Ausgabe 
3.4.1881 Erstes Blatt
 
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Nr. 79. Erstes Biart. Sonntag bell 3. April 1881.

Meßmer "Anzeiger

A«jeigr° enii fit istn Kreis Eich».

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r J ^^ulstraße B. 18.

Amtlicher Hheit.

m Gießen, am 1. April 1881.

Betreffend: Die Vertilgung der Raupennester.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die (Hroßherzoglichen Bürgermeistereien beziehungsweise die Localpolizeibeamten.

Unter Bezugnahme auf $ 368 pos. 2 deS ReichSstrafgefetzbuchs und resp. Art. 80 des Feldstrafgefetzes empfehlen wir Ihnen, in Ihren Gemeinden ^^Eilgung der Raupennester an Bäumen, Sträuchern und Hecken unter dem Bemerken öffentlich aufzufordern, daß gegen Diejenigen, welche dieser Auf- sordrrung nicht längstens bis zum 20. I. MtS. entsprochen haben werden, auf Grund der genannten Gtsetzesstellen Anzeige erhoben, sowie die Vertilgung auf »osten der Säumigen angeordnet werden würde.

Wir erwarten, d^ß iDie die Feldschüßen bet Erfüllung ihrer Obliegenheiten In dieser Beziehung überwachen und die bezüglich der säumigen Baum- befißer anzuordnende Reinigung alsbald nach Ablauf deS Termins anordnen, so daß die Säuberung bis zum 30. L MtS. überall vollständig aus- geführt ist. Außerdem ist gegen die Säumigen Anzeige zur Fcidrüge nach § 368, Nr. 2 des Straf-Gesetz'Buchs zu erheben.

Aus den der Gemeinde gehörigen Grundstücken wollen Sie die Säuberung von den Raupennestern auf Gemeindekosten alsbald veranlassen.

____ Dr. B o e f ui a n n.

Gefundene Gegenstände:

1 Taschentuch, 1 Maulkorb, 1 Pfandschein, 1 St'efelschäftchen, 1 Wagenkapsel, mehrere Schlüssel, ein Metermaß.

Gießen, den 1. April 1881. Großherzogliche Polizeiverwaltung Gießen.

Fresenius.

ketrgraphische Depeschen.

89olfT< trleflr. K r* *-rfponbrnptRer,flu

Berlin, 1 «pul. Reichstag. Auf der LageSoibnung stand die Bcrathung des UnfallvcrsicheiungSgescstiS. Der .li-g Bamberger erkennt die Rothwcndigkeit an, die .'»ngelegcnhtik zu regeln und spricht der Regierung feinen Dank für die Vorlage aus, wenngleich er baMbai nicht in allen Punkten zunimme. l^r empficblt eine sorgfältige lomnuifouictt Vorberatdnng und betont, daS System der Unfallversicherung müsse auf der b.wählten BasiS de4 Haflpflichtgesetzk« auigebaut werden. Adg. v Marschall acceptirt vod und gi-nz d e Princ-pien der Voilage o. Hertling begrüßt die Vorlage d.-i der UnzulLnglichkei: deS Hastpfl chtges-tzeS iwt (^nugtduimg, rvflnidjt ade, noch ' nige t^rgä Zungen b.fclbrn, namentlicv um den EnlschädigungSanipruch des Arbeiters Hfjcnühei insolventen Arbeitgebern sicher zu fl.Ucn die Bildung ivlidurisch hastbarer ^ndusiiiegenossenschafte:,. Ter Abg. Oechelhäuier platbnt für eine Abänderung der Vortage auf der Busitz deS Hastpsl cdtgesetzeS Ter Adg. Winterer spricht sich Ramens de» re.chSländischen Abgeordneten gegeir eine ReichsveisicherungSanstalt aus, b<m Pun- c.pe des (^esepentwuris standen dieselben übrigens, von ^iNZtlhelien abgesehen, nicht al lehr.mb gegenüber. Nach emer längeren Ausführung des Adg Baumgai ten wird b c Debatte auf morgen vertagt.

