Donnerstag den 28. October
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Erscheint täglich mit Ausnahme deS Montag».
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es ist dus Endziel unserer Wirthschaftsgestaltung, das Ideal unserer Wirtschaft, die Productionskraft der gesummten Erde der Menschheit verfügbar zu machen, die Consumtion aller Völker auf die höchst mögliche Höhe ctvlistrter Bedürfnisse zu heben, und im freiesten Austausche der Erzeugnisse aller Striche und Zonen die billigste Beschaffung der Ersorderntffe einer höchsten Lebenshaltung hcrbeizuführen. — Mögen wir auch heute noch wett davon entfernt sein, wir gelangen dereinst dazu, daß auf Grundlage des vollkommen freien Tauschverkehrs jedes Land, jedes Volk seine ganze Arbeitskraft zur Herstellung nur derjenigen Producte verwendet, für die der jeweilige Boden, das Klima, die traditionelle Geschicklichkeit der Bevölkerung die Bedingungen der Erzeugung mit geringstem Kraftaufwand bietet.
Wären wir soweit, so würde Niemand daran denken, in der Verpflanzung intelligenter, unternehmungslustiger und energischer ctvtltsirter Menschen in noch nicht oder wenig cullivirte Zonen ein Unglück für das Land zu erblicken, dem sie sich entziehen; ihre Kraft würde auch in der Ferne fruchtbar sich erweisen in der Menge neuer Schätze, die ihre Arbeit einem noch unergiebigen Boden entreißt und der Consumtion auch ihres ursprünglichen Vaterlandes gewinnt. Auf dieser Höhe der Weltwirthschaft jlnb wir aber noch nicht angelangt. Noch sticken wir tief in einer engeren Form der Wtrthschast, in der ein jedes Land noch danach trachtet, jede nur irgend mögliche Art der Arbeit auch bei sich zu cultiviren und zu entwickeln. Die politische Geschichte der europäischen Staaten hat es zur Folge gehabt, daß sich in ihnen auch die productionelle Tüchtigkeit und der Umfang der Production in verschiedenen Dimensionen ge- staltet hat. Die Einen stehen heute industriell vollkräftig da und beherrschen die wichtigsten Absatzgebiete, während die Anderen mühsam danach ringen, es Jenen gleich zu thun. Kein Wunder, daß in der Verkehrspolitik nicht minder wie in der Machtpolitik die Eifersucht beute eine entscheidende Rolle spielt. Der Übergang zur vollendeten Arbeiisrbcilung in der Gesammtproduction ist nicht so leicht und so rasch zu bewerkstelligen, und so lange es noch nicht vollzogen ist, will eine jede Nation, ein jedes Land, die Gewerbe, die sie einmal treiben, und auf deren Blüthe ihr Wohlstand beruht, auch möglichst kräftig
J, Programme
Saumbach.
Auswanderung und Colonisation.
Es hat lange gedauert, ehe das natürlichste Recht eines Menschen: das, sich nach Belieben fortzubewegcn, die gesetzliche Anerkennung gefunden hat. Erst mußten die Schranken fallen, mit denen jedes Kirchspiel sich und seine Jn- tereffen gegen die der ganzen übrigen Welt abschloß, mußten die exclusiven Arbeitsordnungen, durch welche die zünftigen Handwerker vor unbequemer Eon- currenz geschützt waren, dem Geiste der neuen Wirtschaftsform erliegen, mußten die starren Grenzen der oft winzigen Partikularstaaten im neugegrün- beten Nationalgefüge loser werden, und mußte das moderne VerkthrUeben seinen ausgleichenden und verbindenden Einfluß auch auf Rechts- und Sicher« heitswesen üben, ehe die „Freizügigkeit" möglich wurde. Den Impuls für alle diese Bewegungen und Ereigniffe — und damit eigentlich auch für die großdeutsche Nationalberregung und ihre Erfolge — gab und giebt noch heute der extensive Charakter, die erdumspannende Tendenz der neuen Form unserer Arbeit und des auf sie gegründeten Handels gegen den intensiven Charakter der HandwerkSarbett und der engen lokalen Märkte nun vergangener Zeiten. — Von der Naturalwirthschaft zur Lokalwtrthschaft, von dieser zur National- wirthschaft und endlich zur Weltwirthschaft, das ist der natürliche Gang unserer Entwickelung, dem sich nothwendig auch die politischen Gestaltungen im Einzelnen und Ganzen anpaffen müffen. — Wir leben heute im Zeitalter der Nationalwirthschaft — aber mit der ausgesprochenen Tendenz, je eher je lieber zum Universalbetriebe überzugehen, gegen den die Abschließungs-Bestre« bungen, die jetzt an der Tagesordnung sind, nur als conservatioe Reactionen ad hoc, zur Erzielung momentaner Effecte für beschränkte Jnteriffen-Gruppen, betrachtet werden würden.
