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Freitag den 9. September

1981

Nr. 2<>f>

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Anikigk- nnb AmisdlllN fit brn Kreis Gießen

Erscheint täglich mit Ausnahme beö Montags

fttiTvau t Schulstraße B. 18.

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Ausfuhr:

1,099,636.000

1,173.497,000

Leichsbolk

W 1882

JL

1 299 236,000

1 145,589,000

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bnngerlohn.

Durch du Poft bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 P*.

0cß(n Sdarja^lun;

iembti 1881.

Bühner, Grrichtsvolipchcr.

Telegraphische Depeschen.

Wolffs telegr (Korrespondenz - Bureau.

Berlin, 7. Sepibr. Von der Reife des Fürsten Bismarck zur b: er­stehenden Laisrrbegeznung ist nicht- bekannt.

Bezüzl'ch der nurmehr anberc-umten Reichstagswahlen sagt bie ,Prvv.-Cottkfp.", bie Regierung weide ihrerseits nichts versäumen, um die Wähler, wilcbe ihr folgen und sie unterstützen wollen, noch ihrem Rechte und ihrer Pflicht über die Ziele, die sie verfolge und die Wege dazu, die sie für die richtigen halte, vollständig in'« Alare tu setzen und umsomehr, je eifriger die Widersacher rhäkig seien, dies in bett Augen der Wähler zu verdunkeln. In einem andern Artikel über die Anbahnung des kirchlichen Friedens sagt die C-r'espond-nz, die Aussichten auf einen Frieden mit der katholischen Kirche hätten 'n der letzten Zeit erfreulich- Fortschritte gemacht, beide Theile hätien einen iJiandpunkr gewonnen, welcher eine V rflänbigung wenigstens ermögliche, die Besetzung des bischöflichen Stuhles zu Trier zeige, daß die Möglichkeit in

S.Stptmbrr, $ 2 Uhr, ' W Hoftaithe beim

battbewerbet nrb ben Erörterungen der Presse sich ein Urtheil über bie Stim­mung beS künftigen Reichstag- zu biefem Gege, stanv bilben wollte, so müßte ste zu bet Urberzeugung kommen, baß daS Gesetz nur unter wesentlichen Abänderungen Aussichten hat, im neuen Reichstag ein besirres LooS zu stnbeu, als im alten. Der hauptsächlichsten Klippe deS Anstöße- gegenüber, :tm Staatsbeitrag, ist bie Stimmung keineswegs günstiger geworben. Auf liberaler Seite hat man nirgenbs eingrräumt, mit bem Wlderstanb gegen biesen Vor- schlag einen Fehler begangen zu haben, und mit größter Entschiedenheit haben auch neuerdings wieder beacktenSweuhe Stimmen auS dem Eenlnim biesen Blstanblhetl bes Gesetzentwurfs als gänzlich unannehmbar bezeichnet, so biefer Tage bieGermania" in einem eingrhenben Artikel. Wo soll ba bie Majo­rität Herkommen, wenn baS Gesetz wieberam mit biefem Vorschlag erscheint-

Frankreich.

Pari-, 4. Septbr. Die algerisch tunesischen Angelegenheiten, bie man während der Wahlen in Folge ber Erklärungen der Regierung, baß nichts Ernstliches zu besürchten fei, unbeacttet li«ß, ersüllen baS große Publikum dennoch mehr und mehr mit Besorgmß, benn bie französische Armee besteht heute nicht mehr aus armen Bauernburschen und Hanbwerkern, die sich nicht loSkausen konnten, sowie aus Freiwilligen unb Sölblmgen, die sich sür (Selb auf weitere 7 ober 14 Jahre amrerben ließen. Da heute viele bemittelte unb reiche Leute ihre Söhne in Afrika haben, so erregten bie schlimmen Nachrichten, bie man auS Tunesien unb Alper en erhält, große Trübsal unb vaS Vetlangen, baß bie Regierung endlich die Wahrheit über die Lage der Dinge in Nord- afrtfa befenne. Nicht sowohl bie Verluste, welche die Franzosen in beu tunesisch- algerischen Rümpfen erlitten, beunruhigen, fonbern bie Berichte über bie Sterb- Uchkert unter ben nickt an baS Klima gewohnten Trupptn. ES sind fast alle ein- b s dreijährige Solbaten! In den letzten zwei Monaten verloren manche Regimenter ein Sechstel -hres Effectivbestanbes durch Ärar feiten, bie man hauptsächlich ber schlechten Verpflegung zuschreibt. Die Erregung wirb ver- mehrt, ha, obgleich sich ftfcon an 60,000 Mann in Nordafuka befinden, man zum wenigsten noch 40,000 Mann Verstärkungen hinübersenden muß. umHerr der Lage zu bleiben. Daß schließlich Frankreich aus dem Kamps clS Sieger hervorgehe^ Herr in Algerien bleiben unb Herr in Tunis werben wirb, bezwei- felr Niemand; bie Opfer, welche bie Kämpfe unb daS Klima noch fordern werben, dürften aber sehr groß (ein.

