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1880

Mittwoch den 29. December

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Iraukreich.

Paris, 24. D-cbr. D-r Vorschlag. durch einen Schl-dsgerlchtSspruch der sechs europäischen Großmächte beunruhigenden @oentnalititen »otiuBengen, dürste oiS im Prineip von ollen Großmächten ongenommen gee en^ U ber d Cauteien betreffs vorheriger Zustimmung Griechenlands und der Türkei, so

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des Abstimmungsverfahrens werden die Verhandlungen der Mächte wohl auch zu allseitiger Uebereinstimmung führen. Sobald Alles formell in die er Rich tung erledigt sein wird, werden die Aufforderungen an die Türket und Grie­chenland Seitens der einzelnen Mächte erfolgen, wie denn auch für die weitere Behandlung der Angelegenheit die Correspondenz von Macht zu Macht in Aussicht genommen ist, während die Form von Conferenzverhandlungen bisher von ^^^ette^angne^ st diplomatique" erklärt gegenüber ander-

wütigen Angaben, daß der Kronprinz von Dänemark bet seinem Atzten Aufent­halt in Paris Gambetta nur ein einziges Mal wahrend eines D^ers bei Grevy gesehen habe und die Unterhaltung zwischen ihnen nichts Specrelles berührt habe. Das Seine-Tribunal hat in bem von Madame Kaulla gegen verschiedene Journale anhängig gemachten Proteste wegen, ^leumdung dm Petit Parisien" zu 300 Frcs. und die anderen Journale zu je 150 Frcs. Buße verurthetlt.

Schweiz.

Bern, 26. Decbr. Der für 1881 zum Bundes-Prästdenten gewählte Bundesrath Anderwerth hat sich gestern Abmd erschoffen.

England.

London, 25. December. Der englische Obercommandant in Natal meldet- Der Regimentsstab nebst 250Mann vom 94. Regiment wurden auf dem Marsch nach Prätoria von Boers angegriffen und überwältigt; von den Mannschaften sind 120 tobt, die übrigen gefangen; ein Lieutenant ist g^odM der Oberst und zwei Capitäne schwer verwundet; ein Commtffariats-Osficier wird vermißt; die Fahne ist gerettet. Der Obercommandant fordert die un­verzügliche Absendung eines Kavallerie-Regiments; berenunge Erfolg errnu- thjge die Boers und werde die ganze Lage materiell andern.

'_ Eine Dresche der Regierung von Natal aus Pietermaritzburg vom 23. ds. schützt die Zahl der Aufständischen auf 4000 Mann. Der Admcru- strator von Transvaal, welcher sich zu Petroria in Sicherheit befindet, glaubt nicht an die Dauer der Einigung der Boers. Es verlautet, d'e Boers hätten das Lager am Potschef Fluß angegriffen, sich aber mit beträchtlichem Verlust zurückziehen müssen. Die republikanische Boers-Regrerung druckte in e nem Schreiben an den Administrator Achtung vor der Königin und der britischen Flagge aus, sowie den Wunsch, den Krieg zu vermeiden; die Boers seien aber jedenfalls entschloffen, auf ihre Unabhängigkeit zu bestehen-und werde der Administrator aufgefordert, die Verwaltung des Landes ohne Widerstand zurück- »ugeben. Der Administrator erließ eine Proclamatton, worin Allen, welche das Lager der Insurgenten unverzüglich verlaffen, Straflosigkeit zuge- sichert wird.

Italien.

Rom 24. December. Gestern beglückwünschte das Cardinalcollegium den Papst zum Weihnachtsfeste. Der Papst knüpfte an seinen Dank eine Kn. sprach- in welcher er die Sprache der Presse, welche seine letzten Ausfuhr- unaen tadele, beklagte; er könne nicht stumm bleiben; seine Klagen seien gerecht. (5$ müffe fetzt abermals klagen, da man neue Feindseligkeiten mit ©efefc- Entwürfen W, die den Rechten und Lehren der Kirchewiderstritten, die Beseitigung der kirchlichen Jngerenz bet den frommen Werken bezweckten, das Kirchenpatrimonium betreffs der Seelsorge berührten und die Eh- scheiduna einführten. Man wolle durch Einführung der Laien in die Kirchen-Verwaltung die Kirche in ihrer Constitution verletzen. Er werde nicht aufhören, gegen solche Thatsachen zu reclamtren und die Freiheit und Un- abhängigkett deö Papstthums zu verlangen.

