Uebertrag 2,820,000 JL auf hessische Rechnung:
1) für den Bahnhof Friedberg 64,500 Jl.
2) für den Bahnhof Gießen . 200,000 „
264,500 „ in: Ganzen - 3,084,550
Hierzu haben wir zu bemerken, daß waS den Rangirbahnhof zu Kassel betrifft, die Vergrößerung desselben zum erheblichen Theil wohl auf das Mitbenutzungsrecht anderer Bahnen zurückzuführen ist und daß daher diese andern Bahnen ohne Zweifel verpflichtet sein werden, an die Main-Weser-Bahn eine den gemachten Aufwendungen entsprechend höhere Mietbentschädigung zu zahlen. Ist diese unsere Voraussetzung richtig, so kann die deßfallsige Ausgabe auch keine unproduktive genannt werden und ist eine Schmälerung der Rente durch dieselbe auch nicht zu befurchten. Der für die Station Kirchheim ausgesetzte Betrag erscheint allerdings sehr hoch; wir müssen mdeß voraussetzen, daß die dortigen Verhältnisse diesen Aufwand erfordern, indem sonst die dieffcitige Regierung berechtigt und verpflichtet gewesen wäre, nach Maßgabe des Art. 6 des 1868er Vertrags hiergegen Einspruch zu erheben. Auch sind nach den mündlichen Mittheilungen der Gr Regierung die bezüglichen Verhandlungen noch nicht abgeschlossen. Gegen die beabsichtigte Ausgabe für eine Fettgasanstalt zu Kassel zum Zweck der Beleuchtung der Personenwagen dürfte Nichts zu erinnern fein, da der Preußische Etat in dieser Beziehung erläuternd bemerkt, daß mit diesem Beleuchtungssystem, namentlich auch in Hinsicht der Kosten, die günstigsten Erfahrungen gemacht worden seien. Auf die Frage des Frankfurter Centralbahnhofs kommen wir weiter unten zu sprechen. Bezüglich des Bahnhofs zu Friedberg gilt das oben von dem Kasseler Bahnhose Gesagte; auch hier wird eine entsprechende Entschädigung für die gemachten Aufwendungen von Seiten der Friedberg-Hanauer Bahn, durch welche dieselben veranlaßt worden sind, in Form einer Miethe bezahlt werden müssen. Was endlich die Vergrößerung des Gießener Bahnhofs anbelangt, so sind die deßfallsigen von den Ständen übrigens bereits bewilligten Kosten in dem Preußischen Etat dem Hessischen Baukapitale bereits zugeschlagen, und ist ttotzdem, wie wir oben erwähnt, die muthmaßliche Rente auf 4,2% berechnet worden.
Abgesehen von diesen in Aussicht stehenden Erhöhungen des Baukapitals wurde von Seiten der Gr. Regierung insbesondere noch hingewiesen auf die inzwischen, wenn auch noch nicht erfolgte, doch sehr wahrscheinliche Verstaatlichung der Rheinischen Eisenbahn. Es wurde die Befürchtung ausgesprochen, daß die Preußische Verwaltung es demnächst in der Hand haben werde, mit Hülfe dieser Bahn den ganzen seither über Deutz-Gießen auf die Main-Weser-Bahn geleiteten Verkehr von dieser abzulenken. Wir können diese Befürchtung n.cht oder doch nicht in diesem Maße theilen. Wir vermögen nicht zu glauben, daß es im Interesse Preußens erachtet werden könne, den Verkehr auf eine Linie zu concentnren und dafür eine andere gänzlich brach zu legen. Wir sind vielmehr nach wie vor der Ansicht, daß wenn ein solches Verfahren vielleicht auch vorübergehend zu Erreichung eines bestimmten Zweckes denkbar wäre, dasselbe doch für die Dauer gewiß nicht festgehalten werden, sondern einer zweckmäßigen Ver- theilung des Verkehrs auf die verschiedenen Staatsbahnlinien und damit einer rationellen Ausnutzung jeder einzelnen Linie würde weichen müssen. Von diesem Gesichtspunkte aus erscheint uns auch die wiederholt von Gr.,Regrerung angedeutete Befürchtung, daß Preußen den von Norden und Nordosten kommenden Verkehr ausschließlich über die Bebraer Bahn lenken werde, nach wie vor als viel zu weitgehend.
