— (Unterricht in der Naturgeschichte des Hasen und des Hasen—knappers.) In einem nicht sehr entfernten Dorfe der Pfalz hielt ein Lehrer dieser Tage Unterricht in der Naturgeschichte und kam Dabei auf den Hasen zu sprechen. „Habt Ihr schon 'mal Hasen gegessen?" fragte er eine Gruppe Kinder. Fünf oder sechs davon meldeten sich. DaS schien ein Mädchen zu verdrießen, denn es hob den Finger auf und sagte mit stolzem Selbstbewußtsetnr „Wir haben dermeist, den ganzen Winter sehr oft Hasenfleisch gegessen." „Wie kommt denn das?" „Ei, mein Vater bat immer Hasen von der Jagd heimgebracht," lautete die Antwort des Kindes. Diese Antwort erregte Aufmerksamkeit, denn der Vater gehörte keineswegs zu den Jagdpächtern, also berechtigten Jägern. Die GensDarmerie, welche die Sache erfuhr, hielt Nachsuchung in dem Hause, wo }o viel Hascnfleisch gegessen war und fand 23 Bälge auf dem Speicher, wo sie zum Trocknen hingen. Das Hasenfleisch-Esien wird nun einen Nachtisch bei Gericht erhalten.
— (Vom „getollten Mantel".^ Es ist eine bekannte Thatsache, daß „der Mantel nichts nützt, wenn er nicht gerollt ist!" — Von welch schrecklichen Folgen es aber sein kann, wenn „der Mantel zu ungelegener Zeit aufgerollt wird", dafür spricht ein Vorkommniß bet den letzten süDdeutschen Manövern, welches wir mit vollem Vertrauen auf die Wahrheitsliebe des Berichterstatters hier mittheilen können: Ein junger preußischer Hauptmann, welcher erst kürzlich zu einem süddeutschen Regiment versetzt worden war, wußte sich bald als ein Mustercapitain, in der Ausbildung seiner'Compagnre sowohl, wie auch in der Kunst, das äußere Ansehen derselben zu fördern — einzuführen. Er war der Neid, aber auch das Orakel seiner älteren Collegen. — Eine ausgemachte und in der ganzen Division befunnte Sache war es aber, daß der neue Preuße einen unnachahmlich guten Sitz des „gerollten Mantels" herzustellen verstehe. Kein Mensch konnte erforschen, tote er das anstelle. — Nun sollte morgen eine große Parade vor einem preußischen Jnspeeteur sein, und ein alter Hauptmann trug sich mit schweren Sorgen über die Mangelhaftigkeit der „gerollten Mäntel" in seiner Compagnie. Er faßte sich endlich ein Herz und bat den neuen Kameraden, ihm rund heraus das Geheimniß mitzutheilen. „Wenn Hie nicht verrathen wollen, unter keiner Bedingung verrathen, wie es gemacht wird, ober von wem Sie das Recept haben?" — „Auf mein Ehrenwort! Nichts kommt über meine Lippen!" — ,,Nun denn, Die Sache ist außerordentlich einfach, ich lasse jedesmal vor den Paraden die Aermel austrennen und der Mantel rollt sich so glatt tote ein Bogen Papier!" — „In der That, das Ei des Columbus! Und es ist niemals herausgekommen?" — ..Niemals, denn bet schlechtem Wetter hüte ich mick wohl, von dem Kunstgriff Gebrauch zu machen!" — — — Ein wolkenloser Himmel lächelte über der Parade zu W. Dieselbe dauerte aber mehrere Stunden und ein Gewitter zog auf. ,.Nun noch Parademarsch in Compagniefront mit „Gewehr über"! — Die Mäntel angezogen!" — „Was ist das? — Die 12te Compagnie hat keine Mantelärmel?!" — Die Adjutanten fliegen, der unglückliche Hauptmann wird herbeigerufen. Er hat zwar sein Ehrenwort gegeben, ihn nicht zu verrathen aber er weiß bestimmt, daß Jener sein Leidensgefährte sein wird, und schaut sich nach ihm um. Allein zu seinem Schrecken sieht er, daß dessen Compagnie sich im Vollbesitz ihrer Mantelärmel befindet. Aller Zorn trifft ihn allein und der Erfinder des neuen Mantelsitzes lacht obendrein: „Ja, man muß eben wissen, ob's regnen wird, sonst nützt einem der Mantel nichts, und wenn er noch so
schön gerollt ist!"
