1880
Mittwoch dm 25. August
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Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags»
Betreffend: Die Zusammenlegung der Grundstücke in der Gemarkung Grüningen.
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Dr. Schneider.
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Deutschland.
Darmstadt, 23. August. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben aüergnädtgst geruht:
(deck üqitte, '«sstellun« 80.
wber 1880.
«m*. ®arten& kuustgewerb- Wu. Eintrittspreis
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Wein- und Siet:
Hauptgebäudes Elrctnschr Eisenbahn, dener, Ahrinilchen und r:abt burä Pierdebadn Märkischen Eisenbahn-.
arstraße Nr. 5.
Die Beschränkung der Wechselfähigkeit.
SDte Idee, einzelnen Kreisen der Bevölkerung die Wechsclsähigkeit zu entziehen, har mancherlei Bestechendes. Der Wechsel, eine Wohlthat für den Handel und im internationalen Verkehr, ist Arm in Arm mit dem Wucher oft genug von schädlicher, den Wohlstand vernichtender Wirkung geworden. Nach der Ansicht beS SohneS des Reichskanzlers, Grasen von Bismarck, ist der Wechsel iheils zu einem Schuldschein d«S kleinen Mannes herabgesunken, der sich Lamir wie im Mittelaller dem Gläubiger zu Hand und Halfter Der- Echter • rhetls ist er daS Mutel für leichtsinnlge Leute, sich zu unprodurttven »wecken Geld zu verfchaffen. Gra, Bismarck behauptet, der Wechsel habe den Rum ganzer Gesellschaftsklassen herbeigesührr, und er wünscht im Wesentlichen von der Wechjelsähigkeir ausgeschlosien: die Militärs, die öffentlichen 23«unten, die Krauen, die Handwerker und die kleinen Grundbesitzer.
Wie schon bei dem Wuchergesitze zu beklagen ist, daß es zu vier m das subiective Ermeffe» des Rlch'ers stellt und damit dem allgemeinen Geldveikehr Ladet io krankt auch der Vorschlag, die Wechselsählgketi zu beschränken, an großer Unbestimmtheit. Die Ausgabe, eine gelungene Abgrenzung derjenigen Gesellschafisklaffen vorzumhmen, welche nicht wechjelfähig |cin sollen, ist eine unlösbare. Graf Bismarck meint zwar, man könnte „vielleicht' eine be- ßmimte Stufe der Klaffensteuer oder der Grund- und Gebäudesteuer nehmen, und damit die Emschätzungs Commission über die Wechlelsähigkeit entscheiden lasten aber er erkennt selbst an, daß dies mißlich sein würde und halt es für nöglich" em anderes Merkmal zu finden. Das Schlimme dabei ist eben, daß „Vielleicht" und „Möglich", daß Wahrscheinlichkeiten und zweifelhafte Dinge keine Basis für die Gesetzgebung fmb.
Dr. Schulze-Delitzsch hat bereits daraus hingewlesen, daß ver Wechsel eine unentbehrliche Vorbedingung für den Geldveikehr der Genossenschaften geworden ist. und es wäre offenbarer Leichtsinn, wenn man die anerkannt seaensreiche Thätigkeit der Volksbanken durch ein Gesetz, welches der herrschen' den Lenden» entspricht, das Volk wider seinen Willen glücklich zu machen, lahm legen ^wollte. Man bedenke ferner, wie schwierig und willkürlich der Unterschied zwischen großen und kleinen Handwerkern und Grundbesitzern wer- den würde / daß außer den Handelsfrauen zahlreiche selbstständige Frauen der Wechselsähigkelt würdig, daß Ossiciere oft genug Großgrundbesitzer unb gabrt- kanten, Beamte an Handels-Unternehmungen betheiligt, ja sogar oft in chrer Eigenschaft als Gewerbtrelbende Beamte sind. Läßt sich aber erst die Wechse- käbigkelt der bei der wechselmäßigen Verpflichtung Bethelllgten nur ober9 «ar nicht erkennen, so wirb offenbar bie Sicherheit bes Wechjelverkehrs überhaupt erschüttert. Hierin würbe, ba ber Wechsel bekanntlich dem n e - nationalen Geldverkehr hauptsächlich bient, eine schwere Schädigung des nat o nalen Wohlstandes liegen, und darum ist eine Beschränkung der Wechfelsäh g- leit giiädrllch. Es ist eine Frage von allerhöchster Wichtigkeit, ob es wohlgelhan ist, an der Wechselordnung zu rütteln, welche die Welt der Juristen und des Handels für das beste Gesetz hält, welches je in Deutschland gemacht worden ist- —
«edaettousbureaur | Schulstraße B. 18.
