Rr 178. Donnerstag den 4. August 1881.
Kichener Anzeiger
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Amtlicher Hheil.
Betreffend: Gesuch de» landwitthschaftlichen Bezirk-verem- Bensheim um Gestattung einer Derloosung.
Bekanntmachung.
GroßherzoglicheS Ministerium deS Innern und der Justiz hat dem landwirthschaftlichen Bezirksverein zu Binsheim die Genehmigung erthetlt, eine Derloosung von Thieren. la, dwirthschafllichen Maschinen, Gerächen und Gebrauchsgegenständen in Verbindung mit der im October d. I. in Bensheim zu veranstaltenden landwirthschaftlichen Ausstellung vorzunehmen.
ES dürfen hierbei nicht mehr alS 6600 Loose — daS Loos zum Preise von 1 — zur Ausgabe gelangen und müssen mindesten- 70% de-
ErlöfeS auS dem LooSverkauf zur Anschaffung von Gewtnngegenständen verwendet werden.
ES ist der Vertrieb der Loose im Großherzogthum gestattet worden.
Gießen, am 2. August 1881. Großherzogliche- KreiSamt Gießen.
Dr. Boekmann.__
Programm für die XX Wanderversammlung des oberhessischen Bicnenzüchter-Vereius
ZU Butzbach am 10. August 1881.
I. Am 9. August, Abends 8—10 Uhr, vorberathende Sitzung deS Ausschusses und deS Local ComilvS in einem von dem letzteren zu bestimmenden Locale. 1L Am 10. August, Vormittag- 8 —10 Uhr, Besichtigung der Ausstellung und Vornahme praktischer Demonstrationen an Stöcken mit lebenden Bienen.
11L Verhandlungen, von 10 Uhr an beginnend:
a. Einleitende Berichterstattung des Vorsitzenden;
b. RechnungSablage;
c. Wahl der Commissionen sür die Prämttrung, Verloosunz und zum Ankauf der zu verloosenden Gegenstände;
d. Specielle Gegenstände der Discussion:
• 1) Ist die Einführung des deutsch-österreichischen NormalmaaßeS eine
unbedingte Nothwendigkett, — auf welche Weise ist der Uebergang am leichtesten und billigsten zu bewerkstelligen, und welches sind die Vorthnle eines einheitlichen Maaßes? Referent: Herr v. Reker-berg zu Frankfurt a. M.
2) Uebrr die rationelle Behandlung der Bienen in Korbstöcken mit unbeweglichem Dau mit besonderer Rücksicht auf die diesjährige überaus reiche Honigtrachl. (Referent noch nicht gefunden.)
Auch stehen noch wettere Referate tn Aussicht, die aber zur Zeit noch t.icht namhaft gemacht werden können.
IV. Wahl deS nächstjährigen Versammlungsorts und ErgänzungSwahl deS Vorstandes.
V. Ausgezeichnete Gegenstände werden prämiirt und wird daher gebeten, die Ausstellung mit lebenden Bienenvölkern, musterhast gearbeiteten Dzierzon- stöcken, Bienenzuchtgeräthschaslen und besonders mit Honig, in jeder Form, und Wachs reichlich zu beschicken.
VL Auf dem mit bu Ausstellung verbundenen Honigmaikt mird Gelegenheit zu Honigankäusen im Großen geboten werden.
DaS Nähere ist in dem nachstehenden Programm deS Localcomüö'S enthalten.
Alle Mitglieder des engeren Vereins, wie die des weiteren, von beiden Heffen und Raffau, Frankfurt a. M. und Kreuznach, insbesondere alle Freunde und Göm er der Bienenzucht und veS VeieinS laden wir hierdurch freundlichst zu recht zahlreichem Besuch der Wanderversammlung ein.
Gießen, am 27. Juni 1881. Der Vorstand.
In Folge Mitthrilung deS Herrn Präsidenten des Oberhessischen Bienenzüchter-Verein-, wonach in Butzbach am 10. August d. I. die Wanderversamm» lung abgehalten werden soll, find folgende Herren mit dem Unterzeichneten zu einem Local - Comttä zusammengelreten, nämckich: Herr Bahnhof - Jnipector Böhm, Tirector Buß, Buchbinder Ford ach, Rittmeister v. Gleichen,
Lieutenant Hahn, Gemeinderath Hage mann, Gemeinderath Häuser, Steuerrath Hechler, Beigeordnete Heil, Bürgermeister Küchel, Lieutenant v. Starck, Christoph Störicko, Apotheker Vogt, Spengler Karl Wenzel, Jakob Wißler.
Bezugnehmend auf obizeS Programm laden dieselben zu recht zahlreicher Betheiligung an der angekündigten. Wanderversammlung ein, die sich deS freundlichsten Entgegenkommens von Seilen der Stadt Butzbach versichert halten darf und biingen zu diesen) Behufe noch Folgende- zur allgemeinen Kenntniß:
1) Die Wanderversammlung nebst Ausstellung und Honigmarkt, wird im Joutz'schen Gartensarle (Hessischen Hof) in nächster Nähe de- Bahnhofs abgehalten werden.
2) Alle Gegenstände für die Ausstellung und den Honigmarkt find unter der Adreffe dcS Herrn Beigeordneten Heil zu Butzbach franco ein- zusendeu. Dieselben müffen mit einer Cttquette versehen sein, welche den Namen des bett. Herrn Ausstellers und die Preisangabe enthält.
