Einzelbild herunterladen

1881

Dienstag den 5 Inli

Nr 1*2.

Kichemr Mnzeiger

Jnjfißt- uni Amisblllit für in Kreis Gießen.

Trschkint täglich mit Ausnahme bei Montags

*anruitt: Schulstraße v. 18.

Preis vierteljährlich 2 Mar? 20 Ps mit vrinyerlo'. i Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Marl 50 IV.

- . .... nm 95 c-uni 1881 von bem commanbirenben ©enera! des XI. Armeecorps bestätigtes Grfemihd6 vom 20. Juni 1881 «st

«'ÄUTÄ*.. Wn.....-.n-l-.ch. - i*

L'V'L.E «"w d-- »» »» (2S.) Division.

10 Uhr Bonn. Der Arzt Bliß hat feftfl-fhUf, d-ß die Kugel zwischen der zehnten und elften Rippe reit« von der Wirke.säule in den flörpr Gar­field s eingtdrungen, dann durch die unterste Partie der rechten Lunge und der Leber gegangen und sich schließlich in dem vorderen Theile des Unterleibs fest- gesetzt hat.

_ Vizepräsident Arthur ist vom Kabtnet nach Washington berufen worden. Nach äußerem Vernehmen über den Zustand des Präsidenten Garfield wären die Symptome um ein geringes bester, doch besteht noch die Befürchtung innerer Verblutung. D'.e tn den Rücken gedrungene Kugr! ist noch nicht gesunden.

Die Symptome in dem Zustande des Präsidenten Garfield find seit gestern Abend anhaltend günstig. Der Rrär.tz schli-f mitunter und nahm die erste Nahrung seit dem Mordanfall um 23/, Uhr Nachts zu fich. Puls 124, T-'nperaiur normal, R spiration 106. Heute Morgen beschlossen die Aerztr, von einem Versuche, die Kugel herauszuziehen, abzusehen, da deren vermuth- licher nicht nothwendigerweise die schließliche Genesung verhindere.

New-Bork, 3. Juli. Vic-präsident Arthur ist um Mitternacht nach Washington abgereist.

Washington, 3. Juli. Bulletin von Mittag« 12 Uhr. Die Beste. Tifna im Befinden Garfield'« schreitet andauernd fort.

Berlin, 3. Juli. Nach einem Telegramm des .Montagsblattes au« Washington von heute Morgen 1 Uhr hat sich nach Ansicht der Aerzte der Zustand Garfield's gebestert und sei Hoffnung seines Aufkommens vorhanden. Der Mörder, der angibt, Advokat in Chicago zu sein, sagte bei seiner Ver- hastung in unzusammenhängender Rede:Ich verübte das Attentat und wollte verhaft,t weiden. Ich bin einStatwart" nnb General Arthur ist setzt Präsident." Man fand bei dem Mörder Briefe, in denen er seine Absicht, Garfield ermorden zu wollen, aufdrückt. Aus deren Faffung soll seine Geistes­störung deutlich h.rvorgehen. Die für morgen anberaumte große Festlichkeit in Leipüg zur Feier des Unabhängigkeitstages findet nicht sta't. (Fr. Zt^)

London, 3. Juli. Eine Über Paris eingegangene, angeblich amtliche Nachricht des Todes Garfield's findet auf der hiesigen amerikanischen Gesandt- s-bast und dem auswärtigen Amt keine Bestätigung, dagegen melden eben ein- getroffene Privatdepeschen eine erhebliche Besserung des Zustandes. Hier herrscht allgemeine Theilnahme. Die Königin, der Prinz und die Prinzessin von Wales sandten entsprechende Mittheilungen an die amerikanische Gesandtschaft. Zahlreiche offic'elle und Privatpersonen ließen fich daselbst einschreiben. (Fr. Z)

Attentat auf den Präsidenten Garfield von Nordamerika.

