40 Nit
etwa
■«
Minden, 29. Januar. In Folge schlagender Wetter in der benachbarten Zeche ..Meißen" ist heute früh die ganze angefahrene Mannschaft verbrannt. Um 1 Uhr Mittags waren 10 Todte und 9 V rletzte herausgebracht worden. 5 Mann, welche wahrscheinlich tobt find, befanden sich noch in der Grube.
London, 30. Januar. Nach einer Meldung aus New-Iork hatte ParneÜ in einem offenen Schreiben die unter der Leitung der Herzogin von Marlborough, sowie die durch das Manstonshouse in Dublin veranstalteten Sammlungen zu Gunsten der nothleidenden Irländer abermals heftig angegriffen und behauptet, beide Hülfs-Comitss hätten für die Leiden der Irländer gar kein Mitgefühl. Alle nach dem Manstonshouse abgelieferten Gelder würden indtrect zu politischen Zwecken verwendet, indem man damit das Lehnsystem der Landgüter unterstütze. — Ein von der Herzogin von Marlborough veröffentlichtes Schreiben erklärt alle diese Behauptungen ParneÜ's für gänzlich unbegründet.
Augusta, 30. Januar. Sieben sustonistische Senatoren und 22 fusto- nistische Repräsentanten haben am 29. ds. ihre Sitze in der republikanischen Legislatur wieder eingenommen.
Äcl
5 Nh rin
10 Nie
Al
3000 Ti l&i Ct!
3000 T st
2 P
Telegraphische Depeschen.
Wagrrer'S telegr. Eorrespoudenz - Bureau.
Berlin, 29. Januar. Der Kronprinz ist heute Morgen um 9 Uhr inkognito nach Italien abgereist.
— Auf ein an den General-Feldmarschall Grafen Moltke gerichtetes Schreiben, worin ersucht wird, dieser möge seinen Einfluß bei dem Kaiser geltend machen behufs Verminderung der deutschen Armee antwortete Graf Moltke: „2Ber iheilt nicht den innigen Wunsch, die schweren Militärlasten er.eichtert zu sehen, welche vermöge seiner Weltstellung inmitten der mächtigst n Nachbarn Deutschland zu tragen genöthigt ist. Nicht die Fürsten, nickt die Regierungen verschließen sich ihm, ober glücklichere Verhältniffe können erst eintreten, wenn alle Völker zu der Erkenntniß gelangen, daß jeder Krieg, auch der siegreiche, ein nationales Unglück ist. Diese Ueberzeugung heibeizuführen, vermag auch die Macht des Kaisers nicht. Sie kann nur aus einer besseren r eligiösen und sittlichen Erziehung der Völker hervorgehen, eine Frucht von Jahrhunderten weltgeschichtlicher Entwickelung, die wir Beide nicht erleben."
Berlin, 29. Januar. Abgeordnetenhaus. Der Nachtrags-Etats, betr. die Canalistrung des Mains, wird in zweiter Lesung unverändert genehmigt.
BreSlau, 29. Januar. Eine in der heutigen Morgen-Ausgabe der „Schles. Ztg." enthaltene Meldung betreffs Verhandlungen wegen Verstaatlichung der Oberschlesischen Eisenbahn wird von dem Verwaltungsrathe dieser Dahn für unbegründet erklärt.
München, 29. Januar. Der Minister des Innern ließ tem Landtage einen Gesetzentwurf betreffs Abänderung der Bestimmungen des Polizeistrafgesetzbuckes über das Spielen in auswärtigen Lotterien zugehen.
Salzburg, 29. Januar. Ein im hiesigen Bahnhofe ausgebrochenes Feuer zerstörte deffen Mitteltrakt vollständig. Die Seittntheile gelang es zu rette». Der Schaden beträgt etwa 60,000 Gulden.
•roß?' 3(
6.
Vermischtes.
Darmstadt, 28. Januar. Gestern Nachmittag war die Schutzmannschaft in fieberhafter Thä'.igkeit, um die Hauseigenthümer zum Aufeisen der Trottoirs zu veranlassen. Allerorten ertönte denn auch das fröhliche Geklapper der Rotthacken, Holzbeilchen und anderer Enteisungs-Instrumente und es war eine Lust, anzusehen, wie namentlich in vielen Straßen der Neustavr die festgetretene, gehörig eingeäjcherte Eis- und Schneedecke den vereinten Anstrengungen wich und das glatte Basaltpflaster zum Vorschein kam, auf dem es nun kein Kunststück ist, trotz polizeilicher Dorschriften recht unsanft hinzufallen. Streuen darf man nicht — denn heute ist Kehrtag.