Außland.

Petersburg, 24. Decbr. Nach Mtttheilungen derNordd. Allg. «ta." bestände kein Zweifel mehr, daß eine zehnprocentige Erhöhung aller russischen Einfuhrzölle, mit Ausnahme des Salzzolles, ^sten Herabsetzung auf 20 Kopeken per Pud zu erwarten sei, von dem russischen Neujahr ab sicher »Ur a"ÄUetfl?26.Ä. Die Meldung desHerold" ans O«ch°w über einen auf der Losowo-Sebastopol-Bahn von der Polizei entdeckten Tunnel wird officiell als unwahr bezeichnet. _ ,

Telegramme aus Kischeneff und Odeffa melden von gestern Abend 7 Uhr ein ziemlich heftiges, eine Secunde anhaltendes Erdbeben.

Zur Frage des Genoffenschafts-Gesetzes.

Vor Kurzem brachte bekanntlich dieNordd. Allg. Ztg." die Mittheilung, daß der Abg. Freiherr v. Mirbach an einem Gesetzentwurf arbeite, welcher der nächsten Reichstagssession behufS Abänderung unseres Genoffenschafts-Gesetzes , von der conservattven Partei vorgelegt werden solle. Heute erfahren wir, , daß innerhalb des Reichsjusttzamtes ebenfalls Vorbereitungen zu einer Revision , dieses Gesetzes gemacht worden sind und daß eine Vorlage, die ihrem Inhalte nach dem projectirten Entwürfe des Freiherrn v. Mirbach ähnlich gestaltet sein dürfte, Seitens der Reichsregterung gemacht werden wird, wobei es freilich noch dahingestellt ble'.bt, ob diese letztere Vorlage schon in der nächsten Session erfolgen kann. Eine Revision des Genoffenschafts-Gesetzes an und für sich ist übrigens durchaus wünschenswerth. Schon in der Retchstagssesfion 187» hatte der Abg. Schulze-Delitzsch einen Antrag eingebracht, in welchem versch-e- Vene Punkte speciell aufgeführt waren, die nach des Antragstellers Erfahrungen einer Aenderung bedurften. Auf Grund dieses Antrages beschloß der Reichstag am 11. März 1878, den Reichskanzler aufzufordern, den Entwurf einer Novelle zum GenoffenschaftS-Gesetze mit specieller Berücksichtigung der von Schulze-Delitzsch angegebenen Punkte, möglichst bald ausarbeiten zu lasten. In Folge besten beschloß sodann der Bundesrath am 27. Februar 1879, den Reichskanzler zu ersuchen, im Anschlusie an die bevorstehende Revision der Acttenqesetzgebunq die fragliche Novelle bearbeiten und dem Bundesrarhe vor- leaen zu lasten. Diese beiden Beschlüsse wäre:- die Veranlastung, daß dem Reichsjustizamte die vorher erwähnten Vorarbeiten aufgetragen worden sind. Inzwischen hat das Letztere den Entwurf des veränderten Actiengesetzes nahezu vollendet und es wird nun in nächster Zeit die definitive Feststellung der Novelle zum Ge> ostenschafts-Gesetze vom 4. Juli 1868 erfolgen. Dre Mtt- glteder der conservattven Partei, welche von derNordd. Allg. Ztg. in ihrer diesbezüglichen Mittheilung alsnamhafte Persönlichkeiten gekennzeichnet waren, und Freiherr v. Mirbach hätten sich sicher leicht von diesim Stande der Dinge unterrichten und sie hätien daraus den Schluß ziehen können, daß cs ihrer besonderen Anstrengungen in der Sache gar nicht bedürfe, allein fie haben dies entweder nicht thun wollen, um sagen zu können , daß sie aus eigener Initiative die Angelegenheit in die Hand genommen hätten, oder sie wiffen thatsächlich um die Lage der Sache und halten es für nothwendtg, resp. r ützlich, der Reichsregierung durch Einbringung eines eigenen Gesetzent­wurfes zu sccundiren. Denn Freiherr v. Mirbach