schlesische Kceffe ganz vem Nothstand verfallen, 3 Kreise nur thetlweise^ nämlich Oppeln, Groß-StrehUtz uno Rosenberg mit 10,500 noihleideuden Seelen. Es sind dem Nothstand verfallen im Kreise LubUnttz 7000, Gleiwltz 4000, Rattbor 30,000, Kosel 5500, Rybnik 30,000, Pleß 20,000, Rosenberg 3500, Groß-Strehlttz 4000, Oppeln 2500 Seelen. Dteje letzteren vom Noihstande weniger betroffenen 3 Kreise sollen je 100,000, 180,000 und 100,000 JL erhalten, während der bet weitem größere Rest zur Vertheilung aus die übrigen Kreise kommt. Es sollen 100,000 Gentner Kartoffeln, ä 3 per Ctr., angekauft werden. Der Referent v. Minntgerode hob heroor, daß der Provinzial - Ausschuß von Schlesien die Ueberwetsung eines Betrages von zwei Millionen Mark für Wegebauten verlange, sowie daß 300,000 JL der Provinz definitiv zur Beschaffung von AibeitSgelegenhi-Ü überwiesen werden. Der Ftnanzminister verhielt sich diesem Anträge gegenüber ablehnend. Mit- enrscheldend für die Beschlüße der Commission, wonach die Darlehne für Saatgut und Viehfutter zurückerstattet werden müffen, waren wohl die osfi- ctellen Mittheilungen, welche über den Verlauf des ostpreußischen Nothstandes gemacht wurden. Bei dem ostpreußischen Nothstande waren nämlich veraus- gabt worden im Ganzen gegen 15 Millionen Mark, wovon 13,300,000 zurückgezahlt wurden, jedoch mehr für Zinsen gezahlt wurde, als dieser geringe Capttalverlust betrug. Noch ist eine Bemerkung Virchow'S zu erwähnen, wonach ein System für die in Aussicht genommene Anlegung der Victnalwege sowohl unter einander, als im Verhältniß zu den Eisenbahnen entworfen werde, ein Vorschlag, welchem die Regierung zustimmte. — Bet der zweiten Lesung der Nothstandsvorlage tm Plenum wird der Abg. v. Hüne seinen in der Commission abgelehnten Antrag wiederholen, wonach das Vrehsulter nicht zu- rückerftattet zu werden braucht.
Aas Sachfen wird geschrieben: Die Frage der Entschädigungsoer- pfltchtung des Zwickauer Brücken-, Berg- und Steinkohlenbau-Vereins har mit der Einstellung des Untersuchungsversahrens noch keineswegs ihren definitiven Abschluß erfahren. Die Entschädtgungsfrage lst rein civtlrechtlicher Natur, und wird ihr durch den Ausgang des Strafverfahrens in keiner Weise präju- dicirt. Der Untersuchungsrichter hat jedenfalls nicht genügend belastende Momente gegen die Aussicht führenden Beamten ermitteln können, um daraus die Einleitung eines Strafverfahrens basiren zu können; möglicherweise ist auch nur ein Verschulden der mitverunglückten Steiger constatirt worden, gegen welche ein Strafverfahren natürlich nicht mehr stattfinden kann. Für den Civilrtchter genügt aber auf Grund des Hastpflichtgesetzes oder des § 107 der Gewerbeordnung schon das leiseste Verschulden irgend eines Aufsichtsbeamten — möge derselbe noch am Leben sein oder nicht — um die Bergwerksbefitzer für haftpflichtig zu erklären. Wie wir hören, wird der Versuch gemacht werden, tm Wege des Civilproceffes die materielle Entschädtgungsfrage zum Austrage zu bringen. Dies wird um so leichter geschehen können, als ja nicht sämmtliche Proteste auf einmal etngclettet zu werden brauchen, und außerdem wird die betreffende Proceßparrei unzweifelhaft das Armenrecht erlangen, so daß derselben keine Kosten erwachsen können. Wir hören auch ferner, daß sich bereits ein Anwalt gefunden hat, der bereit ist, die Jntereffen der beklagens- werthen Hinterbliebenen der Verunglückten zu vertreten, um die Entscheidung einer äußerst wichtigen Princ'pienfrage zum Austrag zu bringen. In den maßgebenden Kreisen hat die Erklärung der Direction des Brücken-, Berg- und Stelukohlenbau-Veretns, daß die Knappjchastskaste höchstens auf die Dckuer von 2—3 Jahren ihren Verpflichtungen gegenüber den Hinterbliebenen nachkommen könne, sehr peinlich berührt, weil diese Vorgänge es der Regierung absolut unmöglich machen, das Sturnmffche Kastenproject, das sich vorzugsweise auf die Knappschaftskasten stützt, zu fördern.