Horifleur, 6 Septbr. Bei ber heute hier stattgehabten Einweihung etreS neuen Hafenbajstns antwortete ber Hanbelsminister Tirarb auf eine Rede bes Handelskammer-Präsidenten mit Worten rühmenber Anerkennung für den vom früheren Minister Freycinet bezüglich ber Ausführung großer öffentlicher Arbeiten ausgestellten Plan. Es sei inbeß nicht genug, baß man Häsen baue, man dürfe dieselben auch nicht verschließen; et hoffe, daß bie für ben Abschluß von Handelsverträgen elngeleiteten Unterhandlungen zu einem guten Ende führet/ würben. Am Schluffe seiner Rebe hob ber Handel-Minister hervor, Frankreich dürfe nicht fremden Ländern tributpflichtig fein.

Nußrand.

Petersburg, 5. Septbr. Heber bie Ermordung beS Spione auf dem Swolenski-Fiiedhofe hört man jetzt eine itmai von ber frühem abweichenbe Darstellung ber Begebenheit. Danach hat der Ermordete nämlich durchaus keiner nihilistischen geheimen Sitzung auf besagtem Friedhöfe beigewohnt, son- bem ist vom Executiv-Aussckuffe behufs Ertaegennahme ron Befehlen botlhin bestellt worben, unb ba b e nihilistischen Besehle angeblich immer in Gegen­wart von zwei Zeugen ertheilt werten, fo empfingen den geheimen Polizei- Agenten (ber sich unter ben Nihilisten bekanntlich als Parteigenoffe unb ent­lassener Student eingesührt hatte) auf dem Friedhöfe auch zwei Abgesandte deS Fzecutiv-EomitäS, die den falschen Revolutionär überwältigten unb ihm auf Befehl des Ausschusses ben Hals abschnitten. D e in dem schattigen unb Nachts vollständig dunkeln Friedhof aufzeftellten Seiten andern geheimen Agenten hatten jedenfalls nicht den Muth, ihrem Gefährten beizuspringen unb enteilten, um Hülfe zu holen.

in Brtmtn

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für Getreide unb andere Erzeugr.iffe deS Landbaues ein Ausfuhrüberschuß von 18 Mill. ergeben hatte, hat bas eiste Halbjahr 1881 bafür einen Einfuhr­überschuß von 136 Mill. v*. gebracht; bei Eolonialwaaren stieg ber Heber- schuß der Einfuhr über bie Ausfuhr von 41 Mill. v4L aus 74 Mill. vH«. 3m Uebrigen ist zu bemerken, daß bie E'g bniffe einer solchen provisorischen Be­rechnung mit ben befinitiven Ergrbi iffen nickt genau überetnstimmen können. Tie MonaiSauSweise unserer HanbelSstatistik führen nur die wichtigsten Artikel auf; eine Anzahl minder n ickogcr Artikel fehlt darin ganz unb har demgemäß auch in die vorstehende Werthbercchnung nicht eirbezogen werben können. Tie spätere beflnitive Werthermittelung wirb brshalb sowohl bei der En fuhr als bei ber Ausfuhr im (Samen etwa- höhere Ziffern liefern; inbefien läßt fick nach ben bisherigen Beobachtungen Sicherheit schließen, daß dadurch bas Verhältn ß zwischen Einsuhr unb Ausfuhr kaum berührt werben wirb.

w. Darmstadt, 7. Eeplbr. Da« so,ben ctfd)(<nent Regierungsblatt «thält eine Allerhöchste Verordnung in Bettest der Zulaffung ,u den fpeciellen Prüfungen im Finanz- und techniichcn Fach. Hiernach werden ,u einer solchen Prüfung nach Maßgabe der Bcstimwungen in den SS 8 11 der Verord­

nung vom 20. September 1853, die Vorsch islen für die Prüfungen im Finanz- und technischen Fach betreffend, nur solche Sandtdaten zugelaffen, welche am lagt de« Beginn,s der Prüfung das zwanzigste Lebensjahr zurückgelegt und im Uebrigen die in der erwähnten Verordnung vorgeschr,ebenen Bedingungen erfüllt haben. Die Verordnung tritt mit dem heutigen Tage in Kraft.

