Feier eine sehr würdige und später animirte war, konnten bte resp. Frauen an dem etwa- späten Nachhausekommen ihrer Herren Gatten merken.
Gießen, 19. März. sSchwurgerichtsverhandlung.) Die Eberhard Buß Wittwe von Eberstadt ist beschuldigt, daß sie in betrügerischer Absicht in der Nacht vom 2. zum 3. August 1879 ihre gegen Feuersgefahr versicherte, zu Eberstadt gelegene Hofraithe, beziehungsweise die versicherten Mobilien in Brand gesteckt höbe.
Die heutige Verhandlung ergab folgendes Resultat:
Eberhard Buß Wittwe betreibt in ihrem Hause zu Eberstadt ein Spezerei und Luch- waaren-Geschaft, in welchem in der Nacht vom 2. zum 3. August v. I. Feuer ausbrach, weiches jedoch durch schnell herbergeeilte Hülfe nach kurzer Zeit wieder gelöscht wurde. Die thetlweise angebrannten und durch das Löschen beschädigten Manufaetur-Waaren wurden aus dem Laden entfernt und in sicheren Gewahrsam gebracht.
Die Hofraithe der Johann Eberhard Buß Wittwe zu Eberstadt liegt auf der linken Seite der von Lich nach Butzbach führenden Staatsstraße und besteht aus einem zweistöckigen alten Wohnhauie, aus einem daran grenzenden Neubau und einer gleichfalls neuerbauten Scheuer.
Der Kaufladen in welchem das Feuer zum Ausbruch kam, befindet sich in dem alten Wohnhause und sollte dieses letztere im nächsten Jahre ntedergerifscn und neu aufgebaut werven.
Die Hofraithe ist im Brandkataster zu 11,040 JL versichert und beträgt bic Versicherungssumme für das abgebrannte alte Wohnhaus 1030 JL Das Mobiltarvermögen der Aw geschuldigten war bei der Feuerversicherungsgeselljchaft Thuringta zu Leipzig in der Höhe^von 11920 <X versichert und nahmen die versicherten Ellenwaaren der Höhe nach die erste Stelle ein, indem die Versicherungssumme derselben auf 6500 fixirt ist.
Am 4. August v. I erfolgte gerichtliche Augenscheinseinnahme, wie die Vernehmung der Angeschuloigten. Damals erklärte Letztere ganz ausdrücklich, daß sie darüber, auf welche Weise das Feuer entstanven sei, gar keine Vermuthung habe und gab sie den Werth der verbrannten Waaren auf 4000 JL an, reducirte denselben aber später auf 3500 JL
Nach der am 11. und 12. August v. I. vorgenommenen Expertise ergab sich, daß das Waarenlager vor dem Brande einen Werth von 1113 JL 90 $ hatte und nach dem Brande noch einen Werth von 184 83 $ repräsentirte, so daß sich der Schaden, welcher der An-
geschuldigtcn an Waaren durch den Brand erwachsen war, etwa 900 JL betrug.
Am 13. August v. I. erschien der Sachverständige Karl Chambri von Lich bei Großh. Landgericht daselbst und machte die Anzelge, daß er bet dem Ausmesien der W-arenreste ver- schic bene Stücke gefunden habe, welche einen starken Petroleumsgeruch verbreiteten. Das Ortsgericht Eberstadt, wie der Jnspector Schuberth hätten sich hiervon gleichfalls überzeugt und übergab Chambri einen Lappen dieser Stücke dem Gericht. Mit Rücksicht hierauf verfügte sich Großherzogl. Landgericht Lich anderen Tags zur Beaugenscheinigung der Waarenreste und des Ladens der Angeschuldigten wiederholt nach Eberstadt und wurde nicht allein constatirt, daß verschredene Stücke Baumwollenbieber (18 größere und kleinere Fe§en) stark nach Petroleum rochen, sondern es wurde auch auf dem Fußboden, an der rechten Seite des Ladens, da wo die Ellenwaaren lagerten, eine Stelle aufgefunben, welche mit Petroleum getränkt war.
Auf diese Derbachtsgründe hin w«rde gegen die Angeschuldigte Untersuchung eingeleitet und dieselbe in Haft genommen.
