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Nr. 70.
Dienstag den 23 Marz
1880.
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Anzeige- und Amtsblatt fnr de« Kreis Gießen.
RedaettorrSbrrreau r
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| Schulstraße B. 18.
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.
Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.
Durch Vie Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Amtlicher TH eil.
Nr. 4 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 28. Februar d. I, enthält: (Nr. 1362.) Internationale Uebereinkunft, Maßregeln gegen die Reblaus betr. Vom 17. September 1878.
Nr. 5 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 12. l. M., enthält:
(Nr. 1363.) Allerhöchster Erlaß, betreffend die Benennung der obersten Reichsbehörde für die dem Reffort des General-Postmeister- zugewiesenen Verwaltungszweige. Vom 23. Februar 1880.
(Nr. 1364.) Bekanntmachung, betreffend Abänderung der bayerischen Uebergangsabgabcn- und Rückvergütungssätze für Bier. Vom 3. März 1880.
(Nr. 1365.) Bekanntmachung, betreffend die Ernennung eines Bevollmächtigten zum Bundesrath. Vom 10. März 1880.
Gießen, den 20. März 1880. Großherzogliches Kreisamt Gießen.
Dr. Boekmann.
Gießen, den 19. März 1880.
Großherzogliches Amtsgericht Gießen. Langsdorfs.
An die Großherzoglichen Ortsgerichte des Amtsgerichtsbezirks
Alle Verstetgerungsprotokolle über Immobilien sind fortan stempelfrei.
Aus Sidney.
Aus einem aus Sidney eingegangenen Berichte des Reichs-Commiffars für die Welt-Ausstellungen in Australien 18711/80, Prof. Reuleaux, dürften folgende Notizen für jeden Gewerbetreibenden von ungemeinem Jntereffe sein. So erfreulich und schmeichelhaft die Aeußerungen des Herrn Commiffars im Allgemeinen für die deutsche Industrie sind, so vielversprechend find sie im Spectellen.
Herr Prof. Reuleaux sagt: Als allgemeine Charakteristik der deutschen Abthetlung auf der Ausstellung in Sidney darf ich hervorheben, daß die Wahl der von uns ausgestellten Gegenstände eine wohlgetroffene war. Ist sie auch keineswegs vollständig und hat sie auch mangelhafte Stellen, so wirkt sie doch vorwiegend durch Tüchtigkeit und Gesundheit des Ganzen. Die Scharte von Philadelphia ist nicht nur vollständig ausgewetzt — so weit es der geringere Umfang unserer Schaustellung gestattet — sondern durch einen Erfolg ersetzt, den wir in Melbourne nur zu heben und zu befestigen brauchen, um mit großer Ehre aus diesem Erdtheil heimzukehren. Die Verkäufe, welche auf Grund der Ausstellung durch unsere Agenten abgeschloffen sind, beziffern sich aus eine den Umständen nach erfreulich hohe Ziffer, indem dieselben eine halbe Million bereits übersteigen.
Ueber die Maaren, welche Eingang gefunden haben, kann ich zur Zett, obwohl das volle Bild noch nicht gewonnen ist, Folgendes vorlegen:
Die Goldschmiedearbeiten (Schmucksachen) eines Ausstellers sind als Ganzes dreimal verkauft, einmal mit dem Schranke zu 1000, zweimal ohne denselben zu je 960 Lstrl.
Das Porcellan einer Firma ist vortrefflich abgegangen: das Vierfache hätte verkauft werden können.
Verkauft sind sodann drei Eismaschinen. Das Geschäft mit diesen Maschinen hat eine gute Zukunft und verdient besondere Pflege, da dieselben hier ein Bedürsniß sind.
Drahtmatratzen sind 300 Stück verkauft bezw. bestellt, wegen einer ferneren Bestellung von 400 Stück wird soeben verhandelt. Gut gehen die Verkäufe in Zaundraht, in welchem Artikel wir mit aller Energie den Markt zu gewinnen trachten muffen, da der Absatz sehr groß ist, nämlich mit nahe drei Mill. Mark im Blaubuch figurirt. Eine Collectiv-Ausstellung in Melbourne kann gute Dienste leisten.
Eisenbahnbedarfsartikel haben ein großes und ergiebiges Feld vor sich. Dieses Fach ist für uns nur auf zwei Wegen zu erwerben: 1) durch Beschickung der Ausstellung mit nicht zu vielen, aber recht guten Sachen, 2) durch Anwesenheit von bevollmächtigten Vertretern, die das Land, die Behörden, die Leute studiren. England sitzt sehr fest; indessen ist noch manche Thür offen. Auch die Locomotive ist einführbar.
Einfache Möbel gehen gut, kostbare weniger, tndeffen sind auch manche der hierher gesandten kostbaren Möbel bereits verkauft.
Für Nähmaschinen liegt ein fester Abschluß mit einer deutschen Firma auf ein Jahres -Minimum von 500 Maschinen zum Werthe von 30,000 Mark vor.
In Beleuchtungsartikeln sind Aussichten vorhanden, wesentlich aber nur im Gassache. Die Petroleum-Lampe findet in den Städten förmlichen Widerspruch.
