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Nr 98» Erstes Blatr. Sonntag den 25. April 1889.
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} Schulstraße B. 18. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Durch d°i°^Post bezogen nie-t-ljLhrlich
Amtlicher Hßeit.
Gefundene Gegen st ände:
1 Militärmützr, 1 Peitscht, 1 Broche, 1 Cylinderuhr mit Gchäus, 1 Spazterstock, 1 Päckchen Schnur, 1 Leine, 1 Portemonnaie mit Inhalt, 1 grauer Regenschirm, 1 Schlüsselbund und verschiedene Schlüssel.
Die Gegenstände find auf der Polizeiwache (Weidengaffe 93) ausbewahrt.
Gießen, den 24. April 1880. Großherzogltche Polizeiverwaltung Gießen.
Fresenius.
Deutschland.
Darmstadt, 22. April. Nach dem Ausschreiben Großh. Obercousisto- riums an die Großh. Kreisämter vom 13. April hat Großh. Ministerium deö Innern und der Justiz genehmigt, daß den evang. Kirchcnvorständen allgemein gestattet wird, Capitalien der Localkirchensonds mit spccieüer Zustimmung des betr. Großh. Kreisamts im Falle mangelnder Gelegenheit zu einer geeigneten und vortheilhaften hypothekarischen Ausleihung außer in den bis jetzt zuge- lafienen Werthpapieren auch In Obligationen anderer deutscher Staaten, nämlich in König!. Preußischen, Königl. Bayerischen, Königl. Württembergischen und Großh. Badischen Staatspapieren auf Inhaber anzulegen. Indem das Ausschreiben hiervon Kenntniß gibt, bestimmt das Oberconsistorium allgemein, daß die für die evang. Localkirchensonds angekaust werdenden Staatsp.^plere der genannten Art in gleicher Weise, wie dies für andere, in den Besitz.von Localkirchensonds gelangende, auf Inhaber lautende Werthpapiere bereits früher angeordnet worden ist, durch Abstempelung bei ihm „außer Verkehr gesetzt" und, wenn dieselben wieder veräußert werden sollen, „dem Verkehr zurückgegeben" werden. Da erfahrungsmäßig dergleichen abgestewpelte Staatsobliga- Honen in ihrem Courswerthe (einerlei Einbuße erleiden, somit auch im Falle ihrer erfolgten Ausloosung deren Rückzahlung bei der betr. Staatskafie keinen Anstand finden wird, ist e8' nicht erforderlich, die Zustimmung zu solcher Abstempelung bei der einschlägigen Staatsregierung vorher einzuholen.
— Das Großh. Oberconsistorium hat am 16. April folgendes Aus- schreiben an die evang. Pfarrämter erlassen: „Aus Veranlassung verschiedener an uns gelangter Anfragen und Anträge theilen wir Ihnen in obiger Angelegenheit unter Bezugnahme auf unser Ausschreiben vom 24. Februar I. Js. ^Amtsblatt IV) Folgendes mit: 1) Dem Gesangbuch wird ein Anhang betgegeben, welcher eine Sammlung von Gebeten und die für den Gottesdienst zur Feier dls Geburtstags Sr. König!. Hoheit des Grobherzogs vorgeschriebene Liturgie enthält. Dieser Anhang wird stets mit dem Gesangbuch zusammen verkauft. — Der in unserem Ausschretben vom 24. Februar angegebene Preis für ein Exemplar der gewöhnlichen Ausgabe des Gesangbuchs (roh 60 H, einfach gebunden 70 begreift den Preis für diesen Anhang in sich. 2) Neben der gewöhnlichen Ausgabe des Gesangbuchs erscheint eine andere, in demselben Format und mit denselben Lettern, aber auf besserem Papier hergestellt, für welche der Preis für das rohe Exemplar einschließlich des unter 1 erwähnten Anhangs auf 1 «X 10 H festgesetzt ist. 3) Außer dem unter 1 erwähnten Anhang wird noch ein weiterer Anhang, welcher die Evangelien und Episteln enthält, gedruckt. Als Preis für diesen Anhang ist festgesetzt: in der gewöhnlichen Ausgabe 15 H, in der besseren Ausgabe 20 4) Wir glaubten vorerst von Veranstaltung einer Ausgabe des Gesangbuchs in größerem Format und mit größeren Lettern absehen zu sollen, weil der Preis für diese Ausgabe unverhältnißmäßig hoch hätte festgesetzt werden muffen. Sollte das Bedürsntß einer solchen Ausgabe sich später dringender fühlbar machen, so werden wir die Frage nochmals in Erwägung ziehen." (D. Z.)
