europäischen Quartier, und darunter Coiffulatsgebäude, geplündert hätten. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die französische Regierung Untersuchung und strenge Bestrafung der Schuldigen bereits befohlen hat, falls die Thatsachen sich bestätigen. Man glaubt, das General Logerot sich zur Feststellung dieser Thatsachen nach Sfax begeben habe.
England.
London, 29. Juli. Unterhaus. In Beantwortung einer Anfrage Monk's erklärt Unterstaatssecretär Dtlke, am vorigen Sonnabend und im Laufe deS heutigen Tages seien der Regierung Mitthetlungen der. französischen Regierung über den Handelsvertrag zugegangen, eS würden dieselben heute von der Commission erwogen, er sei außer Stande, über den Stand der Hrndels- vertragS-Verhandlungen irgendwelche Mittheilungen zu machen. — Dec Staats« secretär für Indien, Lord Hartington, the lte mit, daß das Treffen zwischen den Truppen Ejub KhanS und denjenigen des Emirs von 8 bis 11 Uhr gedauert habe und daß der Verlust an Mannschaften auf jeder Seite 300 bis 400 Mann betrage. Die nächsten britischen Truppentheile seien in Quetta stationirt. Dieselben ständen unter Hume'S Befehl, zählten 5000 bis 6000 Mann und seien in dem Districte zwischen Pischin und Stbi verthetlt. Der äußerste Vorposten sei Chaman, er wisse aber nicht, ob derselbe noch von Truppen besetzt sei. Das Gefecht habe 25 Meilen jenseits Kandahar stattgesundm. Der Vicekönig habe Hume angewiesen, seine Division, wenn nothwendig, in der Umgegend von Quettah zu concentrtren, sobald Unruhen stattstnden sollten.
Außkand.
Petersburg, 30. Juli. Der „Regierungsbote" veröffentlicht folgendes Telegramm des Ministers des Inner», Jznatteff, aus Moskau, vom 29. Illi: Der Kaiser ist mit Allerhöchst seiner Famtl.e heute Morgen in Moskau ein- getroffen, von der Bevölkerung enthusiastisch begrüßt. Während der Entgegennahme von Salz und Brot vomIMoskauer Stadthauptmann geruhte der Kaiser, folgende Ansprache zu halten: Nach der großen Trauer, welche mich, meine Frmilie und gar-z Rußland erschütterte, schätze ich mich glücklich, endlich meinen Herzenswunsch aussühren zu können, indem ich die alte erste Residenz besuche. Herzlich danke ich Ihnen für den mir, der Kaiserin und unsern Kindern bereiteten treuherzigen Empfang. Mein seliger Vater hat Moskau mehr denn einmal für seine Ergebenheit gedankt. Moskau diente stets als Beispiel für ganz Rußland. Ich hoffe, daß es das auch in Zukunft bleibe. Wie früher so auch jetzt bezeugt Moskau, daß in Rußland Herrscher uad Volk ein ein- müthigeS, festes Ganze bilden.
Türket.
Konstantinopel, 29. Juli. Die türkischen Journale veröffentlichen im Anschluß an ein Resume über die Verhandlungen in dem Prozesse wegen der Ermordnng des Sultans Abdul Aziz eine osfictelle Mitteilung in welcher es heißt: Mahmud Damat Pascha und Nuri Damat Pascha hätten die Ermordung des Sultans Abdul Aziz in Folge eines kaiserlichen Jrades einge- standen und die kaiserliche Gnade angerufen. In Folge hiervon sei ein außerordentlicher großer Rath zusammenberufen worden, welcher nach Prüfung der Suppliken der Genannten und nach Constatirung der Existenz des erwähnten kaiserlichen JradeS einstimmig die Umwandlung der gegen die Angeklagten erkannten Strafen beschloffen habe. Auf Grund dieses Beschlusses und konform dem Jrade des Sultans Abdul Hamid seien die Verurtheilten sämmtltch gestern nach Taif bei Mekka befördert worden.
Afrika.
Tunis, 29. Juli. Der Führer der Insurgenten von Sfax, Alt ben Halisa, hat Ausgesandte zu verschiedenen Stämmen, namentlich zu den Krou- mtrS, Ouchtetas und Mogadts geschickt, um dieselben zum Aufstande zu bewegen. Seine Anträge sind jedoch überall zurückgewiesen worden.
Amerika.
Washington, 30. Juli. Nach einem heute ausgegebenen Bulletin war das Befinden des Präsidenten Garfield am verfloffenen Tage ein vor« zügltches, derselbe hat kräftigere Nahrung zu sich genommen und wird seine Heilung von den Aerzten nunmehr als nahezu gesichert angesehen.
