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sofort zu erkennen, was hinter dem verlockenden Sirrnenruf sich barg, es war der krasieste Eigennutz, welcher die enalischen Staatsmänner dies Anerbieten veröffentlichen ließ. Das Land der Pharaonen liegt den Briten zu sehr im (Sinn, sie gehen jetzt mit Gewalt darauf aus, daS schöne Reich auf die eine oder die andere Weise zu erwerben und halten jetzt den geeigneten Moment für gekommen, da Frankreich in Tu.esien sehr beschäftigt ist. Die egyp- tische Frage ist überhaupt momentan zur orientalischen geworden, Denn der Sultan hat es in höchst eigener Person auch nicht umerlaffen könnet, sich in die Händel in Kairo einzumischen. Der Großherr, dem bas Rülau) wenig- stens dem Namen nach unterthan ist, will durch zwei Abgesandte dem Khrdioe und seinen Ministern die Verwaltung des Lundes mehr oder weniger aus der Hand nehmen, und sein Ansehen als höchste Autorität wieder Herstellen. Wer den Sultan zu diesem Schritte veranlaßt hat, ist unbekannt, es können aber nur Rußland oder England selbst gewesen sein. Wäre das Erstere der Fall, so wäre der Geniestreich Jgnatieff's, der ja die Verhältniffe am goldenen Horn kennt, vollkommen würdig, hätte England den Sultan tnspirirt, so wäre damit der Sultan vollkommen dem englischen Einfluß anhetmgegeben, wenn man auch das Faktum noch nicht offen htnstellen mag. Jetzt freilich schreiben die Lon­doner Journale sehr entrüstet, aber ihr Aerger, so meinen wir wenigstens, wird sich schon nach und nach legen. Da wir schon oben von Frankreich sprachen, so wollen wir hier noch kurz erwähnen, daß eS in der äußeren Politik so bunt aussieht, wie in der inneren. In Afrika haben die Araber die tunesi­schen Truppen, die Bundesgenoffen der Republik besiegt, rauben, worden und zerstören die Eisenbahnen, kurz, setzen die FrauzoseU in die größtmöglichste Ver­legenheit. In Paris streiten sich die verschievenen großen Geister der Republik miteinander. Der Laternenmar.n Rochefort macht Enthüllungen über Gambetta, die diesen herabsetzen sollen. Gambetta kämpfte gegen den Präsidenten der Republik, der ihm nicht den Willen thun will, das Ministerium Ferry gehen zu heißen und dafür ein Ministerium Gambetta zu acceptiren, kurz, überall herrscht Streit und Feindschaft. Das Ende deS Kampfes ist, wenigstens im letzteren Falle, freilich im Voraus zu erkennen, Grevy wird schließlich nach­geben, und schließlich selbst gehen. DaS Haupt der Napoleontden, Jerome Napoleon, von dessen Thronentsagung man noch nichts weiter gehöi^ hat, ist jetzt auf seiner Rundreise, die doch wohl nur den Zweck des Vergnü­gens hat, von Konstantinopel in Pesth angekommen. Er reist incognito, hätte aber unserer Ansicht nach recht wohl officiell reisen können, er würde kaum doch viel beachtet worden fein lieber die Zusammenkunft zwischen dem Kaiser Franz Joseph und dem Czaren, resp. dem König Humbert, verlautet noch immer nichts Gewtffes. In Rußland scheint man wieder

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Kirchliche Anzeigen

der evangelischenGemeinde ruGießen.

Nachdem die Umbauoxbtiün in der Kirche nahezu vollendet sind, haben wir an die Gemeinde eine freundliche Bitte zu richten. Die dreireihigen Emporbübnen sind natür- lick bedeutend enger geworden, als seither mit zwei Sitzreihen. Die Besucher der Kirche können nur noch auf der untersten Sitzreihe aneinander vorübergehen und auch hier nur, wenn sie einzeln nebeneinander sitzen und nicht gedrängt voreinander st,den. E6 ist darum nöthtg, daß die Herrn auf den Ä'tzreih^n ourch goitauLm einander Platz wachen und die« wird erleichtert ourch die bet einigen Säulen angebrachten Aufgänge. Wir bitten demgemäß die geehrten Kirchegänger, daß bk zuerst kommenden doch jedes­mal möglichst weit nach der Wand oder d.r Kanzel zu iüren Platz nehmen und daß die nachfolgenden sich ihnen anschließen möchten. Dann w'rd für alle Platz auch zum Sitzen vorhanden sein. W^nn aber die Herrn gleich vornen in den Bänken sich zuviel zusammendrängen, Dann können die nachfolgenden nickt durch, und während nach der Kanzel hin dn: Mrngr von P'ätzen leer bleibt, müipn vornen Viele während des Gottesdienstes stehen.