Was die schon oben berührte Frage des Frankfurter Centralbahnhofes anbelangt, fo haben wir einer dießfallsigen dem Preußischen Etat als Anhang beigefügten Denkschrift entnommen, daß die Kosten dieses Projektes von der ursprünglichen Summe von 28,500,000 v4L auf 24,850,000 herabgemindert worben sind Soweit an der geschehenen Reducfion der projektirte Güterbahnhof beteiligt ist, wird hinzugefügt, daß dieselbe nur unter der Bedingung eingehalten werden könne, daß die Main-Weser- Bahn, sofern der Verkauf des hessischen Theils nicht perfect werde, zu der geplanten Bettiebsgemeinschaft ihre Zustimmung ertheile. Zum Schluffe wird bemerkt, die Großh. hessische Regierung habe anerkannt, daß der Bahnhof der Main-Weser-Bahn in seinem gegenwärtigen Zustande nicht in vollem Umfange genügt, auch sich mit dem Projekt des Umbaues einverstanden erklärt.
Nach mündlicher Erläuterung der Großh. Regierung ist diese letztere Bernnkuna so zu verstehen, daß man diesseits zwar im Allgemeinen dem Projekte des Central- bahnhofs zugeftimmt habe, jedoch ohne Präjudiz für die noch durch Unterhandlung zu vereinbarenden finanziellen Bestimmungen hinsichtlich der sich hierdurch für das Baukapital der Main-Weser-Bahn ergebenden Veränderungen. Wir hätten zwar gewünscht, daß auch jene vorläufige Zustimmung nicht ertheilt worden wäre, ehe eine definitive Abmachung hinsichtlich des finanziellen Punktes vorgelegen hätte, allein andererseits verkennen wir nicht, daß die projectirtc Zusammenlegung der Bahnhöfe für die dem nachstigen Betricbselgebnisse der Main-Weser-Bahn von großem Vortheil sein wird und daß umgekehrt ein getrenntes Verbleiben der Main-Weser-Bahn auf ihrem seit herigen Bahnhofe nach Vereinigung aller übrigen Bahnhöfe nicht ohne Bedenken märe. Auf alle Falle scheint es uns indessen geboten, daß bei den bevorstehenden finanjieüen Abmachungen die Großh. Regierung sich mit aller Entschiedenheit einer Erhöhung des Preußischen Baukapitals um den Betrag der für den Centralbahnhof erforderlichen Summe widersetze, da die Nachthelle einer solchen den durch die Betheiligung der Main-Weser-Bahn am Ceniralbahnhose zu erwartenden Vortheil weit übersteigen wurden
Zum Schlüsse erwähnen wir noch, daß auch in den jüngsten Besprechungen des Ausschusses mit der Großh Regierung von Seiten der letzteren auf die Vorthelle hingewiesen wurde, welche durch die aus dem Verkaufe refultirenbe Erleichterung des Budgets dargeboten würden. Wir verweisen in dieser Beziehung auf die Ausführungen unseres früheren Berichtes und fügen nur hinzu, daß mir der Großh. Regierung gegenüber die Frage angeregt haben, ob nicht auch ohne jenen Verkauf diese Vortheile sich wenigstens theilweise dadurch erzielen ließen, daß den Inhabern der älteren Eisenbahnobligationen eine Convertirung dieser letzteren in solche Schuldtitres angeboten würde bei welchen die bekannte Tilgungsklaufel nicht bestände. Angesichts des hohen Coürs- ftandes der Obligationen des Oberhessischen Eisenbahn-Anlehens, bei denen bekanntlich der Staat zur Tilgung überhaupt nicht verpflichtet ist, dürfte cmc solche übrigens auch schon früher besprochene Convertirung gegenwärtig ohne wesentliche Opfer dnrchm- führen fein und damit die Möglichkeit geboten werden, schon demnächst die Erträgnisse der Staatsbahnen, soweit dieselbe das Zinsenbcbürsniß übersteigen, zu den laufenden Staatsausgaben zu verwenden.