Feine Lederwaaren können gut gehen; jetzt find aber die Lager noch überfüllt damit.
Cement fängt an, gut zu gehen. Wenn noch etwas Nachdruck ausgeübt, was für Melbourne durch Vorführung von Musterflücken, Probekörpern, Belaflungstabellen nach den officiellen Berichten, die in's Englische zu übertragen find, geschehen kann, so werden wir mit unserem vorzüglichen Stettiner Fabrikat erfolgreich eindringen. Die Cement-Einfuhr belief sich 1878 auf 39,642 Fässer im Werthe von 48,236 Lstrl.
Die Claviere gehen recht gut. Ein überaus großer Theil des Bedarfs wird aus Deutschland bezogen.
Die Wanduhren aus Baden, Württemberg und Schlesien gehen
schwach; die Vertretung muß mit größerer Sachkrnntniß, alS bisher geübt, betrieben werden. Den Haupttheil des Marktes besitzt Amerika.
Unsere feinen Glaswaaren sprechen leider nicht an. Das Publikum nimmt die englischen Formen so sehr zur Richtschnur, daß unsere schönen schlesischen Gläser vergeblich Eingang suchen.
Papier hat gute Aussichten, namentlich aber Papeterie, als Karten, Briefumschläge, Weihnachts- und Neujahrskarten.
Unsere Ausstellung in wollenen Tüchern ist leider fast ganz verfehlt. Auch die Confectionen paffen nicht, da die englische Mode noch allein maßgebend ist; deutsches Fabrikat, wenn es noch so schön ist, wie es in einem Falle hier Thatsache ist, wird nur angenommen, wenn es als englisch (! I) herüberkomslt.
Unsere Stickereien gefallen und gehen wollene Decken ebenfalls.
In Weiß zeug haben wir große Geschäfte noch nicht gemacht, jedoch ist Aussicht vorhanden. Unsere Weißzeug-Ausstellung übertrifft alles Aehnliche und ist hoch bewundert.
In Sachen der Getränke vermag ich ein genügend klares Bild noch nicht zu geben. Die Weine gefallen gut, leiden aber kaufmännisch durch das Passiren der englischen Hände.
Von Bier gelten folgende summarische Angaben: Bier in Fässern 453,730 Gallonen für 55,640 Lstrl. (314,200 Gallonen davon aus England in Flaschen 649,784 Gallonen für 146,571 Lstrl. (davon 538,327 Gallonen aus England). Unser Versuch mit Felsenkeller-Bier im Faß ist vollständig gelungen.
Andere Artikel läßt der Bericht noch unberührt, da die Beobachtungen darüber noch unvollständig sind. Als das allgemeine Ergeöntß der Bemerkungen darf indcß, heißt es am Schluß, gesagt werden, daß Deutschland in den australischen Colonien concurrenzsähig ist. Die Maaren sind auch wegen ihrer Preise den gegenüberstehenden Bezugsquellen einführbar. Es bedarf allerdings vieler kaufmännischer Arbeit und sorgfältigen Verfahrens hier am Platze, irgendwie unüberwindliche Schwierigkeiten sehe ich aber zur Zeit nicht. (O.Z.)
Deutschland.
Darmstadt, 18. März. Das Großherzogl. Regierungsblatt (Beilage Nr. 8) enthält:
1. Bekanntmachung Großherzoglichen Ministeriums des Innern und der Justiz, den Ausschlag der zur Bestreitung der allgemeinen Bedürfniffe der evangelischen Kirche des Großherzogt hums im Jahre 1880/81 erforderlichen Steuern betreffend.
2. Uebersicht der für das Jahr 1880 von Großherzoglichem Ministerium des Innern und der Justiz genehmigten Umlagen zur Bestreitung von Com- munal-Bedürfniffen in den Gemeinden des Kreises Oppenheim.
3. Uebersicht der für das Jahr 1880 von Großherzoglichem Ministerium des Innern und der Justiz genehmigten Umlagen zur Bestreitung von Communal - Bedürfnissen in den Gemeinden des Kreises Büdingen.
4. Uebersicht der für das Jahr 1880 von Großherzoglichem Muustenum des Innern und der Justiz genehmigten Umlagen zur Bestreitung von Communal - Bedürfniffen in den israelitischen ReligionS - Gemeinden des Kretfes Dieburg.
5. Namensveränderungen.
6. Dienstnachrichten. Am 20. Februar wurde dem Schullehrer Johann Georg Adolph Pauli zu Nieder-Dorfelden die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Biffes, am 1. März wurde dem Schulamtsaspiranten Gg. Dirlam aus Röthges eine erledigte Lehrerstelle an der Gcmeindeschule zu Oüer-Olm am 2. März wurde dem Schnlamtsaspiranten Heinrich Hipp aus Genfingen eine Lehrerstelle an der Volksschule zu WormS übertragen; am 4. Marz wurde der Premier-Lieutenant a. D. Christian Bonhard zum Arbeitshar • Inspektor an dem Arbeitshcmse zu Dieburg ernannt. , ,
7. Ruhestandsversetzung. S-. König,. Hoheit der Großherzog haben allergnödigst geruht: am 21. Februar den Bruckenwärter be, der «chiff«-