— Vor dem Pariser Tribunal kam dieser Tage ein Fall vor, der zeigt, daß nicht nur die Pariser Schneiderinnen große Rechnungen zu schreiben, sondern auch >ie Pariser Damen flott zu leben verstehen. Der Graf Potocki legte dem Präsidenten des Gerichts zwei Rechnungen vor, eine der Schneiderin Haneenaar, wonach sie der Gräfin Potocki vom Juli 1878 bis Januar 1880 Kleider im Betrage von 110,641 Fr., darunter eins mit Pelz im Werthe von 32,000 Fr. geliefert, und eine Rechnung der Wäschefabrikanten Fromont für Lieferungen in Höhe von 72 000 Fr., welche die Gräfin Potockt vom Ium 1879 bis zum Januar 1880 empfangen hat. Es sind einstweilen vom Gericht die Sachverständigen zur Prüfung der beiden Rechnungen ernannt worden.________________
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Aneiben und Putzen plagen sieht und sie wissen nicht, daß sie auf einer Leiche arbeiten. 2>enn äußerst selten hat der Frost die Krone vernichtet, die sogar aus dem Vorrathe be8_ aufge- X uLtP« berausrutreiben anfänqt. Von der Mitte des Stammes an abwärts ist
IbeAät« Sri™ eüofdjen. Di- Reube zttgt bdm Emfchuitte eine Farbe wie «.rbranntes Leder, dir ea 10 Stm. oberhalb M Bodens, begünstigt vom SchneeAuxe das Leden w eder beginnt. Mckt wenige Bäume stnd auch jammt der Krone erfroren. Die meisten Opfer liefern die m ta^üae der Kraft stehenden jungen Bäume, deren Saftige Stommrinde der Kaiie das gefahr- licküe Material lieferte. Ganz alte und geschwächte Bäume sind in der Regel gänzlich erfroren.
v«d bltchst-n hat de? Frost tn den ländlichen Haus- unD städtischen Vorgarten gewirkt.
Biinvvram den sind fast alle zerstört, die Arpfel weniger. Pfirsiche und Aprikosen, sie seien Denn mit Winterschutz versehen gewesen, sind keine mehr am Leben. Aon Zwetschen, Mirabellen
ReineclauDen sind alle kräftige und vollsaftige Exemplare zerstört. Die Nußbäume sind wobl allesammt vernichtet. Von Ziersträuchern sind Wellingtonien gänzlich, Taxus, Thu^a und, fast unglaublich)» sogar Pinus z°rn Theile erfroren. Der Schaden in den Gürten und in der Nähe der Dörfer ist größer, als auf dem freien Felde, wo gänzlich erfrorene Baume st teuer sind Immerhin bleibt die traurige Thatsache bestehen,- daß der Obstbestand thells sofort, theils durch allmähliches Absterben in den nächsten Jahren zum weitaus größten The.le verloren sein wird Es gilt dieses für daS ganze südliche und westliche Deutschland und den Norden von «rankreich, io daß man zum Bezüge von Pfirsichbäumchen bis ms mittlere Frankreich sich wenden EÜ Leider wird auch Das Pfropfen schlechte Resultate haben, da es gesunDes Holz fast gar HAt mehr gibt. Kräftigere und jüngere Bäume werden vielleichr in der Nahe der Wurzel junge Triebe liefern. Auch einzelne grünbraune Linien, wenn sie in der Rindenschnittflache vorkommen, lassen möglicherweise bei einzelnen Bäumen die Fortdauer emes kümmerlichen Lebens erwarten.
(Siefictt, 24. März. fSterblichkett in Gießens Vom 14. bis 20. März waren in Oicften 10 Todesfälle zu verzeichnen, 5 bet Kindern und 5 bei Erwachsenen. Von zwei Kindern im ersten Lebensjahre starb das eine an Gehirnentzündung, in dem anderrren Falle konnte eine ^stimmte Todesursache nicht angegeben werden, da das Kind nicht ärztlich behandelt worden war. Zwei von auswärts hierher gebrachte Kinder von 2 und 4 Jahren erlagen der häutigen (RrÄitnp (5tn siebentähriaeß Kind starb an Serofelsucht. Bei den erwachsenen Personen wurde .»ls Todesursache angegeben: Lungenschwindsucht zweimal, Lungenentzündung, Unterleibstyphus, -Anämie je einmal. '
Verwischtes.
