Einzelbild herunterladen

1880

Freitag den 23. Januar

Re. IN

ießener 'Anzeiger

A«Bse- Md AmtsW fit dkl Kreis Gieße«

Mevaettovtzbrtreairr | Schulstraße B. is.

Grpe-ittonSb«eea«r j

Heullchlau».

200,000

zusammen . 2^ü,uuu

82,000

38,000

>0Q,000 ,

Die beutfd>e Kirchenpolitik.

Die Verhandlungen mit fceai Vatikan ziehen sich derartig in die Länge, daß bereits am Enbe des Vorjahres sowohl aus dem Lager der Kirche als d«S Staates Stimmen laut wurden, welche nicht nur die Gerüchte von einem baldigen Friedensschluß, sondern von einem F-iedensschluß überhaupt sur vor­eilig ei klärten. Der Friede war unmöglich, so lange die preußische oder deutsche Diplomatie als Anwalt der Ktrchengesetze verlangte, daß der Papst nach Berlin komme, während die römische Curie vom Fürsten Bismarck den bekannten Gang nach Kanossa forderte. Endlich kam man sich mehrfach aus halbem Wege entgegen, nach Kissingen, nach Wien, aber leider scheint sich das Entgegenkommen aus die örtlichen Differenzen beschränkt zu haben; die Sa^e selbst wollte nicht recht in Fluß kommen. Bald hieß es, es handle sich nur noch um formelle Kleinigkeiten, um redactionelle Aenderungrn des Ver­

trages, denn das Wort Concordat Hai keinen guten Klang in der Welt­geschichte, gleich darauf aber kühlten Sturzbäder von höchster und wohlinfor- mirier Seite aus beiden Lagern wieder die Früdenshoffnungen ab.

Niemand mehr als Papst L-o XIII. selbst hat durch sein ganzes V-r- halten, wie durch zahlreiche Kundgebungen dazu betgetragen, daß der Glaube an das nahe Ende des Culturkampfes Verbreitung sand. Hatte Pius die streitbare Kirche vertreten, so kehrte sein Nachfolger jeder Zeit die versöhnende Seite ein-r geistlichen Herrschaft heraus, er gab den Heißspornen im deutschen Clerus sauste Eimahnungen, er desavouirte die belgischen Ultramontanen, vor Allem betonte er überall das Bedürfniß nach Frieden, welches angeblich die Curie ebenso sehr fühlte, als der Staat. Um so befremdlicher mußte es ; «trken daß Papst L-o, der stets vermittelnd eingetreten war, plötzlich d e , 6,lb geschlagene Brück- abbrach und dem Staat- zumuthetele, er solle die : aanA so anerkennen, wie ste ist.

Die natürliche Folge war, daß der Friede, daß selbst ein Waffenstill, stand sofort unmöglich wurde. Es scheint, als ob ble Reise des Geheimen Rathts Hübler nach Berlin mit einem Abbruch der Verhandlungen verzweifelte Aehnltchkett hinein fiel der merkwürdige Artikel der Provinzial-

Cvrrespondenz, der heute nach allen Seiten hin erörtert ist , aber dennoch so lanae ein Räihsel der Sphmx bleibt, bis man nicht die eigentlichen Motive einer Publikation kennt. ES w derstrebt gesundem volttischen Denken, anzu- nebwen, daß der Artikel einen Zwiespalt zwischen den Hojkreisen oder zwischen den verschwägerten Politikern, dem Fürsten von Bismarck und dem Minister von Vultkamer bedeutet. Der Aitikel hat nur eine Adresse und diese lautet. a%75t.lt den Papst Leo XIII. in Rom. Was die poetischeAurora" daS neue päpstliche Organ, was unsere frommen und reactionären Blätter schreiben, das Alles ist ebenso müßig als die vielfachen und gewagten Eonjunc- turen der ganzen Pr-sie. Es ist lediglich ausgesprochen , daß man des gerin- aen Entgegenkommens des Vatikans, der allen römischen Doppe zungigkeit müde ist. Der diplomatische Weg ist verlassen, die Curie ist darauf angewie- ien eine Aenderung der Gesetzgebung in Deutschland oder vielmehr in Preußen zu beantragen. Daran liegt natürlich dem Vatikan nichts, weil er die Gesetzgebung nicht anerkennt. DaS Resultat dieses Gegensatzes ist klar; es lautet: Vorläufiger Abbruch der Verhandlungen und Abwarten!

