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v. Eynern gegen den Entwurf. Die nationalliberale Partei lebe nicht vom Culturkampf; sie habe im Interesse des Reiches und semes Ausbaues dem Rufe des Reichskanzlers Folge geleistet zu dem Kampfe gegen die Anmaßungen der Curie. Die Vorlage werde als verlorene Schlacht in diesem Kampfe bezeichnet: er müsse sich dem durchaus anschließen. — Rach Schluß der Discussion we.st v. Bennigsen in einer persönlichen Bemerkung die Auschuldipungen und Verdächtigungen Windthorst's und v. Schorlemers gegen ihn als Vorsitzenden des Rationaloereins zurück und legt dar, wie der Untergang des Königreichs Hannover einzig und allein den Machinationen der Welfen und Ullramontanen zuzuschreiben fei, welche den König zu dem unnatürlichen Bündnisse mit Oesterreich gedrängt hätten, anstatt die natürliche Anlehnung an Preußen zu suchen. — Rach Erwiderungen Windthorsts, Brüels und v. Schorlemers, nochmaliger Entgegnung v. Bennigsens und einer Replik Windthorsts folgt die Annahme des Artikels 5.
Artikel 7 wird nach kurzer Debatte abgelehnt. — Bachem bittet um Ablehnung des Art. 8 und Annahme der Windthorst'schen Anträge auf Abschaffung des Sperrgesetzes. — v. Wedel-Malchow hält den Antrag Windthorst zur Zeit für unausführbar. Art. 8 enthalte Dasjenige, was die Basis eines gedeihlichen Friedens mit Rom abgeben könne, die Friedfertigkeit Roms vorausgesetzt. Wenn das Gesetz nicht zu Stande komme, scheitere es an dem gegenseitigen Mißtrauen. — Windthorst vermag die Berechtigung nicht anzuerkennen, daß zur Zeit die Revision der Maigesetze unmöglich sei. Das Centrum verzichte auf Friedenspräliminarien und wolle sofort in den Abschluß treten. — Regierungscommissär Lucanus betont, daß das Sperrgesetz obsolet wird, sobald der Frieden hergestellt und die Besetzung der Bischofsstühle erfolgt sei. Er ersucht um Annahme des Regierungsvorschlages eventuell die Annahme des Bandemer'schen Antrages. In der Abstimmung nach der Verwerfung des Antrages Windthorsts wird der Antrag Bandemer mit 185 gegen 180 Simmen verworfen. Der Antrag Brüel wird abgelchm und schließlich auch der Art. 8 in der Regierungsfassung abgelehnt.
Nächste Sitzung morgen-
Paris, 22. Juni. Die republikanischen Journale billigen einmüthig die Rede Gambetta's. Die Journale der Rechten zollen seinem rednerischen Talente Anerkennung, gift die gelammte Presse meint, Gambetta könne den Posten eines Ministerpräsidenten nicht lange mehr ablehnen.
London, 22. Juni. Eine Lloyds-Depesche meldet aus Buenos Aire- von gestern, daß daselbst eine Revolution ausgebrochen, die Stadt belagert und der Hafen blokirt sei.
Athen, 22. Juni. Man meint hier, die Berliner Conferenz werde die griechische Grenze so tractren, daß sie billigen Erwartungen entspricht, da die Mächte den von dem französischen Bevollmächtigten vorgelegten modifictrten Waddington'schen Vorschlag tm Ganzen billigen. Die Modificationen der ursprünglichen Waddington'schen Arbeit beruhen auf dem Meinungsaustausch zwischen England und Frankreich und werden nicht als zu Ungunsten Griechenlands getroffen angesehen. Die hier vorgekommenen Truppenconcentrtrungen erfolgten nicht zu politischen Zwecken, sondern zu den alljährlichen militärischen Lagerübungen.
Rom, 22. Juni. Die Wahlen verliefen in vollster Ordnung. — Der Papst hat den Cardinalvicar beauftragt, die Priester, welche sich an den Munt- cipalwahlen bethetligten, zu beglückwünschen.
Paris, 22. Juni. Im Senat brachte der Justizminister heute den Amnestie-Entwurf ein. — Der Senat nahm Art. 1 des Antrages auf Aufhebung der Militärgeistlichkeit an. — Der Ueberschuß der Einnahmen an indirecten Steuern in der ersten Hälfte des Juni über den budgetmäßigen Anschlag beträgt mehr als 18 Mill. Frcs.
