Ausgabe 
8.5.1881
 
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Jtr. 106 Erstes Blatt. Sonntag den 8. Mül L881.

Kleiner MnMger

Aillkigr- uiih AmtsbM für itn kreis Gießen.

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Tixrcau : Schilftraße N. 18. Erscheint täglich mit Ausnahme dcv Montag». Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Marl 30 p.

Amtlicher H 6 e i t.

Gefundene Gegenstände:

1 Stück ©tibtnitufl, 2 Porlimonnait's n.it Inhalt, 2 Taschtntüch.r, 1 Broch', 1 Ri«men mit Schnall«, m.hrrr« Schlüss-l.

(Siegen, den 7. Mai 1881. Großherzogltchr Polizciverwaltung (Biegen.

Fresenius.

Feutschlaud.

Darmstadt, 6. Mai. Das deute ausgegebene Sroßberzogltche Regieningebiatl Nr. 9 enthält das Gesetz, den Bau unv die Unterhaltung der »ui flflrofrn im Großb'rzozthum betreffend.

Berlin, 5. Mai. Von Peuis-tzen aus Nordamerika ist der großartige Plan gefaßt worden, in den U. S- «'ne deuffide Universität nach deutschem Vorb lde \u nrfii ben und bicjet zum bleibenden Ä> der ken btr glorreichen Ar» btbuna Deutschland- den NamenKaiser-Wilhelv--Universität" betzulegem «n dieser Universität sollen aus chliißlich Männer von wisienschaftlichem Ruf und Bedeutung al- Lshrer angestellt, eine Fühlung mit den deutschen Univer­sitäten urb Hochschulen soll angesiribt und somit den in Amerika lebenden Millionen Deutschen Gelegenheit geboten werden, ihren Söhnen ,m Lande^selbst Hein atkl'tbe Bildung geben zu können. Als »Olt" sind verschiedene Städte der Union in Vorschlag gebracht woreen, v. A. Chicago, Brooklyn, Cincinnati, Albany u. s. w., vornehmlich aber Milwaukee al- nicht zu große, gesund ge­legene und g-wifsirmaßen deutscheste Stabt der Vereinigten Staaten. Mit dieser Statt werden äuge» blicknch Verhandlungen g pflogen, nach deren Abschluß Sammelplätze in Hamburg, Berlin, Frankfurt, Pari-, London k. für die in Europa lebenden nnd weilenden Dcutsch-Amerika- er, dann auch noch solche in allen größere Städten Nordamerikas errichtet werden sollen. Da- Unter» nehmen ist aus 2 Mill. Doll, vorläufig veranschlagt worden.

England.

London, 5. Mai. Der Beginn ter Verhandlungen in dem Processe gegen den Reeacteur deS Jour-als »Freiheit-, Most, ist auf den Antrag des Anwalt- Most'S biS zu dem folgenden Asstsengericht verschobn worven.

Ztuhtand.

Petersburg, 5. Mai. Die nihilistischen Sru.dg.bungen mehren sich ron Tag zu Tai in bedenklichem Umfange: oufrührische Proclamationen wer» den im ganzen Reiche verbreitet, sogar in den baltischen Pioainzen, die früher davon verschont gebl.eben waren. Es vergeht kein Tag, ohne daß in Mot kau, in K ew und Cbtfla, aber auch in garz kleinen Flecken und Ltädten Procla» mationen derNarodnaja Wolja" argedestet oder gefunden werden; in den Militär-Kasernen hat man sie hinter den Oefen entdeckt. Fer..er wurden sie in hölzernin Ostereiern, wie man solche zum Fiste verschenkt, sehr oft Pfunden, in IckateriroSlaw wurden sie in der Osternacht während der Weihe des Oster» brodeS tm Kirchengarten angeschlagen. Hier in Petersburg haben die meinen hochstehenden Personen in äußerst frechem Tone gehaltene Proclawat'vnen der Mhilisten erhalten, indefien wurde die Gesellschaft, die von Tag zu Tag gleich gültiger wird, nicht besonders dadurch erregt, im Gegentheil, man scherzt darüber. Am 10. März erschien im Petersburger »Herold" dre Anzeige in deutscher Sprache verdächtigen Inhalts, unterzeichnetGoldstück" Arn LLlusse derselben hieß es, und zwar in russischer Sprache: »Dem Hunde den Hunde» tob." Seit gestern nun ein wenig lange her seitdem verhört man auf der Stadthauptmanschaft stundenlang die Beamten der Expedition und den Corr.ctor der Anzeigen dis Blattes. Die Anzeige soll im Zu'ammenhang mit den, 13. März stehen. Unter den transkaspischen Truppen ist dn ^vpdus ausgebrochen. Die Epidemie wüthet hauptsächlich unter den bei Geok ^epe lagernden Truppen. Die Zahl der Kranken wird mit 15 pCt. der Gelammt» >ahl angegeben. Beim Eintritt der bevorstehenden Hitze ist noch ewe Lteige» rung der Krankheit zu erwarten. Chinin und Aerzte werden schleunigst von hier abgesandt.