Darmstadt. In jüngster Zeit hat sich hier ein pikantes Geschichtchen abgespielt, welches zur Warnung für alle anonymen Driefschre>ber und Briefschreiberinnen hier mitgetheilt -werden soll Eine bekannte Dame schien sich sehr lebhaft für einen piefigen weit jüngeren ßerm zu interessiren, für den sie neben anderwetter geschäftiger und autdringlich^r ProteetlonS. mcht^auch durch allerlei anonyme Briefschreiberet zu wirken suchte. Solche Briefe gelangten VV auch wiederholt an eine hiesige hohe Stelle, wo man sie anfänglich unbeachtet.ließ, hierauf aber — um sich der fortgesetzten Zudringlichkeiten zu erwehren die Handschrift Lüfte deren Urheberin unschwer zu eonstatiren war. Die anonyme Schutzpatronin erhielt in Folge'dessen nicht anonym, sondern sehr deutlich bittet ein kategorisches Schreiben, daß sie ihre anonymen Briefe um so gewisser gänzlich einzustrllen habe, als man sich sonst auf andere Art Ruh? verschaffen werde Von diesem Momente an sollen keine anonyme Briefe mehr ein- jettoffen Jnn. !am(iäfligen R-ichSt°g«b°rjcht- bei B-rlin« Frernbeublatt übet bie
WobnuuqSsrug- ber 8anbbriefttäger" beffnbet sich f°lg-nd-t lustig- Drucki-hl-r: „F-tn-r nahm sick n°ck b-t »dq-°tbn-t- Flügge Ipeckwotrn bet Lanbbti-fttäg-r an." Heute meldet nun da« Matt daß et richtig heißen muffe: nahm sich bet Abgeotbneie FluggeSpeck warm bet
Briefträger an." Speck heißt das Gut des Abgeordneten Flügge.
Trier 20. März. Domcapttular v. W'lmowsky ist gestern Abend gestorben. Der B-t-wiat- wat'ein stamm'-Priester und g-l-hrt-r Altetthumifarjchet b-r zahlteich- w-tthvall- SAriften übet hiesig- Funde hinterläßt Seine Unterfuchungen übet beu h->lig-n Rack m Trier IU deren B-riff-ntlichung er sich im G-wrsi-n g-brangt suhlte, zagen ihm den Haß und ib-ilw-si- bi- Verfolgung bet hiesigen H-hgeistlichl-it ju. WrlmowSkh hat nämlich nachgewi-f-n, La8 er mit eigenen Augen gesehen: baß die Tunira nicht erbt ist, lonbtrn nur em m biefelbe ttng-s-tzte« Stück allenfalls alS -in Tb-il d,S echten RockeS b-s Herrn angesehen werben mag.
Sehlffaberleiit. Mitgetheilt von dem Agenten des norddeutschen Lloyd W. Dietz in Gießen.
Bremen, 21. März. sPer transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfer Oder, Capi. C. Leist, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 7. d. Mts. von Bremen und am 9. d. Mts. von Southampton abgegangen war, ist gestern 5 Uhr Nachmittags wohlbehalten in Newyork angekommen. r w
Bremen, 22. März. sPer transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfer Amerika, Capt. C. Pohle, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 29. Februar von Bremen abgegasgen war, ist gestern wohlbehalten in Baltimore angekommen.
Allgemeiner Anzeiger.
Holzversteigcrungen.
1954) In der Fürstlichen Oberförsterei HohensolmS soll nach- ver»eichneies G-Hölz an Ort und Stelle versteigert werden:
1) Dienstag den 30. d. M., Morgens präcis 10 Uhr, in dem District „Iselscheid" an der Staatsstraße zwischen Frankenbach und Fellingshausen anfangend: .
5 119 rm Buchen- und Eichen-Prugelholz,
145 „ „ „ » Siockholz,
3440 Wellen „ „ „ ReiSholz.
71 geringe Eichen-Stämme mit 8,11 tm,
52 Stück starke Eichen-Stangen, zu Wagner- und Grubenholz
geeignet.
2) Mittwoch den 31. d. M., Morgens präcis 10 Uhr, in dem District „Windelbach", »btheilung Sesfenfeite, anfangend:
33,5 rm Buchen-Scheitholz I. Clasie,
121 „ Buchen- und Eichen-Prügelholz,
73 „ Siockholz,
4150 Wellen „ ReiSholz I. und ll- Clasfe,
13 starke Eichen-Stangen, zu Wagner- und Grubenholz geeignet. Hohensolms, am 20. März 1880.
Fürstliche Oberforsterei Hohensolms.
Dürmer, Reviersörster.
Dienstag den 30. d. M., Nachmittags 2 Uhr,
soll bei Wirth Karl Jungin Hochelheim der Neubau eines Wehres und Abdämmung des Kleebaches im Wege der Submission vergeben werden
Hochelheim, den 22. März *880.
2014) Gngel, Vorsteher.
Holzversteigerung.