Hesterreich.
Pesth, 18. Januar. In den meisten Städten des Königreichs haben Kundgebungen gegen die Korruption stattgefunden; das moralische Gefühl des Volkes macht sich überall Luft. Die Ordnung dabei war mustechaft. Volksversammlungen sollen in allen Städten veranstaltet werden, um durch Petitionen aa's Parlament zur Ausrottung der Corruption zu wirken. Tisza mißbilligte die Uebergrtffe der Polizei und versprach Genugthuung.
IranKreich.
Pari-, 18. Januar. Eine Hauptstütze des Clertcalismus in der Armee ist gestern zur Hälfte gefallen: die Mtlitärgeistlichkett. Die Kammer sprach ihre Abschaffung mit nicht weniger als 357 Stimmen gegen HO aus; unv dem Senate wird es nunmehr obliegen, die halb abgesägte Stütze ganz umzuschlagen. Der neue Krieg-Minister gab sofort einen Beweis der Ent- schloffenheit und Bestimmtheit, welche dem neuen Cabtnet nachgerühmt wird: er entkleidete die Frcge ihres gehässigen Beigeschmacks, indem er sich auf das Gebiet der bloßen Disctplin in der Armee stellte, welche durch die Einwirkung der Mtlttärgetstlichen getheilt wurde. Jeder will Herr in seinem Hause sein; wenn aber Osficiere und Kapuciner Gehorsam verlangen, ziehen erstere den Kürzeren. Das Debüt Farre's war ein sehr glückliches und hebt sich vor- theilhaft von dem Gebahren seines Vorgängers Gresley ab, dem erst parlamentarische Daumschrauben angelegt werden mußten, ehe er das Wort ergriff. Farre hat damit schon einen Thetl seines Versprechens eingelöst: „Fort mit der Politik aus der Armee." Ein vtelbedeutendes Nachwort zu dieser Scene in der Kammer bildete heute die Meffe in der Notre-Dame-Kirche mit den durch die Verfaffung vorgeschriebenen Gebeten für die Segnung der Arbeiten deä Parlaments. Das Lied: Domine salvam fac Rempublicam, wurde nach der Meffe angestimmt, und zwar in Gegenwart des Erzbischofs von Paris und seines Coadjutors; äußerlich bestände somit die vollkommenste Eintracht zwischen den geistlichen und weltlichen Gewalten.
England.
London, 16. Januar. In Dublin fand gestern eine Kundgebung mit dem schreckenerregenden Abzeichen der schwarzen Fahne statt, während zum Anzeichen dafür, daß es sich um Hungerönoth handle, ein Laib Brod auf einer Stange umhergctragen wurde. Die Demonstranten äußerten sich darüber ungehalten , daß Geld zur Linderung des Nothstandes nach dem westlichen Irland gefandt wird, während nichts für die Hauptstadt gethan wird, woselbst auch Roth herrschen soll. Die Anwesenden verhielten sich durchaus ordentlich und es kam zu keinerlei Ruhestörung. Schottischen Blättern zufolge soll in dem westlichen Hochlande ebenso drückende Roth herrschen wie in Irland. Der Fischfang war im Sommer und Herbst sehr dürftig, so daß die Leute ohne Erwerb heimkehren, viele sogar sich durchbetteln mußten. Die Schotten
klagen indessen nicht wie die Irländer. Deshalb bekommen sie auch keine Hülfe. Die Unzufriedenen in Dublin erklärten übrigens gestern ausdrücklich, daß sie nicht Almosen, sondern Arbeit begehrten.