Und wem anders verdanken wir die Höhe unserer Cultur, den erhabe« neren Durchschnitt der Lebenshaltung der Völker gegen ehedem, die größere Fähigkeit, zahlreichere Volksmengen zu erhalten, zu ernähren und zu civilisiren, als eben dieser Arbeitsteilung der Länder und Völker unter einander, der Erweiterung deS Productionsgebietes über die Erde, der Hereinziehung barbarischer transmariver Länderfernen in die civilisirte Consumiion ! — Kein Zweifel,
Bekamntmachung.
Die diesjährigen Herbst-Control-Versammlungen werden im Kreise Gießen, wie folgt, abgehalten werden:
1. Im Bezirke der I. Compagnie (Gießen).
1. Zu Gießen am 30. Oktober 1880, Vormittags, im Oswald'schen Garten
und zwar um 8 Uhr für sämmtliche Reservisten der Infanterie, sowie sämmtliche zur Disposition der Truppentheile und der Ersatz-Behörden entlaffenen Mannschaften aller Waffen, um 9 Uhr für sämmtliche Reservisten der übrigen Waffen und die am Schluffe näher bezeichneten Wehrleute.
die Orte:
Annerod, Burkhardsfelden, Gießen mit Schiffenberg, Heuchelheim, Klein-Linden, Oppenrod.
2. Zu Lollar am 1. November 1880, Nachmittags 12 V4 Uhr, neben dem neuen Bahnhofsgebäude.
die Orte:
Mendorf a. d. Lumda, Alten-Buseck, Bersrod, Beuern, Climbach, Daubringen mit Heibertshausen, Großen-Buseck, Lollar, Mainzlar, Rödgen Ruttershausen mit Kirchberg, Staufenberg mit Friedelhausen, Treis a. d. Lumda, Trohe, Wieseck.
3. Zu Grünberg am 2. November 1880, Vormittags 8*/2 Uhr, am Bahnhofe.
die Orte:
Allertshausen, Beltershain, Geilshausen, Göbelnrod, Grünberg, Hattenrod, Harbach, Keffelbach, Lauter, Lindenftruth, Londorf, Lumda, Odenhausen mit Appenborn, Queckborn, Reinhardshain, Reiskirchen, Rüddingshausen, Saasen mit Bollnbach, Veitsberg und Wirrberg, Stangenrod, Stockhausen, Weickartshain, Weitershain mit dem Hamer £of, Winnerod.
II. Im Bezirke der II. Compagnie (Lich).
1. Zu Hungen am 9. November 1880, Nachmittags 12*/4 Uhr, am Friedhose.
die Orte:
Bellersheim, Bettenhausen, Hungen, Inheiden, Langd, Langsdorf, Muschenheim, Nonnenroth, Obbornhofen, Rabertshausen mit Ringelshausen, Rodheim mit Hof Graß, Röthges, Steinheim, TraiS-Horloff, Utphe, Villingen.
2. Zu Lich am 10. November 1880, VormitKgs 9 Uhr, am Bahnhose. -
die Orie:
Albach, Mendorf a. d. Lahn, Birklar, Dorf-Gill, Eberstadt mit Arnsburg, Ettingshausen, Garbenteich, Großen-Linden, Grüningen, Hausen, Holzheim, Lang-Göns, Leihgestern, Lich mit Albacher Hof, Kolnhausen und Mühlsachsen, Münster, Hof-Gill, Nieder-Bessingen, Ober-Bessin-
gen, Ober-Hörgern, Steinbach, Watzenborn mit Steinberg.
Es haben aus diesen Orten zur bestimmten Stunde sämmtliche im betreffenden Bezirke wohnenden beurlaubten Militärs aller Waffen des Deutschen Re chs zu erscheinen, welche zur Reserve gehören, zur Disposition der Truppentheile beurlaubt oder zur Disposition der Ersatz-Behörden entlassen sind, sowie diejenigen der Landwehr angehörigen Mannschaften, welchen cine besondere Ordre zur Gestellung bei der Herbst Control Versammlung vom Bezirksfeldwebel zngegangen ist.
Alle übrigen Mannschaften der Landwehr erscheinen nicht und haben sich von jetzt ab bei den Frühjahrs-Control- Bersammlungcn zu gestellen. Die Ersatz-Reservisten haben ebenfalls nicht zu erscheinen.
Dispensalionen können nur in ganz dringenden Fällen eintreten und müffen darauf bezügliche Gesuche spätestens 8 Tage vor den betreffenden Control-Versammlungen auf dem Dienstwege eingereicht werden.
Die ohne Entschuldigung fehlenden Mannschaften haben sich der gesetzlichen Strafe zu gewärtigen.
Es wird noch bemerkt, daß die Leute mit dem Militär-Paß und Führungs-Attest versehen, in bürgerlicher Kleidung zu erscheinen haben und vor dem Beginn der Control-Versammlung Schirme, Stöcke, Pfeifen rc. fortzulegen sind. Franck,
_________________________________________ Oberstlieutenant z. D- und Bezirks«Commandeur.
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