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18. August 1880 den ordentlichen Professor der Ingenüur'Wtssen- schaflen an der technischen Hochschule Dr. Theodor Schäffer zum vortra. gniden Rath bei der Abiheilung b?6 MliiisterlumS ber Finanzen für Bauwesen unter Verleihung bes Amtstitels „Oberbauratg" zu ernenne .
Berlin, 21. August. Vagantrnthum und Prügelstrafe ist ein Artikel im Correspandeuzblatt des deutschen Vereins der Rheinprovmz" überschrieben, worin trog Humanismus und Liberalismus (bas Blatt ist durchaus liberal) die Wiederemmhrung ber Prügelstrafe empfohlen wirb, al§ einziges wirksames ^DZittcl zur Abhilfe gegen b.c überhanbnehmenbe Seuche bes Vagantenthums. Es wirb in dem Artikel erzahli Auf einer Tour burch bas Ruhrthal kehrten wir am vorigen Sonntag Adenb m einem kleinen Wirthshausc em, um bort Schutz vor bem Gewitterregen zu finden Es war ba eine bunte Gesellschaft zusammen, Lanbwirthe, Bergleute, Arbeiter unb - em Stromer, ber in längerem Vortrage bie Gesellschaft über bie Prmcmlen lein er Lebensanschauung zu orientiren versuchte. Nachbem er sich in verschlebenen heftigen Angnssen gegen ben Reichskanzler ergangen, wobei er, obwohl betrunken, wie er äugen,chemlich war - eine ganze Menge geschichtlicher Daten^ selbst aus ber Geschichte ber aHen Griechen unb Römer anführte, fragte ihn ber Wirth, ber zugleich Bezirksvorsteher ist, nach seinen Legitimationspapieren. „Habe ick seit zwee Jahren mch. antwoiteve lächelnb ber Vagant. — „Dann können Sie hier nicht über Nacht bleiben! — „Schabet nischt, bann jehen wir wo anbers Hin!" — ,„Wenn Sie aber nun gefaßt werben^" — „Wat kann mir passiren? Sehen Sie hier? unb dabei zog ber Stromer ein solide gebundenes Exemplar des Strafgesetzbuchs (!) aus der Ta,che und^las bie über Bestrafung vagabonbirenber Personen handelnben Paragraphen vor. „^ck hab et ja überhaupt wol nich weit von hier bis Brauweiler / (Provinzlal-Eorrectionsanstalt im Regierungsbezirk Köln) fügte er lächelnb hinzu Unb nun kam em rronncher Rebeschwall über das, was ber Staat mit fernen Bes,erungsanstalten bezwecke.. „Zwar nicht' so anjenehm wie Bummeln: aber zum Satteren immerhin fut genug!" ,o lautete bas Endmtheil. Nachbem er sich bann noch über bie Gutrnüthigkeit ber dauern, zumal auf einsam gelegenen Gehöften, lustig gemacht, benen man nur em „ernstes Jestchte zu zeigen brauchte, um etwas „rauszukloppen", entwickelte er Mit einer an's Unglaubliche slreifenben cynischen Rohheit seine Lebensanschauung bahrn, batz ihm „allens schnuppe" unb um den Hunger zu stillen, jedes Mittel erlcuibt fer. „Denn wat will man mir überhaupt machen?" und wieder wanderte das iLtrafgesetzbuch aus feimr Tasche und wieder las er in heiterem Tone bie von ber Bestrafung vagabonbirenber Versonen banbelnden Paragraphen vor- Dem Wirth würbe es zu Diel; er fragte: Nun sagen S m r zunächst, was Sie sind?" - „Ein janz jefährliches Subfeet!" Ast-das Scheusal um dann seinen Schnaps auszutrinken und mü den Worten das ttocal iu verlasf-n: .Jetzt woll'n wir ’mol anderswo Scandal machen!" 