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Berlin, 22. Juni. Abgeordnetenhaus. Fortsetzung der zweiten Berathung der
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^ha^Die Amerikaner verließen nun die „Silesia", um auf dem „Blankenese" mit uns gemeinsam in den Hamburger Hafen zu fahren. Die Fahrt glich einem Trmmphzuge. Ueberall an dem rechten Elbufer ertönten die Willkommengruge. Imposant war die stattliche Anzahl der Dampfboote, welche entgegengefahren kam und dann im Gefolge des „amb^rger H.ifen bot ein entzückendes Bild. Die Schiffe hatten reich Q& flaggt, der Speicher der Packetfahrt-Gesellichaft, wo die Landung erfolgte, war reich geschmückt. Aller Orten am Hafen batte sich eine unabsehbare Menschenmenge ang^- sammelt. Der „Silesia" wurde, als die Amerikaner sie verließen, em Hoch gebracht für die vortreffliche Verpflegung, welche sie den Turneru gewahrt. Sei ber Landu g begrüßte Herr Goddeffroy, der Director der Gesellschaft, die Ankommenden m herrlichen leider den Meisten unverständlich gebliebenen Worten- Die Antwort war ein^Hoch auf Deutschland und ein zweites auf die Gesellschaft. Beim au
dem Speicher der Gesellschaft, vor welchem sammtliche hiesige und benachbarte ^urn vereine Aufstellung genommen hatten, begrüßte Herr Dr. Spieß aus Frcmkfur . ,M- die Gäste Namens der alten Kaiserstadt Frankfurt- Em Hoch auf das V. deutsche ^"^Nachmittags ^wohnten die amerikanischen Gäste dem Schauturnen der hiesigen Turner bei Darauf wurde ein gemeinschaftlicher Spaziergang nach der Uhlenhorst unternommen, und eben hat man sich zum fröhlichen Commers m den Hansa-Saal beSCbC@ine große Zahl der am Wett-Turnen in Frankfurt theilnehmenden Deutsch- Amerikaner wird erst in der nächsten Woche nachkommen. . «
Wie ich höre, werden fast alle Staaten des amerikannchen Turnerbundes w Delegirte in Frankfurt vertreten fein. Q Q H6r - unge-
Der Fest-Commers ist bis fetzt — wo ich diese Zeilen schreibe, 0 Uy H mein ^»erlaufen „„dienen alle Anerkennung für ihre umsichtigen Veranstaltungen. tor" ä 1
- fiert G-h. Rath Reuleau; verläßt tn den ersten Tagen der kommen- , den Woche Berlin, um sich zur Wahrnehmung der Interessen der deutschen ,
Aussteller als Reichscommisiar nach Melbourne zu begeben. Derselbe wird ; fich zunächst nach Griechenland begeben und sich einige Wochen dort aufhalten, um die Stätten der Ausgrabungen von Schliemann und Humana zu besuchen. Die Ankunft des Reichs commissarS tn Melbourne durste voraussichtlich in die letzte Woche des August fallen. Die Eröffnung der Ausstellung findet bekannt- ltch am^ (n goige zahlreicher Beschwerden der letzten Zelt hat der vreußische Justüminister tn Betreff der Versteigerung abgepfändeter Gegenstände an die Präsidenten der Ober-Landesgerichte unter dem 11. d. Mts. folgende Verfügung gerichtet: „Nach S 77 der Geschäftsanweisung für die Gerichts- Vollzieher ist die Frist zwischen dem Tage der Pfändung und dem Termine zur Versteigerung unter Beobachtung der Bestimmungen tm 8 717 Abs. 1 der Livilviorestordnung so zu bemeffen, daß der Termin tn einer der Beschaffenheit und dem Werthe der zu verkaufenden Pfandstücke entsprechenden Art und Weise öffentlich bekannt gemacht weiden kann. In der Regel ist die Frist auf 14 Tage au bestimmen. Die Gerichtsvollzieher haben demgemäß tm gemeinsamen Wnffe des Gläubigers und des Schuldners den Versteigerungstermin in einer solchen Weise anzuberaumen, daß einerseits ein möglichst dem Werth entsprechender Erlös erzielt wird und andererseits unnöthige Kosten vermieden werden? Da tn der Bekanntmachung nur besonders werthvolle Sachen hervor- Aubeben, dte anderen zu versteigernden Gegenstände aber nur tm Allgemeinen zu bezeichnen sind, so wird es sich, auch wenn bet verschiedenen Personen Sachen gepfändet sind, tn vielen Fällen empfehlen, Verstetgerungstermin- an demselben Orte und zu derselben Zeit stattfinden zu laffen unv zur Vermeidung unnölhig gehäufter Insertionen und Jnsertionskosten in einer und derselben Be- kanntmachung zusammenzusaffen. Ew. Hochwohlgeboren ersuche ich, darauf hinAUwirken, daß dte Gertchtsvollzteher die vorstehenden Bestimmungen sorg- sältig beobachten und, den Verhältniffen der einzelnen Fälle entsprechend, tm Jntereffe der Betheiltgten verfahren. Es scheint nach zahlreichen Aeußerungen in der Tagespreffe, daß der schleunige Geschäftsbetrieb und Die selbstständige Action der Gerichtsvollzieher in den Landestheilen, in denen das Institut der Gertchtsvollzteher bisher noch unbekannt war, vielfach auf Abgeneigtheit bei den Gerichtseinges.ffenen stößt. Insoweit sich diese gegen den von der Partei veranlaßten schleunigen und nachdrückichen Betrieb der Zwangsvollstreckung richtet, kann darauf selbstverständlich kein Gewicht gelegt werden. Dahingegen liegt es allerdings im eigensten Jntereffe der Institution selbst, daß derselben das Vertrauen des Publikums gewonnen wird, und daß deshalb dte Ausübung der den Gerichtsvollziehern zustehenden discretionären Befugniffe sorgfältig überwacht, etwaigen Mißbräuchen und Ausschreitungen« aber — eventuell im Disctplinarwege — nachdrücklich entgegengetreten wird."
