Einzelbild herunterladen

Nr. 2S8. Erstes Blatt. Sonntag den 6. November 18SI.

Aießener Mueiger

Auieizk- >>«!> AmisdlM für ürn Kreis Gießen.

" ' , . a Prei« vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit B ringer lob'.

Bureau: Cchulstraße B. 18. Erscheint täglich nnt Ausnahme des Montag-, Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Amtlicher H - e i l.

Gefundene Gegenstände:

1 Säbelkuppel, 1 Zugkette, 1 Brille mit Futteral, t Kinder-Unterhose, 1 Cigarrenspitze, 1 Portemonnaie mit Inhalt, 1 Hal-krause, 1 Kindermantel, 1 Laterne, 1 wollener Handschuh, mehrere Schlüssel, 2 Regenschirme, 1 Notizbuch, 1 Korb (die drei letztgenannten Gegenstände wurden aus der Post zurückzelaffen).

Gießen, den 4. November 188t. Großherzogliche Polizeiverwaltung Gießen.

Fresenius.

m Darmstadt, 4. November. Die zu Beginn de« Landtag« in der 2 Kammer ein- gebrachten verschiedenen Anträge liegen nunmehr im Druck vor. (58 ist zunächst der Antrag de« Adgg. Wasserburg, Franck und Pennrich, welche die Regierung ersucht haben wollen, unter tbunlichster Beschleunigung einen Gk'ktzesentwurf c>nzubrmgen, in welchem unter Abänderung der «nschläg'gen Bestimmungen in der Verfassung, dem Wahlgesetze und dem Gesetze, betreffend die Wahlkrei-eintheilung, die folgenden Grunvsätze in da« öffentliche Recht Hessen« eingefübrt werden: 1. 6« mögen die Abgeordneten nickt mehr durch Wahlmänmr, sondern direkt von den Urwählern gewählt werden. 2. Die Bestimmung, daß da« Wahlrecht auck von der Bedingung abhängig gemacht wird, daß der Wähler mit Zahlung keiner Sin kommensteuer nickt im Rückstände sei, möge in Wegfall kommen. 3. Der Unterschied zwischen Pertretern der Städte und de« stacken Lande« möge aufgehoben und da« Land unter Zugrunde­legung einer bestimmten, für alle Bezirke möglichst gleichen Seelenzahl in so viele Wahlbezirke etngethe'U werden, al« Abgeordnete zu wählen find, so zwar, daß auf jeden Wahlbezirk ein Abgeordneter kommt. Die dem Antrag brtgegebenen Motive sagen : ,,Wa« die Sinfübrung de« allgemeinen direkten Wahlrecht« anlangt, so ist e-ne Motwirung kaum nothwendig, da bei dtt großen Rolle, welche daffelbe im Reichkleben spielt, Jedermann sich über die prtncipielle Seit» ein Urtheil gebildet bat. Wo« die Bestimmung anlangt, daß Derjenige, welcher mit seiner Einkommensteuer ,m Rückstände sei, vom Woblrecht auSgesckloffen werde, so ist keinerlei Zulammenbang zwiscken diesen beiden Institutionen zu erkennen. Außerdem zablt der bessiscke Bürger auch un'er anderer Gestalt Steuttn und müßte darum auck schon au« diesem Grunde zur Wabl zügel, sien werden. Die Scheidung zwischen Stadt und Land endlich entspricht nickt mehr der seitherigen Lage; es tft jedenfalls eine Anomalie, wenn beispielsweise in AlSfeld auf COOO Sinwohrrr ein Abgeordneter kommt, wäbrend in Offenbach ein solcher erst auf 25,000, in Mainz auf 27.COO Einwohner kommt."