m Tuirmfiabt. 21. Januar. Im Nachstehenden theilen wir den Wortlaut des mit welchen der Abgeordnete Wolfskehl Namens der Minorität I ^k^inanrausickusses der zweiten Kammer über die Vorlage Großh. Staatsmlnisterlums w B-k-ff der Abttetung de- .hesfische» Antheils an der Maiu-Wes-r.Bahn an Preußen erPettCtUeaber ?as inzwischen uns bekannt gewordene neue Material bemerken wir hier- daü in den Verhandlungen erster Kammer, soweit uns so che zugänglich waren, \ »iir «eurtheiluna der vorliegenden Frage nur in oferne ge unden werden

JE1»Äfibft bÄSifem zur Erläge an das Preußische Abgeordnetenhaus ^Änimene (5-tat der Preußischen Eisenbahnverwaltung pro 188081 besprochen worden 9f. ®;e(er Etat, von welchem wir Einsicht genommen haben, enthält indessen keinerlei . 'st- ®e'cr Elwe aeeianet wären, die Gegner des Verkaufs von ihrer Ansicht abzu­bringen Indem sich derselbe nämlich tast durchweg auf die dkritts feststehenden E>- nlbnfüe de^Betriebsjahres 1878-79 stützt, berechnete er den Hessnchen Antheil an dem ^rmnrtenben Betriebsüberfchusse bei einem gegen das frühere um mehr als 230,000 X hÄh,ren diesseitigen Baukapitale auf 697,300 X oder 4,2%. Dem gegenüber wurde ft .» Bll Regierung bervorgehoben, oaß dieser Etat keineswegs mit demiemgen Ätom®r»d»en be »iredion b=r Main-Weser-Balm selbst für 1880-81 auf- habe daß letztere den zu erwartenden Betriedsuberichutz nur auf 3:/o verain- K?' habe und daß die günstiger- Darstellung des zuerst erwähnten Etats nur durch ^L7nck-^end-rungen von Seiten der Preußischen Regierung, insbesondere durch flthftrirfic an den Ausgaben herbeigesührt worden sei.'

erhebliche Abstriche a ven ^ ^Elegien Etats mit dem von der Direction aufgestellten, 7td- n bst dem Erläut-rungshest- dem Berichterstatter von Seiten Großh.

welcher letztere nevn ergibt Folgendes. Die Einnahmen sind in den

Regierung mitgethettt worden ' ' jch^äßig veranschlagt und beruhen hinsichtlich der ^eibtnHiMU- t U9IiiF$eSenüerf%^ und aus Güterverkehr" auf den wirf lieben Grge^ 1878-70 während die Titel:Entschädigung für Locomotiv- und

Ttiflcn Jahres 1878 Bahnverwaltungen und für Benutzung, resp. Mitbe-

Wagenbenuhung durch fremde Bahnverwaltungen" im Ganzen um etwa

Nutzung von Bahnstrecken in bem Erläuterungshefte eingehend begründet

2o0,()00 Sben anbcl'angt so sind dieselben im Ganzen etwa um 120,000 JL

ist. Was die Aussaben anvelangr, ,obetragen haben, während der Etat §Äen6aVn^red?on einen um circa 240,000 X höheren Anschlag aufweist. Die be­