«elegraphische Depeschen.
Wolff's telegr. EOneespoxverez-Ärrrrau.
Karlsruhe, 31. Juli. Die Badische Kunst- und Kunstgewerbe-AuS- stellung ist heute Vormittag feierlich eröffnet worden und war im Laufe des Tages sehr zahlreich besucht.
PariS, 31. Juli. Ein Telegramm des Admirals Conrad aus Goe- letta von gestern meldet daß die Inbesitznahme des Forts Houmsouk und der Hauptstadt der Insel Djerba in der Nacht vom 27. zum 28. d. M. durch Marinesoldaten ohne Widerstand bewerkstelligt wurde. Die Behörden unter- warfen sich der Regierung des Bey's. Zur Ablösung der Marinesoldaten wird der Aviso „Jntrepide" aus Sfax mit einem Bataillon Infanterie und einer Abtheilung Artillerie erwartet. Der Admiral Conrad erachtet eS für nothwendig, daß das Geschwader sich nach Zarzis begebe, um die Situation dieses anscheinend sehr feindseligen Greuzpunkles genauer zu erforschen.
Washington, 31. Juli. Die Besserung im Befinden des Präsidenten Garfield dauert fort. Die Aerzte sind der übereinstimmenden Ansicht, daß die Kugel in der äußeren Unterleibswand, etwa 5 Zoll unterhalb und zur Rechten der Nabelgegend, gerade über der Leiste liege und daß dieselbe, da sie bisher keine Beschwerden verursacht, sich recht wohl einkapseln und aushören könne, eine Ursache von Besorgniffen zu sein. Auch haben die Aerzte die zuoersicht- liche Erwartung ausgesprochen, daß die Genesung des Präsidenten eine voll- ständige sein und daß keine Unfähigkeit oder permanente Schwäche zurückblelben werde. Die Kräfte deS Präsidenten haben seit gestern wieder etwas zugenommen und das Allgemeinbefinden desielben hat sich merklich gebeffert.
Lokales.
Gießen, 1. August. Tagesordnung für die Stadtverordneten - Sikuna Donnerstag, den 4. August 1881, Stack mittags 4 Uhr- ü 8
1) Klagt gegen den Landarmenverband Friedberg
2) Gesuche wegen Rückvergütung von SDctrcl
3) Dre Verpackung des Steinbrucks in der Steinrutsche.
4) Gesuch deS Vorstands der Kleinkmderschule um Bewilligung eines Jahresbeitrags.
5) Kaufvertrag zwischen der Stadt Gießen und Balthaser L#enj, Prof. Dr. Birnbaum und Moses Rosenthal.
6) Ausbau eer LudwigSsnaße.
7) Gesuch des Restaurateurs Justus Lenz dahiee um Erlaubniß zur Lagerung von Baumaterial auf städtischem Grund und Boden.
8) Gesuch der Frau Franz Block Wittwe um Erlaubniß zur Verlegung eines Siek- Kastcns.
9) Gesuch deS Fabrikanten Johannes Bernhard dahier um Bauerlaubniß.
10) Desgleichen des Bauunternehmers Konrad Koch dahier.
11) Gesuch oes SteinhauermeisterS Emil Kalbfleisch dahier um Erlaubniß zur Herstellung einer Einfriedigung.
Gießen, 2. August. Wie heutzutage Geschäfte gemacht, refp. wie bet Submissionen Arbeiten und Voranschläge heruntergeboten werden, möge Nachstehendes illustriren: Es wird eine eiserne Pumpe mit bestimmter Nummer und Größe, six und fertig aufgestellt fammt Vase, in Submission vergeben. Der Voranschlag lautet: Pumpe 225 M. (soviel kostet dieselbe in der Fabrik), Fracht hierfür 6 M-. Verpackung 3 M, Aufstellen 15 M., Schienen, worauf die Pumpe ruht, 6 M-, Schrauben 2 M. ! und Vase vor der Pumpe 21 M., macht in Summa 278 M Der glückliche Steigerer erhält dieselbe für 210 Mark zugeschlagen- Was verdient der Mann an diesem Geschäft? Auf Provision an der Pumpe fettens der Fabrik kann er nicht rechnen, da dieselbe hier ihren V:rtreter hat und somit nicht an Private liefert. Man steht hier vor einem Räthsel unseres geschäftlichen Treibens, wie es sich in neuester Zeit und I zwar nicht zum Vortheil breit zu machen sucht.
