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Mittwoch den 22 December

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Redactio«öb«reaur 1 » , IO

«xpeditionSbureaur J Schulstraße B. 18.

Erscheint tSgttch mit Ausnahme des MoulagS.

und Mühlhauser Garne verarbeitet:

Garne Nr. 40120, zweifach gasirt <X 5,00 4,95

139-200

durchschnittlich 1879 1880

PreiS vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

9,60 9,90

Lebewohl!

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woraus sich erqi.bt, daß trotz des wesentlich höheren Zolles und trotz der höheren Rohstoffpreise in letzter Zett die vorwiegend aus England bezogenen Baumwollgarne N'. 40120 in diesem Jahre billiger gewesen sind als im Vorjahre. Wie b:e8 zu dem Fundamental-Prinzip der Feihandelslehre?

AuS diesen Beispielen, welche mir noch verschiedentlich variiren und ver­mehren könnten, kann nur gefolgert werden, daß der berühmte Lehrsatz der Freihändler, der Zoll vertheure das vom Auslande eingeführte Fabrikat um den Betrag deö Zolles, vollständig hinfällig ist und wenn dies zugegeben wird, so ist noch weniger haltbar, daß auch die inländischen Fabrikate gleicher Art durch den Zoll um denselben Betrag vertheuert würden. Hiermit fallen aber alle Deklamationen über die Bcnachthetligung der Consumenten und die Urber- vortheilung der arbeitenden Klaffen durch den Schutzzoll in sich selbst zusammen.

JrV1145, , mittlere Staut. Mmr^nrntTiftT.

Jeder Zoll auf die Einfuhr ausländischer Gewerbserzeuzntffe chat die Wirkung, den Preis der betr. Fabrikate im Jnlande mindestens um den Betrag des Zolles zu erhöhen." DieseS älteste und am meisten gebrauchte Argument der Freihändler hat in den Augen der Laien von jeher einen besonderen Nim­bus beseffen, weil es so vollständig allen Anforderungen der Logik zu ent­sprechen scheint, daß selbst ein K-nd seine Richtigkeit einfehen könnte. Es ist ja auch scheinbar nichts einleuchtender, als daß der Eingangszoll znnächst das mit dem Zoll belastete ausländische Fabrikat um den Betrag des Zolles Der» theuern muß und hieraus folgt dann von selbst, daß die einheimischen Fabri­kanten die Ausgleichung der Preis- in der Art vornehmen, daß sie nun auch ihrerseits die Preise um den Betrag des Zolles erhöhen, nachdem der aus­wärtige Lieferant seine Waare um den gleichen Betrag theurer verkaufen muß. Diese Argumentation hat in den Reden der Herren Abgeordneten Richter und Genoffen, wie noch erinnerlich, eine große Rolle gespielt und doch läßt sich an keinem Punkte deutlicher, als an dies-m Nachweisen, wie sehr sich die Frei» Händler im Jrrthum befinden, wenn ste derartige Schlüffe für Fundamental» sätze der orthodoxen Volkswirthfchaftslehre auSgeben. Die abstrakte Logik läßt sich eben auf wtrthschaftltche Vorgänge so gut wie niemals anwenden, da die überaus mannigfaltigen Einwirkungen der verschiedenartigsten Faktoren in wirtschaftlichen Fragen sich in den seltensten Fällen übersehen laffen oder mit anderen Worten die Reihe der Beobachtungen wirthschaftltcher Thatsachen meist eine lückenhafte ist und den vielleicht richtigen Schlüffen die richtigen Prämissen fehlen.

Nicht anders ist es mit den freihändlerischen Prophezeiungen betreffs der Erhöhung aller Waarenpreise durch die Schutzzölle gegangen. Die ruhige und unparteiische Prüfung der Sache zeigt, daß diese hohlen Declamationen der Herren Richter und Genoffen eitel Wind waren und daß vielmehr die Schutz» zöllner ganz richtig urtheilten, trenn sie behaupteten, daß die ausländischen Fabrikanten einen großen, vielleicht den größten Thetl des Zolles selber zu tragen haben würden. Es läßt sich hierfür, nachdem der Schutzzollkarif nun­mehr seine Wirkungen geäußert hat, glücklicher Weise eine hinlängliche Zahl von Bespielen anführen.