- Der Kronprm; stattete dem Fürsten Bicrnaick heute Mittag einen Gratu- I f onSt'esuch ab Ter Großfürst Paul und der Großherzog von Sachsen fuhren eben- toll* l ew, Fürsten Bismarck vor. Ebenso wurden idm von vielen Mitgl edern des diplomatischen (»orpS, von Generalen, Ministern, R.fforlchefs, vielen Reichstags Ad geordneten, Deputationen von Oisicrercoips Glückwünsche dargcbracht Von außerhalb Gingen »ablre chc relegramme, Briefe, Gebnrtstagssprndm ein Die MusikcorpS des äc.i'ser AleranderrGardereg mentS und des zwuten Garderegiments brachte» Morgen- musikeu bar.

Tie deutsche ReichSpartei, die Deutsch (»onservat'ven, das Pentium, die Rationolliberalcn und Polen traten einstimmig bim Antrag Wwdthorst wegen inter­nationaler Maßregeln gegen den Mord und die Mordoermche aus die Ltaatsober- bäupter bei Die Forrschrittspartet und d:e Secessiomsten dischlossen, dem Wmdt- horft'schen Antrag prir.c prell zuzuftimmen.

Berlin, 1 April. Dle Nachricht von der bevorstehenden Verlobung Sr. RR. Hoheit deS Prinzen Heinrich von Preußen wird von bestunterrich« teler Sette als durchaus erfunden und jedweder Begründung entbehrend bezeichnet.

Müncden, 1. April. Se. R. R. Hoheit Prinz Rarl von Preußen, welcher den gestrigen Tag hier verweilt hatte, hat heute Vormittag seine Reise nach Verona fortgesetzt. Zur Verabschiedung waren Prinz Luitpold von Bayern ut.b daS gesammte Personal der preußischen Gesandtschaft auf dem Bahnhöfe anwesend.

Straßburg, 1. April. DieE.saß-Lotbr. Zig." schreibt in Bezug auf den dem Reichstag vorliegenden Gesetzentwurf, betr. die Oeffenllichkeit der Verhandlungen des Landesausschuffes und den obligatorischen Gebrauch der deutschen Sprache in demselben, es finde fich in verschiedenen Zeitungen die Behauptung, in Rechstagskreifen werde angedeutet, der Statthalter, Feldwar« schall o. Manteuffel, dürfte es nicht ungern sehen, wenn dieserigorose- Be­stimmung rom Reichstage abzelehnt würde. Die Verbreiter derartiger Infi- r.uattonen schienen sich weder über die Person, noch über die Stellung des kaiserlichen Statthalters die erforderliche Kenntniß verschafft zu haben.Die Stellung des Stattha'ters Sr. Majestät bringt es n it sich, daß eine das ReichSland betr. Vorlage dem Reichstag n'cht gemacht wird, ohne daß der Statthalter darüber gehört ist und wir nen mit Bestimmtheit versichern, daß Freiherr v. Manteuffel fich mit dem jetzt dem Reichstage vorgelegten Ee- setzeiitwurfe vollkommen eiure stänke > erklärt hat.-

Paris, 1. April. Nachrichten auS Algier zufolge bat der Stamm der Lhoumirs an der tunesischen Grenze einen neuen Einfall in algerrkches Gebiet unternommen. General Forgemol hat in Folge deffen unverzüglich Vorbereitungen zum Schutze der Grenzgebiete getroffen und Befehl erhalten, energisch vorzugehen, ohne die Grenze zu überschreiten.

Wien, 1. April. Die Vermählung des Sronprinzen Rudolf ist nun­mehr definitiv auf den 10. Mai d. IS. festgesetzt.

London, 1. April. DieDaily RewS" erfährt, die englische Regie­rung habe beschlossen, die internationale Münzconferenz nicht zu beschicken. Der communisttsche ArbeiterbilduvgSreretn hat beschloffen, dieFreiheit" weiter erscheinen zu lafltn. Es ist zu diesem Zwecke ein neues Local gemiethet, neue Typen sind gekauft und ein neuer Redacteur NamenS Marten ist engagirt worden.

