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22.4.1880
 
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Donnerstag den 22 April

188V

Nr. 93.

Kichener Wyciger

AMP- «ei AmtsM für des Kreis Gießen.

Amtlicher H 8 eil. Bekanntmachung.

Die bezüglich der Stallungen des Metzgers Siegfried in Grünberg wegen der Notzkrankheit unter seinen Pferden verfügten Sperrrnaßregel (siehe Anzeiger Nr. 11) werden hiermit in Folge des Erlöschens dieser Krankheit wieder aufgehoben.

Gießen, den 20. April 1880. Großherzogliches Kreisümt Gießen.

Dr. Boekmann.

Das Tabaks-Monopol.

In den Retchstagskreisen nimmt man an, daß Fürst Bismarck bei der Berathung des Richter'schen Antrages, betr. das Tabaks.Monopol, welche in dieser Woche Donnerstags in Aussicht genommen ist, zum ersten Male in dieser Session im Reichstage erscheinen und sich an der Discujsion betheiligen werde. Bestätigt sich dies, so vermag man schon daraus einen Schluß zu ziehen, daß nämlich der Kanzler, den nicht einmal die Militärgesetz-Debatte in den Reichstag gezogen hat, auf die Berathung des Tabaks-Monopols den allergrößten Werth legt. In der That soll Fürst Bismarck kürzlich geäußert haben, er wünsche noch zwei seiner Ideale zu verwirklichen; die Einführung des Tabaks-Monopolö und die Herstellung eines sicheren freundnachbarlichen Verhältnisses zu Frankreich. Zwischen diesen beiden auseinanderliegenden Din­gen bestehl für den Kanzler eine Art inneren Connexes, weil sie ihm zur Be­festigung des deutschen Elnhettswerkes gleich wichtig erscheinen, und er den inneren und äußeren Frieden um so weniger gefährdet glaubt, je sicherer die Finanzen des Reiches befest gt und je mehr die Einzelstaaten und deren Be> Völkerung entlastet, also mit dem Reiche zufrieden sind. Das Tabaks-Monopol wird nicht von der Tagesordnung verschwinden, denn Fürst Bismarck beweist in der Verfolgung seiner Ideale eine große Zähigkeit. Was den Antrag Richter betrifft, so hört man übrigens, daß eine sehr abgeblaßte mottvirte Tagesordnung vorbereitet wird, welche, wenn sie angenommen wird, den Kanzler nur darin bestärken kann, den Gedanken an eine baldige Einführung des Tabaks-Monopols nicht fallen zu lasten.

Die finanzielle und volkswtrthschaftliche Seite des Monopols ist bereits zur Genüge öffentlich pro et contra beleuchtet, die politische Seite weniger. Hier befremdet es nur, daß einige Hauptkämpen für die deutsche Tabaksregie verbissene Par-ikularisten find; man weiß nur, daß die große Masse der Be­völkerung dem Moncpol entschieden'feindselig ist. Vielleicht fühlt sie instinctiv, daß, mag der finanzielle Erfolg des Monopols sein, welcher er wolle, besten Einführung nicht möglich ist ohne Maßregeln, welche eine heftige Krisis unserer wirtschaftlichen Verhältnisse herbeiführen und gegen die Sitten und Gewohn­heiten des deutschen Volkes verstoßen.

Das Monopol bringt auf alle Fälle dem Volke eine neue und ganz kolossale Besteuerung, es vernichtet außerdem eine blühende Privat-Jndustrie, die vor Schmerz schreien würde, und aus Mitleid oder aus Opposition oder weil Alle mitschreien, würden auch die Nichtbrtroffenen schreien, und der Reichs­tag würde aus das Volk hören müssen.