In der Voruntersuchung erklärte die rc. Buß Wittwe, daß sie wegen Entstehung dcS Brandes gegen Niemanden einen spectellen Verdacht habe, später bringt sie jedoch vor, daß mehrere Handwerksburschen, denen sie Quartier verweigert habe, den Brand aus Rache verübt haben könnten, indem dieselben, wie sie erfahren habe, in Muschenheim Petroleum gekauft hätten. Nach den angrstellten Ermittelungen stellte sich diese Erzählung aber als eine Fabel heraus. —
Die Angeklagte machte bei der heutigen Verhandlung den Eindruck einer für ihre Ver- hältnisie klugen und gewandten Person, bte auf Alles genau achtet und mit großer Redegewandtheit ihre Sache zu führen versteht. Ihr Leumund ist kein besonderer, da sie wegen Hehlerei schon mit 4 Monaten Gefängniß bestraft worden ist. Sie scheint in ihrem Wohnorte nicht beliebt zu sein und traut man ihr, wie es scheint, die Urheberschaft des Verbrechens zu.
Die Geschworenen erkannten die Angeschuldigte für überführt und sprachen das „Schuldig" aus, worauf der Gerichtshof dieselbe in 3 Jahre Zuchthaus (unter Anrechnung von 4 Monaten Untersuchungshaft), sowie in eine Geldbuße von 700 JL, eventuell 1 Monat Zuchthaus verurtheilt.
— Herr und Frau Storch sind gestern eingetroffen und bereits fest an der Herrichtung ihrer Wohnung auf dem Heidenthurm beschäftigt._____________________________________________
Telegraphische Depeschen.
Waguer's telegr. CorrefpONlerrr • «rrrearr.
Paris, 21. März. Die „Agence Havas" meldet: In einem an das Gericht adresstrten Briefe dementtrt Hartmann die von englischen Journalen publicirte Erklärung und behauptet, weder in Paris noch in London irgend Jemand die Angelegenheit erzählt zn haben. Um die Echtheit seines Briefes festzustellen, übergab Hartmann denselben einem dem Justizdirector persönlich bekannten Freunde. Der Brief ist unterzeichnet: „Hartmann."
Lokales,
Gießen, 22. März. Kaisers Geburtstag wurde am Samstag früh durch eine Reveille der hiesigen Regimentsmusik eingeleitet. Vormittags war auf dem Oswaldsgarten große Parade. Mittags 1 Uhr vereinigte ein Festesten in Wenzel's Garten die Militär- und Civilbehörden rc., während bic Mannschaften bc8 Regiments in ber Kaserne bewirthet wurden. In den städtischen Schulanstalten wurde Vormittags durch Ansprache an die Schüler, sowie im Gymnasium um 3 Uhr burch Fest-Actus an bte Feier bes Tages erinnert und mahnende Worte an die Jugend gesprochen. Abends hatten die einzelnen Compagnien des Regiments ihren Ball. Auch ber Kriegerverein feierte in seinem Vereinslocal Kaisers Geburtstag. In Verhinderung des 1. Präsidenten, hielt der 2, Herr Louis Petri III., eine zündende Rede an die Kameraden und brachte das Hoch auf Deutschlands Schirmherrn aus. Daß die
Nußlant».
Petersburg, 20. März. Der „Rezterungsbote" bringt ein Schreiben des Kaisers, worin Se. Majestät den Minister des Innern beauftragt, allen Volksklassen den herzlichsten Dank für die Ausdrücke treuester Ergebenheit und die Spenden, welche anläßlich des 25jährigen Jubiläums zu wohl- thätigen Zwecken gemacht wurden, auszudrücken.
Türkei.
Konstantinopel, 19. März. Die Untersuchungs-Commission bezüglich des Prozesses gegen den Mörder Kummerau's beschäftigte sich gestern mit der Zeugenvernehmung. Der Geisteszustand des Angeklagten ist ärztlicher Beobachtung unterstellt. Morgen wird das Gutachten der Aerzte und der Urtheilsspruch des Gerichts erwartet. — Finanzdirector Schmidt hat seine Entlaffung genommen.
Verwischtes.
