von Spindeln die heimische Baumwolle. Aber der außerordentliche Vorr uh der mannigfaltigsten natürlichen Hülssmittel, welche das europagroße Lano der Vereinigten Staaten bietet, machte es den Bürgern desselben nicht nur leicht, sich nach und nach der Abhängigkeit von Europa in Beschaffung ihrer materiellen Bedürfniffe zum größten Theile zu entledigen, sondern er mußte die Production auch in einer Weise steigern, daß die Amerikaner gar bald in wirksamste Concurrenz mit den ackerbautreibenden, metallerzeugenden und selbst mit den industriellen Ländern Europas treten konnten. Längst beherrscht die amerikanische Baumwolle den Weltmarkt; verschwindend klein ist die Kaffee- Production aller übrigen Länder gegen die des tropischen Amerika; kein Land der Erde kann gegen die Oelproductton der Vereinigten Staaten aufkommen, und der Ausfall der amerikanischen Zucker- und Tabaksernten ist ausschlag- gebend für die Preise dieser Producte auf den Weltmärkten. Aber auch in der großartigen Getreideproduction zeigt sich ganz deutlich, daß nicht die metallischen Schätze eines Landes deflen Bewohner groß und reich machen, sondern daß die Ertragsfähigkett seines Bodens die sicherste Grundlage ihres Wohlstandes ist. Schon hat der amerikanische Getreide Export so große Dimensionen angenommen und so viele Absatzgebiete in Europa sich erobert, daß die beiden wichtigsten Getreide ausführenden Länder Europas, Rußland und Ungarn, bereits die ernstesten Besorgniffe um die Zukunft ihres Getreide- Exportes hegen muffen. Die Russen haben das Unglaubliche als unumstößliche Thatsache anerkennen müssen, daß amerikanische Schiffe sogar an der Küste des Schwarzen Meeres Getreide und Mehl für Tiflis auszeladen haben, natürlich zu billigeren Preisen, als die Russen von dem nahen Hafen von Odessa aus liefern können. Rußland sah sich also nicht allein in der Getre de- ausfuhr nach England und andern Westländern Europas, die es Jahrzehnte lang als alleiniges Monopol anzusehen gewöhnt gewesen war, überflügelt, sondern selbst zu den Gestaden seines eigenen Landes hatte der amerikanische Concurrent den Weg gesunden. Hauptsächlich der amerikanischen Concurrenz ist es zuzuschreiben, daß Rußland im Januar und Februar dieses Jahres 37 pCt. Getreide weniger aussührte, als in der gleichen Zett 1879. Der von der russischen Regierung nach Amerika gesandte Agent brachte seinen Landsleuten die wenig tröstliche Mtttheilung: Gegen die amerikanische Concurrenz sei nicht aufzukommen, weil der Amerikaner zu viele Eifer,bahnen habe, mit außerordentlicher Beschleunigung das Getreide verlade (durch Elevatoren oder g oße Holzcanäle) und weil überhaupt die russischen Landleute zu träge seien und ihre Felder nicht rationell bewirthschafteten. Auch die ungarische Regierung entsendete einen Fachmann nach den Getretdehäfen Nordamerikas, um sich über die Fortschritte der Nordamerikaner im Exportwesen und über ihren rationellen Getreidebau zu informiren; denn bereits ist auch das ungarische Gerreide am englischen Markte durch amerikanische Concurrenz hart bedroht.
Wir Deutschen haben keineswegs Ursache, mit verschränkten Armen den Fortschritten des amerikanischen Handels zuzusehen; denn auf mehr als einem Gebiete begegnet sich der deutsche Handel mit dem amerikanischen. Bereits haben amerikanische Agenten sich an den Hafenplätzen des Mittelmeeres gezeigt, um Abschlüsse für amerikanische Kohle herbeizuführen; regen sich die Kohlenproducenten Westdeutschlands nicht bald, so werden sich ohne Zweifel die Amerikaner auch mit dieser Branche an beu europäischen Gestaden etnntsten. Ferner dürfte es noch nicht so allgemein bekannt sein, daß unter den Handelszweigen, welche in jüngster Zett in den Vereinigten Staaten zu besonderer Bedeutung gelangt sind, der Austern-Export einen hervorragenden Rang-ein- nimmt; sind doch von 1875—79 nach Europa 264,330 Faß Austern im Werthe von 1,321,183 Dollars ausgeführt worden. Wir könnten noch eine Reihe Handelsartikel untergeordneter Art nennen, in denen Amerika unserm deutschen Handel immer größere Concurrenz zu machen beginnt; aber die angeführten Thatsachen mahnen laut und deutlich genug, daß der deutsche Pro- ducent und Kaufmann unablässig bemüht sein muß, durch Lieferung guter Waaren, Verbesserung der Transportmittel, ausgiebigste Ausnutzung aller gegebenen natürlichen Hülssquellen alte Absatzgebiete zu behaupten und neue zu gewinnen. Cz.