London, 18. Jan. Die Kaiserin Eugenie hat vorläufig beschloffen, ihre Reffe nach dem Zululande mit dem am 26. März abgehenden Dampfer „German" anzutceten. Der Zeitpunkt ist so gewählt, daß sie vor dem 1. Juni, dem Todestage ihres Sohnes, au Ort und Stelle eintreffen kann.
Wie die „Dmes of Jndia" meldet, dauern die Hinrichtungen in der birmanischen Hauptstadt Mandalay noch Immer fort. Es werden Palast-Jntri- guen vorgeschützt, unter diesem Vorwand wird indeffen alles, was dem König oder der ersten Königin mißliebig ist, ohne P occß vom Leben zum Tode gebracht. Einer der erst kürzlich in den Prinzenstand Erhobenen ist hingerichtet worden, weil er sich in seinen Liebeswünschen zu hoch verstieg; fünf Schwestern haben sein Schicksal getheilt, angeblich weil sie in seine Jntrlguen verwickelt gewesen sein sollen — in Wahrheit, weil die erste Königin auf sie eifersüchtig wurde. Zwei Mantpuri-Brahmtnen find nebst drei Gehülfen ge- rödtet worden, weil sie den Versuch gemacht haben sollen, den König und die Königin zu vergiften, was bei solchem Regiment am Ende kaum zu verwundern ist, selbst wenn das Attentat nicht, wie aus Mandalay berichtet wird, von der älteren Schwester der Königin, Supaynhgyen, ausging. So folgt eine Blutpost der andern.
Telegraphische Depeschen.
Wagner'S telegr. Correfponderrr - Bureau.
Berlin, 20. Januar. Gegenüber der Nachricht auswärtiger Blätter, daß der Herzog von Cumberland die letzten von Preußen bezüglich der Hannoverschen Frage gemachten Propositionen nicht anzunehmen beabsichtige, hat die „Nordd. Allg. Ztg." auf Grund amtlicher Informationen die Gewißheit, daß dem Herzoge von Cumberland gar keine Propositionen gemacht worden sind oder zu machen beabsichtigt werde. Wenn der König von Dänemark in wohlwollender Abficht vielleicht versucht haben sollte, seinen Schwiegersohn zu einer weniger schroffen Haltung zu bewegen, als der Herzog nach dem Tode seines Vaters angenommen, so wäre dies wesentlich der Ausdruck der friedliebenden vermittelnden Gesinnung dieses Monarchen. Die Regierung hat hierüber keine Kenntntß, würde auch, wenn um ihre Meinung gefragt, ihre Ueberzeu- gung dahin ausgesprochen haben, daß Friedensvorschläge beim Herzog von Cumberland kein Entgegenkommen zu erwarten haben; dazu hat der Herzog zu viel Rathgeber um sich, deren Jntereffen mit dem Prätendententhum untrennbar verbunden sind, deren Lebensstellung mit der Aufgabe deffelben ohne Aussicht aus Ersah hinfällig würde.
Die „Nordd. Allg. Ztg." meldet ferner: Nach einer in Abgeordneten- kreisen umlaufenden Version ist die Reichstagserüffnung am 12. Februar in ziemlich bestimmte Aussicht genommen.
Petersburg, 20 Januar. Anknüpfmd an die Erklärung des Gene- ralcommandos des 5. preuß. Armee-Corps, wonach die Mittheilungen über die Jnsulttrung und Bedrohung preuß. Offic ere in Kalisch völlig erfunden sei, kann der „Ruff. Invalide" htnzusügen, daff die falsche Nachricht deutscher Zeitungen unter den Osficieren der benachbarten Armee großen Unwillen erregte. Ein Stabsofficier des 5. preuß. Armee-Corps begab sich nach Kalisch und gab den dortigen russischen Osficieren über die durch deutsche Zeitungen verbreitete falsche Nachricht sein Bedauern zu erkennen. Diese Mtttheilung wurde von den russischen Osficieren mit denjenigen Gefühlen gegenseitiger Hochachtung und Freundschaft ausgenommen, welche schon seit so langer Zeit zwischen den beiden befreundeten Nachbarmächten und ihren Armeen bestehen.
