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Sonntag den 31. October
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1880
Erlchcuck täglich mit Äusmrhme des MoutagS
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lasten und in dieser Beziehung Manches geschehen ist, so ist dieses Ziel im Großherzogthum Hessen noch lange nicht erreicht, denn von 992 einfachen Volksschulen traten in diesem Jahre noch 464, in welchen Schulgeld entrichtet werden mußte. Bemerkenswerth ist hierbei der Umstand, daß in fast allen größeren Städten der Unterricht unentgeltlich ist und namentlich die rhein- hessischen Gemeinden auf die Erhebung eines Schulgeldes vielfach Verzicht geleistet.
Fulda, 28. Octbr. In der „Hess. Morgen-Ztg." liest man folgende Erklärung von sechszehn Israeliten aus Hersfeld : „Das Vorsteheramt der Jsrae- Uten zu Fulda hat den Synagogen-Aeltesten zu Hersfeld unter Strafandrohung aufgegeben, den Gottesdienst in der Synagoge jeden Sonnabend Morgen schon um 7 Uhr zu beginnen, während der ganzen hiesigen Gemeinde der Beginn des Gottesdienstes um 8 Uhr angemessener erscheint. Ebenso hat das der strengsten Orthodoxie ergebene Vorsteheramt den hiesigen Gemeinde-Aelteften deshalb seines Amtes enthoben, weil derselbe auf die Anfrage des Vorsteher- amts: ob der Hülfsvorbeter seinen Bart abrasire ober abkneife, um Angabe der Merkmale ersucht, an welchen man den hochwichtigen Unterschied dieser Entbartungsrnethoden zu erkennen vermöge. Da die Mitglieder der Syna- gogengemeinde Heröfeld nicht gesonnen sind, sich in dieser Weise von Fulda auö maßregeln zu lasten, so haben dieselben beschlosten und sich gegenseitig bei einer Conventionalstrafe von 300 JL verpflichtet, aus der hiesigen Synagogengemeinde ruszutreten."
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Gefundene Gegen st ände
1 Regenschirm, 1 Handstauchen, 1 Gebetbuch, 1 Thetl einer goldenen Uhlkette, 1 Boa, 1 Stück Fensterblei, mehrere Schlüffel. Die Gegenstände sind auf der Polizeiwache (Weidengasse 93) aufbewahrt.
Gießen, den 29. October 1880. Großherzogliche Poltzetverwaltung Gießen.
Fresenius.
: / Gchulstraßc B. 18.
Telegraphische Depeschen.
Wagner'S telegr. Correspoudenz-Bureau.
Darmstadt, 29 October. Der Großherzog hat sich mit dem Ecb- Großherzog und allen Prinzessinnen-Töchtern heute zum Besuche der kronprinz- ltchcn Herrschaften nach Wiesbaden begeben. Dieselben werden am Abend wieder zurückkehren.
Berlin, 29. Octbr. Abgeordnetenhaus. Präsidentenwahl, v. Rauch- Haupt beantragt Wtedererwählung des vorigen Präsidiums durch Acclarnatton, Gneist widerspricht irn Namen der Nationalliberalen. Es erfolgt daher die Wahl durch Zettel. 325 werden abgegeben, darunter 22 weiße, v. Köller erhält 276, Hänel 22, übrige zersplittert, o. Köller nimmt die Wahl dankend an. Bet der Wahl des ersten Vtcepräsidenten werden 327 Zettel abgegeben, darunter 19 weiße, v. Benda wird mit 267 gewählt; Hänel erhält 23, v. Heereman 13, übrige zersplittert. Bei der Wahl des zweiten Vicepräsi- denten werden 325 Zettel abgegeben; davon erhält Stengel 145, v. Heereman 141, Hänel 30. Bei der nun erforderlichen Stichwahl siegt Srengel mit 170 gegen v. Heereman, der nur 144 Stimmen erhält, v. Benda und Stengel nehmen die Wahl dankend an. — Nächste Sitzung Dienstag.
Herrenhaus. Es findet Bejchlußfaffung statt Über die geschäftliche Behandlung der dem Hause zugegangenen Vorlagen.
Berlin, 29. October. Die Abendblätter erklären, baß irgendwelche Aeußerungen des Polizeipräsidenten v. Madai über den Oberbürgermeister Miquel bezüglich der ZutrütLkarten bei der Eröffnungsfeier des Frankfurter Opernhauses nicht existiren.