Telegraphische Depeschen.
Wagner's telegr. Correspondenz-Bureau.
Stuttgart, 26. August. Das qestern Abend zu Ehren des deutschen Kronprinzen von dem commandirenden General v. Schachtmeyer veranstaltete Diner verlief glänzend; große Volksmassen umstanden das Gebäude des Corps- Commandos, den Kronprinzen mit Zurufen begrüßend. Um 9V2 Uhr verließ der Kronprmz das Fest und begab sich heute früh nach Ludwigsburg zur
Truppenbesichtigung. Von da erfolgt heute Nachmittag die Abreise nach Würzburg.
— Nach Beendigung der Truppenbestchtigung in Ludwigsburg traf der deutsche Kronprinz wieder auf dem hiesigen Bahnhofe ein und reiste von da zum Besuche des Fürsten von Rumänien nach Krauchenwies bet Sigmaringen, wo das Nachtlager genommen wird. Morgen früh begibt sich der Kronprinz dann über Ulm nach Würzburg.
— Seitens der Regierung ist, wie die „Württemb. Laidesztg." meldet, ein neues Anlehen der Stadt Stuttgart zu 3V2 Mill. zu Wasserleitunas- Zwecken genehmigt.
Berlin, 26. August. Der Fürst und die Fürstin von Rumänien treffen am 28. August zum Besuche des königlichen Hofes ein und steigen im Stadtscklosse zu Potsdam ab.
Kifftngen, 26. Aug. Fürst Bismarck mit Gemahlin und dem Grafen Herbert Bismarck ist heute 12 Uhr 50 Min. von hier abgereist. Am Bahnhofe waren Badecommissar Baron du Prel, Hofrath Dtruf und ein zahlreiches Publikum anwesend, welches dem Fürsten bei der Abfahrt ein dreifaches Hoch ausbrachte.
Bern, 26. Aug. Der im Bieler See versunkene Dampfer „Neptun" »purde letzte Nacht gehoben. Heute Mittag findet die Beerdigung der 13 Er- trunkenen statt.
Konstantinopel, 26. August. Die Ueberreichung der Collectioant- wort der Mächte auf die türkische Erwiderungsnote bezüglich der griechischen Angelegeicheit soll gutem Vernehmen nach heute erfolgen.
Rom, 26. August. Die Unterhandlungen der Mächte betreffs der Flottendemonstration werden noch fortgesetzt; als eventueller V-rsammlungsorc der Kriegsschiffe wird Ragusa oder Palermo, als Commandeur der englische Admiral Seymour genannt-
London, 26 August. Die „Tnnes" erblickt in der Collectivantwort der Mächte auf die türkische Note in der griechischen Frage die thatsächliche Widerlegung der oft ausgestellten Behauptung, das europäisch; Concert sei aufgelöst oder in der Auflösung begriffen. Bei dec Ablehnung des Gesuchs der Pforte um Wiedereröffnung der griechischen Frage seien die Mächte nicht von Feindseligkeiten gegen die Türkei beseelt gewesen, sondern die Mächte seien verpflichtet gewesen, der der türkischen Regierung in zwei Eollectivnoten dringlich angerathenen Politik Nachdruck zu geben Es sei im Jntereffe Oesterreichs und Deutschlands wie Englands und Frankreichs, den in der europäischen Türkei und den Nachbarstaaten durch den Berliner Vertrag hergestellten Modus vivendi aufrechtzuerhalten. Einer verfrühten und gefährlichen Eröffnung der bulgarischen Frage könnte durch die endgültige Lösung der griechischen Frage am wirksamsten vorgebeugt werden. „Times" hofft, die neue Collectivnote werde die Pforte von der Zweckmäßigkeit der Annahme der Entscheidung der Conserenz überzeugen.