3) Freien Zutritt zu der Ausstellung und den Verhandlungen haben alle Mitglieder deS VeremS, jedoch nur gegen Vorzeigung ihrer Aufnahmekarten, unter gle cher Voraussetzung die Mitglieder der mttverbundenen Vereine: Starkenburg, beide Heffen, Nafiau, Frankfurt a. M. und Kreuznach. Alle Uebrigen, die Mitglieder deS Local.Eomit6'- und deren Familien ausgenommen, bezahlen ein Eintrittsgeld von 50 H und erhalten am Eingänge zu ihrer Legittmatton Eintrittskarten nebst Schleife in den LandeSfarben.
DeS HonizmarkteS wegen ist der Eintritt von 4 Uhr Nachmittags an frei.
4) Am Vorabend den 9. August, von 7—10 Uhr, Empfang der Abendschon eintreffenden Gäste von Seiten des Local-Comics, gesellige Vereinigung im „Hessischen Hof", und ebendaselbst Vorberathung deS Local- Ecmi-ös m:t dem ÄuSschuß des Vereins.
5) Nach den Verhandlungen am 10. August findet Nachmittag- um 2 Uhr im Joutz'schen Hotel das Mittagsmahl statt, da- Gedeck zu JL 2.50 incL 1 Schoppen Wein.
Diejenigen, welche au demselben Theil zu nehmen beabsichtigen, werden gebeten, gleich bei ihrer Anmeldung ihre Namen in eine aufgelegte Tafelliste ewzrichnen zu laffen.
6) Zu einer nach der Versammlung beabsichtigten Derloosung find Loose zu 50 da- Stück, bei sämmtlichen Seclion-vorstehern und Mitgliedern deS Local.EomiteS, vornehmlich bei Herrn Buchbinder Forbach dahier, zu haben.
Butzbach, den 4. Juli 1881. Im Auftrag:
Reuß, Oberförster.
Deutschland.
Darmstadt, 2. August. Seine Königliche Hoheit der Glvßherzog werden am Mittwoch den 3. d-., Abend-, von Coburg hierher zurücktehrer, im Großherzoglichen Schlöffe übernachten und daselbst am Donnerstag Vor« mittag Audienzen ertheilen, sowie Meldungen und Vorrräge entgezennehmen.
— Durch Decret vom 20. v. M. wuide der Premierlieutenant a. D. Ernst Emil Lauckhard zum Verwalter an dem Provinztal-Arresthause dahier eTPaT1 Berlin. Dem gegen die Freihändler unaufhörlich erhobenen Dorwurf des wtrthschaftlichen Doctrinarismus begegnet die .Nar.^L'b. Corresp." m fowender Ausei-ander ft tzung: Die Freihändler pflegen von den Vertretern der „neuen" Wirth,chasts- polttik mit Vorliebe des Dottrinansmus beschuldigt zu werden. Wer sich die Sache näher ansieht, der wird bald finden, daß die Toctrrnäre auf beiden Setten sitzen und daß in dieser Beziehung keiner dem andern etwas vorzuwerfen Hal. Für die,en ist der Freihandel das Alleinseligmachende, für jenen ist er das absolut an sich und unter allen Umständen Verwerfliche. Mr wisien nicht, ob es em Vorzugist, wa§ un§ Deutschen die Ehre verschafft, die tiefsten und contwuentesten Philosophen zu beiden. die FZigkeit nämlich und die Neigung, für alles Gegebene alsbald eme allumsastende Formel zu finden und aus ihr heraus mit souveräner Erhabenheit über die zufälligen und wechselnden Erscheinungen der wirklichen Welt das System zu entwickeln, welches
nicht an den wirklichen Dingen den Maßstab seiner Richtigkeit findtt, sondern womöglich umgekehrt den Maßstab abgeden will für die Exiflenzberechstgung der Tmge. Den Wetth dieser Beanlagung für die Abstractron wollen wir gar nicht unterschätzen, aber sie hat ihre gefährlichen Seiten, besonders wenn sie sich da allzu sehr hervorthut, wo es sich nicht um wrffenschastliche Resultate, sondern um's praktffche Leben hanottt. Wer unsere witthschastspoltttschen DiScussionen hört, der wird kaum den Eivviuck cm- pfangen, daß da Leute, welche in ganz gleicher Weise das Beste des Landes und aller seiner Bewohner wollen, bemüht sind, mit einander zu überlegen, wie nun wohl tue eine oder die andere vorgeschlagene Maßregel prakttsch wirken werde. Da stedt jeder auf seinem System und man argumcnt ri mit Sätzen, welche als unantastbare Dogmen einander gegenübergestellt, eine Vermittlung nicht zulassen, während vielfach nur wenig guter Mlle, den praktischen DerhälMissen gerecht zu werden, nöthig ist, um zu erkennen, daß beide ihre Voraussetzungen haben, unter denen sie richtig und unter denen ste falsch sind. Mr wollen bamtt nicht sagen, daß man nicht auf der einen wie auf dcr andern Seite sich der praktischen Bedeutung der Sache sehr wohl bnvußt ist und daß man davon ort mehr g leitet wird, als man emzugesteben für gut befindet- Das Betrübende hieran ist nur, daß diese unausgesprochenen oder wenigstens hinter theorcusche Erörterungen mrückgcdrängten prattüchen Erwägungen zumeist weniger auf den Vorthctl des Ganzen und gleichmäßig der verschiedenen Zmereffengruppen als auf den Dotthetl irgend welcher Sonderintereffenterr gerichtet scheinen- Wir find weit entfernt davon, dies etwa als e ne deutsche Besonderheit zu betrachten. Im Gegentheil, die Interessenten- witthschast ist bei anderen Nattonen eine viel schlimmere. Aber gerade weil w'r wünschen, daß Deutschland vor der in manchen anderen Staaten blühenden Csrrupt.on