Paris, 20. Jan. Gambetta bat wegen eines Halsübels den Vorsitz in der Kammer heute nicht geführt. — Justizminister Cazot brachte in der Kammer den Gesetzentwurf, betr. die Reform deS Rtchterstandes, ein. Ferry legte Entwürfe vor, durch welche der Primärunterricht als obligatorischer und als Laien-Unterricht etablirt wird.
Luxemburg, 20. Januar. Nach einer amtlichen Mtttheilung der dieffeitigen Regierung hat die holländische Regierung laut einer am 7. d. M. abgeschloflenen Convention über die Staatsschuld, den Luxemburgern die diplomatische Vertretung und consularen Schutz tm Auslande wtedergewährt.
Berlin, 20. Januar. Der Kronprinz richtete, wie die Abendzeitungen melden, an den Pastor Gruber in Reichenbach (Schlesien), Verfaffer einer Brochüre „Christ und Israelit", folgendes eigenhändige Schreiben: Sie haben mich durch Ueberreichung Ihrer Schrift aufrichtig erfreut und zu besonderem Danke verpflichtet. Ich gebe mich gerne der Hoffnung hin, daß Ihr Wort des Friedens in wette Kreise dringen und die verdiente Anerkennung finden möge.
PuriS, 21. Januar. Die Beerdigung Jule- Favre's erfolgt am Donnerstag um 1 Uhr nach protestantischem Ritus.
Lokale-.
ließen, 21 Januar. Wir lassen heute ein weiteres Referat betreffend das letzte Coneert des hiesigen Concertvereins folgen. Der geschätzte Einsender schreibt:
Gießen, 19 Jan. Das gestrige Coucert unseres Concert-Bereius war in seinen Leistungen in jeder Beziehung ein durchaus reiches und wohlgelungenes zu nennen, das, als Ganzes betrachtet, zweifelsohne alle Erwartungen buchstäblich übertraf.
Das Orchester brachte unter Leitung des Herrn F e l ch n e r die Mendelssohnff'che Ouvertüre „Meeresstille und glückliche Fahrt" „sehr gut" zur Aufführung und die C-moll- Symphonie von Beethoven erntete, namentlich in Bezug auf die beiden letzten Sätze, mit vollem Rechte den ihr von Seiten des trotz der vorgerückten Zett andächtig zuhörenden Publikums reichlich gespendeten Beifall.
Fräulein Knispcl, welche uns am Abende etwas befangen erschien, ließ in Bezug auf Stärke im Concerte selbst ihre Stimme weniger zur Geltung kommen, als in der Probe. Ihre Lieder— und zu Lieoervorträgen scheint sie uns besonders geeignet — sang sie vortrefflich. Sie zeigte dabei eine ausgezeichnete Schule, tiefe Empfindung und durchaus künst lcrische Auffasiung. Auch bet ihr fanden wir, wie bei allen Schülern Stockhausen's, die nicht g-nug zu rühmende Eigenschaft des deutlichen AussprechenS. Am besten gefiel uns „Die junge Nonne" und das auf stürmischen Hervorruf gegebene Lied von Brahm's „Wie bist Du, meine Königin" und lange noch mag vielen der Zuhörer das „Wonnevoll" in Ohr und Herz nach- geklungen haben.
Der Held des Abends war Herr Karl Heymann. Wohl nur von Wenigen hier gekannt oder in seiner Größe geahnt, erschien der körperlich kleine Virtuose als ein Niese in seiner Kunst. Bescheiden, ja fast schüchtern auftretend, entlockte er dem Instrumente Töne von solcher erstaunlicher Weichheit und Zartheit, wie wir sie auf dem Piauoforte zuvor noch nicht gehört. Der Künstler war mit seinem Instrument wie verwachsen; die starren Saiten waren durchgeistigt, sie hatten eine Seele bekommen. — Was er am besten gespielt hat, wir wtffen es nicht; alle Vorträge, auch seine Begleitung der Lieder, wuren die genialen Leistungen eines seltenen Menschen, der von dem Vortrage deS Choptn'schen Coneertes an bis zu dem von ihm
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