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zuweilen Ursache haben, wenn nicht zur Reue, so doch zum Geständniß, Un­recht gethan zu haben.

Niemand ist mehr verkannt worden und hat bittereres Leid erfahren von seinem Volke, als unser jetziger Kaiser vor mehr als dreißig Jahren, da er als Prinz von Preußen, als er seinen Platz in der Nationalversammlung etn- nahm, als Hort der Reactton verschrieen und sein Palais als NationalEgen- thum erklärt wurde. In Berlin, wie in Schleswig-Holstein und in Baden war sein Namebestgehaßt", und heute waren die Berliner glücklich, ihrem Kaiser ein Marmordenkmal seiner Mutter als Angebinde zum Wiegenfeste zu überreichen, die Schleswig-Holsteiner jubeln, daß der Enkel des Heldenkaisers und einstige Kaiser Wilhelm II. eine jugendliche Prinzessin aus ihrem heimi­schen Fürstenhause zur Gattin erkoren, in Baden ist der Vater der Landes­fürstin ein ebenso gefeierter Held und gern gesehener Gast wie im ganzen wetten deutschen Land!

Wie ward der Siegreichste der Hohenzollern verkannt, als er die Armee- Reorganisation durchführte! Fünf Jahre lang schmollte die Residenz mit ihm, deren Fortschrittler ihm in den erregten Tagen des Confiicts sogar den Gruß versagten! Es bedurfte erst der Siegesbotschaft von Köntggrätz, um die Conflictsmänner zu bekehren und ihnen zu beweisen, daß König Wilhelm wohl daran gethan hatte, das schneidige Schwert der Armee zu schärfen. Und wie der König einst als Prinzregent, indem er das liberale Ministerium Schwerin berufen, das Gerücht seiner reacttonären Gesinnung dementirte, so trat er nach 1866 nicht als stolzer Sieger, sondern mit der Bitte um Indemnität vor den preußischen Landtag.

Die Ungerechtigkeit des Volkes gegen den Kaiser stieg zum Höhepunkte, als nach dem siegreichen Kriege gegen den Erbfeind die inneren Fragen an Schärfe gewannen. Die Ultramontanen erblickten in ihm einen Diokletian, einen Feind des Glaubens in dem frommen Mann, der keinen anderen Mittler neben sich anerkannte, als Jesum Christum! Hinterlistige Schurken, durch die soctalistischen Ideen verführt, erhoben verbrecherisch die Hand wider das Haupt unseres Kaisers. Und heute? Wie viele herbe Klagen ertönen noch über neue Militärlasten, hohe Steuern, wirthschaftliche Roth, als ob der Kaiser an Allem Schuld wäre! Ihm ist so oft Unrecht geschehen, daß endlich auch einmal das Volk in der stillen Woche Buße thun und erklären sollte: Ver­trauen wir auch ferner unserem Kaiser, denn was er thut, ist wohlgethan!

Deutschland.

Darmstadt, 22. März. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben allergnädigst geruht:

Am 10. März den Oberförster der Oberförsterei Büdingen, Ludwig Leo, auf sein Nachsuchen, unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste und unter Erthetlung des Charakters als Forstmeister in den Ruhe­stand, sowie an demselben Tage den Oberförster der Oberförsterei Greben­hain, Casimir Leo, m gleicher Diensteigenschaft in die Oberförsterei Büdingen zu versetzen.

Berlin, 21. März. Der Beschluß des Bundesrathes betreffs der Ver­wendung von Surrogaten bei der Herstellung von Tabaksfabrikaten lautet dahin, daß in Zukunft auch die Verwendung von Melilotenblüthen (Steinklee) und eingesalzenen Rosenblättern bei der Herstellung von TabaksfabrH^n ge­stattet werde, und daß in Bezug auf die bet der Verwendung dieser Surro­gate zu entrichtenden Abgaben und zu beobachtenden Controlen die Bestimmun­gen in Ziffer 2 und 3 des Beschlusses vom 27. November v. Js. Anwendung finden. Bei dem gestrigen Empfange des Bundesraths unter Führung des Fürsten Bismarck äußerte der Kaiser seine besondere Genugthuung über den erfreulichen Gang der Reichstagsarbeiten, sowie namentlich über die schnelle Abwickelung des RetchShaushalts-Etats. Den Reichskanzler zeichnete der Kaiser durch besonders freundliches Entgegenkommen aus.