Türkei.

Konstantinopel. Die Zabl der Verunglückten in ChioS und Tsch'Sme beläuft sich, wie man aus Smyrna meldet, nach neueren und sorgfältigeren Erhebungen auf ungefähr 5000. die der Verwundeten auf etwa 1800 Pelsonem welche letzteren eine ungefähr 15procentige Mortalität aufweisen. /Ln durch den Einsturz von Gebäuden allein verursachte Schaden wird mit lo Mill. Pfund veranschlagt. Eine Handelskrise auf dem dortigen Platze soll nicht zu besorgen sein, da die Handelswelt in Chios zumeist ohne Credit arbeitete.

Telegraphische Depeschen.

Wolfs'» tdeflt. <ir»mfpntt>tÄi»<hrrtau

Wiesbaden, 6. Mai. Se. Majestät der Kaiser nahm den Vortrag des Hofmarschalls Grafen Perponcher entgegen und arbeitete sodann mit den Chefs des Sivil- und Militär»Cabinets. Später machte der Kaiser mit der

«rau Großherzogin von Baden eine AuSfahrt und erschien Abend- im Theaier. Heute sand vorn schönsten Wetter begünstigt die Parade der Truppen auf dem Kutsaalplatze statt.

Mainz, 6. Ma«. D«r Gr°ßh«r,oz Hal heule mit den Prinzefstni -o Victoria und Slilabeth Sr. Majestät dem Kaiser Wilhelm in Wiesbadcn einen Besuch abgestattet und ist nach dem Diner Abend» balb 7 Uhr hierher

zurückaekehr».

Berlin, G. Mai Der Reichstag erledigte zwei Rechnungsoorlagen und setzte die zweite Lesung deS Gesetzentwurfs, betreffenb zweijährige sttatS- und viertähnge Leglslaiurperioden, ioit. Der Antrag der Commission, wonach der Reichstag aUjabrluD im October emberuien werden soll, wurde mit 140 gegen 129 Stimmen anfl<nommen. Der Antrag der Oonseroaiioen auf zweijährige (rtaispcrioden wurde abgelehnt, der Antrag derselben aus vierjährige ^eg'Slaturverioden wird dagegen mit schwacher Majorität angenommen. Staatsminister o Bötticher erklärte, daß die Einführung vier- iäbuaer Veai.latui veriobeit telnesfalls auf den gegenwärtigen Reichstag Anwendung sinden dürfte. Bei der dritten Lesung des Gesetzentwurfs, betreffend die! Besteuerung der D'cnstwohnungcn von Reichsbeamten, beschltcßt das HauS mit 135 gegen 129 Stimmen das MiethSsleuelguolum nach den Proccntsatzen deS BaargehalteS statt nach den» Dicnstemkommen zu berechnen und nahm sodann den S 1 mit 13a 6^}<n 1 d4 unb hierauf den Rest des Gesttzes unverändert an und genehmigte daS ganze Gesetz in namcml chcr Abstimmung m t 140 gegen 131 Stimmen