— Wenn man adelig i(l.J Ein kürzlich geadelter Bankier, der erst Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt hatte, um das „Son" vor seinem Namen zu erlangen, beklagte sich dann in affectirtem Mißmuth über die Lasten des neuen Standes. „Sie glauben nicht," äußerte er gegen einen Freund, „wie langweilig eS ist. adelig zu sein. Man kann nicht einmal an einem Wachtposten Vorbeigehen, ohne baß derselbe präsentirt." — „Das ist doch wohl nicht gut mög« lich," antwortete der Freund, „da derartige Ehrenbezeigungen nur den höheren Officieren gelten." — „Erlauben Sie," erwiderte der Bankier, „es ist mir ja erst gestern passirt. Wenn Sie daran zweifeln, so fragen Sie nur den Oberst S .. ., der gerade mit mir war."
Kirchliche Anzeigen der evangelischen Gemeinde ?u Gießen Gottesdienst r
Sonntag den 1. Februar.
Morgens: Pfarrer Schlosser. — Nachmittags: Pfarrverwalter Schöner.
Die Pfarrgeschäfte für die Woche vom 1. bis 7. Februar besorgt Pfarrer Schlosser.
Lokales.
Gießen, 30. Januar. (Vortrag des Herrn Architekt H u g am Dienstag Abend im Volksbildungsverein „über die Entwicklung des Wohnhauses".)
Bevor das Wohnhaus und seine Constructionsweise besprochen wird, soll der Ursprung, sowie die Entwicklung und Ausprägung desselben bei den verschiedenen Völkern beleuchtet werden. —
Da von urältesten Wohnhäusern wegen ihrer Zusammensetzung von vergänglichem Baumaterial 2c. keine Spur auf uns gekommen ist, so muffen wir bet den alten Völkern ihrer Baudenkmale gedenken, da von diesen bis zum heutigen Tage Ueberreste vorhanden sind, und uns durch Darstellungen mittelst Reliefs und Farbe Kenntntß von den damaligen Wohnhäusern geben.
Das alt-ägyptische Reich, bis in das 2. Jahrtausend v. Ehr. hinreichend, gibt durch die noch erhaltenen gewaltigen Pyramiden, Obelisken, Sphinxen und seinen großartigen Tempelanlagen Zeugniß von seiner einstigen großen Bauthätigkeit. Das Wohnhaus jener Zeit, auS Holz errichtet mit mehreren Stockwerken, bekrönt durch Galerien, läßt durch seine skulpirten und bemalten Wände keinen Zweifel übrig, daß die Baukunst schon viel früheren Ursprungs sein muß, als unsere Geschichte hinaufreicht.
Das alt- und neu-babylonische Reich, vertreten durch Ruinen großer Herrscherpaläste, zeigt uns die Anwendung der Gewölbe, so daß man die Erfindung der Kunst zu wölben bis um 1100 v. Ehr. setzen kann Sowohl Paläste, als auch die Privatgebäude besaßen meisten- theils gewölbte Räume, verziert mit Reliefdarstellungen; die Außenmauern incrustirt mit in Asphalt gedrückten, farbigen Thonkeilchen. Symmetrische Anordnung der Thür- und Thor- öffnungen scheinen geflissentlich vermieden worden zu sein.
Eines unserer wichtigsten Bauglieder finden wir bei den alten Persern vor, nämlich die Säule; Ueberreste hiervon deuten auf die Pracht und Uepptgkett hin, mit welchen die Herrscherpaläste ausgestattet wurden Von Privathäusern find bloß noch Schutthaufen vorhanden, doch lehren aufgefundene Reliefs und Beschreibungen, daß diese Wohnhäuser aus den edlesten Hölzern errichtet und mit kostbaren Metallen bekleidet waren.
Ebenso kostbar pflegten die Phönizier ihr „Daheim" aufzustellen und emzurichten. — Die Israeliten standen mit den handeltreibenden Phöniziern in enger freundschaftlicher Beziehung ; ihre Bauten wurden zum Thetl von phönizischen Baumeistern ausgeführt, so der von Salomo errichtete prachtvolle Tempel durch Hiram. Dieser aus kostbarsten Hölzern und edlen Metallen errichtete Prachtbau mit seinen zwei ehernen Säulen ging durch die Chaldäer (587 v. Chr.) zu Grunde. Gleiches Schicksal erreichte die zwei später, wenn auch weniger großartig auf dieser Stätte errichteten Tempelbauten.