will nach derNordd. Allg. Ztg." durch seinen Entwurf neben der Solidarhaft, bei welcher jeder Genossenschafter mit seinem ganzen Vermögen für bie Genossenschaft einzustehen hat, die Theilhaft in das Genostenschaftswesen einführen, und nach unfern aus zuverlässiger Quelle geflostenen Informationen gehen die Intention en im Reichs, iußixamte auf das gleiche Ziel hin. Diejenigen, welche auf dem Prtnzipe der unbeschränkten Solidarhaft bestehen, werden also bei den einschlägigen legisla. torischen Verhandlungen voraussichtlich nicht allein bic conservanve Partei, sondern auch die Reichsregterung gegen sich haben. Dabet durfte nun wohl von ^ntereffe fein, zu beachten, tote sich die deutschen Genossenschaften selbst zu^dteserE'für sir "hochwichtigen Frage stellen. Ste haben sich seit Ausbreitung des Genostenschaftswesens vielfach damit beschäftigt und es ist ganz natürlich, daß, nachdem der Zusammenbruch einzelner Genossenschaften in Folge mangel­hafter Verwaltung oder unüberlegter Engagements ferne bekannten traurigen Wirkungen gezeigt hatte, die Genoffenschaftslage abermals ^ Erwägung zogen, ob solche Wirkungen etwa durch Einführung einer beschrankten Hastpfl cht^zu mildern seien. Zum letzten Male ist dies bei dem Verbandstage der deut chen Erwerbs' und Wirtbschaftö-Genostenschaften im gegenwärtigen Jahre ge chehen. Hier hatte Schulze-Delttzsch selbst die Frage in Anregung gebracht und er batte dieselbe dahin formulirt, ob neben den auf der unbeschrankten Solrdar- ha t beruhenden Genossenschaften noch eine zweite Klasse ebenfalls mit solidarer persönlicher, aber mit einer bestimmten Summe für jeden einzelnen Genosten schafter begrenzter Haft zuzulassen sei. Es wurde dadurch em S^anb gc* schaffen, wie berselbe in Oesterreich thatsächlich existirt, ohne sich jedoch befonbmn Anklanges boit zu erfreuen. Der beutsche Verbandstag hat die Frage, wie früher" auch in diesem Jahre nach eingehender D^scusston verneint und^damit ein Votum abgegeben, welches unserer Ansicht nach in erster Linie berücksichtigt zu werden verdient.

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Telegraphische Depeschen.

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London, 27. Decbr. Die Regierung gab den Befehl ein Dragoner- Regiment nach Port Natal zu senden. Das «Reuter sche Vureau meldet aus Durban: Nach Mtttheilungen der aus Middelburg inNewcastleeinge- troffenen Beamten haben die Boers auf eine Abthet ung ^es 94 Regiments aefchosten, als dastelbe die Parlamentär-Flagge aufhißte. Die Zahl der Ge- tödteten und Verwundeten betrage 200 Mann. Zwischen Dtanderton und der Grenze ist der Telegraph unterbrochen.

----------------------------- «reis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bnngerloha. Grscheiut täglich mit Ausnahme des Montags. Durch die Post bezöge» vierteljährlich 2 Mark 50

Deutschland.

Berlin, 24. December. DerPost" undNordd. Allg. Ztg." zu- iolae wird Graf Limburg - Stirum, welcher gegenwärtig auf Urlaub bei seiner Familie in Schlesien weilt, nach Neujahr die Leitung des auswärtigen Amtes weitersühren; bis dahin vertritt denselben in der Leltung des auswärtigen

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Carl Wenzel.

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