Zunächst ist es lediglich eine agitatorische und deshalb absolut verwerf­liche Phrase, wenn man di? Getretdezölle für die hob n Getrcidkpretse verant­wortlich machen will. Dies geht schon daraus hervor, daß, während der Preis des Roggens außerordentlich gestiegen, der des Weizens gesunken ist, obwohl Wetzen denselben Zoll wie Roggen trägt. Für jeden Verständigen ist es eben klar, daß die hohen Roggenpreise einerseits die Folge unserer ver­gleichsweise ungünstigen Roggenernte sind, und andererseits der geringen Ernte Rußlands zugeschri.ben werden müffen, welche es diesem Lande nicht gestattet, wie bisher einen größeren Thetl seiner Rogge, p oduction an uns abzugeben. Wäre die Ernte Rußlands eine reichlichere gewesen, dann würden gerade die hohen Roggenpreise in Deutschland ein mächtiger Anreiz zum Import russi­schen Roggens gewesen sein und der Zoll von 1 JL per D.-Ctr. hieran jeden­falls gar' nichts geändert haben. Die Einfuhr von Roggen ist aber in den ersten 9 Monaten dieses Jahres trotz unserer hohen Roggenpreise von 11 Mill. D.-Ctr. im Vorjahre auf noch nicht 5 Mill. D.-Etr. gesunken.

Ein ander»s Beispiel gegen den freihändlerischen Lehrsatz bietet die Preis­bewegung der Baumwollgarne. Der Zoll auf Baumwollgarne ist bekanntlich durch den neuen Tarif besonders in den feineren Nummern wesentlich erhöht worden; es müßten in Folge deffen feinere Nummern besonders strrk im Preise gestiegen sein, jedenfalls aber die Garne, welche direct aus England kommen, einen Preisaufsehlag im Betrage der eingetretenen Zollerhöhung erfahren haben. Nun kosteten jedoch im Monat September tn Krefeld, welches meist englische

Lokales.

Gtcßcn, 20. Deeembrr. Sitzunn drS Pr o v t n z i a l cr u 8 i ch u t s e 8 der Pro­vinz Obrrhkssni vom 30. v. Mts, Fmtbildunflßickule zu Alsfeld. Schluß

In btt Sitzunfl deS Provinzialausichusses vom 30. v. Mts. ctstatt,tr der Vorsitzende Provinzial-Director Dr. B oe km an n Referat aus den Acten, gab hierauf seine Absicht zu erkennen, zunächst die Verbandlung auf Prüfung der Formalien zu beschränken und ertheilte in dieser Beziebung dem erschienenen Vertreter der Gemeinde, Herrn Rechtsanwalt Hirschhorn da« Wort.

Mainz, 19. Decbr. Neues Allarm-Signal an Eisenbahnzügen. In Verbindung mit der Verwaltung der Elsäffer Bahnen hat die Hessische Lud- wigöbahn, die in neuester Zett besonders bestrebt ist, alle Verbefferungen im Bahnbetrieb etnzufübren, eine Allarmvorrichtung vorerst nur auf der Strecke Basel'Franksurt (linkes Rheinufer), bet den hier verkehrenden Schnellzügen in Thättgkeit gesetzt, die gewissermaßen als das Et des Columbus bet derarttgen Vorrichtungen, ihrer Einfachheit wegen, bezeichnet werden kann. Die Zuglinie nämltck, mittelst welcher f'üher die Bremser, Zugführer rc. dem Maschinensührer Mitthetlungen machten, wird, statt wie bisher, in der Richtung der Lärigen-Axe des Zuges mitten über die Waggons gelegt zu werden, nunmehr über Haken am Zuge entlang derart gelegt, daß man sie vom Fenster aus erreichen kann. Diese Leine steht mittelst eines Hebels in direkter Berührung mit der Dampf- Pfeife der Locomotive, so daß ein kräftiger Ruck an der Leine sofort den schrillen Pfiff der Maschine ertönen macht. Die Reisenden können also im Falle der Noch sofort das Hilfssignal selbst geben, ohne zuvor Jemand vom Personal anzurufen. Die S'gnal-Ltnte liegt auf der rechten Seite des fahren­den Zuges und Plakate in den Sprachen (deutsch, englisch, französisch) geben dem Reisenden Kenntniß von Wesen und Gebrauch der Vorrichtung.

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Telegraphische Depeschen.

Waguer'r telegr. Correspondenz-Bureau.