Betreten wir nun den klassischen Boden — Griechenland. Auch hier ist der Tempelbau hauptsächlich ins Auge zu saffen, in welchem sich die edelste Architektur ausprägt; der Privatbau entlehnt von diesem seine Kunstformen. Um daher das griechische Wohnhaus leichter fassen zu können, soll der griechische Tempel im nächsten Vortrag zunächst besprochen werden.
Gießen, 30 Januar. Vorgestern Abend vergiftete sich eine noch junge Frau auS hiesiger Stadt vermittelst Schwefelsäure. Heute Morgen 61/2 Uhr erlöste der Tod die Be- dauernswerthe von ihren schrecklichen Schmerzen.
— Die „Volksküche" vertheilte heute 1014 halbe Portionen. Verkauft wurden hiervon 113, 901 Portionen erhielten Arme, Kinder und Handwerkßburschen.
fkbrnngen des Abg. v. Rabenau ein und hebt weiter die bereits in dem Bericht der Majorität feit der ersten Berathung ausgetauchten neuen Momente hervor, welche die Sammer nach seiner Ansicht bestimmen müssen, dem Verkaufe ihre Zustimmung zu er- theilen, welche zu keinem günstigeren Zeitpunkte als jetzt geschehen könne.
Abg. Schröder ist nunmehr aus den in seinem Sondergutachten bereits angegebenen Gründen ebenfalls für den Verkauf; Abg. Rackä dagegen, da seiner Ansicht nach nora Seitens der Regierung durchaus Nicht vorgebracht worden seien. — Abg. Büchner bezweifelt, daß finanzielle Vortheile für den Staat aus dem Verkaufe resul- tiren und befürchtet, daß der Staat in Consequenz seiner seitherigen Eisenbahnpolittk auch bei diesem Verkaufe wieder Unglück Haden werde. Ministerlalpräsident Schleier- m ach er tritt den Bemerkungen des Vorredners entgegen. — Nach einigen persönlichen Bemerkungen der Abgg. Dtttmar und Rackä wird die Sitzung um iy4 Uhr geschloffen. Fortsetzung der Berathung morgen.
Berlin, 27. Januar. Wählend die Annahme des Militärgesetzes in seinen wesentlichen Bestimmungen, wie schon gemeldet, nicht bezweifelt wird, will man vorhersehen, daß namentlich die B-stimmunq wegen der jährlichen Berufung der Etsatzreserve erster Klaffe lebhafte Debatten und das Einbrln- gen von Amendements veranlaffen wird. Man wird versuchen, ob eine gewiffe Erleichterung nach dieser Seite stch erlangen läßt. In Paris und Petersburg hat die Vorlage natürlich die Aufmerksamkeit gefeffelt, aber keine größere Bewegung veranlaßt, als ähnliche Vorkehrungen, bte dort getroffen wurden, bet uns hervorzurufen pflegten.
Bremen, 25. Januar. Die hiesige Staatsanwaltschaft warnt heute öffentlich vor der Theilnahme an den Best-ebungen der sog. Anttsemiten-Liga, deren Flugblätter, wie fie sagt, augenblicklich in größerer Anzahl hier verbreitet werden. Das Unternehmen charakterisire stch durch das Versprechen, daß „der Name jedes Mitgliedes geheim gehalten werden soll." Außerdem heißt «S u. A. darin: „Zu Worten ist jetzt keine Zett mehr; Thaten sind jetzt allein unsere Loosung." Danach fährt der Erlaß wörtlich fort: „So anschet- nend zahm auch die zur Zeit aufgesührten Mittel und Wege zur Erreichung des Zieles klingen, so sollen doch unsere Staatsangehörigen rechtzeitig vor der Theilnahme an einer die Keime der nach § 130 des Strafgesetzbuches strafbaren Handlung in stch tragenden Verirrung hiermit gewarnt fein." Der genannte Satz des Strafgesetzbuches bedroht mit Geld- oder Gefängnißstrafe die öffentliche Anreizung verschiedener. Klaffen der Bevölkerung zu Gewaltthättg> ketten gegen einander in einer den öffentlichen Frieden gefährdenden Weise.