DieBerl. Börs,-Ztg." schreibt: In der Reichstagssitzung vom 27. v. Mts. erklärte Staatsjecretär Hofmann, daß in der lausenden Session eine Revision des Haftpfltchtgesetzes, weil im Zusammenhänge mit der Frage der Altersversorgung stehend, nicht mehr herbetgesührt werden könne. Wie wir hören, unterliegt namentlich die Frage wegen Ausdehnung des Hastpflicht­gesetzes auf alle mit besonderer Gefahr verbundenen Anlagen an maßgebender Stelle noch einer eingehenden Erwägung. Die preußischen Bezirksregierungen haben gutachtlich darüber berichten muffen, welche Erfahrungen in Hinsicht auf eine etwaige Ausdehnung des Haftpfllchtgesetzes auf das Baugewerbe in ihren Verwaltungsbezirken gemacht worden, und ob sie eine solche Ausdehnung für zweckmäßig oder nothwendig erachten würden. In Bezug aus die weitere Aeußerung des Staatssecretärs Hofmann in der erwähnten Retchstagssitzung, die Reform des Haftpflichtgesetzes werde wohl dahin führen, daß man den Fabrikanten die Wahl lasse, entweder sich dem verschärften Haftpflichtgesetze zu unterwerfen, oder die Arbeiter gegen alle Unfälle, sie mögen verschuldet sein von wem sie wollen, in einer durch Gesetz noimtrten Weise zu versichern, erfahren wir, daß man auf diesem Wege Untersuchungen über die Verschuldung der Unfälle und Proceffen vorbeugen will. Nach den Berichten der Gewerbe- räthe hat sich nämlich ergeben, daß derartige Untersuchungen und Proceffe ein gespanntes Verhältniß zwischen Arbeitgebern und Arbeitern schaffen, daß sogar in der Regel die erste Folge des angestrengten Proceffes die Entlassung des Arbeiters ist, weil es sich mit der Erhaltung der Dtscipltn in der Fabrik nicht gut verträgt, daß ein Arbeiter mit seinem Arbeitgeber sich im Proceß- wege streitet. Andererseits hat sich herausgestellt, daß viele Unfall Versiche- rungsgesellschaften nur zahlen, wenn die betr. Unternehmer gerichtlich verur- theilt sind, sowie, daß viele Gesellschaften es quasi als ihre Aufgabe betrachten, in möglichst wenigen Fällen und mit geringen Unterstützungen bei Unfällen der Arbeiter helfend einzutreten, weil sie von dem oft nicht gerechtfertigten Miß­trauen geleitet werden, daß die Verletzten die Zeit der Reconvalenscenz, wäh­rend welcher sie vollen Ersatz ihres Arbeitslohnes erhalten, weiter ausdehnen, als es nöthig ist.

AuS Bochum, 21. März. Gegenüber den oft wiederkehrenden Be­hauptungen, daß der Aufschwung in der Industrie nur ein vorübergehender sei, dürfte die Mittheilung von Jntereffe sein, daß der Bochumer Verein für Guß­stahlsabrikation jetzt etwa 3500 Arbeiter zum Theil Tag und Nacht beschäftigt. In der Arbeiter-Kaserne des Bochumer Vereins sind annähernd 1200 Mann untergebracht, die zugleich in der großartig eingerichteten Musterwirthschaft ihre Verpflegung finden. Trotz der koloffalen Räumlichkeiten mußte schon eine nam­hafte Zahl Arbeiter anderweit untergebracht werden. Während in der ver­gangenen, so geschästölosen Zeit manche der großen und schönen Werkstätten

kaum Verwendung fanden, herrscht jetzt überall ein reges, emsiges Treiben, eine schaffende, rastlose Thätigkeit, die auf dcn Besucher den günstigsten Ein­druck macht. Wolle Gott es bleibt so!

Aus Buden, 2t. März. Der badische Oberschulrath hat an die Schulen die Wetsung ergehen l aff en, die neue preußische Rechtschreibung nicht einzusühren, da die Sache wohl in Bälde für ganz Deutschland in einheit­lichem Sinne geordnet werden dürste.

Die Auswanderung, die schon im vorigen Jahre eine ziemlich bedeutende gewesen, nimmt wieder sehr große Verhältniffe an. Beinahe täglich kann man, wie derAllg. Ztg." geschrieben wird, aus einigen unserer Bahnhöfe kleinere oder größere Trupps meistens jüngerer Leute antreffen, die sich nach den Ver­einigten Staaten von Nordamerika begeben. Die Nachrichten von dem guten Geschäftsgänge drüben, der Druck der Steuern und die Kriegsbefürchtungen bei uns wirken zusammen, um die Leute aus ihrer Heimath zu treiben. Noch viel zahlreicher aber würden diese Heimathflüchtigen sein, wenn die Zustände auf den Dörfern eine preiswürdige Veräußerung der liegenden Güter möglich machten; nur die relative Werthlostgkeit derselben hält viele Besitzer von dem Verkaufe und von der Auswanderung zurück. Aus den Handelsplätzen begeben sich auch manche junge Leute nach Australien und Südamerika.

Knglarrd.

London, 22. März. Meldung derTimes" aus Kabul vom 21. ds.: General Roberts erhielt einen Brief, von Moosa Khan geschrieben und von allen Häuptlingen in Ghuzni unterzeichnet, worin diese sich bereit erklären, sich den britischen Behörden zu unterwerfen und nach Maidan zu kommen behufs Anknüpfung von Unterhandlungen.

Telegraphische Depesche».

Wagrrer's telegr. Correspsntzenz - Bureau.

