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Nv. 200» Samstag den 28. August 1880.
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Allsrige- md A«Mltt st bte ßrm Gießen.
«evaetton-bureau r Erpeditionsdureau r
} Schulstraße B. 18.
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montag-.
Peel- vierteljährlich 3 Mark 20 Pf. mit Bringerkoh» Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50
Amtlicher Hheil. Peovinzialtagssitzung vom 14. Juli 1880.
In der siebenten Sitzung des Provinztaltages der Provinz Oberheffen, tu welcher außer dem Vorsitzenden 22 Abgeordnete und 2 Provinzialausschuß- mirglteder anwesend waren, wurden folgende Beschlüsse gefaßt:
1) Die Provlnztalkaflerechnung für 1879 wurde geprüft, Beanstandungen nicht erhoben und die erforderlichen Credtterweiterungen erthetlt.
2) Der erstattete Verwaltungsbericht für 1879 gab zu Bemerkungen keinen Anlaß.
3) Bezüglich der Errichtung eines Provinztal'Siechenbauses wurde nach erstattetem Vortrage des Vorsitzenden, der Gutachten der Sachverständigen sowie nach eingehender längerer Debatte der Antrag:
„vor definitiver Beschlußfassung über die Errichtung eines Pro- vinzial-Siechenhauses die Wünsche und Ansichten der Kreistage der Provinz einzuholen",
mit 12 gegen 10 Stimmen angenommen.
4) Der Voranschlag der Provtnztalkaffe für 1881 wurde nach den Vorschlägen des Provinzialausschuffes unbeanstandet festgestellt.
5) Das Statut, betreffend die Verlegung des Rechnungsjahres für den Provinzialhaushalt auf die Zeit von 1. April bis 31. März, sowie
6) dasjenige über die Verlegung der jährlichen regelmäßigen Zusammenkunft des Provinzialtages in den Monat October oder November wurde genehmigt.
7) Ein Gesuch um Kostenerlaß wurde nicht genehmigt, dagegen dem Schuldner eine dreijährige Zahlungsfrist bewilligt.
Gießen, wie oben.
Voranschlag über Einnahme undIAusgabeMerWrovinsial- Kaffe -er Pronin; Oberheffen für 1881.jfe
Rubrik Einnahme. _ JL
1. Kaffevorrath aus vorhergehenden Jahren...... 270 87
2. Ausstände „ „ „ ......113 80
3. Beiträge der Greife............. 3000 —
4. Kapttalzinsen............... 200 —
5. Prozeßkosten...............700 —
4284 67
Ausgabe.
14. Besoldungen...............1100 —
15. Diäten und Gebühren . ........... 1500 —
16. Botenlohn und Verkündigungskoken ....... 200 —
17. Für Bureaugegenstände und Geräthschaften..... 500 —
25. Reservefond für unvorhergesehene Fälle......213 80
26. Betriebskapital.............. 770 87
4284 67
Abschluß. §
Gesammtsumme der Einnahme . . 4284 67
„ „ Ausgabe . . 4284 67
Vergleicht sich — —
Der Vorsitzende des Vrovinzialtages der Provinz Oberheffen. Dr. Boekmann.
Bekanntmachung.
Wir sehen uns veranlaßt, wiederholt darauf aufmerksam zu machen, daß nach § 3 des Localreglements vom 10. November 1879, die Reinhaltung rc. der Straßen in der Provinzialhauptstavt Gießen betreffend, bei warmer trockener Witterung die Straßen und Plätze vor dem Kehren zur Vermeidung des Staubes genügend mit Wasser begossen werden müssen. Zuwiderhandlungen gegen diese Vorschrift unterliegen nach § 366, pos. 10 des Reichsstrafgesetzes einer Geldstrafe bis ;u 60 M. oder einer Haftstrafe bis zu 14 Tagen.
Die Schutzmannschaft ist angewiesen, Uebertretungen der fraglichen Bestimmung unnachsichtlich zur Anzeige zu bringen.
Gießen, den 26. August 1880. Großherzogliche Polizeiverwaltung Gießen.
F r e s e n i u s._____________________________________
Amerikanische Concurrenz aller Enden.