Stoßen.
Rom, 20. Juni. Der zum Range eines Botschafters erhobene Vertreter Italiens in Konstantinopel, Gras Corti, begibt sich morgen auf seinen Post^. — In mehreren Städten haben Versammlungen zu Gunsten des allgemeinen Stimmrechtes stattgefunden.
Arankreich.
Paris, 21. Juni. Der Senat hat mit 140 gegen 119 Stimmen die Dringlichkeit bezüglich der Vorlage wegen Abschaffung der Milttärgeistlich- feit angenommen. ... . v m ,
In einer Abtheilungssttzung der Deputirtenkammer erklärte der Polizei- vräfekt Andrieux: wenn die Amnestie erlaffen ist, so wird die Regierung, ge» stützt durch die Kammern und das Land, gegen die Partei der Commune entschlossen auftreten müssen. Die Regierung macht die Amnestie nicht für, sondern gegen die Männer der Commune.
Pari-, 21. Juni, Abends. Deputirtenkammer. Berathung der Amne- stievorlage. (Ausführlichere Meldung.) Gambetta weist nach, daß vie Amnestie keineswegs eine Politik der Schwäche, sondern vielmehr eine Politik der Con- eentrirung bezeichne. Man müffe die Amnestie so lange als möglich vor den Neuwahlen gewähren, damit bk feindlichen Parteien aus ihr feinen Nutzen Aßgen. Man müffe den Grabstein auf die Verbrechen der Commune setzen und Allen zurufen: ein einziges Frankreich, eine einzige Republik. — Das Amendement Barthe, die Verbrechen gegen das gemeine Recht von der Amnestie ouszuschließen, wird abgelehnt und dte Amnesttevorlage angenommen. Gleichzeitig wird beschlossen, die Rebe Gambetta's in allen Communeu Frarik- reichs zum öffentlichen Anschläge zu bringen. _________
Die Ankunft der „Zilesia".
Hamburg, 20- Juni.
Die deutsch-amerikanischen Turner, welche am V. deutschen Turnfeste Theil nehmen wollen, sollten eigentlich schon gelten; mit der „Silesia" eintreffen; aber der Dampfer verspätete, und so war es möglich, heute, am Sonntage, den Gästen einen Empfang rn bereiten, wie er in seiner Art einzig war.
Die Direction der Hamb.-Amerik- Packetfahrt-Act.-Gesellschaft hatte dem Ausschuß der hiesigen und Altonaer Turnvereine bereitwilligst den „Blankenese" zur Verfügung gestellt, welcher heute Morgen 5 Uhr abfuhr, um die bei Brunshausen seit gestern Nacht lie^e^.^^Wetter^war^ganz vortrefflich. Gegen 6 Uhr war die „Silesia" in Sicht und um halb 7 Uhr lenkte unser Boot hmüber zu dem ruhenden Schiffe. Das Hurras rufen und das „Gut Heil" wollte kein Ende nehmen. Es war in der That ein wahrhaft erhebender Moment, diese Begrüßung mitten auf der Elbe und m der frühen Moraenstunde. Die Amerikaner hatten übrigens schon eine Begrüßung hinter sich; denn ein Willkommenboot der Stadt Stade lag bereits an der Seite der „Silesia". Auf dem blumengeschmückten Boote prangte ein weit sichtbares: „Willkommen m Deutschland! die Stadt Stade!" . in,t m
Herr H. Flügge nahm das Wort, um in beredter Weise Namens Deutsch- lands Namens Hamburgs die deutsch gebliebenen Söhne Europas zu begrüßen. Mit einem' Willkommen, Ihr Freien, im freien Lande! Willkommen in Germania, willkommen in Hammonia!" schloß er seine mit Jubel ausgenommene Rede.