reits oben erwähnten durch die Königlich Preußische Regierung oorgenommenen Ab­striche an den Ausgaben betreffen hauptsächlich den Titel l ianb 12 Unter?1 aftunfl und Erneueruria dir Bahnanlagen, m geringerem Grade Titel 13 bis 15Konen des Bahntransports" und Tittl 6 bis 8aAndere persönliche Ausgaben'. Von besonderer Wichtigkeit^ist der Abstrich, welcher an dem Betrage der Erneuerung der Schienen, Schwellen :c. stattgefunden hat und auch in den Verhandlungen erster Kammer durch den Herr,! Regierungscommissär erwähnt worden ist. Hier hatte nämlich die Ei<sen- babn-Direction 077 000 M vorgesehen, während die Preußische Regierung 491,000 Jl. für genügend erachtete. Bei der Besprechung des Ausschusses wurde von Setten der Zerren Neaierungscommissäre zugegeben, daß gegen einen solchen Abstrich an und für sich Nickts^einzuwenden sei, da derartige Ausgaben sehr wohl auch Etwas verschoben, resv. auf einen längeren Zeitraum vertheilt werden konnten, dagegen wurde auf die bereits eiugetretene und in noch höherem Maße zu erwartende Steigerung aller dNaterm - preise hingewiesen, welche nicht nur bei diesem Titel, sondern insbesondere auch bei den Kosten des Bahnttansports ansehnliche Ueberschrettungen der veranschlagten Ausgaben Dorau§feben ließen. Immerhin erscheint es uns von Bedeutung, daß die m den dies­seitigen Verhandlungen wiederholt zum Ausdruck gekommene Ansicht,wie gerade ei Säs-.; S

n'*ln1n'»ttro^bcrI,m5nlmif<U|üf »ns ist ... bi. Mu«afiun0 b..®.« be,ü,h»

aieruna übereinstimmen. Die in dieser Beziehung gegebenen Erläuterungenbcroei.en, daß von beiden genannten Stellen eine nachthettige Amwirkung auf den Verkehr durch die neuen Eoncurrenzlinien nicht befürchtet wird. Das Erlauterungsheft der Dnection saat^n dieser Beziehung am Schlüsse seiner Ausführungen:Es kann somtt ange­nommen werden, daß die bevorstebende Eröffnung neuer Bahnlinien einen Einfluß auf die Ver^ehrseinn'ahmen der Main-Wser-Bahn vorläufig nickt: ausüben wird, ander.r-- seits dürfte Ä einen Aufschwung des Verkehrs durck allmahlige Wiederbelebung der Geschäfte vorerst noch nicht zu rücksichtigen fern. ~2- n

Unter diesen Voraussetzungen und da der Verkehr, abgesehen von dem Aus all durch die in 1878 eingetretene Concurenz der rechtsrheinischen Bahnen und der neuen Lahnbahn, seit 1877 conftant geblieben ist, ist die Veranschlagungj der für^das Etat- ;nhr ipso 81 m erwartenden Verkehrseinnahmen aus der Basis ve^» 6rgebnlsst-> des a-tnttnFirpä 1877 78 deraestalt erfolgt daß an der Einnahme des genannten Etatjahie^» b rbie «wcrwaffle «na?e& beim Gütertransport hervorgerufene Ausfall in Abzu« »Ä fl- ist in d-m @rläuterun68beri»t zum Etatevt-

wur^vro 1879-80 schätzungsweise auf 250,000 JL angegeben worden- Nach dem Resultate des Jahres 1878, in welchem die Concurenz schon volle Wirkung Hatte, wird jedoch der Ausfall sich^nicht höher als auf 190,000^ stellen, und ist daher vorstegend dieser geringere Betrag in Rechnung gezogen." In ganz ühnlich^ Weise spE sich