Gießen, 22. März. Die in unserem Lande eingeführte „Allgemeine Versorgungs- Anstalt im Großh. Baden zu Karlsruhe" veröffentlichte vor einigen Tagen die vorläufigen Rechnungscrgebniffe pro 1879. Bei ber Abtheilung für Lebensversicherung würben eingereicht 4,207 Anträge mit' 17,471,617 «X Kapital unb abgeschloffen 3,406 neue Verträge mit 13,792,324 X Kapital. Abzüglich ber burch Ableben und Kündigung erloschenen Versicherungen ergab sich ein reiner Zuwachs von 2,433 Verträgen mit 10,315,900 <X Kapital und ein Ge- s ammtversicherungs Stand von 23,009 Verträgen mit 89,466,226 X Kapitel. Das letztere bedeutende Resultac erreichte die Versorgungs-Anstalt in dem kurzen Zeitraum von 15 Jabren. In den letzten 5 Jahren erzielte sie mit den Anstalten zu Gotha, Leipzig und Stuttgart (Lebensversicherungs-Bank) jeweils den höchsten reinen Zuwachs an Versicherungs-Kapital. Die Einrichtungen ber Versorgungs-Anstalt — namentlich die Art ihrer Dividenven - Verthetlung — finden allseitige Anerkennung bei Behörden, Korporationen und Privaten.
Friedberg. Wie sehr bei der immer größeren Bedeutung der Obstcultur in unserer Provinz der dahier eingerichtete Obstbaucursus einem Bedürfnisse entgegenkommt, dafür spricht die stets steigende Frequenz desselben. Der Cursus ist dermalen von 23 Schülern, im Alter von 14—46 Jahren, besucht und zwar von 15 Leuten aus dem Kreise Büdingen, 4 aus dem Kreise Friedberg, 2 aus Dem Kreise Gießen und 2 aus dem Kreise Erbach. Der Unterricht wird ertheilt von 4 Lehrern: Prof. Dr. Tobisch, Dr. Ludloff, Reaüehrer Lang und Hofgärtner Lott.
Asus der Alt mark. In der Forst Drömmling (Altmark) hatten Holzsckläger vor Kurzem beim Fällen einer alten, gänzlich hohlen Eiche eine grauenhafte Ueberraschung. Der morsche Baum fiel und ein Scelet rutschte den Arbeitern entgegen; daffelbe war sehr gut erkalten, ebenso die bis zum Kniegelenk reichenden Stiefel. Ein Pulverhorn, eine silberne Uhr und ein Porzellanpfeifenkopf lagen zur Seite; auf besagter Uhr war der Name H. v. Kracko witz 1812 eingravirt. Es wird angenommen, daß der Mann (ber nach bem vollständigen Ge- biß zu urtbeilen, zwischen 30 bis 40 Jahre gezählt) wahrscheinlich bei einem Jagvabenteuer den Baum erstiegen, die Höhlung hineingerutscht unb so stehenb in biesem engen Holzkerker ben entsetzlichen Hungertob gefunden hat.
brücke zu Mainz Georg Beits auf fein Nachsuchen in den Ruhestand zu ""se^8.. Concurrenzeröffnung. Erledigt ist: Di- mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemetndeschule zu Daubrtngen mit einem Gehalt bon 900 @e(iot6cn find: am 26. Decbr. 1879 der Districtscin-
nehmer i P. Georg Joseph Barth zu Kastel; am 22. Januar 1880 der Steueraufseher Schmäht zu Lich; am 8. Februar der Oberförster i. P. Fehr. Geora Schenk zu Schweinsberg zu Darmstadt; am 9. Februar der salz- magazinsverwalter i. P. Adam Keller zu Ben-Heim; am 10. Februar der
Landrickter i. P. Ferdinand Menges zu Beerfelden; am 17. Februar der
«oriwart i. P. Johannes Gülcher zu Ruhlkirchen; am 20. Februar der
Gmsd'arm t. P. Mathias C°Y ID zu Mainz; am 27. Februar der Hauptmann a. D. Franz Ludwig Düring zu Darmstadt; am 28. Februar der
Mtnisterial-Registrator Eberhard Ihm zu Darmstadt; am 2. Marz der Real- schuldirector Hermann Lorey zu Darmstadt; am 4. März der Generalmajor a. D. Johann Jacob Weitzel zu Darmstadt.
Darmstadt, 19. März. Das heute ausgegebene Großh. Regierung-, blatt Rr. 5 enthält die Allerhöchste Verordnung, die Prüfungen der Aspiran- tinnen für das Lehramt an höheren Mädchenschulen betreffend.