— Die „Köln. Ztg.", welche von ihrer Frankfurter Collegin noch jüngst und nicht mit Unrecht als „alte renommirte Wetterfahne" bezeichnet wurde, leitarttkelt über die Monopolfrage wie folgt:
Was dann schließlich die Drohung angeht, der Reichskanzler werde im Falle der wirklichen Ablehnung der Brausteuer-Verdoppelung bei zweiter Lesung in der nächsten Reichstagssession auf das Tabaks-Monopol zurückkommen und dieses sicher durchzusetzen wissen, so möchte wohl zu entgegnen sein, daß doch auch den Liberalen das Tabaks-Monopol noch lange nicht der schrecklichste der Schrecken ist. Wenn die Versicherungen richtig wären, welche vor einigen Tagen die „Dost" zum Besten gab, daß das Monopol ohne Erhöhung der heutigen Tabaks- und Cigarrenpreise der Reichskaffe alsbald 77 Mill. *X. mehr über seine Productionskosten und Gründungszinsen (für die erforderlichen Entschädigungssummen) abwerfen würde, als die jetzige erhöhte Tabaks- steuer, bann würden doch bie Liberalen gut wie bie Conservattven b - Ein- sübrung nur wünschen und manchen nebensächlichen Uebelstaub willig in den Rauf nebmen können. Sollten sie aber auch btesen Versicherungen wahrscheinlich keinen rechten Glauben schenken unb deshalb für den Versuch nicht gern ausdrücklich durch Zustimmung ihre moralische Verantwortlichkeit einsetzen möaen so würden sie es doch ohne besondern Gram ansehen können, wenn der Versuch aus die moralische Verantwortlichkeit des R-ichskan,lers hin demnächst wirklich durchgesetzt unb gemacht werden sollte. Jedenfalls wird die vom Abg. Richter voreilig beantragt- Verwahrung »egen das angeblich drohende Tabaks-Monopol nur eine sehr geringe Minderheit für sich gewinnen.
— Jn Reichstagskreisen wird seil einiger Zeit — so wird der „Frkftr. Ztg." von Berlin geschrieben — die Frage erwogen und ein Antrag vorbereitet, ob man nicht dem wachsenden Geheimmittel-Unwesen und der öfter damit ver- bundenen Kurpfuscherei mit weiteren als den vorhandenen Strafbestimmungen, und event. mit welchen entgenzutreten versuchen soll. Die an sich schwierige Frage wurde bekanntlich nicht gelöst durch die dafür 1875 erlassene kaiserliche Verordnung über die Beschränkung der Abgabe von Arzneimitteln. Im Gegen- theil nimmt das Heftel zu. Dem Reichstage gingen ebenfalls Petitionen in der angedeuteten Richtung, zum Theil weitergehend, zu. Zwar steht die Beschlußfaffung der Petitions-Commission darüber noch aus, doch denkt man auch dort daran, durch geeignete Anträge an den Reichstag dem Bedenklichen des Geheimmittelwesens näher zu treten. Voraussichtlich wird eS noch in dieser Session über den Gegenstand, der Lebern und Gesundheit betrifft, zur Plenarverhandlung kommen.