Herr Ritzke aus San Franzisko erwiderte Namens der deutsch-amerikanischen Turner Sein „Gut Heil!" galt dem deutschen Vaterlande, das ihnen in Amerika nach wie vor das Vaterland sei, dessen Geschicke auch drüben über'm Ocean von den Deutschen bald mit Bangigkeit, bald mit Frohlocken verfolgt wurden. Er sprach die Versicherung aus, daß sie nach wie vor deutsche Sitte, deutsches Denken drübm pflegen und dem alten Mutterlande treu sein wollten. . ....
Wad) dieser ebenfalls mit Begeisterung aufgenommenen Rede entwickelte sich an Bord der Silesia" ein prächtiges Durcheinander. Einen ganz besonderen Effect machte der Einfall eines Journalisten, der große Sträuße Kornblumen mitgebracht hatte, um sie m vertheilen. Man riß sich förmlich um die lieben blauen Blumen der Heimath, und nicht nur die Frauen, sondern auch die Männer waren begierig, einen Strauß zu
4 Für dm ANik-I 5 haben sich 3, gegen den Artikel 8 Redner gemeldet. Jazd- »ewski spricht gegen den Artikel. Mindestens müsse die Verpflichtung zur Eidesableistung völlig beseitigt werden. - Wehr für den Artikel mit dem Amendement Stengel. - Schorlemester-Alst: Die Maigesetzc enthielten das G-g-nth-.I dessen, was vorher Bischöfe und Geistliche beschworen hätten. Was die Absichten wegen Brechens des Widerstandes des Centrums anbetrcffe, so sei gerade bie Festigkeit des Centrums der einriae Sait der nationalliberalen Partei, dasjenige, wofür einst das gesammte Land demselben dankbar sein werde. - ° Syb-l für Art. .->, weil er geechnet s-, den
Art 4 unmöglich zu machen, dessen schweren Uebcstande zu beseitigen. Seme Partei habe von Anfang des Kampfes an dem Princip sestgehalten: Freiheit der Kirche soweit Erbauungs-Anstalt, Unterwerfung, soweit R-chtsmstUut. Er hoffe auf eine Ver- nnbarung, die das Gesetz möglich mach- und zwar ohne Art. 4. Er sei Mit dem Mrnndiaüe des Art 5 einverstanden, halt- aber die obligatorische Bestimmung des Verzichts auf den Eid nicht für angemefsen. Er wünfcht das Zustandekommen des Gesetzes weil damit di- Regierung zeige, daß st- bestrebt sei, die schweren u-belstande m beseitigen, welche der Widerstand gegen die Maigesetze erzeugt habe: well andererseits die Centrumspartei vor die einfache Frage gestellt werde: Kämpft Ihr für das R-dürsniß des Volkes oder für dic Jnteresseil einer herrschsuchtigen Hierarchie? Bezüg- Uck der Anzeigepflicht handle es sich nicht um -in Anstellungsrecht, sondern um das Vltor cht des Staates, wobei ein -ons-ssion-ll-r Einflug nicht existire.
eint, erklärt sich gegen den Artikel. Derselbe sei, wie die ganz- Vorlage, von einer Nachgiebigkeit gegen die Curie, welche diese in ihrem Widerstande gegen die Mage nur bestärken müsse. Reg erungs-Commissar Hübl-r ,st gegen den Antrag Brücl's Der vorgeschriebcne Eid könne doch nicht moralisch unhaltbar und zu be- teitiaen sein, wenn er anstandslos in Bayern, Oldenburg -c. g-leistet werde. Anderer- I- ts enthalte dieier auch dem Bisthumsverweser auferlegte Eid etwas Neues, was Schwierigkeiten erzeugen würde. Für die Zwischenzeit bis, zur definitiven Regelung der Eid-sle-s nng habe die Regierung die Möglichkeit der Dispensation von dem vor- neickriebenen Eide nöthig. Die Staatspsarrer würden dann den Schutz des Staates nea7n di- Disciplinirung durch ihre kirchlichen Oberen genießen, wenn dieselbe stattstnde, weil die Pfarrer den Staatsgesetzen gehorchten. Excesse des „Staatspfarrers werden s


