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Kießener Anzeiger
Anzeige- Mit AmisM für des Kreis Gießen.
Nr. 19S. Erstes BLatr. Sonntag den 22. August
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Schulstraße B. 18.
Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS.
Preis vierteljährlich 2 ZJlatt 20 Pf. mit Bringerloha, Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark LS M
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Amtlicher H ß e i l.
Gefundene Gegenstände:
1 Portemonnaie mit Inhalt, 1 kleine Haarbürste, 1 Paar Socken, 2 weiße Taschentücher, 1 Haarzopf, mehrere Schlüssel. Die Gegenstände sind aus der Polizeiwache (Weidengaffe 93) aufbewahrt.
Gießen, den 21. August 1880. Großherzogliche Polizeiverwaltung Gießen.
______________________________Fresenius.
Der Kölner Dom.
Sechshundert Jahre beträgt die Bauzeit des letzten und größten Denkmals der Gothik in Deutschland. Wen erfüllt nicht schon dieser Zeitraum — sechshundert Jahre deutscher Geschichte — mit Ehrfurcht und Bewunderung!! Derselbe geniale Dichter und große Spötter Heinrich Heine, der die Ntcht- vollendung des Kölner Doms als Zeichen der deutschen Sendung, als das Bild des unfertigen nationalen Lebens hinstellte, war bet dem Anblick der alten Dome gerecht wie ein echter Deutscher und pries die alten Baumeister. Ja, es war eine große, stetnfeste Gesinnung der Erbauer des Kölner Doms, die voraussahen, daß erst später Urenkel im Stande sein würden, das Bauwerk zu vollenden; aber sie legten den Grundstein und trugen Stein auf Stein, dis der Tod sie abrief und andere Baumeister das Werk fortsetzten und sich nachher ebenfalls zur Ruhe begaben — alle im festen Vertrauen auf die Ewigkeit der christlichen Religion und im festen Vertrauen auf die gleiche Denkweise der folgenden Geschlechter, die weiter bauen würden, wo die Vorfahren aufgehört.
Der Dom ist vollendet und geschmückt von der Blume des Kreuzes ragen die Thürme stolz empor. Das deutsche Reich ist geeinigt und erstarkt, der Rtesendom des Vaterlandes ist erstanden, Volk und Fürsten eint dasselbe Banner und einen Kaiser schmückt die Krone. Aber unvollendet steht jener größte Dom der Menschheit, den das Wort Gottes kündet: Es wird eine Heerde und ein Hirte sein. Die Vollendung des Kölner Doms ist nicht, wie noch Friedrich Wilhelm IV. hoffte, ein Wahrzeichen der religiösen Duldsamkeit und der Einigkeit der Deutschen in freier und edler Gesinnung, sondern seine Thürme schauen noch herab auf religiöse Zwiste und Unduldsamkeit, auf den Machtstreit zwischen Staat und Kirche, auf mittelalterliche Fehden, mit welchen sich Neu- und Altgläubige in derselben Religion, wie auch die Religionen unter sich befehden. Noch betrachtet die katholische Kirche alle Andersgläubigen als Ketzer, noch schmollt sie, wenn auch Protestanten und Juden sich über die Vollendung des Kölner Doms freuen, noch macht sie keinen Frieden mit dem deutschen Reich. 11 monde casca, die Welt bricht zusammen, rief Antonelli Lei dem Siege von Königsgrätz, und als das einige Deutschland 1871 sich erhob, rief man von Rom statt eines Glückwunsches: anathema sit! So müssen wir Deutsche denn allein weiterbauen am größten Dome der Menschheit, als deffen Wahrzeichen uns der Kölner Dom gilt: am Dome der Duldsamkeit und Humanität, an dem großen Dome der deutschen Freiheit!
Deutschland.
Darmstadt, 20. Aug. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht:
Am 10. August 1880 den Münzcontroleur Reinhard Grimm zu Darmstadt zum Kreisbaumeister deS Kreisbauamts Nidda zu ernennen.
