Ausgabe 
23.5.1880 Zweites Blatt
 
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In Prag schlägt man den deutschen Professoren die Fenster ein, und die czechische Presse billigt diese Excesse. Sie spricht von der Imper­tinenz der aus Deutschland importtrten Culturgrößen gegen daS Volk von Böhmen. Die Deutschen in Böhmen zählen also nicht viel! Wenn die Hetzerei so fortgeht, bnnn sind ernstliche Ruhestörungen zu befürchten.

Der Ausfall der Wahlen in Italien zeigt eine Verstärkung der Rechten, während die Dissidenten Verluste und die Radikalen eine Niederlage erlitten haben. Mit Rücksicht auf den Ausfall der Stichwahlen berechnet man eine starke mibifierielle Majorität.

Die Conservativen in England sind durch die Niederlage Glad- stone's, dessen Brief an Karolyi das Nattonalgefühl beleidigt hat, sowie durch den günstigen Ausfall der Wahl in Wighton ermuthtgt. Auf einer großen Parteiversammlung erklärte sich Lord Beaconsfield bereit, Führer der Confer- vativen zu bleiben. Allgemein äußerte sich die Zuversicht auf eine günstige Zukunft der conservativen Partei.

Der Fürst Milan von Serbien wird Ende nächsten Monats den kaiserlichen Hof in Wien besuchen.

Aus Amerika wird berichtet, daß General Grant an Aussicht zur Präsidentenwahl von Tag zu Tag verliert, während auf demokratischer Sette die Chancen für Tilden steigen.

Mr Garten- uni) Gbstlmumbcsitzcr.

Wie verschieden auch die Ansichten und Meinungen der Menschen sein mögen, einer Behauptung werden wohl Alle zustimmen, daß der, welcher die Lebens­mittel vermehrt, Ansprüche hat auf die Dankbarkeit seiner Mit­menschen, denn die erste Bedingung zum Leben ist Nahrung. Auch das Obst muß dazu gerechnet werden, denn es ist nährend, gesund, erfreuend, erguickend.

Die Bedeutung des Obstbaues für die allgemeine Wohlfahrt und in volkswirth- schaftlicher Beziehung wird aber nicht allgemein, nur von Einzelnen gewürdigt. Sehr wünschenswerth wäre, daß das auf den Obstbau bezügliche Wissen Gemeingut, und die pomoloaische Verwilderung vermieden würde, die zur Zeit in vielen Obst­gärten, namentlich der Landleute, und in den Obstanlagen mancher großen Land­güter herrscht.

Es liegt daher der Wunsch nahe, daß man sich mehr befleißigte, die oft noch baumleeren Wege zwischen den Feldern mit Obstbäumen zu besetzen, wobei aber dar­auf Rücksicht zu nehmen sein würde, für sehr lange Strecken eine und dieselbe Sorte zu wählen, weil sonst, wenn sich mehrere, zu verschiedener Zett reifende Obst-

Nr. 117. Zweites Blatt. Sonntag den 23. Mai 1880.

Hießener Anzeiger

AiMk- Md Amtsblatt für dkk Kreis Gießen.

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Amtlicher Hheit.

»on Strauß. Betreffend: Lehrplan für den evangelischen Religionsunterricht. Gießen, am 18. Mai 1880.

Die Großherzogliche Kreis-Schul-Commifston Gießen

an die Schulvorstände des Kreises.

:on Jh auf ft Wir lassen Ihnen nachstehend die Verfügung Großherzogltchen Ministeriums des Innern und der Justiz, Abtheilung für Schulangelegenheiten, vom

7. d. M. zur Kenntnißnahme und Nachachtung zugehen.

Dr. Boekmann.

Zu Nr. M. I. 9665. Darmstadt, am 7. Mai 1880.

Betreffend: Wie oben.

Das Zroßherzogtiche Mmflermm öes Onnern unö Der Justiz, Abtheilung für Hchulangelegenheiten, an die Großherzogltchen Kreis- Schulcommisfionen.

von Michaelis- von Spindler. atjichtigk dm.

Iinribtn md imtnhkibtrn

de Beauclatr.

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jgler s q, Bedienung. Irrarigewerit. nstrasse

Nachträglich zu unserem Ausschreiben vom 12. Juli 1875 pr. Nr. M. d. I. 10,906, Lehrplan für den evangelischen Religionsunterricht betreffend, thetlrn wir Ihnen mit, daß nach Beschluß des Großherzoglichen Ober-Confistortums, gegen deffen Ausführung Großherzogliches Ministerium des Innern und der Justiz keine Einsprache erhoben hat, in denjenigen Gemeinden, deren kirchliche Vertretung sich für Annahme des neuen Gesangbuchs für die evangelische Kirche erklärt har, dieses neue Gsangbuch für ote Zukunft anstatt des seitherigen Landesgesangbuchs, beziehungsweise des Liederbuchs von Schwabe, im Religionsunterricht gebraucht werden soll.

Knorr.

Bekanntmachung.