Bukarest, 26. August. Die Meldung verschiedener Berliner Blätter über einen größeren Zusammenstoß zwischen bulgarischen Briganten und rumänischem Militär bei Arabtabia ist gänzlich unbegründet. Der von einer In- spectionsrelse in der Dobrudscha zurückgekehrte Kriegsmintster Slaniceano con- statirt, daß daselbst vollständige Ruhe herrsche. Die Organisation de-- Dobrudscha macht rasche Fortschritte. Die Bevölkerung einschließlich der Türken und Bulgaren, welche Personen und Eigenthum gesichert steht, fühlt sich unter Rumänien sehr zufrieden.
Rom, 26. August, Abends. Der Schwurgerichtshof verurtheilte Cardta- liano, welcher am 25. Juni einen Stein in den Sitzungssaal der Deputirten- kammer herabgeworfen hat, wegen versuchter Körperverletzung zu fünfjährigem Gefängniß und wegen Verbrechens gegen die Institution der Kammer au 6 Monaten Gefängniß uno 2000 Lire Strafe.
Loudon, 27. August. Das Oberhaus beendigte die Specialberalhung der Bill, betr. die Haftpflicht der Arbeitgeber und nahm dieselbe mit zwei von der Regierung bekämpften Amendements an. — Die Postanwetsungsbill wurde in dritter Lesung genehmigt.
Berlin, 27. August. Fürst Bismarck ist heute Nicht UM 123/, uKt hier eingetroffen. /4 v
Vermischtes.
Mainz, 24. August. Taucherarbeitcn. Heute Morgen wurde die Maschine welche zum Herausheben der Pfeiler der Brücke Karls des Großen dienen soll, an Die Kastel er Seite gefahren, um alsbald tn Verwendung zu kommen. Die Röhren, in welchen die Taucher arbeiten sollen, werden bereits in den Rbein versenkt. Die Röhren ftno des starken Stromes wegen nothweudtg, da im anderen Falle die Taucher von der Strömung erfaßt und fort geschleudert würden, ohne ihre Arbeiten vollenden zu können. Bei Den ersten Versuchen konnte sich der Taucher auf dem Boden des Rheins kaum auf den Füßen halten, so stark war die Strömung. Für die Entfernung der eichenen Holzpfeilcr, welche mittelst starker Winden auS dem Boden des Rheins gehoben werden, sollen drei Taucher in Verwendung kommen von L,e=\tnVtoel Winzer, weiche das Tauchen in der Lache bei Kastel gelernt haben. - Man hofft die Arbeiten in 4 Monaten zu vollenden. — Eine Kirchen Diebin wurde beute früh fest genommen, als sie ,m Begriffe war, ein Altartuch in der Emmcranskrrche zu entwenden.
, , H 0^'ff Q' .M'' 241 August. Die Anzahl der erfrorenen Obstbäume in unserem Amts-
bezirk bat sich nach der nunmehr erfolgten Zählung als bedeutend größer herausaestellt als anfänglich angenommen wurde. Es sino nicht weniger als 23,300 Aepfelbäume und 10 000 Zwctschenbäume zu Grunde gegangen
Belgien. Der Correspondent des „Berl. Tgbl." F. Mauthner gibt von dem aronen geftäng in am 18. d. M. folgende Beschreibung: Die Bevölkerung Brüffels scheint
sich verdreifacht zu haben. Lebendige Menschenmauern umrahmen die ganze Strecke welcke die Cavaleade nunmehr seit bereits fünf Stunden langsam durchschreitet. In furchtbarer Sonnengluth steht das Volk seit Vormittag auf seinen Plätzen und den improvisirten Tribünen. Es ist ein verwirrend schöner Anblick, den man von einer erhöhten Stelle am Boulevard auf den gesammten, von Gold und Farben schimmernden Zug genießt. Schön war Alles an diesem Festzuge; wenn ich Folgendes besonders hirvorhebe, mögen mir andere werthvolle Bilder vor momentaner Ermüdung entgangen sein. Den Beginn machten sechszig Gewappnete aus dem 13. bis 16. Jahrhundert, in jeder Drahtmasche so echt, um einen Antiquar zu täuschen. Sied» zehn Amazonen in wallenden Gewändern stellen ausgezeichnet durch Schönheit, Reichthum und Freundlichkeit Die belgischen Provinzen dar; in leibhaftiger Gestalt reitet Philipp der Gute an der Spitze einer unerhört prächtigen Gruppe von Rittern des goldenen Vließes In Scharlach