Berlin, 20. Decbr. In der heutigen Bundcsraths-Sitzung machte der Vorsitzende eine Muthetlung über die Verlängerung des italienischen Han­delsvertrags. Gegenüber den Auslassungen der Wiener Preffe über einen Conflict des Grafen Limburg-Stimm mit dem Fürsten Bismarck sagt die Nordd. Allg. Zrg." : Als Fürst Hohenlohe Ende August seinen Urlaub ange­treten, habe Graf Stirum auf die Bitte des ihm persönlich befreundeten Reichskanzlers die intertmistische Leitung des Auswärtigen Amtes übernommen und nach Erkrankung des Fürsten Hohenlohe dieselbe fortgeführt auf Wunsch des Kaisers und ans Rücksicht auf den Reichskanzler. Graf Stimm, der seit Anfang August aus dem activen diplomatischen Dienst zeitweilig ausgefchieden sei, habe die gegenwärtige mühevolle Stellung gerade nur aus Gefälligkeit für den Fürsten Bismarck übernommen, mit deffen Haufe er seil vielen Jahren in intimem freundschaftlichem Verkehr stehe.

DieNordd. Allg. Ztg." hört, das deutsche Cabimt habe im Jn- tereffe der Erhaltung der Gemeinsamkeit der europäischen Verhandlungen sich geneigt erklärt, auf den nunmehr amtlich mitgecheilten Vorschlag einer schieds- richterlichen Entscheidung der türkisch-g techtschen Frage, wenn die anderen Mächte zustimmen, etrzugehm, jedoch die Vorbedingung gestellt, zunächst die Pforte und Griechenland zu befragen, ob sie dem Schiedsspruch der Mächte stch fügen bereit seien, und zugleich vorgeschlagen, daß die Cabtnete für den Inhalt des Schiedsspruchs nicht das Erforderniß der Einstimmigkeit aufstellten, sondern die von vier Mächten g< faßten Mehrheitsbeschlüsse auch für die Mino­rität als bindend ansähen. Solange die Mächte sich nicht über dieses oder ein anderweitiges Programm untereinander einigten und dafür die Anerkennung der Pforte und Griechenlands soweit gewännen, daß deren Bereitwilligkeit, sich einem event. Schiedssprüche zu fügen, außer Zweifel stehe, werde man sich immer vor der Frage befinden, wie die Beschlüffe d:r Mächte event. auszu- führen seien.

Pari-, 20. December. Bezüglich der Nachricht desDaily Telegr.", daß Frankreich formell ein europäisches Schiedsgericht in der griechisch-türki­schen Frage vorgeschlagen habe, glaubt dieAgence Havos" zu roiffen, daß diese Mitthetlung mindestens verfrüht sei. Es habe höchstens ein Austausch der Ansichten zwischen den Mächten über die Principien eines Schiedsspruches stattgefunden, ein officieller Vorschlaa sei hingegen bisher nicht gemacht. Nach Depeschen aus Janina seien die Walachen in Epirus und Thessalien ent» schloffen, jede Maßregel, die zur Unterwerfung unter Griechenland führe, zu- rückzuwetseu.

Berlin, 20. December. Die Fürstin Bismarck wird zur Vornahme von Weihnachtseinkäufen hier erwartet. Fürst Bismarck wird das Wethnachts» sest in Friedrichsruhe zubringen. DerRegier.-Anz." publictrt die Ernen­nung des im Ministerium für öffentliche Arbeiten beschäftigten früheren öster­reichischen Hofraths v. Weber zum Geh. Regierungsrath.

London, 20. Decbr., Abds.Pall Mall Gazette" theilt gerüchtweise mit, daß vom Kap eine ernste Niederlage der Colonial Truppen gemeldet werde und die dortigen Behörden absolut genöthtgt seien, die britische Regierung um Landung von Truppen anzugehen.

London, 21. December. Eine Depesche des Gouverneurs von Natal meldet unterm 19. ds.: Gegen 5000 Einwohner des Transvaal-Landes haben Heidelberg eingenommen, eine Republik errichtet, Krüger zum Präsidenten und Joubert zum Truppen-Commaudanten ernannt. Die Verbindung mit Prätoria ist unterbrochen. Alle disponiblen Truppen werden gegen die Aufständischen geschickt; der Gouverneur von Natal selbst folgt unverzüglich. _

Die Schutzzölle und die Preise.

Gieße«, 21. December. Um auch einer anderen Ansicht, al« der von i uns vertretenen, Ausdruck zu geben, lassen wir nachstehenden, unS von geschätzter Hand zugehenden Artikel folgen: 1