Daris, 6- Mai. DieAgence HavaS" meldet: Die von den deutschen Dele» girten in der gestrigen Plenarsitzung der Münzconferenz abgegebene Erklärung besagt Deutschland erhalte sein gegenwärtiges Währungssystem aufrecht und sei nur gewillt, ben Berkaus der alten Silbertbaler während e.maer Jahre zu suSpendtren, dann aber bcnfdben m einem gennffen für jebeo Jahr üftfufteHenben «nhSllnitz wieder °uf- »un.hrncn Tenifchlanb würbe cud> geneiflt frtn bie Cuanti at der in ^rculation beftnblichen MarNlücke ,u vermedren, vielle.chl auch die Ouanlilal bes m bem Mark, stück enlbaltnkii Zeinsilbers zu vermeh en und die Fünfmalkstücke in Gold aus dem Umlauf zurückzuziehen Die Delegirten Englands erklärten, sie nahmen an der Con$ ferenr lediglich aus Achtung gegen die Staaten Lheil, die dazu eingeladen hatten; sre seien bereit, diejenigen Ausklärunaen zu geben, welche gewünscht wurden, wurden sich aber an einer Abstimmung nicht bctheistgen Die Delegirten von Indien und Kanada gaben ähnliche Erklärungen ab. Tie Delegirten von Rügland, Schweden, Norwegen, der Schweiz unb Griechenland machten Vorbehalte in Bezug auf die Annahme des Bimetallismus. Der Delegirtc Oesterreichs wies auf feine delicatc Stellung hin^indem er einen Staat vertrete, der Zwangscours habe. Die Delegirten der übrigen «Staaten enthielten sich jeder Erklärung. Der spanische Delegirtc Moret beantragte, daß sich die Yonscicni nach der nächsten Sonnabend stattsindenden Sitzung vertagen solle, damit die Delegirten Iastructwnen von ihren Regierungen einholten Die Conferenz wird morgen über diesen Antrag berathcr'.

Paris, 6. Mai. Nachrichten aus Tibarka zufolge versorgen die Kbrumirs, welche sich unterworfen haben, bie franzüfifchen Truppen mit Leben-- m.tteln. Tie in Bizerta befindl-chen Truppen bereiten sich zum Marsche nach M-tens behufs Vereinigung mit dem General Logerot vor.

Petersburg, 6. Mai. Gestern würbe der außerordentliche persische Botschafter Sipeh Salar Azem Mirza Husiein Khan vom Kaiser in feierlicher Audienz empfangen unb alsdann der Kaiserin vorgestellt. Der Botschafter übernichte dem Kaiser ein eigenhändiges Schreiben deS SchahS nebst einem Edrensäbel. Nach der Ueberreichung desielben stellte Hufiein Khan auch sein Gefolg- dem Kaiser vor. Für die Mitglieder der Botschaft fand später ein

Dejeuner statt.

London, 6. Ma«. Di« btr Homtiultr-Partei angthörigtn Dtpulirtin hielten gtsttrn eine Versammlung 06, in wtlchtr mit geringer Majorität ie> slhloffen Turbt, nicht für die zweite Lesung der irischen Lanbbill zu stimmen, sondtrn bas Haus vorher zu verlaffen. Parnell halte erklärt, er würbe die Führerschaft der Partti Niederligen, falls dieser Beschluß nicht gefaßt wer- den sollte.

Wien, 6. Mai. Wie die »Polit. Correip." mittheilt, empfing Kron­prinz Rudolf eine aus 18 Mügl edern bestehende Deputation seiner ehemaligen Lchnr ur.b erwiderte auf die Glückwünsche derselben, daß unter den zahlreichen Glückwünschen, die er empfangen habe, keire ihm näher ständen als diejenigen seiner ehemaligen Lehrer, deren Bewühunaen um seine Bildung er so viel oer» danke.N-Hmen Sie sagte der Kronprinz diese Versicherung er.t- gsgen von Ihrem ewig dankbaren Schüler." Die mit großer Wärme gespro­chenen Worte de- Kiorprinzen häiten nicht eine- tiefen Eindrucks auf die Mitglieder der Deputation verfehlt, mit deren jedem einzelnen der Kronprinz sich längere Zeit auf das Freundlichste unterhalten habe. Auf Grund competentester Inform tionen kann diePolit. Corresp." ferner versichern, daß die jüngst in den Arbeit,rkreisen von Wien und Umgegend vorgekommenen polizeilichen Haus» suchungen und Verhaftungen n cht im Mindesten mit dem Most schen^Procesie Zusammenhängen, sondern vielmehr auf Requisition des Landesgerichts Salzburg erfolgt fird, wo die gegen einige Führer der Arbeiter schwebende Untersuchung Jrzichtkn zu Tage förderte, welche auch mehrere in Wien domicilirende Per» fönen betrafen.