Ausgabe 
25.9.1880 Zweites Blatt
 
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Dr. Ed. Lucas.

Verfahren, wie wir es anwenden, sehen will, der kann bei einem Besuche hier sich jeben Taa darüber instruiren- Geschieht diese Erneuerung der kranken Rinde-nicht, so greift die Rindenfäule mehr und mehr um sich und der Baum stirbt allmählich ab.

Zugleich mit diesen Belehrungen möchte ich aber alle Obstbaumbesitzer doch recht ernstlich auffordern, die Erde um ihre Bäume herum, d,e Baumscheiben, gut und etwa 180 Mtr. im Durchmesser auszulockern. Diese Lockerung hat außerordentlichen Werth- Das pomologische Institut besitzt ein ganz unbeschützt und frei gelegenes fahriges, 300 Aevfelbäume enthaltendes Baumgut, auf welchem die Erde der Baumscheiben jabr- lich sogar 2mal gelockert wird. Auch werden alle Stämme bis zur Krone hinauf jebnt Herbst mit Kalk und Blut sorgfältig angestrichen. - Auf demselben ist, trotzdem rings­um erfrorene Bäume nichts Seltenes sind, kein einziger Baum erfroren selbst nicht die Reinette von Canada, die doch meistens sonst überallgelitten hat- Die Lockerung des Bodens verhinderte, da in gelockertem Boden Luft, also em schlechter ^rmeleiter eingeschloffen ist, das tiefe Eindringen des Frostes und die helle Farbe der Rinde ver­hinderte die zu starke Erwärmung derselben durch die winterliche Sonne. Gerade aber diese Erwärmung und die dadurch hervorgerufene Flüsstgwerdung der Saste der Rinde macht die innere, Säfte herableitende Baftschicht derselben sehr empnndl.ch, daher die Entstehung der Frostplatten an der 2)?>ttagseite der stärkeren Obstbäuine. Möchten doch alle Obstbaumbesitzer wenigstens diesen Herbst vor-Eintritt des Winters diese zwei wichtigsten Schutzmittel gegen Froste Auslockern des Bodens und den Kalkanstrich nicht versäumen, zumal kränkelnde Baume stets empfindlicher gegen Froste sind, als gesunde und kräftige.

Pomologisches Institut in Reutlingen.

Verwischtes.

Neustadt a. A., 19 Sept. Als Seitenüück zum freiwilligen Hunger Dr. Tanner's diene folgende Geschichte von dem unfreiwilligen Hungern: En Gänserich des Mühlenbesitzers Herrn Job. Teufel dahier verirrte sich, auf welche Weise ist nicht bekannt, in den Hauswinkel des Herrn Schuhmachermeisters A. Pretz daselbst. Da der Winkel sehr schmal und von vorne durch einen hohen Holzstoß verstellt. so konnte der Gänserich weder zum Fluge kommen, noch sonst irgend einen Ausweg finden und verblieb dort, bis man ihn vom Hopfenboden aus ent; deckte, volle 24 Tage ohne jede Nahrung; nicht einmal Master konnte das arme Thier haben. Ais man dasselbe mittels einer Leiter von seiner peinlichen Lage befreite, war es so abgemagert, daß es weder stehen noch laufen konnte; wäre cs nicht einMüllers Ganser", er hätte es sicherlich nicht so lange ausgehalten. Benannter Gänserich befindet sich in den Händen des Be­sitzers auf dem Wege der Besserung und erhält, nach Aussage des Herrn Teufel, so lange cr lebt, das Gnadenbrod. (%T- K)

SehlfFeberleht. Mitgethetlt von dem Agenten des norddeutschen Lloyd, C. W. Dietz in Gießen. m

Bremen, 22. September. Der Postdampfer Oder, Capt. C. Leist, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 11. September, von Newyork abgeganqen war, ist heut«! 2 Uhr Morgens wohlbehalten in Southampton angekommen und hat nach Landung der für dort be­stimmten Passagiere, Post und Ladung 4 Uhr Morgens die Reise nach hier fortgesetzt. Der­selbe überbringt 120 Passagiere und volle Ladung. . ,

Bremen, 23 Septbr. fPer transatlantischen Telegraph.s Der Postdampfer Nürnberg, Capt. A. Jager, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 8. Septbr. von Bremen abgegangen war, ist gestern 3 Uhr Nachm'ttags wohlbehalten in Newyork angekommen.

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