Weiter hat der «bg. Sckröder, wie früher bereit« kurz mttgetherlt, den Antrag ein gebrockt, die Regierung um eine Gesetzesvorlage zu ersucken welche da« durck eine Reihe von Leketzen mot'virte S ivtldiener-Wittw en-Jnstitv t in k'.nheitlicher Wcise nm regele, nwa unter Zugrundelegung der in dem gleichartigen Reichsgesetz vom 20 April 1881, betr. bie Fürsorge für die Wittwen und Waisen der ReickSbeamten der Civilverwaltung, angr nommenen Princrpien D.r Antragsteller sagt in der Begründung de« Antrag«:Faßte auch da« Gesetz vom 22. Januar 1861, da« Livildiener-Wittwen-Institut betreffend, ,n dir domal« qeeignkt scheinknden Wei'e Alle« übn diesen Gegenstand zu'ammen und beseitigt hierdurch in gewissem Maß, die Zufälliakeitrn drr historischen Snrwickelung werthvollen und noth- wendigen Institut«, so wurden dafür seitdem doch eine Reihe gesetzlicher Rachttäge und Er­gänzungen erfordkrlick. «l« solcke« erichien auch ter von Großh. Regierung unter dem 9 September 1880 «ingebrackte Gesetzesentwurf vorliegenden Betreff«, welcher indtß nickt zur Verabschiedung gelangte, weil der mit dem Bericht b. traute zweite Autschuß zweiter Kammer im Einvernehmen mit Grofb. Regierung die Materie diesem 21. Landtage überwiesen und vor­der erörtert seben wollte, ob nicht und eventuell wie eine den allgemeinen Derbättnissen ent- ivreckende Reform unsereS'ganzrn Eimldiener Wittwen Institut« hndeizufübren sei, natürlich unter Wahrung bestehender Rechte, wie m,t Einfügung von Beamtenstellen, welche neu entstanden oder nickt entsprechend classificirt wären. Inzwischen ist für d,e Reich«b,amten der Eivilverwaltung (deren Wttiwen und Waisen) odne dabei auf da« log. elsaß-lothringische System zurück- zuwrisen durch nn Gesetz vom 20. April 1881 gesorgt worden. In finanzieller wie wirth- schafilichtt Beziehung dürfte zu überlegen sein, ob man, unter Aufstellung transitorischer Be­st mmunqen, im Äroßherzogtbum Heffen nicht den ähnlichen Weg beschreiten soll mit Heranz,-bung resp Belastung de« Diensteinkowmen« der acttvrn Beamten und Pensionäre." Tn Antrag stellet bemerkt schließlich, der Antrag werde so zeitig eing.bracht, um die erwünschte Regelung de« Gegenstandes auf diesem Landtage herbrigesübrt zu seben.

Schließlich theilen wir noch die Interpella'ion de« «da. Haa« in Betriff drr Landes- eulturgesetze mit. Dieselbe lautet: .Die d.rmrltoe Sandesculturgesetzgebung insbesondere die Gesetze vom 7. Oktober 1830, die Die'evcultur betreffend, vom 2. Januar 1858, die Ent- waficrurg von Grundstücken betreffend, vom 18. August 1871, di, Zusammenlegung der Grund, stücke die Theilbarkeit der Parzellen und Feldwegeanlagen bttreffrnd, haben sich in monnig- focher Beziehung al« zu einer gedeihlichen Förderung ber Unternehmungen auf tem Gebiete d<r Bodenmelicratton nicht ausreichend, vielmehr einer Umarbeitung dringend tebürfttg er­wiesen. An die Grvßb. EtaotSregiernng erlaube ich mir deßhalb die ergebenste Anfrage: Ob »8 tn drr Intention der Großh. StaatSregterung liegt, die gedachten Gesetze einer baldigen, mehr oder weniger umfassenden Revision zu unterziehen und demnäckst wegen der al« notb- wendig erkannten Abänderung und Ergänzung wesentlicher Befitmmungen dem Landtage Bor- lag« zu machen und, im bejahenden Falle, ob hierbei der Erlaß von Vorschriften in Aussicht genommen ist, welche die Bildung von Landeskultur-Genossenschaften bezwecken?" _

Telegraphische Tepeschen.

Wolff'S telegr (Korrespondenz - Bureau.

