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worden. Staunend rieb er sich die Augen, kopfschüttelnd nimmt er trotz seines hungrigen Magens sein Handköfferchen und verläßt den Gasthof, wo es „Bandwurm mit Kopf" gibt. Nach kurzer Zeit wünscht ein anderer Gast m fpeisen und fragt deßhalb die Wirthin, was es denn zu essen gäbe. Diese, nichts Böses ahnmd, weist ihm die Speisekarte. Frau Wirthin! Hub der Fremde an, was da verzeichnet steht, werden sie wohl nicht alles haben! — Gewiß, gewiß antwortete die Wirthin, haben wir das---
und dabei fielen ihre Augen auf den „Bandwurm mit Kopf". — Die Bestürzung der Frau kann man sich leicht denken, während der Witzbold mit einem Kumpan in einer Ecke des Gastzimmers saß und sich den Bauch vor Lachen hielt.
Augsburg. Einem Geistlichen aus der Dtöcese Passau ist unlängst in einem hiesigen Gasthause ein nicht sehr angenehmes Reiseabenteuer begegnet. Derselbe trug sich Abends in das ihm vorgelegte Fremdenbuch als „Coadjutor" R. aus N. ein. Der Kellner, dem dieser in der Passauer Dtöcese zur Bezeichnung der privaten Hilfsgeistlichen übliche Name ganz unbekannt lein mochte, las als Coadjutor: Conditor. Ein Conditor in geistlicher Kleidung — das schien dem guten Manne höchst verdächtig; einen verkleideten Schwindler oder Verbrecher witternd, beeilte er sich, von dem gefährlichen Gaste der Polizei Anzeige zu machen, welche den Fall ebenfalls sehr bedenklich fand. Um des vermeintlichen Bösewichts desto sicherer zu sein, ließ man ihn ungehindert zu Bett gehen. Nachts 1 Uhr aber holte ihn ein Diener der heillgen Hermandad aus den Federn und wies »hm für den übrigen Theil der Nacht Quartier auf der Polizeiwache an. Bei dem am folgenden Tage vorgenommenen peinlichen Verhör berief sich <Dtx Arrestant vergeblich darauf, daß er nicht Conditor, sondern Coadjutor geschrieben und damit seinen wahren Stand und Titel angegeben habe. Von einem Coadjutor, machte der Polizeibeamte geltend, habe er sein Lebtag nichts gehört. In dieser Verlegenheit erinnerte sich der Bedrängte zu seinem Glücke, daß er einen Empfehlungsbrief seines Pfarrers in der Tasche habe, ber wahrscheinlich eine Bestätigung seiner Aussage enthalte. Die Vermuthung bestätigte sich; denn in dem erbrochenen Briefe stand schwarz auf weiß geschrieben, daß der Ueberbringer desselben der Coadjutor des Pfarrers von N. sei. Da man dem Gewichte dieses Beweises nicht länger widerstehen konnte, entließ man den Hartgeprüften endlich seiner Haft und ließ ihn nach -Oberammergau weiter ziehen. (Germ.)
Gastein. Graf Moltke mußte des Regens wegen in einem Gasthause in Lend einkehren und dort übernachten. Wie der „N. Fr. Pr." geschrieben wird, bekam er mit seinem Neffen von dem Wirth, der ihn nicht kannte, zwei schlechte Stübchen im zweiten Stock angewiesen. Wenige Minuten nach erfolgter Besitzergreifung erschienen die beiden Herren wieder vor dem Dhore, in welchem der Alte trotz des immer heftiger nieverströmenden Regens stehen blieb und daS Gewitter beobachtete, während der jüngere sich bei dem eben zur Ausladung gelangten Handgepäck zu schaffen machte. Da kommt ein Wiener Advocat aus einem Zimmer des ersten Stockwerkes herunter, der des alten Herrn nicht ohne Ueberraschung gewahr wird und sich sofort danach an den Wirth mit der Frage wendet: „Kennen Sie den alten Herrn, der dort im Hausflur steht?" — „Ich sollt' ihn wohl kennen, denn er hat schon einmal hier gewohnt-" — ^Also kennen Sie ihn nicht?" — „Fällt mir wirklich nit ein." — „Das ist ja Graf Moltke." — „Der Graf Moltke.....und ich hab ihm die aüerscklcchtesten Zimmer im ganzen Haus'
gegeben!"..... Und mit einem Satze steht der Unglückliche vor Dem Feldherrn, um eine