Nach allem Vorgetragenen können wir, die Mitglieder der ehemaligen Majorität des Ausschusses, auch durch die neuerdings geflogenen Berathungen uns zum Aufgeben unseres früheren Standpunktes nicht bestimmt finden und beantragen:
die hohe Kammer wolle auf ihrem früheren, die Vorlage ablehnenden Beschlufse beharren.
m. Darmstadt, 21. Jan. Aus der Tagesordnung für die 33. Sitzung der zweiten Kammer, welche Mittwoch, den 28. Januar 1880, Vormittags halb 10 Uhr, stattfinden wird, stehen folgende Gegenstände:
1) Verkündigung neuer Eingaben;
2) Bertchtsanzeigen;
3) Berathung über die Neuwahl eines Landtags-Abgeordneten für den dritten Wahlbezirk der Provinz Rheinhessen;
4) Berathung über die Recommuntcation erster Kammer bezüglich dcr Vorlage Großh. Gesammtmintsteriums, den Gesetzesentwurf, die Ab. änderung des Art. 67 der Verfassungs-Urkunde, sowie der Art. 26 und 33 der landständischen Geschäftsordnung betr.;
5) Berathung über die Vorlage Großh. Staatsmtntsteriums, Aufbesserung der Ruhegehalte der vor dem 1. Januar 1874 penstonttten Civilstaatsdiener betr.;
6) Besprechung der Interpellation des Abg. Wolfskehl, die Schulamtsaspiranten israelitischer Confesflon betr.;
7) Berathung über die Beschwerde der zur Abstimmung über Einführung einer gemeinsamen Schule zu Rieder-Saulheim berufenen Katholiken über die Abstimmung betr.;
8) Berathung über die Vorlage Großh. Ministeriums des Innern, den Gesetzentwurf, Maßregeln gegen die Reblaus betr.;
9) Berathung über die Vorlage Großh. Ministeriums des Inner» uttb der Justiz, den Gesetzentwurf, den Verkehr mit explosiven Stoffen betr.
Berlin, 19. Januar. Das römische Blatt „Aurora" gibt im wetteren Verlaus feiner Polemik mit der „Provmzial-Correspondenz" zu verstehen, sein erster Artikel sei nicht officiösen Ursprungs gewesen. Doch wird diese nachträgliche Correctur schwerlich die Ansicht erschüttern, daß jener Austausch von Erklärungen zwischen hier und Rom jedenfalls kein Anzeichen eines in naher Zeit bevorstehenden Friedensschluffes mit der Curie fein könne, und dies stimmt mit den Eindrücken gewöhnlich unterrichteter Kreise überein. Es liegt auch auf der Hand, daß, wenn ein HedEaLS Organ von der Stellung der „Aurora" einen Fühler ausstreckt, der in Berlin deutlich abgelehnt wird, dies an und für sich keine solche Annäherung verräth, wie sie noch vor Kurzem als so gut tote verwirklicht von interesfirter Sette dargestellt wurde. Es bleibt ja immerhin möglich, daß in gegebener Zeit eine Revision der Maigesetze in Angriff genommen werde. Aber sollte es dazu kommen, wurde der Umfang der Revision den Erwartungen und Forderungen der Klerikalen schwerlich entsprechen ; daran laffen die amtlichen und halbamtlichen Erklärungen, die bis jetzt über die Angelegenheit kundgegeben wurden, nicht wohl zweifeln.
— Der „Köln. Ztg." wird mitgetheilt, daß Fürst Hohenlohe, der zum Capitelseste des hohen Ordens vom Schwarzen Adler hier weilende Vertreter des Deutschen Reiches in Paris, über die von kriegerischen Befürchtungen schwangere Atmosphäre der hiesigen polttisirenden Kreise einigermaßen befremdet gewesen ist. Eine solche Stimmung entspricht nach der Ansicht des Botschafters den in Paris und Frankreich maßgebenden tdatsächlichen Verhältniffen durchaus nicht. Zunächst muß zur Klarstellung der Lage bemerkt werden, daß die vom Fürsten Hohenlohe beim Neujahrsempsange an den französischen Ministerpräsidenten de Freycinet gerichteten Worte durchaus nicht jenes demonstrative Gepräge weder äußerlich noch dem Sinne und Geiste nach trugen, welches ihnen von einem Theile der Presse zu nicht geringem Erstaunen des Botschafters selbst aufgedrückt worden ist. An der Aufrichtigkeit der gegenwärtig jedem kriegerischen Abenteuer abgeneigten Stimmung Gambetta's und Freycinet's, als der dem mehr zurückhaltenden Grevy gegenüber im Vordergründe stehenden politischen Acteure, sei kein Grund zu zweifeln, und zwar habe die friedfertige Stimmung einen sehr positiven und thatsächltchen Untergrund in der durchaus nach Frieden verlangenden öffentlichen Meinung des Landes. Gam- bettß selbst hat es in diesen Tagen für nölyig befunden, eine in diesem Sinne gehaltene Aeußeruug publici juris werden zu laffen, und hat dabei die gegen- theiligeu Gerüchte auf Jntriguen der Klerikalen und Bonapartisten zurückgeführt.