Das Tabaks'Monopol bringt übrigens, wenn es etngesührt wird, erst nach 10 Jahren regelmäßige Einnahmen, es ist nur eine Taube auf dem Dache, und nach der Ansicht der Liberalen ist ter Spatz in der Hand mehr werth. Es schein! also Fürst Bismarck mehr mit der Zukunft zu rechnen als der Reichstag, der in ordnungsmäßigen Zeiten das Monopol nicht einführen will, weil es zu große Schmerzen macht, und in einer etwaigen außerordent­lichen Nothzeit deshalb nicht, weil es nicht sofort baares Geld bringt. Man ist höchst gespannt, ob Fürst Bismarck trotz aller Gegnerschaft öffentlich erklä­ren wird, daß er das Monopolim Auge behalte" oder ob er in dem Lorbeer, der sein Haupt umlaufet, des Tabaksblättleins entrathen wird._______________

Deutschland.

Berlin, 19. April. Das Militärgesetz ist definitiv tu dritter Be, rathung mit 186 gegen 128 Stimmen angenommen worden; das Resultat wurde unverzüglich dem Kaiser mitgetheilt. Es haben gestimmt: von den Deutsch-Conservativen 56 mit Ja, Niemand mit Nein, von der deutschen Reichspartei und den Hospitanten 42 mit Ja, Niemand mit Nein, von den National-Liberalen 69 mit Ja, darunter der Abgeordnete Dr. Sommer, der den Antrag Stauffenberg auf dreijährige Bewilligung mit unterschrieben hatte (die Abgg. Thilenius, Pflüger und v. Bunsen fehlten bei der Abstimmung, Braun und Stanffenberg sind entschuldigt) 2 mit Nein, nämlich v. Forckenbeck und Bamberger, vorn Centrum 84 mit Nein, Niemand mit Ja, von der Fort­schrittspartei 15 mit Nein, Niemand mit Ja, von den Wilden 5 mit Ja, 9 mit Nein. Unter den mit Nein Stimmenden befinden sich die Abgg. Lasker, Schröder (Friedberg), Jegel, Sonnemann, Härle, Köpfer, von der liberalen Gruppe (Völk-Schauß) 13 mit Ja, Niemand mit Nein, von den Polen 8 mit Nein, Niemand mit Ja, von den Socialdemokraten 8 mit Nein, Niemand mit Ja, von den Elsaß-Lothringern waren nur die Abgg. Kable und Goldenberg anwesend, welche beide mit Nein votirten. An der Abstimmung haben sich betheiligt 314; 70 Mitglieder haben gefehlt und 13 Mandate sind erledigt. Die Publication deS Militärgesetzes steht unmittelbar bevor.

Berlin, 19. April. Die von den Delegirten der Handelskam­mern u. s. w. von Berlin, Bremen, Breslau, Köln, Frankfurt a. M., Halle, Hamburg, Königsberg, Leipzig, Magdeburg, Stettin, Stuttgart vereinbarte Denkschrift zu dem Entwurf eines Gesches, betr. die Erhebung von Reichs- stempel-Abgaben, ist an den Reichstag gelangt. Die Denkschrift betont, daß eine einfache Rückkehr zu den alten Stempe.'principien, welche der Entwurf in Vorschlag dringt, drm Handelsverkehr seine Lebensadern unterbinde. Ein ein­heitlicher Stempelsatz würde allenfalls erträglich sein. Hinsichtlich der Emis- stonssteuer auf inländische Jnhaberpapiere beantragt die Denkschrift, von einer Erhöhung über den Satz von 1 pro Mille hinaus Abstand zu nehmen und Convertirungen stempelfrei zu lassen. Bezüglich der ausländischen Werth­papiere beantragt die Denkschrift, die bereits emtttitten ausländischen Werthe freizulassen und zukünftige Emissionen, wie in den Nachbarstaaten, höchstens auf 1 pro Mille zu besteuern. Schlußschüne sollen ohne Abstufung und ohne Unterscheidung der Geschäfte nur mit einem einheitlichem Fixstempel von 10 H besteuert, die besondere Steuer aus Rechnungen, auf Lombard-Darlehen, die Quittungssteuer und der Stempel auf Cheks und Giro-Anweisungen gänz- ltch abgelehnt werden. Die Denkschrift schließt:Wir hegen zu dem hohen -Reichstag das Zutrauen, daß er nicht ohne dringendes Bedürfniß neuen Be­lastungen der Steuerzahler seine Zustimmung geben wird, und bitten dabei, unseren Ausführungen, welche darthnn, daß feie Erschwerung des Verkehrs fe'e Erwerbsthätigkeit fast noch mehr bedrück!. als die materielle Steuerlast, ge- neigte Berücksichtigung angedechen zu lassen."