Berlin, 4. November. DieNat.'Zrg." weiter, der Reichskanzler habe in den letzten Tagen auf seinen Besitzungen e nen jüdischen Industriellen, der ein großes Tabaksetablissement betreibe, als Gast b-i sich gesehen und dabei über seine Stellung zur Iudenfrage geäußert, er mißbillige auf daS Entschie­denste den Kamps gegen die Juden, fei es den confrssionellen, se, es den aus Abstammung beruhen:en, und er treibe niemals darauf eingehen, den Juden die ihnen verfaffungSmäßiq zustehenden Rechte irgendwie zu verkümmern. Ihre geistige Organisation mache die Juden zur Kritik und zur Opposition geneigt, er mache aber keinen Unterschied zwischen den christlichen und jüdischen Geg- nern der Wirthschastspolitik, die er nach seiner Ueberzeugung als ersprießlich für das Land verfechte. Mit der Beantwortung von Adreffen und Telegram­men erfülle er eine Pflicht drr Höflichkeit. Er würde auch Zustimmungsworte von der Fortschrittspartei ebenso höflich beantwortet haben, er habe aber feine e^ulten.

Dresden, 4. November. Ofsicielles Bulletin. Die Beflerung in dem Befinden der Königin dauert fort; der Schlaf ist gut, das Flebrr nimmt ab.

Elberfeld, 4. November. Bel der heute hier stattgehabten Stichwahl erhielt Richard Schmidt (Fortschr.) 13,121 und Moses Oppenheimer (Soc.) 12,172 Stimmen; Schmidt ist sonach gewählt.

München, 4. November. In der deutigen Sitzung der Kammer der Abgeordneten motivtrte der Abg. Luthardt seinen Antrag aus Aufhebung der Simultanschulkn, wobei er betonte, daß der confessionelle Friede Bayerns haupt­sächlich durch daS Bestehen der Simultanschulen gestütt werde. Cultusminister v. Lutz widerlegte in einstündiger Rede die von dem Abgeordneten vorgebrach­ten Motive, entwickelte daS Recht, die Zuläisigkeit und die Nothwendigkeit der angefochtenen Schulverordnung vom Jahre 1873 und erklärte schließlich bezüg­lich der Stellung des Ministerium- zur Simultanschule, daß er, trotz aller Angriffe, von Allem, was er seit seinem Amtsantritt vor 12 Jahren bis jetzt gesagt und gethan, Nichts zurücknehme. Selbst das eifrigste Mitglied der Partei der Rechten würde, wenn er CultuSm nister wäre, über die Simultan- schule nicht hinwegkourmen. Er glaube, die Simultanschule werde immer be­stehen, wenn auch vielleicht ein Nachfolger dieselbe auf kurze Zeit beseitigen sollte. Abg. Bonn (Regensburg) b.merkte, daß der Antrag auch eine politische Seite enthalte; daß zwischen drr Regierung und den Volksvertretern die Einig­keit fehle und daß m dem kiichenseindltchen Geiste der Regierung die Unzusrie. denheil ihren Grund habe.Wir wollen den Vertreter oiestS kirchrnseindlichen Geistes beseitigt haben." Auch die Vertretung der Selbstständigkeit Bayern- jti mit ungenügender Energie gewahrt; daher ier Kampf gegen daS Ministe- rium Lutz! Es sei unerhört, daß daS Ministerium, dem ourch die Wahlen wiederholt zugerufen worden, daß man es nicht wolle, dennoch bleibe. Lutz'S Auffaffuna, d.ß sein Verbleiben eine patriotische Pflicht, sei eine grundirrige. Die ganze Richte des Hauses vertrete in dem Anträge die Forderung deS Rücktrittes des Ministeriums Lutz, das zum Schaden des bayerischen Volkes auf seinem Platze verharre. Wollte Lutz den Willen des Landes befolgen, so müffe er geben urd mitnehmen, waS mit ihm solidarisch sei. EultuSmtmster v. Lutz erwiderte auf die Vorwürfe, welche der Abg. Bonn wegen derWahl- kreis-Geometrie" erhoben, diese möge man erst erheben, wenn man mit gutem Beispiel vorangegangen fei. Die Herrschsucht der Geistlichkeit sei dieselbe wie früher und werde ficv auch so bald nicht ändern. Ein Culturkampf ezistire in Bayern nicht; alle Bischossstühle feien besetzt ur.d eS sei sehr die Frage, ob daS Land eine Regieruna ertragen werde, welche mit der Opposition ginge. Er habe noch dieselbe Pflicht, zu bleiben und er wiederhole, er bleibe, bis der ihn abberufe der ihn hierhergtsetzt. In Bayern fei nur ein gemäßigtes Regi- ment mögl ch, daS er mit 12 Jahren zum Ausdruck bringe.