Auch im Sch'ff d'r Kirche sind die Bänke für die Damen geändert und näher aneinander gestellt worden. Das Vorbeigehen der Neukommenden an d-n bereits Sitzenden ist da­durch sehr erschwert. Wir btlbn deshalb die geehrten Kirchengänzerinnen, daß, wie es auch in anderen Kirchen allgemein freundliche Sittc ist, die zuerst gekommenen den nach­folgenden durch Wetterrücken auf Den Bänken P atz machen möckcen.

Die Sitze selbst sind ja im Schiff und auf de -., n,n nickt enger, alS in anderen, selbst neugcbauten Kirchen auch. Eine Vermehrung der Sitzplätze war aber dringend norhwendtg ; der verstärkten Garnison mußte noch die setrverige Schülerbühne zugewieien, den Sckülern mußten ganz rnue Plätze^beschafft, für die Bürgerschaft mußten die Sitz­plätze vermehrt werd n und auch im Schiff der Kirche waren bi.* neugewonnenen circa 70 Sitzplätze notkwendig. Ls war nicht andciö zu mack n, al- wie es nach reiflich m Berathen ausgeführt wurde, wenn die für etwa 60 >O Gemcindrangchörlge erbaute Kirche auch ferner der dreimal größer gewordenen Gemeinde genügen sollte.

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sDie Mordscene auf dem Bahnhofe von Ueb-Zargaff Aus Tunis ist neue Hiobspost etngetroffen: Die Eiscnbahnbeamten des 86 Kilometer von Tunis

A. Fangmann,

Kirchenplatz.

einmal gewaltige Angst vor den Nhilisten zu haben und hütet sich daher, den Ort der Entrevue zu frühzeitig zu verkünden, während Italien wohl zu große

Ansprüche an das Zweikaiser-Bündniß gestellt hat, und deshalb aus der

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Gießen, 8. September. Unter Hinweis auf bk Notiz in Nr. 184 b« Bitt«., naeb wtlcker ein Solbat bis husigen Regiments auf ben Namen seines Vorgesehen verschiebeeie Schwindeleien verübte, tbeilen wir heute mit, baß berfclbe eri-gsgenchtlich wegen viermaliger Urkundenfälschung und achtmaligen Betrugs zu einer Zuchthausstrafe von 3 Jahren und Äus- stoßun, aus ctm Soldatenstande verurtheilt worden ist.

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weise ausgerisfen waren. Vorsichtig und langsam setzte er noch eint Weile die Fahrt h°ln AtpiÄ ber °^ne Irgend welchen Schaden zu nehmen,

aus dem Geleise verleih. Auch hier waren die Telegraphenpfähle umatroorkn die ?CI jinb die Schaffner verließen den Zug und gingen ^zu Fuß nach

dem Bahnhof von Ueb-Zarga. Hier bot sich ihnen ein entsetzliches Schauspiel: der ^.tatlonschef war lebendig verbrannt, die Beamten und das Dienst» rsonal waren auf umgebracht worden. Nur zwei von ihnen lebten noch.

Man brachte Die Leichen und btc beiden Verwundeten in einen Waggon des im Stich gelassenen Zuges unb bte Herne Schaar, bestehend aus 25 Mann vom 75. Linien- ^'tttmet, etwa s Reffenben und vier Bahnbedlensteten, entschloß sich, iu Fuß dem Fahrdamme entlang, nach dem nur 22 Kilometer entfernten Bahnhof von Medjer-el-Bab S S'hen wo man einige Hilfe zu sinden hoffen konnte. Nach einem sehr mühseligen °7)?ms?rf^-e,raur roeId)em fie 'Ndeß nicht von den Insurgenten belästigt wurden, er- relchte die Colome um 2 Uhr Morgens ihr Ziel unb fand dort bereits einen aus Tunls auf die von Mediez-el-Bab eingelaufene Anzeige zu Hilfe geschickten Zug vor mit welchem ,00 Mann Jnsanterie aus dem Lager von la Manuba, sowie die Eisen- bahndtrectoren Dudos und Aubert etngetroffen waren. Nachdem Die Reffenden die l?^unervolle Scene geschildert hatten, welche ihnen in Ueb-Zarga geboten war, konnten sie dte ^ahrt nach Tunis fortsetzeu, währenb der Hilfszug sich Über bie vielfach gestörte Bahn, so gut ei eben konnte, nach Ued Zarga bewegie, wo er heute früh um 10 Uhr ?? c,ncJn voch kläglicheren Zustanbe, als sie sich ben