Wunder auf Wunder sind uns seit der ersten deutschen Beschreibung Amerikas durch den deutschen Waldmüller, auf dessen Veranlassung man die von Columbus entdeckte neue Welt des Westens nach jenem unbedeutenden Conquistadoren Amertgo benannte, von Amerika berichtet worden, und Tau- sende, ja Millionen wandten der alten Culturstätte Europa den Rücken, um drüben die Schätze eines menschenleeren Landes, das überreich an glänzenden Metallen und köstlichen Producten eines jungfräulichen Bodens geschildert wurde, zu heben und „reichbeladen zu den heimischen Gestaden zurückzukehren." Und die Wunder, welche erzählt wurden, erwiesen sich keineswegs immer nur als die Ausgeburten einer erhitzten Phantasie oder als blauer Dunst großsprecherischer, schwindelhafter Agenten. Mehr als ein Goldonkel wusch und grub sich aus amerikanischem Boden ein hübsches Vermögen heraus, das ausreichte, in den einfachen Verhältnissen seires Vaterlandes ein behäbiges, ja luxuriöses Leben zu führen und dadurch einerseits den Neid, andererseits aber das Verlangen zu erwecken, auf gleiche Weise in den Besitz der aüesvermögen- den Goldfüchse zu gelangen. Vor allen Dingen lockte die Aussicht auf die schrankenlose, goldene Freiheit und besonders auf den leichten, mühelosen Gewinn Tausende aus der Hetmath fort, um in der verheißungsvollen Ferne des Westens das Glück zu finden, was sie zu Hause so beharrlich floh. Aber wie Viele, die ihren Fuß mit zu hohen Erwartungen an den Strand Amerikas setzten, haben hier den Glückstraum weiter träumen müssen, ohne daß er sich je verwirklicht hätte; denn sie hatten sich das Wunderland Amerika ganz anders vorgestellt, hatten namentlich nicht bedacht, daß auch hier wie überall die beste Grundlage materiellen Wohlbefindens die Arbeit sei. Wenn irgendwo, so muß der Auswanderer, der in dem Welthafen New-Iorks das Auswande- verschiff verläßt und in den Vereinigten Staaten Nordamerikas sein Glück machen will, ein Paar kräftige Arme, unverdroffene Arbeitslust, einen Hellen, anstelligen Kops und starken Mannesmuth besitzen. Zwar ist Amerika heute noch ein Land, reich an Producten aller Art; aber Niemand sollte vergessen, daß auch nirgends der Kampf um>s Dasein mit so rücksichts- und schrankenloser Energie geführt wird, als hier, daß mit einem Worte Amerika, vor allen Dingen die Vereinigten Staaten der nordamerikanischen Union, ein Land der intensivsten Arbeit ist. Nirgends aber hat sich auch der Segen angestrengter Arbeit in den fabelhaften Erfolgen aller Art so deutlich gezeigt, wie hier. Unter ihrer strammen Zucht entfalteten sich die Kräfte einer noch im Werden
begriffenen Nation in dem Maße, daß sie geradezu Wunderbares, Staunen- erregendes vollbrachten. Zwar blickte das monarchische Europa am Anfänge unseres Jahrhunderts mit souveränem Lächeln auf den jungen Freistaat jenseits des Oceans hin, in welchem Männer, welche die Nadel geführt und den Hammer geschwungen hatten, im Handumdrehen zu Feldherren und Staatsmännern wurden. Und doch kam bereits manche recht praktische Erfindung aus dem jungen Staate, in welchem sich alle Hände freudig regten, herüber; noch ehe als Stephenson und Andere in England führte der Amerikaner Oliver Evans im Winter 1803 — 1804 seinen Mitbürgern in Philadelphia eine sich selbst bewegende Dampfmaschine, eine Locomoiive, vor und sah mit richtigem Blicke die zukünftige Bedeutung dieses Verkehrs-Motors im Voraus. Eine Reihe von Entdeckungen der wichtigsten Art keimten empor mitten in dem Ringen des Einzelnen nach auskömmlicher Existenz und des Staates nach Ver- schmelzung der in ihm zusammenströmenden Elemente, von denen es schien, als ob sie wegen ihrer denkbar größten Verschiedenheit in Nationalität und Religion, Gesittung und Sprache nie zu einem festen Ganzen sich zusammenfügen würden. Die Amerikaner haben schon längst ihren nächsten Vettern, den Engländern, den Ruhm streitig gemacht, das praktischste Volk der Welt zu sein, und wenn hier der Name Edisons, des Erfinders des Telephons, der electri- schen Lampe u. s. w. genannt wird, so wird dies genügen, um die Berechtigung der Amerikaner anzuerkennen, sich ebenbürtig mit der europäischen Cultur zu fühlen. Zwar werden Viele als Gegenbeweis auf amerikanischen Humbug, auf philosophischen Doctorschwindel u. s. w. Hinweisen; aber man sollte bedenken, daß da, wo viel Lickt ist, auch der Schatten um so marktrter hervortreten muß. Die gesunde Kraft, die in dem bewegtes Volksleben der Vereinigten Staaten pulstrt, hat mehr als eine schwere Krise überwunden, bet deren Eintreten der deutsche Philister dem nordamerikanischen Freiheitsstaate den gewissen Untergang prophezeiete, z. B. bei dem großen Kriege des Nordens gegen den Süden, bei der coloffalen Corruptton unter ®rant. Qhne stehende Heere focht man den Riesenkampf aus und in wenigen Jahren tilgte man zum Erstaunen der Welt die Riesenschuld. Zum Schrecken der europäischen Geschäftswelt nahmen nach Ueberwindung jener politischen Krise Handel und Industrie in den Vereinigten Staaten einen derartigen Aufschwung, daß sich in kurzer Zeit der Amerikaner in vielen Branchen vollständig auf eigene Füße stellen konnten. Er baute sich jetzt selbst mancherlei Maschinen und in zahl- reichen Spinnereien Massachussets und anderer Fabrikdlstricte spinnen Tausende