Ein neues scheußliches Attentat, welchem diesmal kein gekrönte« Haupt, sondern der erst vor Kurzem erwählte Prästdent der Bereinigten Staaten von Nordamerika zum Opfer gefallen, hält seit g.stern Morgen die öffentliche Ausmerksamk-it rege. - Unfern Lesern in der Stadt theilten wir gestern die uns vom .Wolssschen Bureau" zugesandten Depeschen mit. Der Vollständig, leit halber lasten wir dieselbe nochmals folgen und reihen die bis heute erhal. lenen weiteren Nachrichten darunter an:

Washington, 2. Juli. Heute Morgen nach 9 Uhr (also nach hte- siaer Zett g-gen 3 Uhr N chmittag«) wurde auf den Präsidenten Garfield von mörderischer Hand em Flintenschuß abgefeuert. Der Präsidevd Garfield ist verwundet, doch sollen die Verwundungen keine tödilichen fein. Der Mör­der ist verhafiet. In Folge der großen Aufregung ist Näheres roch nicht fepzustellem^ ^ent ffiarft(lb befanb sich heute früh auf dem Bahnhofe, um nach Longbranch zu fahren und seine Gemahlin daselbst zu besuchen, als der Mörder bei, Schuß auf ihn abseuerte. Der Präsident wurde alsbald nach dem Weißen Haase gebracht, wo die Aerzte gegenwärtig conferiren. Es wird verstchert, daß seine Verwundungen nicht tödtlich sind. Niemand wird zu ihm gelosten; die Umg bung d-s W-ißen Hauses ist von einer ungeheuren, erregten Menschenmenge erfüllt, welche dort den Bericht der Aerzte erwarte,.

Garfield ist am rechten Arm, der rechten Hüste und hinten in dir Nähe des Rückgrats verwundet. Die Aerzte sprachen fich dahin auf, daß die Wunden gar nicht unbedenklich, aber nicht geradezu tödtlich find. Der Präst. dent ist bei Bewußtsein. Er telegraphirte an seine Frau und bat fie, zu ihm zu kommen. Der Mörder weigert sich, den Namen anzugeben. Es heißt, daß derselbe früher Consul tn Marseille war.

3. Juli. Präsident Garfield fühlte fich heute früh um 4Uhr, nachdem er etwa« geschlafen, erfriscbt. Seine Gemahlin ist gestern Abend mittelst Extra- zuges eingetroffen. Da« gesammte Cabenet verblieb die ganze Nacht im Weißen Hause. Der englüche Gesandte Thornton überreichte dem Staats- secretär Blaine persönlich eine Botschaft Lord Granville's. Der Marquis os Lome telegraphirte an den Staatssekretär und drückte seine wärmste Sym­pathie für den Präsidenten und besten Familie anläßlich bes schrecklichen Attentats sowie die Hoffnung aus, bie Wunde werde keine tödtliche sein. Der Name des Mörders ist Charles Jules Ouiteau. Derselbe ist in Illinois qe- boten war Mitglied der One,ba-G-meii.schäft, bann unbeschäftigter Advokat in Chicago. Er wird allseitig als gruvdsaßlo'er Abenteurer bezeichnet, der biS zum Wahnsinn nach Berühmtheit strebte. Die hervorragendsten Blätter betrachten Ouiteau als hirnverbrannten, unordentlichen .Menschen, der durch den Mißerfolg tn seinen Bewerbungen um eine Stelle völlig wahnsinnig wurde und persönliche Rache gegen das Staatsoberhaupt brütete.

Nachmittags 21/, Uhr. Der Zustand Garfield s wird immer 6e- dtnklicher. Man befürchtet eine innere Verblutung. Der allgemeine Sinbiua ist, daß Oarfield der Auflösung schnell entgegengehe. Die Aerzte wollen den Versuch nicht wagen, die Kugeln herauszuziehen. Ein Bulletin von Abends gi/2 Uhr sagt: Man glaubt, der Präsident werde keine Siunde mehr leben. Der Mörder des Präsidenten ist ein eingewanderter Franzose Namens Ouiteau, ber sich bemüht haben soll, einen Consul.Posten zu Marseille zu erhalten. Ver- schiebene Melbunaen behaupten, Ouiteau sei geisteskrank.