Berlin 20. März. Der Kaiser empfing anläßlich seines Geburtsfestes (welches der Sharwoche wegen bereits heute officiell begangen wird) um 11Uhr die Generale und Miltärbevollmächtigten, um 12 Uhr die Comman- deure der Leibregimenter und der Leibcompagnien, dann die Slaatsminister unter Führung des Grasen Stoüberg, um 1 Uhr die landanjäsfigen Fürsten mit ihren Gemahlinnen, um l3/< Uhr den Bundesrath mit dem Fürsten Bismarck on der Spitze und um 2 Uhr das Reichötags-Präsidtum. Nachmittags um 41/, Uhr findet anläßlich des Geburtstages des Prinzen Friedrich Karl bet Letzterem Familtentafel und Abends um 9 Uhr zur Feier des Geburtstages des Kaisers «ine Sotröe im Weißen Saale statt, wozu ungesähr 750 Personen aelab-n find, darunter die Prinzen und Prinzefsinnen, die fremden eingeiroffe- nen Herrschaften, die Botschafter, Generale rc. - Prinz Friedrich Karl empfing heute Vormittag die Glückwünsche der Majestäten, der Mitglieder des köntgt. Hauses und der fremden Fürstlichkeiten.
Halle a. d. S., 20. März. Heute Vormittag stießen im hiesigen Bahnhofe zwei Personenzüge zusammen. Viele Personen wurden verletzt, 7 sollen gelobtet worden sein. Mehrere Waggons wurden zertrümmert.
Italien.
Nom, 20. März. In einem heute veröffentlichten Schreiben Farint's dankt derselbe für das Votum der Kammer, beharrt aber auf seiner Demission. Der Tag der Wahl eines neuen Präsidenten wird erst nach den Osterferien bestimmt. — Die Kammer nahm mit 220 gegen 93 Stimmen eine von dem Ministerium acceplirte Tagesordnung Manctnt's an, welche besagt: Die Kammer, von den Erklärungen des Ministeriums Act nehmend und vertrauend, daß Italien in seinen auswärtigen Beziehungen eine Politik des Friedens, der Achtung der Verträge, des Fortschritts und der internationalen Ctvilisation befolgen werde, geht zur Tagesordnung über. — Der österreichisch-ungarische Botschaster Graf Paar sprach dem Papste den Dank des Kaisers' und der kaiserlichen Familie für seine Glückwünsche anläßlich der Verlobung des Kron- Prinzen aus.
Handel und Verkehr.
Lauterbach (Oberheffen), 15. März. Am heutigen Markttage waren zugetrieben 506 Stück, wobei namentlich eine recht gute Auswahl Zuchtochsen, welche zu 38 bis 45 Carolin das Paar schlanken Absatz fanben. Auch für Kühe unb Rinber zeigte sich gute Kauflust Schweine blieben trotz ber geringen Zufuhr von 172 Stück vernachlässigt. Nächster Markt 19. April. _
Frankfurt, 19. März, sMarktbericht. 1 Der heutige Heu- unb Strohmarkt war gut befahren. Heu kostete je nach Qualität der Centner JL 2.00—3.50, Stroh JC. 2.00 —3.30. Butter das Pfunb im Großen 1. Qual. JL 1.20-00, 2. Qual JL 1.10, im Detail das Pfund X 1.40—45, 2. Qual. X 1.30—35. Eier das Hundert itall. JL 8-00, deutsche Eier 6.00 Ganze Erbsen das Psv. 28—32 geschälte Erbsen 32—37 H, Bohnen 27 29 ßinfen
40—50 H Weißkraut das Stück 20-25 H, Rothkraut, 1 St. 20-30 H, Kohlrabi — Kohlkraut 12 -15 H, Blumenkohl 1 St. 40—60 Wirsing — H, Kartoffeln IW Ko. 8-6
Zwiebeln 1 Bund - Merrettig 25 St. — H, 1 Stück 20 H. Qchsenstetlch per Pfund 60-70 X Rindfleisch 45-60 H, Kuhfleisch 45-60 Kalbfleisch ^-55 H Hammel fleisch 44-65 Schweinefleisch 00-00 H, ein Hahn JL 2.00—2.50, ein Huhn 2.00-2.80. eine Ente X 3.00—0.00, eine Taube 60—70 H. ________________________
Allgemein
Cabeljaa u. Schellfische “aö
heute frisch eingetroffen
rn Carl Schwaab’s
1964) Delikatessenhandlung.
er Anzeiger.
' Bekanntmachung.
Sämmtliche verfallenen Pfänder müssen längstens bis zum 12. April d. I. auSgelöst oder prolongirt werden, andernfalls dieselben zur öffentlichen Versteigerung kommen.
i965) K. Grünebaum.