Legion Entschuldigungen hervorzustottern: „Excellenz werden doch nicht tn den zwei kleinen Zimmern bleiben; es ist jedenfalls zu feucht dort für Excellenz — Excellenz werden schon sehen, was ich Ihnen g'schwind noch für prächtige zwei Zimmer im ersten Stock zusammenstell'! . . . Aber die Excellenz schüttelt zu alledem verneinend das Haupt und schneidet dem Wtrthe mit der kurzen Bemerkung: „Nun sind mir die beiden Stuben nach hinten hinaus schon gut genug!" das Wort ab. Und als kurz darauf aus der Remise eine rentable Hof-Equipage herausgeholt und demonstrativ an dem im dunkelgrauen Civilkleide dastehenden Feldberrn vorbeigeführt wird, bemerkt dieser wieder zu dem vor ihm stehenden Wirthe: „Nur zurück Damit, ich fahre im Post Omnibus!"...... Uno als die Nacht hereingebrochen, saßen Graf Moltke und sein
Neffe (der vorhin geschilderte junge Mann) in der Speisestube des ländlichen Gasthofes und Ihaten den vorgesetzten Speisen und Getränken alle Ehre an. Dann gingen die beiden Herren in die bewußten Stuben, um früh morgens als die Ersten wieder auf dem Platze zu erscheinen- 'Und richtig wurde die Fahrt nach Bab Gastein mittels Post-Omnibus angetreten.
— In der neuesten Nummer der von zwei tüchtigen Volkswirthen, Dr. Victor Böbmert und Arthur v. Studnitz, herausgegebenen „Socialcorrespondenz" finden wir einen beherzigens- werthen Aufsatz unter dem Titel: „Schafft Bienenstöcke an, ihr ländlichen Arbeiter, die ihr ein Häuschen besitzt!" Es wird darin ein besonderer Ton darauf gelegt, daß die Bienenzucht in neuerer Zeit die erheblichsten Fortschritte gemacht hat, und daß bte Schwierigkeiten, welche derselben früher entgegenstanden, durch die Bemühungen und Erfindungen des ehemaligen katholischen Pfarrers Dr. I. Dzierzon größtenthetls beseitigt sind. Es ,st dadurch auch dem ärmsten Häusler auf dem Lande möglich gemacht worden, mit geringer Mühewaltung, ohne besondere Dorkenntniffc und mit höchst geringen Betriebsanlagen sich einen an sich vielleicht geringen, aber verhältnißrnäßig sehr erheblichen Nebenverdienst zu verschaffen, deffen Werth noch
wesentlich erhöht wird durch den sittlichen Einfluß, den die Beschäftigung mit seinen fleißigen und in einer dem Menschen ein nützliches Vorbild gemeinsamer Thätigkcit und harmonischen Zusammenwirkens gebenden Pfleglingen gewährt. Der Verfasser des Aufsatzes sagt mit Recht am Schlüsse: „Sollte es für gar nichts anzuschlagen sein, wenn wir sagen: Der Abends müde nach Hause kommende Arbeiter würde durch den Anblick des munter schwärmenden und dabei rüstig schaffenden Völkchens von Baumeistern und Zuckerbäckern aufgeheitert, für das Thierleben in einer seiner merkwürdigsten Formen interessirt, und — an Fleiß, Sparsamkeit (laß' das Kleine unverachr't, denn es hat große Macht), Genügsamkeit, Eintracht, Hilfsbereitschaft, Pflichttreue, Uneigennützigkeit und Sorge für die Zukunft täglich gemahnt? — Wenn von je hundert Arbeitern nur iner diese Früchte aus dem Bienentreiben gewönne, so genügte das schon zur Befürwortung der Sache." Und wir setzen hinzu, daß dieser Gesichtspunkt die Sache wichtig genug erscheinen läßt, um an Personen, welche Einfluß auf dem Lande auszuüben in der Lage und berufen sind, die Mahnung zu richten, daß sie nicht nur selbst mit gutem Beispiele vorangehen, sondern auch sich ernsthaft bemühen, dem „Jmkerverein" möglichst viele Jünger aus denjenigen Kreisen zuzuführen, denen die kleine Zulage, welche von der Beschäftigung mit den Bienen erwartet werden kann, als eine werthvoür Gabe erscheinen muß.
Grünberg.
Die Aufnahme des Obstbaumstandes in unserer Gemarkung hat fol-
gendes Resultat ergeben:
Gesammtbestand.
Durch den starken Frost in Abgang gekommen.
Gesund geblieben.