Stuttgart, 23. März. Zur Geburtstagsfeier des Kaisers Wilhelm fand gestern am königlichen Hose Galatasel statt, welcher sämmtliche Mitglie­der des königlichen Hauses mit Gesolge, der preußische Gesandte v. Heyde- brand nebst Gemahlin, der Ministerpräsident v. Mittnacht, der Kciegsmtnister v. Wundt, der commandirende General v. Schachtmeyer und die übrige Generalität beiwohnten. Der König brachte einen Toast auf Kaiser Wil­helm aus.

Petersburg, 23. März. Bei dem gestrigen Galadiner im Winter­palais anläßlich des Geburtstages des Kaisers Wilhelm brachte Kaiser Alexan­der den folgenden Toast in französischer Sprache aus: Kaiser Wilhelm, dessen Geburtstag wir so glücklich sind, heute zu feiern, gab mir anläßlich meines Jubiläums einen neuen Beweis der früheren beständigen Freundschaft, indem er zwei Briese schrieb, einen osficiellen, den zu veröffentlichen ich mich beeilte, und einen privaten, welche mich iunigst rührten. Auch ich hege die in den Briefen ausgedrückten Gefühle und rechne vollständig auf die Aufrechterhaltung und Bekräftigung der mehr als jahrhundertlangen Beziehungen zwischen unfern beiden Völkern, zu deren gegenseitigem Wohl. Ich trinke auf das Wohl des Kaisers und Königs, meines besten Freundes. Möge ihn Gott schützen und uns dm Trost geben, seinen Geburtstag noch lange Jahre zu feiern.

Loudon, 23. März. In der gestrigen Sitzung des Oberhauses erklärte der Staatssecretär für Indien, Cranbrook, General Stewart werde den Rück­weg nach Indien über Ghuzni anzutreten. Es sei ungewiß, ob er es für nöthig finde, Gbuzni anzugreifen.

Paris, 23. März. DieAgence Havas" meldet: Es wird versichert, daß die Decrete in Betreff der nicht autorisirten Congrezationen heute Vor­mittag von dem Präsidenten unterzeichnet seien, daß dieselben aber erst nach Ostern erscheinen würden.

San Francisco, 23. März. Das Bundesgericht erklärte das Gesetz, welches Korporationen die Verwendung chinesischer Arbeiter verbietet, für inconstitutionkll.

London, 23. März. Lord Hartington hielt gestern eine Wahlrede, worin er entschieden gegen eine Tripel-Allianz zwischen England, Deutschland und Oesterreich protestirte. Er habe nichts gegen Oesterreich und Deutsch­land einzuwenden, aber angesichts der gegenwärtigen Zustände Europas würde eine solche Allianz mehr oder weniger gegen gewisse andere europäische Mächte gerichtet angesehen werde. So sehr England auch bestrebt sei, den europäischen Frieden aufrechtzuerhalten, würde er fein Bündniß zulassen, welches Mißtrauen oder Ucbelwollen gegen Frankreich andeute.

Zur Feier des Geburtstages des Kaisers Wilhelm gab der deutsche Botschafter Graf Münster gestern ein Diner, wobei der Herzog und die Herzogin von Connaught, Graf Carolyi nebst Gemahlin und Graf und Gräfin Gleichen zugegen waren. DieTimes" meldet aus Konstantinopel vom 22. d., daß die Briganten den Obersten Synge freigelaffen hätten.

Bukarest, 23. März. Das Amtliche Blatt veröffentlicht den Bei­tritt Rumäniens zu den Beschlüffen der internationalen Telegraphen-Conferenz.

Konstantinopel, 23. März. Wie verlautet, machte der italienische Gesandte Corti Sawas Pffcha die formelle Anzeige, daß die italienische Re­gierung, falls die Verhandlungen mit Montenegro über die territoriale Corn- pensation für Gussinje nicht bis zum 31. März beendet seien, jede weitere Vermittelung aufgeben werde.

Berlin, 23. März. Der Kaiser empfing heute die Minister Graf Eulenburg und Dr. Lucius.

London, 24. März. Auf einem Wählermeeting in Hackney bei Lon­don hielt Schatzkanzler Northcote eine Rede, in welcher er Gladstones neu­liche Auslassungen gegen Oesterreich stark mißbilligte und eine Depesche des Botschafters Elliot verlas, die besagte, Baron Haymerle wünsche die Demen- tirung der von Gladstone dem Kaiser zugeschriebenen Aeußerung im Parla­ment oder in der Presse. Als Elliot und der Kaiser über Gladstone's Rede converfirten, schien Se. Majestät sehr ergötzt, zeigte sich aber nicht erzürnt. Elliot verwahre sich dagegen, eine zufällige Bemerkung des Kaisers wiederholt und entstellt zu haben.

Lokales.

Gießen, 24. März. Der verflossene Winter hat so unglaubliche Verwüstungen unter dem Baumbestände angcrichrct, daß alle bisherigen Meldungen und Befürchtungen wett hinter der Wuklichkett Zurückbleiben. Seit 1829 ist Deutschland von keinem ähnlichen Unglücke be­troffen worden. Es macht einen wehmüthigen Eindruck, wenn man sich die Baumzüchter mit

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