Minden, 18. April. Die Ungewißheit über das Schicksal der Tabaks­frage trägt tn hiesiger Gegend immer schlechtere Früchte. Nachdem schon vor längerer Zeit feie Mehrzahl der mittleren unfe kleineren Cigarrenfabriken feie Production vermindern mußte, weil es an Absatz mangelt unfe in vielen Fällen die Beschränkung feer Arbeitszeit eintrat, ist seit gestern auch in feem bedeutend­sten derartigen Etablissements Mindens, das seither vollauf zu thun hatte, die Halbtagsarbeit eingeführt unfe damit der ohnehin sehr mäßige Verdienst zahl­reicher Familienväter auf ein Minimum reducirt worden. Ein End^ dieser Misere ist gar nicht abzusehen, da nach Ansicht aller Fachleute das Tafeaks- unfe Cigarren.Geschäft, unsere Haupt-Industrie, sich nicht wieder heben kann, bis die Monopolfrage in der einen oder anderen Weise definitiv geregelt ist. Bis dahin werden die zahlreichen beschäftigungslosen Arbeiter noch manchen bösen Tag erleben.

AuA Hamburg wird gemeldet, daß dort das Comite der Arbeiter­partei für die Wahl zum Reichstag auf Grund fees Socialistengesetzes ver- haftet wurde. Dasselbe besteht aus 5 Personen; außer diesen 5 Mitgliedern gerieten noch zwei andere Personen in Hast, welche bei feies-r Angelegenheit betheiligt fein sollen.

Vom Rhein, 16. April Von Neuem hängt das Tabaksmonopol wie em Damoklesschwert über fetr bei uns so hoch entwickelten Tabak-Industrie und auch über unserem Tabakbau. Zwei Thatsachen mögen daher aufs Neue in Erinnerung gebracht werden: der Industrie die Thatsache, daß vor feer Ein­führung des Monopols iin Elsaß ourch Napoleon I. im Jahre 1810 in Straßburg und Umgegend nicht weniger als 45 Tabakfabriken mit etwa 10,000 Arbeitern bestanden, daß letztere durch das Monopol fast alle brodlos wurden unfe daß vor feem Krieg von 1870 die Straßburger Tabakmamlfactur, eine der größten Frankreichs, nur 800 Arbeiter beschäftigte. Der Tabakbau dagegen sollte die andere Thatsache nicht vergessen, daß vor der Einführung des Monopols in Elsaß-Loihringen daselbst 6903 Hektaren mit Tabak be­pflanzt waren unfe jährlich 7,500,000 Kilogramm Tabak ertrugen, daß dagegen durch das Monopol dieser Ertrag in Folge der Einschränkung fees Tabakbaues auf 2 Millionen Kilogramm gemindert wurde. Heute scheinen zwar die Elsaß- Lothringer vergessen zu haben, was sie vor 70 Jahren über sich ergehen lassen mußten; einem ähnlichen Schicksal würden aber diejenigen Gegenden Deutsch­lands, welche sich mit dem Tabakbau oder feer Tabak-Industrie befassen, bei feer Einführung deS Monopols nicht entgehen können. (Pf- K )

England.

London. Nicht blos die deutsche, sondern auch die englische Auswan­derung hat in jüngster Zeit in hohem Maße zngenommen. Von Liverpool gingen im vorigen Monat allein mehr Auswanderer tn die Ferne, als in den ersten drei Monaten des letzten Jahres zusammengenommen. Da feie über­wiegende Mehrzahl derselben nach den Vereinigten Staaten von Amerika wan­dert, muß die Annahme wohl gestattet sein, daß sie durch die dortigen befferen Geschäftsverhältnisse verlockt werden, ihrer Heimath den Rücken zu kehren.