Ausgabe 
25.12.1880 Erstes Blatt
 
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-rr. 302» Erstes Blatt. Samstag den 25. December L88O.

Gießener Htnzeiger

Anzcigk- nuii AmKM für ta Kreis Gieße«.

SSX?«; } Schulstraste B. 18. Erscheint täglich mit Ausnahme des MonlagS. Durch d^st^gen vierteljährlich 2 Ma^Ps?

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Gießen, am 22. December 1880.

Betreffend: Das Viehversicherungswesen.

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Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die GroHherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises.

Zufolge Anordnung Großherzoglichen Ministeriums des Innern und der Justiz beauftragen wir Sie binnen 14 Tagen zu berichten, ob Ortsviehver- sicherungskaflen (Rindvieh- oder Pferdekasien) in Ihren Gemeinden bestehen, wie hoch sich das Versicherungskapital derselben beläuft, in welchem Procentsatze zu demselben die in den letzten Jahrgängen erhobenen jährlichen Prämien stehen, und ob bet Entschädtgungsleistung die ganze Versicherungssumme ein Thetl derselben zur Auszahlung kommt.

Wenn keine solche Verficherungskasie vorhanden ist, so ist dies anzuzeigen.

Dr. Boekmann.

digen suchen.

Die Berliner Universität zählt in diesem Winter über 4000 Stu­denten , die höchste Zahl, zu der es eine deutsche Universität bisher gebracht hat. Leider hat die Universität in diesem Jahre unter ihren Professoren zahl- reiche schmerzliche Verluste gehabt, für die bisber noch kein Ersitz gefunden ist. - Für die durch den Tod von Nttsch erledigte Profesiur der Geschichte ist von ter Fakultät Weizsäcker in Tübingen vorgeschlagen, außerdem nicht aber blos die vorgeschobenen zwei anderen Candidaken, sondern eine ganze Reihe von Historikern. Daß der Nestor der deutschen Historiker, Leopold v. Ranke, der am 21. December seinen 85. Geburtstag gefeiert hat, jetzt eine aus 7 Bände berechnete Weltgeschichte herausgibt, ist gewiß eine einzig dastehende Leistung. Die Regierung sucht, wie man wisicn will, für den durch den Tod v. Bruns erledigten Lehrstuhl des römischen Rechts, Bernhard Windscheid tn Leipzig, zu gewinnen, und man darf wohl um so mehr hoffen, daß der berühmte Gelehrte den Ruf nach der Reichshauptstadt annimmt, da er als Mitglied der Com­mission, welche das deutsche Gesetzbuch ausarbettet, ohnehin genöthigt ist, sich jährlich eine längere Zeit tn Berlin aufzuhalten. Theodor Mommsen find am 30. November, seinem 63. Geburtstage, 160,000^. überreicht, die von seinen Verehrern gezeichnet sind, als Dotation, damit er frei von Sorgen seine Zett der Wiffenschaft widmen könne.

Köln, 22. Decbr. Die Jmmedtat-Eingabe der Helden der würdigen Zurückhaltung an Se. Majestät den Kaiser hat die erwartete Antwort unterm 19. December gefunden. Dieselbe lautet nach derKöln. Volksztg. :

Berlin, 19. December 1880. Se. Majestät der Kaiser und König haben die von Ew. Wohlgeboren tn Gemeinschaft mit einer großen Anzahl rhetni- scher Katholiken an Allerhöchstdieselben aus Anlaß der Feier der Vollendung des Kölner Domes gerichtete Jmmedtat-Vorstellung dem königlichen Staats- Ministerium zur Prüfung m t> zu Ihrer Bescheidung zufertigen zu lassen geruht. Indem ich Ew. Wohlgeboren Namens des königlichen StaatsmtntstertumS hiervon benachrichtige, bemerke ich ergebenst, daß die königliche Staatsregtermig eS nicht für angezetgt erachtet, jene Feier zum Anknüpfungspunkt für ^Er­örterung kirchen.politischer Anträge und Gesichtspunkte zu machen. Ew. Wohl- geboren stelle ich ergebenst anheim, die Mitunterzeichner der Jmmediat-Vor- stellung von diesem Bescheide in Kenntniß zu setzen.

Der Vtce-Präsident des königlichen Staatsmintstertums. Otto, Graf zu Stolberg.

An den Advocaten Herrn G- Schenk, Wohlgeboren, Köln a. Rh-

Da zwischen der Eingabe und der Beantwortung derselben zwei volle Monate liegen, so können die Bittsteller gewiß nicht darüber klagen, daß ihr Gesuch nicht nach allen Setten hin auf's Eingehendste geprüft worden sei.

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Bekanntmachung.

Am 22. d. M- ertrank tn Marburg der 12jährige Sohn des Reallehrers Dute tn der Lahn. Der Knabe war groß und kräftig und mit Jaquet,

.n u das tziüsnsaih kurzen Kniehosen und Stiefeln bekleidet. ,

,lk----- Im Ländungsfalle ist sogleich Anzeige zu erstatten und ist für das Länden eine Belohnung von 15 bestimmt worden.