Aepfelbäume
4038
479
3559
Birnbäume
1192
92
1100
Zwetschenbäume
11707
1860
9847
Kirschbäume
154
33
121
Nußbäume
123
21
102
Pflaumen- rc. Bäume
345
47
298
Summa 17559
2521
15017
L a u b a ch , 20. August. Die Zählung der erfrorenen und gesund gebliebenen Obst" bäume in hiesiger Gemarkung hat folgendes Resultat ergeben: Erfroren sind 1489 Stück Aepfel- bäume, 151 Stück Birnbäume, 7342 Stück Zwetschenbäume, 14 Stück Nußbäume, 97 Stück Kirschbäume, 115 Stück sonstiger Obstsorten. Gesund geblieben sind: 4196 Stück Aepfelbäume, 933 Stück Birnbäume, 7018 Stück Zwetschenbäume, 186 Stück Nußbäume, 618 Stück Kirschbäume, 618 Stück sonstiger Obstsorten.
Handel und Verkehr.
Gießen, 24. August. Auf dem heutigen Wochenmarkte kostete: Butter per Pfd. „<0,95 bis X 1-00, Hühnereier 1 Stück 6—0 H, 2 St. 11 H, Enteneier 1 Stück 6—0 H. Käse per Stück 4—9 Käsematte per Stück 3—0 Erbsen 1 Liter 00 H, Linsen 1 Liter 00 H, Tauben daS Paar 70—100 Hühner p. St. X 1.10—1.30, Hahnen p. St. X 0.65—1.10, Wälsche X 0.00—0 00, Enten per Stück X 1.30—1.70, Ochsenfieisch 68—00 H per Pfd., Kuh» und Rindfleisch 50—56 H, Kalbfleisch 40—50 H, Hammelfleisch 65—70 Schweinefleisch 66—68 4, Kartoffeln per 100 Kilo X 5.00—0, Zwiebeln p. Ctr. X 8—8.50, Milch per Liter 16 und 18 H.
Herborn (an der Köln-Gießener Eisenbahn), 23. Aug. Auf den heutigen hiesigen Markt wurden gebracht: 744 Ochsen, 664 Kühe und Rinder, 1038 Schweine. Der nächste Markt ist am Donnerstag, den 30 September l IS., und nicht am 29. September, wie verschiedentlich irrthümlich gedruckt steht.
Frankfurt, 23. August. (Fruchtbericht.) Mehl Nr. 1 X 41, Nr. 2 X 39, Nr.3 X 33, Nr. 4 x 29, Nr 5 X 23, Roggenmehl % (Berliner Marke) X 28.50—29, do. I (Berliner Mark-) X 27.00-27.50, do. II (Berliner Marke) X 22.50—00.00. Weizen effektiv hiesiger ab Bahnhof hier X 22.00—20.00, ab unserer Umgegend X 21.50—21.75, do. fremder je nach Qualität X 00.00—00.00, Roggen, je nach Qualität X 20.00—20.25, Gerste X 17.75-18, Hafer X 14—15.50, Kohlsamen X 27.25—50, Erbsen X 19—27, Wicken X 16—18, Linsen X 20—40, Bohnen, weiße, X 23—25, Roggenkleie X —, Wcizenkleie, grobe und feine X —, Rüböl, detail, X 63. Stimmung ruhig. Hauptsächlich gefragt war: —. Dringend offerirt: (Die Preise verstehen sich sämmtlich per
200 Pfund Zollgewicht — 100 Kilo.)
Frankfurt, 23. August. Der heutige Diehmarkt war gut befahren. Angetrieben waren ca. 400 Ochsen und Stiere, 320 Kühe und Rinder, 280 Kälber und 300 Hämmell Die Preise stellten sich: Ochsen 1. Qual. X 68—69, 2. Qual. X 64—66, Kühe und Rinder 1. Qual. X- 54—58, 2. Qual. X 45—50, Kälber 1. Qual. X 45—54, 2. Qual. 40 —50, Hümmel 1. Qual. X 58—60, 2. Qual. X 40—50 per 100 Pfd. Schlachtgewicht. Schweine je nach Qualität das Pfund — H.
Mtt auf eine Anfrage nnatt Wein, weil da ibrbd fei. Die irischen will Forster Gclegenheit Böswilligkeit und lier bamaligen Antwort sesetze aufgehetzt, welche t — Seitens Micher ttingion etflärt: Nichts ^nes. D>e Negierung u wünsche die dockM nnüeen Debatten sollen ^besondere das miche
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Mittwoch den 6. Mtober,
Vormittags 11 Ubr,
soll auf dahiesigem Ortsgericht die Hof- raithe des Georg BooS, als: Flur Nr. Meter.