Berlin, 20. Januar. Der Kronprinz hat, wie die Abendzeitungen melden, an den Pastor Gruben in Reichenbach in Schlesien, den Verfasser der im Verlage von C- Schilder (Firma Heege und Guntzel) erschienenen Broschüre „Christ und Israelit" folgendes eigenhändiges Schreiben gerichtet :
Sie haben mich durch Ueberreichung Ihrer Schrift „Christ und Israelit" aufrichiig erfreut und zu besonderem Danke verpflichtet. Ich gebe mich gern der Hoffnung hin, daß Ihr Wort des Friedens in weite Kreise dringen unv die verdiente Anerkennung finden möge.
Berlin, 16. Januar 1880.
Friedrich Wilhelm, Kronprinz.
Aus Kassel wird untrem 16. ds. geschrieben: Der Commandirende des 11. Armee Corps, General v. Bose, hat sich nach Berlin begeben, um dem Ordensseste beizuwohnen. Wie uns aus militärischen Kreisen mitgetheilt wird, steht diese Reise des verdienten Osficiers in Verbindung mit dem von ihm beim Kaiser eingereichten Gesuche um Penstonirung, über welches zur Zeit noch nicht entschieden worden ist. Dem Vernehmen nach hat Herr v. Bose in den letzten Tagen ein allerhöchstes Handschreiben erhalten, das in huldvollster Weise der vollsten Anerkennung der großen Verdienste des Generals Ausdruck gießt und in dem der Wunsch des Kaisers ausgesprochen wird, daß Herr v. Bose vorläufig noch in seiner Stellung verbleiben möge. Uebri- gens haben für den Genannten keine anderen Gründe zur Einreichung der Demission den Ausschlag gegeben, als hohes Alter und zeitweiliges körperliches Leiden. Alle Gerüchte von Differenzen — man wollte sogar von einer Con- troverse zwischen dem General und dem Kriegsminister wiffen! — beruhen auf Erfindung oder mißlungenen (Kombinationen.
Kesterreich.
Wien, 20. Januar. Die „Poltt. Corresp." meldet aus Konstantinopel : Die Antwort dcr Pforte auf die montenegr. Circular-Depesche bestreitet, daß die Pforte den Widerstand der Albanesen ermuthige und bezeichnet die Concentrirung der Streitkräfte Montenegros und die Drohungen drffelben als die alleinige Ursache der Aufregung der Albanesen und des Zuströmens derselben nach Gussinje. Die Pforte hält ihre Ansprüche auf den von Montenegro widerrechtlich occupirten District Kucci aufrecht, da dieser als Austausch für Gussinje angeboten worden sei. Die Sequestrirung der muselmännischen Güter sei vollständig ungesetzlich. Die Bevölkerung betrachte diese Maßregel als eine absichtliche Feindseligkeit gegen die Muselmänner Die Pforte hofft, es werde den Mächten gelingen, in der Haltung Montenegros, namentlich in Betreff des Sequesters, eine Aenderung zu bewirken.
Schweiz.
Bern, 19. Januar.^ZJn den hiesigen militärischen Kreisen fängt man endlich an zu begreifen, daß für die Schweiz die Befestigung ihrer Grenzen eine Lebensfrage ist, da die Vertheidigung ihrer Neutralität einzig und allein von derselben abhängig ist. In Erkenntniß dieses Grundsatzes hat der Ofst- ciersverein der Stadt Bern soeben seinen Vorstand beauftragt, sich mit den übrigen militärischen Vereinen der Schweiz behufs Veranstaltung einer große« ren Versammlung, in welcher diese Frage besprochen und berathen werden soll, in Verbindung zu setzen, und hat diese Versammlung einen geeigneten Referenten zu bestellen. Man ging dabei von der Ansicht aus, daß bei dem j'tzigen Stande der politischen Dinge Schritte in dieser Angelegenheit nicht nur nothwendig seien, sondern daß man so schnell wie möglich und mit aller Energie handeln müffe. Zunächst soll an die Bundesbehörde ein Gesuch gerichtet werden, welches die sofortige Lösung der Befestigungs-Frage verlangt. (K. Z.)
Italien.
Rom, 20. Januar. Die Verhandlungen -wischen Deutschland und
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