzt sind, ihre Berechtigung abzusprechen, so wollen wir doch nicht verfehlen, auf ein Laffceersatzmittel aufmerksam zu machen, welches m der That dem echten Caffec mit vielem Vortheil zugesetzt werden kann, indem es den Wohlgeschmack, und die Nahrhaftigkeit des Getränks erhöht, wie auch den beigemischten indischen Eaffee selbst beffer audnutzt. Es ist dies der Vcrbeßerte Deutsche Natroncaffee, welchen, mit Französischem Patente v:r- sehen, die Herzog!. Braunschw. Hoffabrik von (tz. H Bartels & Sohne Nachfolger zu Braunschweig neuerdings in den Handel gebracht hat. Wir glauben, daß die gute Zusammensetzung dieses Surrogates annährcnv die oben angeführten Ziele und Eigenschaften erreicht. Obengenannte Firma hat ihr Fabrikat unter die Controle Der Herren DrDr. Frühling und Jul. Schulz, gerichtlich vereidigte Chemiker, gestellt, um so dem confumirenben Publikum alle Garantie bieten zu können
Allgemeiner
Anzeiger.
Betreffend: Die Mathildenstiftung für Oberheffen.
Die verehrlichen Mitglieder der Mathildenstiftuug werden zu der
Montag den 14. d. Mts., Bormittags 11 Uhr,
auf dem Bureau des Unterzeichneten stattfindenden
Hauptversammlung
ganz ergebenst emgelaoeu.
Tagesordnung:
•) Prüfung der Rechnung für 1880.
b) Feststellung des Voranschlags für 1881.
c) Ergänzungswahl des Vorstandes.
Gießen, am 5. März 1881.
Der Vorstand der Malhlldenstiftung für Oberheffen: Dr. Boekmann.
Gießener Bienensilchteiverein.
Sonntag den 13 März, Nachmittags 3 Ubr:
Versammlung bei Jelsing, Neuenweg.
Volksbiidittigsvcrcin.
1604) Die Ausgabe von Büchern aus der Vereinsbibliothek findet Donnerstag den 10. März, Abends von 8—9 Uhr, und dann an jedrm Donnerstag Abend um dieselbe Zeit im Saale des alten Rathbauses statt. ______________________ Der Vorstand.
Carl Deines, Kandschastsgärtnrr, empfiehlt Pläne zu neuen Garten-Anlagen, deren ÄuSführuna 1587) und Unterhaltung.
Obstbäume, Hochstamm u. Zwerg.
Allecbäuwe.
Ziersträucher.
Akosen, hochstämmig wie niedrig.
Stachel- und Johannisbeer.
Ltaudengewächse, schön blühend
^rdbeeren-u.Spargelpflanzen
Grasfamen, beste Mischung.
Geschäfts ■ lebergahe.
1589) Meiner werthen Kundschaft sowie Nachbarschaft die ergebene Anzeige, daß ich mit dem Heutigen mein seitheriges (9eschäst unverändert an Herrn Karl Hahn übertragen habe nnd bitte das mir geschenkte Vertrauen auch auf ihn übergehen zu lassen
Achtungsvoll
Carl Seipp, Lchrkinermeister. Neue Anlage 42.
Be;»gnchmc»d auf Obiges werde ich stets bestrebt fein, mir das Vertrauen der werthen Kundschaft durch reelle Bedienung und Arbeit zu erwerben. Achtungsvoll
Gießen, im März 1881.________Karl Hahn.
Ausverkauf.
1536) Da ich mein Ladengeschäft nur noch einige Monate deibehalte, verkaufe um rasch zu räumen mein jetzt vollständig assortirtes Lager in
s/4, 118, 6/4, 1 % und t2/< Leinen un) Halbleinen, Madapolam, (Kretonne, DowlaS, Hemdentucb Hcmdeneinsayen. Äragen und Manschetten, Handtüchern, Tischzeug, Taschentüchern re., sowie Bettwaaren, Bettfedern und Dannen, weißen Gardinen, schw. Cachemir rc.,
zu bedeutend ermäßigtem Preis und bitte um geneigten Zuspruch.
Auch habe vorzügliches Maschinengarn stets in allen Nummern vorräthig.
Mit Hochachtung
Herrn. Äug. Müller, Schulstraße.
Das Geschäft ist in der Regel Mittags von 12y2—2*/2 Uhr geschlossen.
Hach Vftr- >or
Baltimore und. Philadelphia mittelst Postdampfer 1 Elaffe 80, 2, Classe v4L 75 befördert ä Person 1540) Chr- Wallenfels.