Stuttgart, 29. October. Der „Schwäb. Merkur" bringt Berichte über Ueberschwemmungen aus fast allen Landestheilen, insbesondere vom Neckar ans Rottweil, Sulz, Rottenburg, Cannstatt und Heilbronn, von der Donau aus Tuttlingen und Ulm, ferner aus Oberschwaben, dem Schwarzwald rc. Jetzt ist das Master Überall wieder im Abnehmen.
London, 29. October. Nachrichten aus der Capstadt zufolge ist der Pondostamm im Ostgrtqualande im Aufstande; mehrere obrigkeitliche Personen sind ermordet. Die Colonial-Truppen haben das Dorf Letherodi eingenommen. Im Basntolande fanden mehrere Gefechte statt.
Wien, 29. October. Meldungen der „Poltt. Corrrsp." Aus Athen: Das von Kumunduros in der Kammer entwickelte politische Programm gipfelt in der Erklärung, Griechenland werde allein die Beschlüste der Mächte durch- führen und die Rüstungen in erhöhtem Maße betreiben, um die active Armee ohne die Reserve auf 80,000 Mann zu bringen. — Die griechischen Gesandten in Rom, Sofia und Bukarest sind nach Athen berufen. — Aus Casielnuovo: Riza Pascha verständigte den montenegrinischen Woiwoden Popovic, er müsse die Wiederaufnahme der Verhandlungen vertagen, bis er neue Instructionen aus Konstantinopel erhalten habe. 7000 Montenegriner concentriren sich neuerlich bei Jutorman, anscheinend in der Absicht, gegen Dnlctgrio vorzurücken.
Paris, 29. October. Meldung der „Agence Havas" aus Ragusa: Albanesische Gebirgsbewohner erklärten Riza Pascha, sie würden sich der Be- setzung Tusis durch türkische reguläre Truppen nicht widersetzen, wenn sich nicht
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m. Darmstadt, 27. October. (Bericht des besonderen Ausschusses zweiter Kammer über die Weggesetzvorlage. Schluß.) Die lieber: Weisung der Bau- und Unterhaltungslasien der Kreise rechtfertige sich aber auch dadurch, weil bei den Organen derselben ein regeres Interesse barür vorausgesetzt werden müsse, als bei den Organen der Provinz. Der Kreisrath, der Kreisausschutz kennen aus eigener Anschauung die Bedürfnisse des Kreises, sie seien in der Lage, die Bedeutung widerstrebender Interessen innerhalb des Kreises abzuwägen, während die Organe der Provinz, weil entfernter, diese Gesichtspunkte nur schwer werden gewinnen können. Die Kreise werden die technische Leitung des Straßenbaues mit wenig zahlreichem Personal durchführen können, während die Provinz ein größeres Personal hierzu und zu der Verausgabung einer Verrechnung der Kosten bedürfen werde. Auch die Leistungsfähigkeit der Kreise werde mit Grund nicht in Zweifel gezogen werden können, wenn man erwäge, in wie bohem Maße die einzelnen Gemeinden entlastet werden und daß voraussichtlich die Provinzen in die Lage versetzt werden, den einzelnen Kreisen Bet- Hülsen zum Neubau von Straßen zu gewähren. Aus allen diesen Gründen glaubt die Großh. Regierung, an dem Pnncip des Gesetzesentwurfes, den Bau und die Unterhaltung der Vicinalstraßen im Wesentlichen zur Sache der Kreise zu machen, fcsthalten zu müssen.
Der Ausschuß kann sich mit der in dieser Erklärung ausgesprochenen Auffassung nicht einverstanden erklären und beantragt in seiner Majoritär: Die Kammer wolle Großh. Staatsregierung ersuchen, den vorgelegten Gesetzesentwurf zurückzuziehen und einen Gesetzesentwurf der 2. Kammer vorzulegen, worin dem Grundsätze Rechnung getragen wird, daß die Vicinalwege für die Folge unter den durch das Gesetz zu bestimmenden Voraussetzungen von den Provinzen übernommen und auf deren Kosten unterhalten werden.
Ein Mitglied des Ausschußes kann sich mit den Ausführungen des Referenten nicht einverstanden erklären, weil es bei Annahme des principiellen Antrages eine zu große Belastung der Städte befürchtet und beantragt, die Kammer wolle dem Antrag der Majorität ihre Zustimmung versagen und in die Berathung der Gesetzesvorlage eintreten.