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DaS Project der Altersversicherung für Arbeiter ist vorläufig nur eine leichihingeworfene Idee, noch febr ertferrt von gesetzgeberischen Dorschlä- geii; kaum die primitivsten Vorarbeiten dazu dürsten bereit- begonnen hoben, unb eS ist bei bem großen Umfang unb ber ungemeinen Schwierigkeit ber habet in Betrackt kommenden Fragen gunz selbßverstäi.dlich, baß bie Zeit, wo dies luftige Project fick zu erneut cor.cretcn Gesetzentwurf verdichtet haben wirb, noch gar nicht abzusehen ist; der Reichstag hat sich vielleicht in ber anzen Legislaturperiode mit diesem Gegenstand noch nicht zu beschäftigen; vielleicht schreckt auch daS tiefere Einbringen in daS Probttrn überhaupt von bem Versuche ab, die Sache weiter zu verfolgen. Daß die Angelegenheit auf alle Fälle noch sehr im weiten Felde fleht, hat auch bieProv.-Eorresp." zu­gegeben. Es liegt für Publicisten uib Politiker dermalen kaum em Anlaß vor, sich mit ber Frage anders als in akabemisch-lheoretischer Weise zu beschäf­tigen. Es hat auch nicht ben Anschein, als ob das Project sehr mächtig in bie Wahlbewegung eingreifen werte; sollten an bafplbe in bieser Hir.ficht große Erwartungen gekr.üpst worben fein, so werben sie wohl getäuscht wer­ben. Die socialistisch infteirten Arbeitskreise, auf bie das Proj'ct z-nächst zu wirken geeignet wäre, verhalten sich sehr kühl ur.b zuiückhalterb; sie haben sich noch nickt daran gewöhnen können, das He-l von der Stelle zu erwarten, von ber eS ihnen neuerdings geboten wird. So fern unb nebelhast aber einstweilen bieS großartig umwälzenbe Project vor uns steht, um so bestimmter werten Wir unS in der nächsten Zeit wieder mit der Unfallversicherung zu besckäfttgen haben. Die öffentliche DiScussion über dieses Thema geht noch mit ungr- schwächter Kraft fort. Wenn die Regierung aus ben Reden der meisten Man-

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im ersten Halbjahr 1881

- . 1880

gegen 1880

Die sog.günstige Handelsbilanz" deS Jahres 1880 hat sich hiernach schon im ersten Semester dieses JadreS wieder in ihr Gegeniheil verwandelt. Der Ueberbilanz von 28 Mill. JL. welche daß erste Semester 1880 ergtben halte, steht im ersten Semester 1881 bereits eine Hnterbilanz von 200 Mill. JL gegenüber. Dieser Wechsel ist dadurch herbeigesührt worden, daß bie Einfuhr beträchtlich gestiegen unb gleichzeitig die Ausfuhr gesunken ist. Beides ließ sich mit hoher Wahrscheinlichkeit vorauksehen. In Folge beS im Jahre 1879 durch die Aussicht auf daS Ji krasttreten deS neuen Zolltarifs erhöhten Imports halte im Jahre 1880, fpeciell im ersten Semester Oeflelben, bie Einfuhr eine bedeutet be Abnahme erfahren, währeib bie Ausfuhr zum Theil durch den Ex­port ber in großen Mengen angehäuften Waann bedeutenb zunohrn. D ese abnormen Verhäliniffe mußten sich ollmälig wieder verlieren, unb wenn auch daS erste Halbjahr 1881 vielleicht noch nicht als vollstänbig normal betrachtet werten kam, fo wirb eS immerhin nicht erbeb!.ch von den normalen Verhält­nissen abweichen. Deutschland würde demnach, ebenso wie alle anderen großen Industrie-Staaten Europas, trotz des neuen Zolltarifs auch irr Zukunft zu denjenigen Läi dern gehören, in welchen nach den Ergebniffen der Handels- staiipik die En subr bettächtlick die Aussrhr übersteigt. Tas Resultat des ersten Semester- ist übrigens im Wesentlichen dadurch herbeigesührt worben, daß bie Einfuhr fast in allen Waarengruppen gestiegen ist, am stärksten freilich Set Getreide und Eolonialwaaren. Während im ersten Halbjahr 1880 sich

Berlin, 6. Septbr. DasDeutsche Handel-blatf veröffentlicht in ft'ner neuesten Nummer eine Berechnung ber Handelsbilanz Deutschlands im ersten Halbjahre 1881. Darnach hat betragen :

Deutschland- Einfuhr:

»tems.

WliM offtnrt id am Neuenweg mbtr Sott,

| Zunahme 153,647,000

| Abnahme 73,861,000