l auch der Etat der preußischen Regierung aus. Derselbe Wgt »och hwzu. "Die -.e SpE? hftn L her Berlin-Wetzlar-Bahn wird nsofern einen Emflutz auf die Gestal- Sna beÄ%r ausüb-n als in Folg- bet Ablenkung des Verkehrs zwischen Osten und Westen insbesondere zwischen den Stationen ^-rier ^^ Saarbrücken, beziehungss wette Metz,' den Stationen der Nassauischen, und Deutz-Gießener Bahn und darüber hinaus einei1'eit§ und dem Verkehrgebiet östlich von Malsfeld andererseits auf die neue Route, die Transporte auf den Strecken Frankfurt-Lollar und ^.rapsa-Kastel, beziehungsweise Guntershausen, sich vermindern und ine ®^n"a^cn CIP, erleiden werden, welcher nach den bisherigen Ergebnisten auf ^^d 96,OOO^zuschatzen ist.

I Dieser Ausfall wird indessen voraussichtlich dadurch ausgeglichen werden, daß in der­selben Verkehrsrichtung durch die Berlin-Wetzlar-Bahn der Main-Weser-Bahn neue

I Transporte sowohl östlich als westlich zugeführt werden und inFolge dessen insbeson­dere auf der Strecke Traysa-Lollar eine Verkehrssteigerung zu ei warten ist. ist

I deshalb die Annahme für gerechtfertigt erachtet, daß die Einnahmen pro 18^.0 81 I henen des Jahres 187879 gleich sein werden, umsomehr als auch durch die Kästel-

Waldkavveler Bahn, welche im Jahre 1880 dem Betrieb übergeben werden soll, ein I Verkehrszuwachs eintreten wird, dessen Umfang jedoch nickt wohl geschätzt werden kann .

Die nunmehrige Minderheit des Ausschusses vermochte hiernach sich nicht zu überzeugen daß die Verhältnisse, wie sie sich in dem soeben besprochenen Etat pro

I 1880-81 barfteüen, besondere Argumente enthalten, welche auf einen Verkauf pes I diesseitigen Antheils an der Bahn hindrängen. Wir erwähnten bereits, daß von Seiten ' der Gr ^Regstrung weitere M.ttheilungen dem Aussckuß gemacht worden sind, aus denen die Nothwendigkeit eines Verkaufs neuerdings hergele.tet wird. Es wurde uns Kenntniß von Aeußerungen der Preußischen Regierung gegeben, wonach dieselbe ein Ointeresse an dem Ankauf der Bahn überhaupt nur mit Rücksicht auf die dadurck er- mSaUwte Vereiiffachung der Organisation besitze. Da nun die von Preußen geplanten ?^raaÄsationsänderungen schon sehr bald in Kraft treten sollten, so wurde wenn dies ^nm^ aesckehenO überhaupt auf dm Ankauf nicht mehr reflectirt werden. Dem fledern übe? alaub?n wir bemerken zu dürfen, daß sowohl die Möglichkeit als die Vorthette ein?r Einfügung der Main-Weser-Bahn tn die neue Organisation auch dann wohl noch hesteben ble?be!?werden, wenn die letztere bereits in Kraft ist. Ferner sei von Preußischer ©eite auf hie Concurrenz der Berlin - Wetzlarer - Dahn, wenn dieselbe erst

völlta Ä den Sattel gehoben sei", sowie auf das Proiekt einer Lmie Wetz ar-Friedberg Linaewiestn woiden gegen welche die Hessische Regierung seither, zwar mit Erfolg ^itt'V^TeÄÄ eruftcH^lu^fiä?ju »Sn Ju

tDeüt, aSu?Ä

und zwar auf preußische Rechnung.

1) für den Rangirbalmhof in Kassel

2) für die Station Kirchheim . .

3) für eine Fettgasanstalt zu Äaffel 2i

4) für den Centralbahnhof zu Frankfurt a. M. ,,<

----------------- 1 «reitz vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerloh«.

Erscheint tögttch mit Ausnahme des «YtttaO-. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.