34 frag« zunächst die Leute, warum sie nicht zur Verhaftung eines solch gemeingeiahrlichen Menschen geschritten. Die meisten meinten, das sei zu gefährlich, dafür werde einem nachher der rothe Hahn aus's Haus gesetzt u. s. w. Andere wiefen sogar daraus hm, wie aus der Verhaftung der eigenen Gemeinde doch nur Kosten erwüchsen tun, 7üs aller Antwoit 'tönte heraus, daß man solche Subjeete am besten laufen asst. Nun fragte ich aber, wo soll's hinaus, wenn solche Zustande möglich k Dn unnttlich-n Attentats sind gerade bei uns in Westsalen jetzt an der Tag-sordnung und °llc
Gemüiher beben; Diebesbanden ziehen nn Lande umher; aus einsamer^'.^otten werden die Landleute, namentlich Frauen, ,n der frechsten Weise bedroht Geld und Lebens mittel berauSuiaeben* man braucht ja blos „een ern tev gesichte zu maajin, um erroas ÄÄW 'd-nVerüb°?n aller solcher B°'^ut°ten m.d Unvei chamth-.ttn ist das ihnen drohende Zuchthaus, G-fangms; oder j.-(N un eb n
Bestie als dem Menschen gleichenden Subjeete bleibt uns d-nn noch ubng ÄS! die VrüaelstrafeBebenkt man bie gerabe munberbare IBirtung, rociaje Die ^bieoer- zweifelhaft baruber.^in' . . ncrfmcchen könnte, wenigstens ben einzig mög-
ttch-n"^Sttch"als'ob wir"m- nten, das Entwürdigende, welches m dieser Strafe liegt, uaien. ^cieyi ms ov wu u ' . laut)en körperliche «L-ckmerz unb m zweiter
. e , ist baö%inuge, womit biesen Subjeeten, benen „allens
ßime die Furcht öor pemfelb n ift ba§ ^mzige^ i Inhumanität ferne Rebe
Wr7L'd-7n"hch man eä 'S w Menschen zu ihun? Legt nicht die
Nachdem der Ortsvorstand von Grüningen beschloffen hat, eine zweckmässigere Anlage von Feldwegen und eine bessere Gestaltung der Parcellen in der Art vorzunehmen, daß jedes Grundstück mindestens von einem Wege, womöglich aber von zweiWegen auszugängU ^rd, womit je nach Beschluß der auSführendcn Commission, von welcher die Mehrheit ihrer Mitglieder von den bethelllgten Grundbcsitzernfelbstspäterzn wählen ist eine Zusammenlegung der Grundstücke, nach Maßgabe des Gesetzes vom 18. August 1871 (Regierungsblatt Seite 309) und d« Ausführung etwa sonst noch möglich« Verbesserungen verbunden werden kann, wird Offenlegung der summ arischen £atUgunfl unb M bet bethelllgten Grundbesitzer auf der Großherzoglichen Bürgermeisterei Grüningen vom 13. September bis 11. October I. I. hierdurch ungeordnet. Zugleich
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Bürgermeisterei-Bureau zu Grunrngen # c r ..... M
über diesen Antrag abzustimmen, wobei wir bemerken, daß nach dem genannten Gesetze die weder in Lrelbstpersou, noch durch gehör g bgt lmtr e e o ) üfite Grundbesitzer als für bte Ausführung der Zujammenlegung stimmend angesehen werden. Es muffen daher nur diejenigen erschetnen,
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legttlmlrt sm?daß jedoch bei zeitigem Anträge da/ Ab- und Zuschretbm noch während des Laufs der Offeulegunglfr.st erwirkt und durch das.Steaer- commiffariat gewadrr werden kann. ,
Gießen, am 23. August 1880. Großherzoglrches Krnsamt Gießen.
Dr. Hoffmann, Regierungsrath.