— Ein Oeconom, der an der Ludwigsstrasie Land gepachtet hat, wird feit einigen Tagen hart mitgenommen. Die Spatzen Hausen schaarenweise in seinem Weizen, die > bereits geschnittene Frucht wird von Kindern theilweise ausaetreten und die gebundene ' von Erwachsenen zum Barrikadenbau verwendet, damit der Ertrag abermals verringert wird. Die Wiesen werden jetzt schon von der Jugend zum Drachensteigen rc. benutzt und auch somit das spärlich nachwachsende Gras zertteten. Sind denn Getreide und Futter werthlos geworden?
— Zwei unbefugte Laternenausputzer, welche Samstag Nacht sich diesem Handwerk widmeten, wurde gerade bei der Arbeit abgefaßt. Eigenthümlich ist dabei, daß der eine nebenbei die Juristerei praktisch betreibt.
— Drei junge Leute, welche Samstag Nacht Läden und Thure eines Hauses der Sand- ! gaste mit Stöcken bearbeiteten wuroen in ihren Leistungen gestört. Zwei ergriffen da8 Hasen- ! panier, der dritte wurde von Schutzleuten festgehalten.
— Heute Vormittag erschoß sick in seiner Wohnung (Nordanlage- ein junger Mann । mittelst eines Revolvers. Als Motiv zu oieser That wird Schwermuth angegeben.
Gingesandt.
> (Für alle unter dieser Rubrik erscheinenden Artikel ist die Redaction dem Publikum gegenüber nicht verantwortlich).
Der Artikel in Nr. 175 dss. Blattes, den hiesigen Friedhof betreffend, enthält neben manchem Wahren und Bcherzigenswerthen wiederum vieles, was sehr einer Widerlegung bedarf und sind wir überzeugt, daß den Gesinnungen eines großen Theiles der Bewohner Gießens nachstehende Erwiderung entsprechen wird: Wenn der Einsender beö betreffenden I Artikels das Anbringen von Bibelsprüchen auf Gedenksteinen empfiehlt, so ist ja gegen diese i fromme Sitte nichts einzuwenden, vorausgesetzt, daß diese Sprüche entsprechend uro paffend 5 gewählt. Wir sehen aber durchaus nicht ein, weßhalb dem christlichen Gefühle eine Pyramide f mit verlöschender Fackel ober eine abgebrochene Marmorsäule wiederstreben soll — Soll denn nicht Alles auf einem Friedhöfe an dic Vergänglichkeit des Irdischen mahnen und tritt nicht (auch ohne viel; Worte) dcm sinnenden Gemüthe eine verlöschende Fackel auf einem Gedenksteine und eine abgebrochene Säule auf einem Grabe als ernste Mahnung an diese Vergänglichkeit lebhaft entgegen? Und warum sollen diese Symbole den frommen Glauben an ein aydereS Leben verletzen? Wir unsererseits finden nicht, daß sie diesem Glauben irgendwie entgegentr.-ten. Wenn weiter der Herr Einsender des betreffenden Artikels von cynischer Darstellung des TodesengelS in „fleischlich üppiger Frauengestalt" spricht, so erinnern wir uns aufrichtig g'standen nicht, etwas von Cynismus in der Statur eines TodesengelS auf hiesigem Frirdhofe wahrgenommen zu haben, e8 sei denn daß wir die betreffende Statur völlig übersehen hätten Sollte denn der fromme Eifer des Herrn H. In diesem Punkte nicht em zu großer Eifer sein? Wer wird denn auf einem Friedhöfe bei Betrachtung eines TodesengelS solche weltliche Gedanken hegen wie sie Herr II. bei dem Beschauen vorauszusctzen scheint?
Der Schluß deS betreffenden Artikels hat uns sehr überrascht. Nachdem in dem Vor- gesagten ein so starker Widerwille gegen alles Heidnische zur Schau getragen ist, finden wir plötzlich ein großes Jnteresie für ein in der Sinfriedtgungsmau.r deS Friedhofes befindliche-, angeblich heidnisches, verstümmeltes Denkmal ausgesprochen; nennt Herr H diesen Fund ja sogar hochinteressant. — Woher dieses plötzliche Jntereffe für ein heidnisches Machwerk?