Anderen gezeigt hatte. Wahrenb der Nacht waren nämlich die Insurgenten zurück- und hatten Alles ringsum verheert. Die Bahn war in einer Länge von

12 Kilometer untetbrocken; sie hatten bie Locomotioe bes im Stich gelassenen Huaeö tn bie Luft gesprengt, mehrere Waggons verbrannt unb an den 10 Leichen, wie an ben fteiben Verwundeten ihre bc,ttalffche Wuth ausgelassen. Die verkohlten Reste bes Slattok'.schpfc, die bann zum Thetl von ben Hunden gefressen worben waren, würben mit einem verbrannten menschlichen Bein, welches man ohne ben Körper, zu bem es gehörte, gesunden halt, provisorisch in ein Felleisen eingelegt; sie sind soeben in Tunis emgetroffen, mit ihnen bie beiben Verwundeten, die sich in einem sehr traurigen *«u- llantie besinden Die übrigen Leichen sollen heute Abend Nachfolgen Der Stat ons- ckes heißt Naimbert Nur ein Subalternbeamter Namens Grand konnte sein Leben retten, tnbem^er sich in bie Clsterne bes Bahnhofes von Ueb-Zarga stürzte. Er blieb barm neun ^tunben bis an ben Hals im Wasser stehenb. Jeben Augenblick holten dte Jniurgenten Wasser unb er ftanb eine solche Angst aus, daß er noch jetzt der Sprache nicht mächtig ist." w 1 9

In der Hauptsache, jedoch nur ganz lakonisch, werden diese Angaben von General Logerot selbst bestätigt.

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in gleicher Entfernung von Ghardimau gelegenen Bahnhofes von Ueb-Zarga sind, wie sckon kurz telegraphisch mitgetheilt wurde, am letzten Freitag von den Insurgenten Überfallen unb umgebrackt worben. DemFigaro" wird über diesen traurigen Vorfall unterm 3. Oktober des Näheren berichtet:

Der Zug, welcher täglich um 51/? Uhr Morgens von Tunis nach Ghardimau abgeht, kreuzt sich gegen 1 Uhr auf der Station Ued-Zarga nut demjenigen, der eben­falls um 5Vz Uhr von Ghardimau nach Tunis abgegangen ist. Des Nachmittags um 3 Uhr begegnen sich in Ued-Zarga auch noch zwei andere Züge. Gestern früh um 9 Uhr waren nun bie beiden Züge, welche nach einer kürzlich erlassenen Verordnung eine Escorte von 25 Mann Infanterie nut sick führten, gewohntermaßen in Ued-Zarga zusammengetroffen. Kaum eine Viertelstunde, nachdem sie ihre Fahrt fortgesetzt hatten, sahen die Bahnbeamten, die eben ihr Frühstück nahmen, plötzlich eine Jnsurgcntenbande bie Station umringen unb sich auf sie losstürzen. Es folgte eine haarsträubende Schreckensscene; aber bie beiden einzigen Ueberlebenben nb zu schwer verwundet, als daß sie bisher hätten alle Einzelheiten erzählen können. Nach dem Blutbabe würben ber Bahnhof unb die umliegenden Diensthäuser in Brand gesteckt. Der zweite von Tunis kommende Zug blieb in Medjez-el-Bab, ber letzten Sation vor Ueb-Zarga, zu­rück, ba man bort, nachbem ber Telegraphendraht abgerissen war unb aus ber Gegend von Ueb-Zarga ber Rauch einer Feuersbrunst aufftieg, Schlimmes ahnen mußte unb zunächst m Tunis Anzeige machte. Unterdessen fuhr ber von Gharbimau kommende zweite Zug ahnungslos über Beja in der Richtung von Ued-Zarga. Einige Kilometer von der letzteren Station bemerkte der Zugführer, baß bie schienen und Bohlen stellen-

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