Mittwoch den 31. dS. Mt»., von Vormittags 9 Uhr an, sollen in den Waldungen der Stadt Grünberg, District Langerseis
136 Nadel-Stämme Don 15—34 cm fei Durchmesser und 6—15 m Länge versteigert werden. Mzx
Grünberg, den 23. März 1880.
Großh. Bürgermeisterei Grünberg.
2029) Pracht.
Brennholz Versteigerung.
Dienstag den 30. d. M.,
von Vormittags */29 Uhr an, kommen in der Freiherrlich v. Milch- linaschen Waldung Lberseilbach — Obersörsterei Treis a. d. Lda. — folgende Holzsortimente zur öffentlichen Versteigerung, als:
1 Rmtr. vuchen-Scheiter,
2 „ Eichen-Scheiter,
123 „ Buchen-Knüppel,
43 „ Eichen-Knüppel,
1860 „ Buchen-Stammreis,
105 „ Eichen-Stammreis.
Die Zusammenkunft findet vor dem Walde, am Fußpfad nach Alten-Buseck, Statt.
Tret- a. Lda.» 20. März 1880.
Die Freiherr!, von Milchling'sche Administration:
1958) Sehr.
Holzversteigerung.
Freitag den 2. April l. I., von Morgens 9 Uhr an, sollen im hiesigen Gemeinde-Wald, District Eichenhard und Hungerberg, nachstkhendes Holz versteigert werden:
I. im District Eichenhard:
102 Stück Eichen - Stämme mit 129,60 Festmeter,
II. im District Hungerberg:
2 Stück Eichen-Derbholz-Stangen mit 0,17 Festmeter,
7 Stück Navelholz«Stämme mit 1,59 Festmeter,
170 Stück Nadel-Derbholz-Stangen mit 10,90 Festmeter,
26 Stück Nadei^Rcisholz-Stangen mit 0,40 Festmeter, 34Vi Rmtr. Bnchen-Reisholz, 45 „ Nadel-Reisholz,
31/2 „ Eichen-Reisholz.
Der Anfang ist im Distiict Eichenhard bei Nr. 1 des Stammholzes.
Frankenbach, den 23. März 1880.
Der Büraermeister:
2037)___________Oehler.
1975) Am Samstag den 27. März 1880, Morges 9 Uhr, soll im Schulgebäude zu Burkhardsfelden ein Theil der den von Grolman * schen Grben zustehenden Grundstücke in den Gemarkungen Burkhardsfelden und Oppenrod im Einzelnen öffentlich meistbietend versteigert werden. Grundbuchsauszüge und Bedingungen können vor dem Termine bei Herrn Rechtsanwalt Dr. Gutsteisch in Gießen und Herrn Gemeinderechner Heuser zu Burkhardsfelden etnge- sehen werden.
2018) Auserlesene Kartoffel zu ver- faU£)tconom Helfrich, Marburgerftraße.
Holzversteigerung
Mittwoch den 31. März und Donnerstag den 1. April l. I. kommt in den Cleeberger Markwald- Dtstricten Streitheck, Sankhartsberg, Rimbach und Burgberg nachstehendes Gehölz zur Versteigerung:
83 Etchenstämme, 13 \
Fistmtter, f geeignete-
14 Eichenstangen / Wagnerholz
1. Claffe, )
261 Tannenstämme, 75 Fstm. (Durchzüge und Streckhölzer),
718 Tannenstangen 1., 2., 3. El., (zu Wagen-, Scheuern- und Aepfel-Leiterbäumen geeignet),
18 Rmtr. Etchen-Scheit u.-Knüppel
70 „ Buchen- „ „ „
10 M Nadelholz-Knüppel,
2700 Stück Buchen-Wellen,
800 „ Eichen-Wellen,
1465 n Nadelholz-Wellen.
Der Anfang an beiden Tagen ist des Morgens 10 Uhr in der Streitheck, eine viertel Stunde westlich von Weiperfelden gelegen und kommt am ersten Tage sämmtliches Nutzholz und am zweiten das Brennholz zum Ausgebot.
Cleeberg, den 17. März 1880.
Der Bürgermeister:
1950) Keil.
Portier gesucht.
2038) Ein unverheiratheter. gesunder, gewandter und zuverlässiger Mann kann als Portier in der hiesigen Anstalt bei einem jährlichen Lohn von 300 JL und freier Station alsbald Stellung finden. Die Meldungen sind unter Anschluß der Zeugnisse zunächst brieflich hierher zu richten.
Heppenheim a. d. B„ den 4. März 1880, Großh. Direktion der Landes-IrrenanstalU
Ludwig.