Eventuell, wenn der Majoritätsantrag nicht angenommen werden sollte, so verkennt der Ausschuß die Vortheile der Gesetzesvorlage gegen den früheren Zustand nicht und geht auf die einzelnen Artikel ein. Dte Art. 1—4 werden mit He neu Zusätzen zur Annahme empfohlen. Zu Art. 5 wird der Zusatz beantragt: „Kreisstraßen können auf Antrag des Kreistages durch Gesetz als Staatsstraßen erklärt werden. Im Falle des Ueberganges geht dann nut der Unterhaltungspflicht auch das Eigcnthum der Straße mit allen Nutzungen an den Staat über." — Art 6 wird nach der Regierungsvorlage mit einem unwesentlichen Zusatz, die Art. 7—10 werden unverändert zur Annahme empfohlen. Zu Art. 11 wird der Zusatz beantragt: „Das durch den Bau gewonnene Gelände wird Eigenthum der Gemeinde oder der Gemarkungsinhaber, welche das zum Neubau erforderliche Gelände zu stellen haben." Die Art- 12—14 werden zur Annahme empfohlen, ebenso von der Majorität Art. 15, während hier die Minorität auch die Besitzer größerer Waldungen insoweit, als durch die Abfuhr des Holzes die Straßen regelmäßig abgenutzt werden, mit einem Beitrag zu den Unterhaltungskosten herangezogen haben will und einen dahin zielenden Antrag stellt. Die Art 16—19 bleiben unbeanstandet. Nach Art. 20 des Entwurfes übernimmt mit dem Inkrafttreten des Gesetzes der Staat auch die Unterstützungspflicht der Vicinalstraße von der Mainz- Darmstädter Staatsstraße. Der Ausschuß kann dieser Straße eine solche Wichtigkeit nicht beimesfcn und beantragt Strich der betreffenden Bestimmung. Die Minorität beantragt hier einzufügen, die Straße durch den Grebenauer Grund über Wernges im Anschluß an die Staatsstraße von Lauterbach nach Schlitz. Art. 21 stellt der Regierung zum Neubau von vier Kreisstraßen gewisse Beträge zur Verfügung, so für die Straße von Schlitz nach Salzschlirf 24,000 JL Der Ausschuß beantragt, hierfür die Summe von 33,000 JL einzustellen, da sich inzwischen durch genauere Ermittelungen ergeben habe, daß diese Straße mit der ursprünglich eingestellten Summe nicht gebaut werden könne. Weiter sollen mit Zustimmung der Negierung der für die Erbauung einer Straße in dem südlichen Theile des Vogelsbergs vorgesehenen Summe von 50,000 <X die bereits durch die Nothstandsvorlage verwandten 20,000 Jk aufgerechnet werden. Die Minorität beantragt weiter die Bewilligung von 29,000 zur Erbauung der Straße durch den Grebenauer Grund.
Darmstadt, 27. Octbr. Die Statistik der Bodenproduction unseres Landes, wie sie vom Großh. Geheimen Rath Ewald in den „Beiträgen zur Statistik des Großherzogthums Heff-n" niedergclegt ist, gibt in vielfacher Beziehung intereflante und lehrreiche Aufschlüffe. So ist in derselben auch eine Berechnung über den Werth der Ernte des Jahres 1878, so weit sich dieser überhaupt ermitteln ließ, aufgestellt, und damit ein ungefährer Maßstab für dte Größe des Einkommens geschaffen, das der Bevölkerung des Großherzogthums aus dem Ertrag einer einzigen Jahres-Ernte erwächst. Der Gesammt- werth dieser Ernte beziffert sich auf die in ihrer Höhe gewiß überraschende Summe von 151,30 Mill. Jt., und setzt sich im Einzelnen wie folgt zusammen: Getreide und Hülsenflüchte 62,24, Hackfrüchte und Gemüse 34,28, Handelsgewächse 410, Futterpflanzen 14,76, Wiesen 20,65, Weiden 0,14, Weinberge 11,94, Obst 3,19 Mill. JL In dieser Zusammenstellung sind dte Stroherträge der Getreidearten und Hülsensrüchte einbegriffen, dagegen die Werthanschlage für die in verhältnißmäßtg geringem Umfang angebauten Fruchtarten und Gewächse, dte Werthanschläge für dte Wtidenutzung auf den geringeren Weiden und der Ackerwetde, sowie dte Erträge aus gartenmäßig angebauten Feldern nicht enthalten. Auf die Gesamrnifläche des landwirthschaftlich benütz- ten Bodens von 493,213 Hektaren gleichmäßig vertheüt, kommen von dem Gesammtwerth der Ernte des Jahres 1878 auf 1 Hectar 307
Darmstadt, 28. October. Wenn schon dte Richtung unserer Zett unverkennbar dahin geht, den Volksschulunterricht unentgeltlich erthetlen zu
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