Fast haben wir Herrn H. im Verdachte, daß er die Absicht hat, andere Leute für diese- heidnische Kunstwerk so zu begeistern, daß es in Kurzem au6 der Mauer deS christlichen Friedhofs ganz hcrausgerisien werde. W. (Wir unsererseits möchten bengtem „heidnischen" Denk mal jeden historischen Werth absprechen. Wie uns mitgetheilt iverben und vielleicht die älteren Einwohner unserer Stadt sich noch erinnern dürften, deckte der beit. Stein das gemeinschaftliche i Grab eines jungen Paares, welches, im Leben nicht vereint, zusammen ben Tob suchte. Red.)
Handel und BerFehr.
Franksurr, 30. Juli. <Marktbericht.) Der heutige Heu- und Strohmartt war gut j befahren. <?eu kostete je nach Qualität der Ctr. JL 4.00—4.50, Stroh JC 3.50—4.00, ! Butter 50 Kilo JL 90—00, im Detail 1. Qualität da« Pfund JC 1.30—00, 2. Qualität I bas Pf. 1.20- 00, (Sier da« Hunbert 5.00—6.00. Ochsenfteisch per Pfund 60 -70 I Kuh-, Rind und Farrenfleisch 45—55 H, Kalbfleisch 40—55 H, Hammelftemv । 40—50 Schweinefleisch 65—70 H, ein Hahn JL 1.80—2.20, ein Huhn JL. 1.60—2.00, i eine Ente JL 3.00 — 0.00 , eine Taube 50—00 H, junge GanS JL 5.00—8 oO, Halen j das Stück JC 2.50—3.50, Poularden JL 2.50—2.70, Rehbock das Pfb. 0—0 H Kapaunen ! JL 3.00—0, Wälscher Hahn JL 9—12, Kartoffeln 100 Ko. JL. 6.00—O.Ou, Kobikraut 00 H, Blumenkohl 1 St. 40—70 H, Wirsing 15—20 H, Gelberüben 1 Bund 10—12 Zwiebeln i 1 Buno 0 Sellerie das Stück 30—00 Meerrettig 1 Stück 00—00, Spargel das Pfun 30 Romain-Salat 20—30 H Endivien 6 12 H, Rothkraut 40—50 Weißkraut 25 -00 Artischoken 50 Erbsen das Pid. 30—50 Bohnen per Pfund 8u—90 H, ; neue Kartoffeln das Pfb. 00—00 H, das Malter Jü 11.00, Kopf-Salat 10—12 H, Spinat 50—60 H, Schnittlauch bas Gebund 3 H, Gurke 5—6 Kohlrabi 5—6 H bak Stück, I Kirschen das Pfunb 19 — 20 H.
Frankfurt a. M., ben 1. Aug., Nachmittags 1 Uhr 30 Mm. (Telegr. Coursbericht. Mitgetheilt durch das Bankgeschäft Alberl Kaufmann in Glesien.) Credit- fletien 319Vi, Staatsbahnactien 309^, Galizier 286^, Oeft. Silberrente 68V2, 4% Ungar. Goldrente 79V-. 4°/0 1880er Ruff en 76Vr, 2. Orient-Anleihe 61^/16, 50/0 Rumänische Rente 927/i6- Tendenz belebt.
SchifTebericht. Mitgetheilt von dem Agenten deS norddeutschen Lloyd ' «. W. Dietz in Gießen.
Bremen, 29. Juli. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Postdarnpfer Leipzig, Eapt. Fr. Pfeiffer, vorn Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 13. Juli von Bremen ! abgegangen war, ist heute wohlbehalten in Baltimore angekommen.
Bremen, 30.,Juli. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Postdarnpfer Neckar, Capt. | W. Willtgerod, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 17. Juli von Bremen und am 19. Juli von Southampton abgegangen war, ist gestern 9 Uhr AbendS wohlbehalten in ! Newyork angekommen.
— Zur Nachkur und bei den jetzt herrschenden Kinderkrankheiten empfiehlt sich als zuverlässiges Schutz- und Stärkungsmittel der viel verbreitete Lubowsky'sche ungarische Sanitätswein 1870er Ernte — Vinum Hungaricum Tokayense. — Original? fiillungen zu 3 Mk., zu 1 Mk. 50 Pf. sind unter chemischer Analyse in Gießen aus der Htrsch-Apotheke zu beziehen. Diese, von allen Ungarwcmen für den diätetischen Zweck sich auszcichnende Wünspecies aus der Edeltraude „Nemesbor“ fordere man stets in allen Depots unter „Lubowsky'schen ungarifchm Sanitätswein" und achte aus die Schutzmarke mit Firma Julius Lubowsky L Co., ungarische Wein-Groß- haudlung, Berlin, Markgrafenstr. 32. (5043
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