Petersburg, 1. April. Die Wahlen der Deputirten für den Rath, welcher dem Petersburger Stadlhauptmann zur Seite stehen soll, find sämmt- lich »is gestern Abend erfolgt Sämmtliche Zeitungen äußern fich durchau- anerkennend über den kaifeilichen UkaS, m welchem diese Wahlen angeordnet wv'den sind, nnb erblicken in dem gewählten Rath ein wirksames Mittel zur Bekämpfung des Anarchismus und zur Sicherung der Ruhe der Hauptstadt. DieAgence Ruffe- erfährt, daß die Regierung die gleiche Einrichtung auch in anderen Städten, wenn darum nachgesucht werden sollte, treffen laffen werde. Bezüglich der Gerüchte über Schritte, welche das Petersburger Ea- feinet bei den auswärtigen Mächten gethan haben soll, behufs gemeinschaftlich zu ergreifender Maßregeln gegen die Internationale sagt dieAgence Ruffe", die ka-serlicke Regierung iehe die Gefahr als eine allgemeine en und glaube an eine Solidarität der Regierungen in dieser Beziehung. Wenn eine solche existi-e, sei eS nicht röthig, dieselbe anzurufen; bestehe sie aber nicht, so würde cs vergeblich sein, fie anzurufrn. In Betr«ff der Verhandlungen der Bo'- schaster in Konstantinopel sagt die genannteAgei cew, die Ueberelnstimmung der Botschafter sei Thatiache. Die Botschafter hätten ihren Vorschlag gegen­wärtig ihren Regierungen unterbreitet und würden denselben sodann den Be­theiligten vorlegen.

Lokales.

Gießen, 2 3prU. SLwurgenchiSrnbandlung am 1. April d. I. gegen den ge= rcefenen Gemeinde und Snchenrechner Johannes Oestreich von Ober-MooS, wegen Der; drecken ten? SB ergeben im Brote.

Terltl.be .ft defckuldigt:

1) daß er a'.S Rechner der Gemeinde Sunzenau feit dem Jahre 1875 diS Ende 1879 ten den ton rbm für bte vorgenannte Kasse tn amtlicher Eigenschaft vereinnahmten, oder in Gewstr-am genommenen Geldern etwa 550 JL nach und nach dnrch Verwendung tn feinen Rutztn sick rechtswidrig ^geeignet habe,

£) daß er alS veamter tm Jahre 1879 50 jl, ti< er in amtlicher Eigenschaft em- tfangen und ,n Gewahrsam hatte, sich rurck Verwendung in feinen Nutzen rechtswidrig zuge­eignet habe und c-as « tn Bezttdung auf diese Unter chlagung etee ton der Frei!-. Riedesel schen Lamrnikasie zu Lauterdach erhaltene Zahlung ton 2-0 JL nur 150 JL im allgemeinen Tagebuch in iS-nncbme stellte, fcejro den msprünglich auf 200 JL lautenden Ernnabmeposten auf 150 vK föl chte und zur Lerteckuna bet Unterschlagung der werteren 50 eine falsche

Ouutuvg tn dem'elben Benage angetlich von Lehrer Raab auSgestellr, alS Beleg gebrauchte, dezw. vorlegte.

Oeflrejch wurde dem ihm zur Last gelegten Verbrechen für schulbtg erkannt unb ir eine Zuchthausstrafe ton 2 Iobren, unter gleichzeitiger Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte au* die Tauer een 2 Jahren, verurtherlt.

[Stbeatei.] Zum Benefiz des Herrn Reinhold, unseres hochbeliebten Eharacter- daisttllets, wird 1 orta: den 4. 6 1?. Gutzkow'S treffliches Lust viel »Der Aöni^lieutcnant* in Scene aeben Bitten in bet Wüste unserer historischen Luftipiel-Literalur liegt bic'e nahezu mur.etgültiae Tich'uug nie eine freundliche Oase, urosiofien von dem Dufte der Schönbeit und Gtazie. Der gefeierte Autor schrieb dieses Stück zur hundertsäbrigen Erinneruna an bt'i Geburt m den Mat- und Iumtagen des JahteS 1849 an der Wiege des unsterblichen Dickteis in Frantsurt a. M und legte darin die großen patriotischen Empfindungen nieder, welche ihm t:e aufregenden Ereignisse jener Tage eingabtn. felbstverftändlich erhöht durch das Raffeln der Kanonen, die zur Bttämpsung des badischen SufstandeS unter seinen Fenstern vorüberzogen. Honen wn, daß unser kunshrnnigeS Pubukum dem geschätzten Benefizianten die wohlverdienre Tdiilnahroe in reichem Laße entgegenbringt.

Gießen, 2. April. Einem umlaufenden Gerüchte zufolge sollen 4 Personen von einem tollen Hunde gebissen, in die Klinik aufgenommm worden sein.

Der gestrige Waldbrand bat keine allzu große Dimensionen angenommen. Du ck rasches und practisches 6ingielfen des MilitörS wurde er alsbald gelöscht.