Der Staatssecretär des Auswärtigen, Blaine, hat gestern an die amerikanischen Vertreter im Auslände ein Telegramm gerichtet, welches über den Vorgang meldet: Auf den Präsidenten der Vereinigten Staaten wurde beule Morgen von einem Individuum, NamenS Charles Ouiston (?) geschossen. Die Waffe war ein Revolver groben Kalibers. Der Präsident halte soeben den Bahnhof der Baltimore- und Potomoc-Elsenbahn erreicht, um fich mit dem Limited.Erpreß um 9 Uhr 20 Mm. mit einem Theile des Cabinets nach New- Nork zu begeben. Der Staatssecretär Blaine fuhr in demselben Wagen von dem Weißen Hause aus mit dem Präfidenten und befand fich an seiner Seite, aI8 der Schuß fiel. Der Mörder wurde sofort festgenommen. Der Präfident wurde nach einem Privatzimmer in dem Stationsgebäude gebracht und ärzt- ^che Hilfe zur Stelle geschafft. Um 10 Uhr 20 Min. wurde der Präsident

ÄÄ... h.. «.«»-»m,..

di- V-rtr-t-r btr Unionsstaat-n im Auslande telegraphirt, daß ber Zustand be« Präsidenten Garfield nach dem Unheil- aller anwesenden Acrzt- em besserer, bie Aenderung eine markirte, hoffnungsvolle fei.

Die Deutschenhetze in Prag.

Es hat starker Mittel bedurft, um endlich bie kaiserlichen Behörden in Praa zu veranlassen, den durch die Czechen in Eigenthum und Leben bedrohten Deutschen einige Sicherheit zu verschaffen. In der Nacht vom letzten Dienstag zum Mittwoch kam es in der böhmischen Hauptstadt ober vielmehr tn ber Nähe berfelben. zu den blutigsten Ezceffen, bie sich schließlich bis in die Stadt ver- pflanzten. Aus Prager Blättern entnehmen rott kurz folgende Beschreibung:

In «uchelbad hatten sich am Dienstag Nachmittag deutsche Couleur- Studenten versammelt, um mit ihren Anverwandten und deren Damen das 20. Stiftungsfest zu feiern. Obgleich einige G-nsd'armen mit blanker Waffe vor dem Garr-nlocale angeblichWache" hielten, drangen gegen 3>/2 Uhr rottenweife czechifche Studenten in das Local ein, denen fich bald ein czechi- fcher Pöbklhaufen anfchloß. Die Eindringlinge begannen czechifche Schimpf- Lieder auf die Deutschen zu singen und die letzteren zu infultiren.

. . . Plötzlich flog aus der Gegend, wo bie czechischen Studenten faßen, ein Holzstück unter bie deutschen Studenten, ohne Jemanden erheblich zu ver­wunden : zu gleicher Zett ertönten bie Ruse zu den Corps Studenten:Kap- pen h-runler", welcher Aufforberung nicht stattgegeben wurde. Dem unter den Coros-Studenten anwesenden Prinzen Johann zu Thurn -Tay's wurden wiederholt alsAbtrünnigen der Nation" donnernde Pereatrufe gebracht. Auf wiederholte Aufforderung der deutschen Studenten, die Gensdarmerie möge Ordnung batten, ließ der Comrniffar an 20 GenSd'armen zwischen den Corps- Studenten und den Czechen Posto saffen. Sodarn erschollen Stufe:Nemecli psy, domu! (deutsche Hunde, nach Häusel) Ein ElaS wurde unter he deutschen S-udenten geworfen und verletzte mehrere. Dwfes G as briete dm Beginn ewes allgemeinen Gläserregens. D.e deutschen Ltuden.en suchten sich vor Verl,tzungen dadurch zu schützen, daß fie Leffel über ihre Köpfe hlel.en unb sich nach rückwärts concentrirten. . «

Um biesen Insulten auSzuweichen, beschloß man u^t'/ ^m Schutze ver | Oerisb'armkrie bas Dampfschiff zu besteigen, um bie Rückfahrt cmzutre.en.