A«S Glfaß-Lothrivgen, 28. Januar. In den letzten Jahren stnd von den reichSländtschen Gerichten viele Verurtheilungen wegen politischen Demonstrationen ausgesprochen worden. Die Fälle, in denen die sranzöflsche Trtcolore öffentlich getragen oder an öffentlichen Plätzen befestigt wurde, sind in Folge deffen äußerst selten geworden. Dagegen kommen immer noch Uebertretungen durch Geschäftsleute vor, welche Cigarettenpapier, Liqueur- flaschen-Etiquetten, Ringe rc. in den französtschen Farben, zum Thetl mit tendenziösen Inschriften und bildlichen Darstellungen versehen, in den Handel brachten. Diese Erzeugnisse find fast ausschließlich in Frankreich angefertigt. Die betr. Geschäftsleute wurden bisher nach erbrachter Beweisführung ausnahmslos zu entsprechenden Geldstrafen verurtheilt. Abweichend von der Entscheidung der übrigen Gerichte des Reickslandes hat nun kürzlich die Strafkammer ein sreisprechendes Urlheil erlassen. Da hiergegen das Rechtsmittel der Reviflon eingelegt ist, so darf man gespannt darauf fein, welche Entscheidung das Oberlandesgericht in Colmar, bei dem die Angelegenheit demnächst zur Verhandlung kommen soll, treffen wird. (Karlsr. Ztg.)
Oesterreich.
Wien, 27. Januar. Meldungen der „Polit. Corresp." Aus Konstantinopel : Die die Sklaverei abschaffende anglo-tnrkische Convention enthält Artikel, wonach alle die türkischen Gewässer befahrenden verdächtigen Schiffe, ausgenommen Kriegsschiffe, angehalten und visitirt werden können und die Schuldigen den Strafgesetzen unterliegen. — Aus Sofia: Die Betheiligung an den Wahlen zur Nationalversammlung ist äußerst schwach. Am eisten Wahltage wurden deshalb nirgends Wahlen vollzogen.
Pesth, 28. Januar. Das Abgeordnetenhaus setzte die Debatte über Mocsarys Antrag, betr. die Straßenkrawalle, fort. Albert Apponyi beantragte ein Tadelsvotum, weil die Regierung Präoentiv-Maßnahmen zur Verhinderung der Unruhen unterließ. Baroß beantragte, das Haus möge die Aufklärungen des Ministerprästdenten zur Kenntniß nehmen und zur Tagesordnung übergehen. Nach dem Schluß der Debatte führt der Ministerpräst- deut aus, daß er die U.belstände nicht größer dargestellt habe, als sie in Wirklichkeit seien. Es müßten Maßregeln getroffen werden, um die Verbreitung krankhafter Zustände zu verhüten. Morgen findet die Abstim- mung statt.
Handel und Verkehr.
— Auf der kürzlich zur Aufstellung der Sommerfahrpläne abgehaltenen Conferenz der deutschen Eisenbohnen ist von der Frankfurt-Bebraer Bahn die Mittheilung gemacht, daß von Beginn des Sommer-Fahrplancs an, die Berlin Frankfurter Staatsbabn-Rout'e über Nordhausen die volle Concurrenz im Personenverkebr mit der alten Route über Eisenach aufnehmen, namentlich auch einen Nacktcurierzug zwischen Berlin und Frankfurt in beiden Richtungen fahren werde, während fie bis jetzt nur einen Tages - Schnellzug fährt. Hiermit ist die weitere Mittheilung verbunden, daß von diesem Zeitpunkt an dtrecte Wagen Berlin^Frankfurt der Eisenacher Route auf der Bahnstrecke Bebra-Frankfurt nicht mehr mitgenommen werden würden, so daß also die Reisenden, welche die Eisenacher Route benutzen wollen, in Bebra In beiden Richtungen die Wagen wechseln müssen.
Irischbäcker in Gießen.
Sonntag, den 1. Februar. Wilhelm Hartmann, Neustadt. Hermann Vogt, Seltersweg. Ludwig Keil, Neue Bäue.
16. im*8! «orbtnw ® a Aatterirodau8 tat 0»« । fiitM ""8", finit und'st git ilt»W torisch vrrmtti iialtn ca. 150 r,th-ll"° W °d« ; iimnit naten M t eigtei 14 litharini Md CUT inLzrn deren n Mtztliefertw «gchi an alle spräche an M gl*, blt Äi ijali obiger K Wien Gericht t
M den 22 GnGeWlich 64) San
Man
671) Die si -rnt-gerichts < ZahreS 1880 Tchttibmaterta
- 2 $1
' 5 Pf
' 2 Pst
6at
' 20 @ti
10 @r
5
5 '
• 2 Du'
« r
• 1
Mr
4*
SÄ