London, 4. November. Drr Lordkanzler von Irland, Lord O'Hagan, hat feine Entlaffur.g gegeben und ist an feiner Stelle der jetzige General- Anwalt Hugh Law zum Lordkanzler von Irland ernannt worden.

Nom, 4. November. Der irische Deputirte Errington ist in einer Special-Mifsion der englischen Regierung beim Vatikan eingetroffen. Errington war in ähnlicher Mission bereits vor mehreren Monaten in Rom.

Athen, 4. Novembrr. Tie Deputirtenkammer ist aufgelöst worden, die Vornahme der Neuw'blen ist auf den 1. Januar, der Zusammentritt der neuen Kammer au* den 30. Januar k. Js. ar.beraumt.

Konstantinopel, 4. Novbr. Der Sultan hat dem Kaiser Wilhelm den Großkordon deS Nlschaoi-Jwtiaz.Orden mit dem Stern in Brillanten ver­liehen. Die Dekoration wird durch einen außerordentlichen Abgesandten, der ein Muscknr fein wird, nach Berlin überbracht werden.

Lokales.

Gießen, 5. Rovem'cir. fS'tzung der Stadrverordnelm vom 3. d. 2Rt«.] Anwesend: Herr Büraermnster Bramm, Herren Beigeordneter -etter und Heß, von Seiten der Stadrvttordnetm tie Herren: Batst. Gall, Grüneberg, Haustein, Homberger, Kauf, Ad. Noll, Petri, Pfannmüller, Scheel, Schopbach, Dogt, Wenzel und Wort mann. Rack Eröffnung der Sitzung verliest Herr Bürgermeister Bramm die Bericktr über ten Stand der städliscken Schulen. Danach besuchen die höhere Madchen- ickule 404, die erweiterte Mätckensckule 156, die Stadtmädchenschule 681, die Stadtknaben- lckule 539, fett Realsckule 1. Ordnung 282, d'e Realschule 2. Ordnung 162 und die Vor- sckule der Reolickule 153 Schüler. Summa 2377 Schüler. 2?a« Reglement, betr. die Reform drr pvlizeilicken Mllckcontrole wird genehmigt. In betreff der Anlage von Felds wegen und Ent^r äffttung«gräben zwisckrn dn Lahn und dem Lttofdorfer Weg liegt dn Entwurf zu dem Berlrage zwi'cken der Stadt und dem avSfübrenden Geometer vor; derselbe wird genehmiat, jrdock sei rin niedrigerer Preis für die auszuführrnden Arbeiten an»ustreben. Die Losten soLrn vor!ag«we»se au« tn städt. Ktffe entnommen werden. Die Kosten für Hers stellungsarbeiten nn Neustädter Feld im Betrage von Jv 134 wnden genehmigt. Die Noths wend'gkrit der Besckaffung neuer Locale für die Stadtmädchenschule wird m einrm längeren Schreiben des Herrn Eckultnspectors Vigelius dargetegt und die Errichtung rine« Gebäude« mit 12 Sälen neben dem Schulbause am OSwatdsberg in Vorschlag gebracht. Da jedoch nach Ansicht dn Baudeputation dieser Platz für ein Gebäude von 25 Mir. Länge und 18 Mir. Breite zu klein und auch sonstige Bedenken vorliegen, schlägt dieselbe den Platz an der Pipp'schen Schanze alS den geeignetsten vor. Die Dersammluug tritt diesem Vorschläge bei.