Ein Meisterwerk der Gruppe, Maria Theresia, war die Huldigung für Den Bräutigam ber Prinzessin Stephanie, die Musik der österreichischen Weißröcke aus dem siebenjährigen Kriege dann die Kaiserin in Gold und Purpur, schön, ober äußerst unähnlich dargestellr, unter würdigen', Baldachin Die Gruppe Leopolds des Ersten bringt außer dem Wagen, auf welchem Der erste K°nig von Belgien von den Genien der Freiheit befrist wird, ein schmuckes Bild der patriotischen Revolutionäre von 1830 Ungeheuren Jubel erregte der Wagen Der Landwirtb
Erntewagen mit Skulpturen, die wirklich der Erhaltung würdig'sind, gezogen von -4 Ochsen, ein imposanter Anblick war der Wagen der Brauer, ferner der Wagen der Industrie dersen'ge Der Lütticher Waffenfabriken, ein kriegerisches Moment im friedlichen Feste sodann der Wagen des Handels und besonders der der Schifffahrt, ein Meisterstück von 'Anmuth etr cS/i?' b(ffcn Mastkorb ein Matrosenknabe berabgrüßte; durch ungeheure Größe zeichnete \ ’ro</eT, QflCn bet Eisenbahnen aus. Wahre Perlen waren die letzten Wagen. Der Wagen Rubens', tn üppiger und verschwenderischer Pracht von Antwerpen gestiftet, der Wagen der
Darmstadt, 25. August. In Betreff der zum 1. April 1881 neu zu formtrenden Infanterie-Regimenter ist weiter Folgendes angeordnet worden. Jedes Infanterie-Regiment der Armeecorps 1 bis 14 — soweit dieselben unter preußischer Verwaltung stehen — gibt zum 8. April 1881 eine complete Compagnie ab mit sämmtlichen Unterofficteren, Lazarethgehtlfen, aber ohne Officiere. Diese Compagnien werden höheren Orts durch das Loos bestimmt und bis zum 11. April den Regimentern namhaft gemacht. Ein Umtausch von Unter- offict ren, Mannschaften darf in der Zeit vom 8. bts 11. April unter keinen Umständen stattfinden. Die Regimentscommandeure find hierfür verantwortlich. Jedoch können die Generalcommandos tn einzelnen, besonders mottvirten Fällen gestatten, daß verheirathete Unterosficiere, Etnjährtgsretwtllige auch nach genanntem Termin noch zu anderen Compagnien übertreten. Die Vertheilung der Officiere, Sanitätsosficiere und Beamten auf die neuen Regimenter wild allerhöchsten Orts speciell befohlen werden. Die nach diesem Modus für ein neues Regiment vorgesehenen 12 Compagnien erhalten seitens des Regiments- commandeurs ihre Nummern zugewiesen, der auch die Bataillone eintheilt, ebenso die Officiere ausschließlich Stabsoffictere, welche das Generalcommando designiren wird. Sämmtliche zu den neuen Regimentern abgegebenen Mannschaften treten ohne Waffen und Gepäck über, nur den Unterofficteren verbleiben die Seitttigewehre für den Marsch zur neuen Garnison. Aus den verbleiben- l r*>a9n<clLber attcn Regimenter wird per Regiment.eine Compagnie durch Abgabe von Mannschaften und Unterofficteren gebildet, welche an Stelle o 0cT6Xnef,‘ ma8 Ebenfalls neu aufzustellende Fürsilierbatatllon des h’ ^l-'Reats. Nr. 116 wird durch Abgabe von je 4 Compagnien der Großh. Heff. (25.) Division sormirt. Die mit ihrer Compagnie au den neuen Regimentern übertretenden Dispositionsurlaubcr müffen bis xum 8 Avril 1881 ebenfalls eingezogen sein.