Darmstadt, 20. August. Das gestern ausgegebene Großherzogliche Regierungsblatt Nr. 28 enthält: Bekanntmachung Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz, betreffend die Organisation der Kreisvetertnär-Aemter.
Die am heutigen Tage ausgegebene Beilage Nr. 22 enthält: Die Rechnungsablage über die Verwendung der für das Jahr 1877 in dem Großher- zogthum Hessen ausgeschriebenen Brandentschädigungs-Beiträge.
Darmstadt, 19. Augusts Die von der Centralstelle für Gewerbe und dem Landesgewerbe-Verein bezüglich der allgemeinen Wechselfähigkeit angeordnete Enquete hat sich mit seltener Einstimmigkeit gegen die von der wirthschastlichen Reactton geplante Beschränkung der Wechselfähtgkeit ausgesprochen. — Das Material der angeordneten Enquete wird von dem Generalsekretär der Centralstelle, dem Großh. Baurath Busch, gesammelt.
Berlin, 17. Aug. Das deutsche Feldsanitätswesen hat, den im letzten deutsch-franz. Kriege gemachten Erfahrungen entsprechend, wesentliche Verbesserungen erfahren. Zu jedem mobilen deutschen Armee-Corps gehören 3 Sanitäts'Deta- chements, von denen jedes 7 Aerzte, einen Apotheker und 16 Lazarethgehülfen und eti e Krankenträger-Compagnie mit 30 Krankentragen, 3 Näderbahren und 6 Wagen für Schwerverwundete hat. Jede der zwei Divisionen eines Armee- Corps hat ein Sanitäts-Detachement, während über das dritte das Corps- Commando verfügt. Außerdem werden für jedes mobile Armee-Corps noch 12 Feldlazarethe, jedes zur Aufnahme von 200 Verwundeten ausgerüstet, mit der Bestimmung gebildet, bet den im Gefecht stehenden Truppen thättg zu sein und nach Beendigung der Schlacht in den an Ort und Stelle errichteten stehenden Feldlazarethen bis zu dem Eintreffen des einem jeden mobilen Armee- Corps zugetheilten Lazareth-Reservepersonals und Lazareth-Reservedepots Dienste
zu thun. Eine sog. Evacuations-Commission hat die Aufgabe, nach und nach die Verwundeten und Kranken aus den stehenden Feld- und Etappenlazarethen in die in der Heimath gelegenen Reserve- und Provtnztallazarethe überzuführen. Eine wesentliche Verbesserung des Feldsanitätswesens nach dem letzten Kriege ist insbesondere auch durch die inzwischen eingetretene Reform des Feldintendantur-, des Militärtelegraphen- und des Feldvostwesens, sowie durch die inzwischen erfolgte Neuorganisation des SanttätS-Corps herbeigeführt worden. r., Berlin, 17. August. Aus dem In- und Auslande liegen nunmehr ziemlich sichere Berichte über die diesjährige Ernte vor. Oesterreich hat eine sehr gute Ernte, Ungarn kann in Weizen, Hafer und Gerste für etwa 30 Millionen Mark ausführen, die französische Ernte ist gut, so daß das Land weniger auf Einfuhr angewiesen ist, als beispielsweise in den beiden Vorjahren; die russische Ernte scheint unter Mittel zu bleiben. In Deutschland ist die Ernte nach Provinzen sehr verschieden. Mittelund West-Deutschland verzeichnen in Getreide und Kartoffeln ein vorzügliches Jahr, ein Theil von Schlesien, sowie Ost- und Westpreußen dagegen haben in Folge zur Unzeit eingetretene Nässe und Gewitterschäden theilweise eine völlige Mißernte, in Folge davon Nothstände für den kommenden Winter in Aussicht. Es ist lobend anzuerkennen, daß die Landräthe und Amtsvorsteher in den betroffenen Provinzen schon jetzt auf die drohende Nothlage aufmerksam machen, damit in weiteren Kreisen und namentlich auch innerhalb der Regierung die Mittel zur Linderung überlegt werden können. Gerade unsere jetzige Regierung wird die Pflicht des Staates, zu helfen, nicht von sich weisen