Metz, 21. April. Jn den letzten Tagen wurden hier und in der Umgegend die diesjährigen Frühlings-Controlversammlungen abgehalten. Während noch vor einigen Jahren die daran Theilnehmenden größtentheils aus Altdeutschen bestanden, erscheinen jetzt mehr und mehr einheimische Reservisten. Die Haltung und Gesinnung der Letzteren, welche sich zum Theil mit ihren Militärmützen einfinden, ist eine vortreffliche. Meist sind ste auch während ihres Aufenthaltes in Altdeutschland der deutschen Sprache vollständig mächtig geworden. Die Ausbildung in altdeutschen Garnisonen ist überhaupt nach dem einstimmigen Urtheile von sachverständiger Seite von so günstigem Elnfluffe auf die jungen Leute, daß es nach diesem Gesichtspunkte zu bedauern wäre, wenn jetzt schon durch Bildung eigener elsäsfisch.lothringischer Regimenter hierin eine Aenderung eintreten würde.
Hefterreich.
Wien, 22. April. Die „Politische Correspondenz" meldet aus Madrid: Der Nuntius verlangte von Spanien ein Asyl für die aus Frankreich vertriebenen Jesuiten. Canovas versprach, einer bestimmten Anzahl ungehinderten Aufenthalt in Spanien, ausgenommen der baskischen Provinzen, zu gestatten.
Wien, 22. April. Jn Oesterreich erörtert man ohne übertriebene Be- sorgniffe die Folgen der Gladstone'schen Politik. Man betrachtet den Balkan- bund, angeblich ein Bollwerk gegen Rußland, als einen Versuch, Oesterreich aus der Türkei überhaupt zu verdrängen, indem man es aus seinem Occupa- tionsgebiet herauscompltmentiren möchte. Das Project des wahrscheinlich zum Premier bestimmten englischen Staatsmannes entfeffelt im Orient wieder den Kampf Aller gegen Alle, schädigt den Berliner Vertrag und macht die orientalische Frage wieder zum Ausgangspunkt europäischer Verwicklungen. Die Oesterreich im Hintergründe gegen „den bösen Bismarck" zugesagte Unterstützung erregt in Wien Heiterkeit, und osficiöse Stimmen erklären, daß Deutschland denn doch ein zuverlässigerer und nützlicherer Bundesgenoffe fei, als der englische Liberalismus, weshalb auch die deutsch.österreichische Entente nicht nur das Cabinet Gladstone, sondern auch andere Wendungen des englischen Parteilebens überdauern werde.
Irankreich.
Paris, 22. April. Der „unverantwortliche" Präsident der französt- schen Republik, Gambetta, läßt Wirkungen seiner Arbeit hinter den Couliffen spüren. Seine Freunde agitiren für die Auflösung der Deputirtenkammer. Natürlich hat Gambetta dabei weniger die Bestimmungen der Verfassung im Auge, als die sich ihm abwendende Stimmung des Landes; er will die Neuwahlen , ehe die Abneigung gegen ihn sich so weit ausbreitet, daß er die Herrschaft verliert. Möglich, daß er hierbei ebenso irrt, wie Lord Beaconsfield bei seiner „Parlaments-Auflösung." Inzwischen. wählen die Radikalen fort und schildern den Culturkampf nur als eine Comödie, um daS Volk von den Plänen der energischen Republik abzuziehen.
Telegraphische Depeschen.
Wagner'» telegr. Eorresp-udenr - «nrean.
London, 24. April. Gutem Vernehmen nach übernahm Gladstone die Bildung eines neuen Cabinets.
Konstantinopel, 23. April. Der „Levant Herald" ist wegen eines als aufrührerisch qualtficirten Artikels über Armenien unterdrückt.
Berlin, 23 Avril Reichstag. An Stelle des ausgeschiedenen Abg. Klügmann wird durch Acclamation Buhl zum Schriftführer gewählt. - Fortsetzung der Zweiten Berathung der Samoa-Vorlage. Mosle tritt warm für bie Vorlage em und nimmt