Betreffend: Den Unterrichts-Cursus im Wiesenbau an der Aekerbaufchule zu Friedberg.

Nach Beschluß beJ Ausschusses bes lanbwirthschaftlichen Vereins für Oberheffcn wirb auch in diesem Jahre wieder ein Cursus zur Ausbildung von Wiesenbaugehülfen unter Leitung deö Vereintcultur-Technikers, Wüscnbaumeister Greb, an hiesiger Ackerbauschule stattfinden und soll derselbe in der Zeit vom 14. Juni bis 7. August abgehalten werden.

Der Unterricht umfaßt: Naturwissenschaften, Geometrie, Feldmeffen, Nivelliren, Planzetchnen, Aufstellung von Culturplänen und Kostenüberschlägen, Theorie des Wiesenbaues, der Drainage, verbunden mit Demonstrationen und praktischen Uebungen bei den in Ausführung begriffenen Meltorattonsanlagen. Der Unterricht ist unentgeltlich und wird von dem Wiesenbaumeister und von Lehrern der Ackerbauschule ertheilt. Aufnahmefähig sind junge Leute, welche bereits eine Ackeibauschule besucht, angehende Geometer und solche, welche im Wiesenbau praktisch geübt sind und in einer Prüfung die erforderlichen Vorkenntniffe Nachweisen können.

Eine entsprechende Anzahl der Theilnehmer wird voraussichtlich alsbald nach Absolvirung des Unterrichts-Cinsus als Gehülfen des Wiesen-Bau» Meisters, bezw- als Wiesenbau-Aufseher je nach Befähigung gegen entsprechende Vergütung bei den in Ausführung begriffenen Meliorations-Unternehmungen Verwendung finden und ist denselben hierbei volle Gelegenheit zu ihrer Ausbildung als selbstständige Techniker gegeben.

Anmeldungen haben thunltchst bald, spätestens bis zum 10. Juni laufenden Jahres unter Vorlage eines Zeugnisses über gute Aufführung, etwaiger Zeugniffe über Vorbildung rc. bei dem in terzeichmten Curatorium zu erfolgen, daö zu jeder wetteren Auskunft gerne bereit ist.

Friedberg, den 28. April 1880.

Das Curatorium der Ackerbauschule zu Friedberg. __Dr. Braden. Küchler. Sckmtdt.

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Politische Uebersicht.

Fürst Bismarck hat ein>r Sitzung des Bundesraths prästdirt, zu welcher die Ausschüße für Handel und Verkehr und für das Zoll- und Steuer­wesen zusammengetreten waren. Die Referenten erstatteten Bericht über die ; Frage der Einverleibung von Altona und St. Pauli in das Zoll­gebiet. Wie verlautet, wurde beschloßen, den Antrag zu stellen, von dem An­schluß St. Paulis an das Zollgebiet Abstand zu nehmen, dagegen die nöthtgen Vorkehrungen für den Anschluß Altonas zu treffen.

Zur Beseitigung des sog. Culturkampfes gedenkt Fürst Bismarck be« kanntlich vom preußischen Landtage dtscretionäre Gewalten zu verlangen behufs der ferneren Ausübung der sog. Maigesetze. Die Bcfugntß, von den Erfor- dernißen der Gesetzgebung in der einen oder andern Richtung und von Fall zu Fall nachzulaßen, soll nicht in die Hände des Cultusmtnistertums, sondern des Gesammtmtnisteriums gelegt werden. Wie man hört, gehören das sog. Brodkorbgesetz, die Einstellung der Staatsletstungen an die Geistlichen betr., und das Gesetz wegen Vorbildung und Anstellung der Geistlichen zu denjenigen Gesetzen, welche bei einem Entgegenkommen der Curie zunächst außer Kraft gesetzt werden dürften, dagegen gedenkt der Staat bezüglich des Gesetzes wegen Verbots der Ordens- und anderer Congregationen keine Concesfionen zu machen.

Die Ungarn verlangen jetzt, daß der Kaiser Franz Joseph oder vielmehr der König, denn einen solchen erkennen die Magyaren blos an, seine Residenz nach Budapesth verlege. Die ungarische Preße beklagt, daß der österreichische Hof nur kurze Zeit in der Hauptstadt des Königreiches weile. Das Gesetz, schreibt man, spreche zwar nicht aus, wie lange der König in Ungarn zu verweilen habe, aber der Geist deflelben gehe dahin, es Möge der Herrscher etwa die Hälfte des Jahres in Pesth, die andere Hälfte 1 in Wien zubringen. Natürlich sträuben sich die Wiener Organe gegen diese Forderung, und man ist gespannt darauf, wie diese Zumuthung bei Hofe aus­genommen werden wird. Da man jetzt in Oesterreich so sehr mit der Befrie­digung der berechtigten nationalen Wünsche beschäftigt ist, so dürfte man sich nicht wundern, wenn die Böhmen den Aufenthalt deS Königs von Böhmen für Prag und die Polen den Besuch des Königs von Galizien sich für Krakau ausbitten.

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