1 202 81 Hofraithe in derLöwen-
gasse
meistbietend versteigert werden.
Gießen, den 22. August 1880. Großherzoal. Ortsgencht Gießen. 5549) Müller.
Montag den 30. August l.I.,
Nachmittags 2 Uhr, werden auf dem Bureau Großherzoglichen Ortsgerichts dahier die zur Debitmasse der Gebrüder Köhler gehörigen im Gartfeld gelegenen Immobilien, bestehend aus einem dreistöckigen Wohnhaus mit Hof und Gartenraum und einer im Betrieb befindlichen Dampf-Schneidemühle mit allen Maschinen, Sägen und sonstigen Geschäftsutenfilien, nebst einem großen theilweise bedeckten Holzplatz öffentlich versteigert, wobei bemerkt wird, daß bei annehm, baren Gebot der Zuschlag sofort durch den Gläubigerausschuß er- theilt werden kann. (5545 Gießen, den 23. August 1880. M. Pilger, Maffecurator.
5054) Ein Wohnhaus mit Hinterhaus und Garten in sehr guter Lage preiswür- dig zu verkaufen. Näheres
Flügelsgasse A. 87.
Allgemeiner Anzeiger.
5556) Den Empfang särnmtlicher Neuheiten in
Knöpfen und Besatzartikeln
für die Herbst-Saison zeigt hiermit ergebenst an ____________Robert Haus, Seltersweg C. 59.
Restauration zum Gambrinus!
Unterzeichneter beehrt sich ergebenst anzuzeigen, daß er mit Heutigem die „Restauration zum GambrinuS" übernommen hat und bittet, das ihm früher geschenkte Vertrauen auch auf das jetzige Local übertragen zu wollen. Angenehmes großes Local mit Nebenzimmer und Gartenwirthschast.
Cafe.
Vorzügliches Bier und Apfelwein.
Reingehaltene Weine. Restauration zu jeder Tageszeit.
Ttlittagstiscli in und außer Abonnement.
Billard.
Karl Fuhr,
5279) früher Restaurateur des Cafe Klein.
Möbel-Lager.
Kirchen pp. atz Bit. B. Nr. 6.
Unterzeichneter empfiehlt sein reichhaltiges Lager in completten Salon, Eß-, Schlaf- und Wohnzimmer-Einrichtungen in schwarzem, Nußbaum- und Eichenholz, sowie Polster-Arbeiten.
Durch Verbindung mit den renommirtesten Fabriken Deutschlands in der Lage, zu außergewöhnlichen Preisen zu verkaufen, sehe ich gefälligem Besuche entgegen.
Hochachtungsvoll 893) 47.
Mittwoch den 25. d Mts.,
Nachmittags 2 Uhr,
werden in der Hofraithe des Herrn L. Flett „Gasthaus zum Schwanen" folgende Gegenstände öffentlich meistbietend gegen Baarzahlung versteigert:
1 Ladenschrank mit Glasaufsatz, ' 2 Sophas, 1 runder polirter Tisch, 6 polirte Stühle,
3 Standuhren, 2 runde Tische, 1 Sopha, 6 Bilder, 1 Barometer,
4 Commode, 1 zweithüriger und 3 ein- thürige Kleiderschränke,
1 Tisch, 1 Schrank, 2 Nähmaschinen, 1 Spiegel, 1 Wanduhr,
1 großes Oelbild in Goldrahmen,
3 Stahlstiche in Goldrahmen,
1 Küchenschrank mit Glasaufsatz,
28 Bauch- oder Schrotsägen,
2 Stück Spaltsägen für Zimmerleute, 4 „ Mühlsägen,
2 Dtzd. kleine Schittersägen,
14 Stück Heerdecken,
20 „ Einsteckthürschloß.
Gießen, am 17. August 1880.
5540) Bühner, Gerichtsvollzieher.
Ieikgeöotenes.
Steinerne Elnmachstöpf zu billigen aber festen Preisen.
B. Pfeiffer,
5550) Geschirrhandlung, Neue Bäue. 7^5548) 2knpf. Glacs-Hand- fchuhe ä M. 1.50, Bei
Pb. Schlatter.
SteueS
Mainzer Sauerkraut u. neue Gurken
empfehlen (5554
I. A. Busch Söhne.