können. Von gewisser Seite wird der Vorschlag gemacht, man möge die Getreidezölle abschaffcn oder doch zeirweilig suspendiren. Wir waren bis zum letzten Augenblicke und sind noch heute ausgesprochene Gegner der jetzigen Zollpolitik, vor Allem der Kornzölle. Trotzdem aber möchten wir rathen, die Maßregel der Aufhebung derselben schon jetzt wohl zu überlegen, umsomehr, als sehr wahrscheinlich ist, daß wir mit der inländischen Ernte, namentlich mit dem Ueberschuß von Süd-, Mittel- und Westdeutschland, den Ausfall des Ostens reichlich zu decken im Stande sein werden. Entsprechende Frachttarif-Ermäßigungen allenfalls auf den Eisenbahnen, ähnlich wie es während des Nothftandes in Oberschlesien war, könnten immerhin für heimisches Getreide in Erwägung genommen werden. Der neue Zolltarif als solcher wird wohl heute noch von seinen Freunden wenige verloren haben und für eine gründliche Aenderung ist noch keine Aussicht. Es wird darum schwerlich gelingen, wegen der Mißernte im Osten die industriellen Schutzzöllner von den agrarischen, namentlich des Südens und Westens, abzusprengen; am wenigsten jetzt, wo sie den Ersatz für die Eisenzölle durch höhere Getreidepreise wirklich zu erhalten hoffen dürfen. (K. Z.)
Frankreich.
Dijon, 19. August. Präsident Grevy wurde auf dem Bahnhofe von den Spitzen der Behörden und einer zahlreichen Volksmenge begrüßt. Der Maire von Dijon hielt zur Bewillkommnung eine Ansprache, worauf Grevy für den sympathischen Empfang dankte, Vertrauen auf Frankreichs Weisheit aussprach und ferner erklärte: Wir lassen uns weder zur Ungednld noch Uebertreibung oder Gewaltthätigkeir hinreißen; die glückliche Aera, in die wir etngetreten sind, wird sich nicht schließen. — Die Rede Grevy's wurde sehr beifällig ausgenommen.
Telegraphische Depeschen,
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Pesth, 20. August. Die Waflergefahr ist geschwunden. Das Hochwasser verursachte bet St. Andrä bedeutenden Schaden und riß bei Csanad nächst Baja einen Schutzdamm fort.
Rom, 20. August. In dem heutigen Conflstorium ernannte der Papst mehrere Bischöfe für Italien, England, Amerika und in part. inf. Die vom Papste gehaltene Allocution verbreitet sich nur über Belgien. Der Papst bedauert die Abberufung der belgischen Gesandtschaft, welche die schwerste Beleidigung sei und beweise, daß der Krieg gegen die Kirche mit erneuerter Heftigkeit ausgenommen werde und das belgische Ministerium von antikatholtschem Geiste beseelt sei. Die Kirche konnte das belgische Unterrichtsgesetz nicht billigen. Der Papst lobt das Verhalten der belgischen Bischöfe und spricht von seiner hierbei bekundeten Langmuth und den den belgischen Bischöfen ertheilten Rathschlägen zur Mäßigung. Er habe stets das Verlangen des belgischen Ministeriums, die Bischöfe zu tadeln, abgelehnt. Der Papst erwähnt ferner der falschen Beschuldigungen des Ministeriums gegen den päpstlichen Stuhl. Die Kirche habe das Recht, ihre Vertreter, insbesondere bei den katholischen Nationen, beizubehalten. Der Papst sei geneigt, persönliche Beleidigungen zu dulden, allein niemals werde er Beleidigungen der Würde des apostolischen Stuhles ertragen, selbst nicht um den Preis seines Lebens. Er erhebe diese Klagen, damit sie von Fürsten und Völkern gehört werden. Von anderen Ursachen des Schmerzes und der Sorge für die Kirche werde er bei anderen Gelegenheiten sprechen, indem die der Kirche zugefügten Schäden sich nicht auf Belgien allein beschränken.
Wien, 20. August. Das Wasser fällt anhaltend.