Gießen, am 24. December 1880. Großherzogliches Kretsamt Gießen.

Dr. Boekmann. __

- Dörlny. Vorstand.

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Berlin, 22. December. DieProv.-Corresp." hebt hervor, daß unter den noch zu erledigenden Landtagsarbeiten die Frage des Steuererlaffes tn Zusammenhang mit der Frage der Verwendung der Retchssteuern die Haupt- stelle etnnehme. Bekanntlich habe die Fortschrittspartei einen dauernden Steuer­erlaß beantragt; man sei jedoch seitdem hinlänglich darüber belehrt worden, niorftn an daß dem Anträge eine ernste Absicht nicht zu Grunde lag, daß vielmehr die Fortschrittspartei dem Steuererlaß absolut entgegen sei. Inzwischen hätten L.'t bei fitrrti W I- die Conservativen, von dem Wunsche beseelt, die Frage des Steuererlaffes in einer dem wirklichen Wohle und Interesse des Volkes entsprechenden Weise zu lösen, Verhandlungen mit dem Ftnanzmintster angeknüpft, welche möglichen Falls die dauernde Bewilligung wenigstens eines Thciles des Erlöstes herbei­zuführen geeignet erscheinen. Wenn diese Verhandlungen, wie man hoffen dürfe, zu einem Resultate sühnten, würde die Regierung sich darüber demnächst mit den übrigen Parteien, welche sie zu unterstützen geneigt seien, zu verstän-

Telegraphische Depeschen.

Wagner'» telegr. C»rrespondenr-«ureau.

Berlin, 23. Decbr. Der Botschafter Graf Hatzfeldt wurde gestern von dem Kronprinzen empfangen und begab sich Abends nach Wiesbaden, von wo er zu Neujahr hierher zurückzukehren gedenkt. ~ - r

Straßdura, 23. Decbr. Nachdem das OberlandeSgertcht in Colmar vorMrn d^Caffalions-Recurs in dem Landesherr aths-Prozeffe TM s abge- wiesen, erklärt dieElsaß-Lothr. Ztg." heut- gegenüber den französische» ^u^ nalen, welche die Verurthetlung Dstot's als eines französischen Staa^ange- höriaen angegriffen und das Urtheil als ein den Gesetzen widersprechendes dargchellt hatten, daß das durch umfastende Beweisaufnahmen festgestellte Ver­brechen innerhalb des deutschen Reiches verübt worden, und Tiflot : o^ne Rücksicht auf seine Staatsangehörigkeit hier abzuurthetlen war, da die Strafge setze des deutschen Reichs auf alle in den Gebieten baren Handlungen Anwendung finden, auch wenn der Thättt ein Auslä»der ist. Da der Angeklagte, der ungilttg optirt hatte, über seine Staatsangehörtg kett weil er zum Osficier tn der französischen Territortal-Armee ernannt wurde, im 'Zweifel sein konnte, hatte das Gericht ihm mildernde Umstände bewilligt und statt auf 15 Jahre Zuchthaus nur auf 3 Jahre Festungshaft erkannt, das heißt, die Strafe so bemesten, als ob der Thäter ein Ausländerwäre. In der gestrigen Sitzung des Landesausschustes wurde auf, eine Petition, betr. die Wiedereinführung der französischen Sprache tn der Volksschule, von Setten der Regteruna die Erklärung abgegeben, daß die Regierung vom gründ ätzltchen Standpunkte," welchen sie tn dieser Frage bisher eingenommen, nicht ab- gehen , 23. December. Ein Telegramm desGlobe" aus Dublin

meldet: Gestern haben Zollbeamte im Flusse Clare, unweit s^ner Einmün­dung tn den Shannon, das SchiffJuno" mit einer Ladung amerikawscher Waffen mit Beschlag belegt. Eine Abtheilung Truppen besetzte das Schiff. Eine Anzahl jüngst aus Amerika gekommener, im Districte sich aufhaltender MjÄ« p.htunt.r pol.jtil.ch« U-b-rw-chmg. In bem SDifkict herrscht gto^e $)UPM.Mall-Gaz-tt," hält das Gerücht von

der Demission d«s SBicelönig« von Indien, Marquis Ripon, mindestens sur

, , «Ci. erfährt daß die Demtjsion des Vicekönigs von

Indien', Marquis °s Ripon nab^ beoorstche . weil derselbe außer Aand-^e, das Klima zu ertragen. Das Blatt dringt M

scher Seite bii-ben 1 Osficier und 3 M-nn tobt, w Mann muroen verwundet.

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Gießen, 24. December. sSitzung b(ts®teQobTtb8^t7Tb^ ; Mn Seiten ^e^Sta^- wekend: Herr Bürgermeister Bramm, Canstein, Hoch, H omberger,

verordneten die Herren: Batst ©all, ® y b e e fl,

Kauf, Lüdektng, Ad. Noll, Pfannmij lit . Rechtsanwalt Batst das