1880
Dienstag den 21. December
Nr. 298
Mchener "Anzeiger
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in Londorf" versehen gewesen waren. Gießen, den 17. December 1880.
Großherzogltche Poltzetverwaltung Gießen.
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Kupferne Wohlthätigkeit.
Bezugnehmend auf den »n letzter Nummer dieses Blattes veröffentlichten Rechenschaftsbericht und Aufruf des hiesigen Armenvereins geben wir nachstehendem Artikel um so lieber Aufnahme, alS er die praktische Idee des Vorstandes des Armenvereins sehr befürwortet. Auch wir möchten die Bitte aussprechcn, daß Jeder, dem es nur irgend möglich ist, dem Armenveretn als Mitglied beitrete, damit dem immer mehr zunehmenden Stromerthum ?ge- steuert werde. Der Artikel lautet:
Sollte es denn kein Mittel geben, unter den deutschen Frauen und Jung- stauen, deren Bildung doch in unserer Gegenwart nach manchen Richtungen so schöne Fortschritte aufweist, die Erkenntniß auszubreiten und „zu Gemüthe m führen", daß es das directe Gegenthetl von Wohlthun ist, was sich in dem Spenden von Kupfer- und Nickel-Münzen an unbekannte Bettler ausdrückt?!
Die Gesetze aller Culturstaaten verbieten den Bettel; wer trotzdem solchem Gesuch entspricht, hilft also an einer Gesetzübetretung. Diese Rücksicht allein sollte genügen, dem verderblichen Almosenunfug ein Ende zu machen. Die tägliche Erfahrung bezeugt jedoch, daß das Verbot bei der Mehrzahl, namentlich des weiblichen Geschlechts, unbeachtet bleibt. Theils sind alte Gewohnheiten, Bequemlichkeit, Gedankenlosigkeit zu mächtig, theils verleitet ein an sich schönes Mitleid zu falschen Schlußfolgerungen und Handlungen. Alle Schwände, welche dieses Mitleid zur Beschönigung seines Thuns vorbringt, laffen sich freilich nicht mit wenigen Worten widerlegen, denn das erforderte tieferes Eingehen in staatswiffenschafiliche und psychologische Fragen, wieder- holt sei hier jedoch wenigstens Folgendes:
Das Verbot der Bettelet ist keineswegs hart, unchristlich, sondern durch- aus wohlbedacht, gerechtfertigt und schlechterdings nochwendtg. Wenig gelegen wäre ja an der Belästigung des Publikums; sie müßte ertragen werden, wenn rs sich uai einen guten Zweck handelte. Schwerer schon fällt in's Gewicht, daß notorisckerweise in Deutschland alljährlich viele Hunderitausende in kleiner Münze auf Leute verschwendet werden, die der Unterstützung nicht einmal be> dürftig, geschweige würdig sind, Summen, die, richtig verwandt, sehr viel Elend lindern könnten. Aber auch das ist noch nicht die Hauptsache. Der durchschlagende Grund, der es Jedem von uns zur Gewiffenssoche machen soll, dem Bettel durch Geben keinen Vorschub zu leisten, ist der: jeder in Armen- Angelegenbeiten Erfahrene weiß, daß durch die übliche Almosenverschleuderu» g die ärmeren Klassen im höchsten Grade gefährdet, sittlich und wirthschastlich erniedrigt, daß Bettlerschaaren förmlich gezüchtet werden. Denken wir uns doch in die Seele eines hartschaffendeu Arbeiters oder Dienstboten mit kärgsten Einnahmen. Täglich sieht er Dutzende von Leuten ein bequemes Lungerleben führen, lediglich jenem Fischereigewerbe obliegend, das im großen Menschenstrome mittelst umgekehrten HuteS und zerlumpten Anzugs betrieben wird. Wie nahe liegt da der Gedanke, zumal in schlechten Zeiten, „die Flinte tn's Korn", das Arbeitsgeräth bet Seite zu werfen und — zum „weißen Stabe" zu greifen, während doch gerade in solchen Zetten jeder Arme die äußersten Anstrengungen machen muß, um nicht zu versinken. Denn wo die Erwerbslosigkeit eine allgemeine Landes-Calamität ist, kann der Armennoth gar nicht ausreichend gesteuert werden. So erstirbt allmälig in immer weiteren Kreisen das Ehrgefühl, die Arbeitslust und die Thatkraft I — Nicht geringen Antheil an vielen traurigen Erscheinungen der Gegenwart ist dem überhandnehmenden Bettelwesen zuzuschreiben.
Der diese Zeilen schreibt, hat sich seit Jahrzehnten zur Pflicht gemacht, jedem Unbekannten, der ihn um ein Almosen angeht, in ruhigem, festem Tone and mit entsprechendem Blicke, nicht etwa mit verlegen niedergeschlagenen Augen »u antworten: „Mein Grundsatz ist, keinem, deffen Unterstützungswürdtgkett ich nicht prüfen kann, etwas zu geben- Wenden Sie sich an einen Verein gegen Verarmung oder an die Armenbehörde." Ein Eifahrungs-Matertal von wohl mehreren hundert Fällen liegt jetzt hinter mir, und ich kann sagen, gewiß mindestens 90 pCt. der Bettler zogen auf jene Erklärung ohne weitere Versuche ihre- Weges. Wo etwas erwidert wurde, das Aufklärung verdiente,
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Bekanntmachung.
In G-mäßh-it d-S § 9 des G-setzeS 6om 13. Februar 1875 über di- Naturalleistungen für die bewaffnete Macht tm Frieden werden hierin nachstehende Durchschnittsmarktpreise vom Monat November 1880 veröffentlicht:
y Hafer JL 15, Heu JL 6,60, Stroh JL 6,20 per 100 Kilogramm.
Gießen, den 18. December 1880. Großherzogliches Kreisamt Gießen.
vr. Boekmann._________________________
An die Groftherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises Gießen.
Aw 10. d. Mts. wurde dahier -in Ballen mit fünf v--schi-d-n-n Stücken BuMin im W-rth- °°n 2^.^efle^‘=nßänb®Onunbbe^4^Ve"on Buckskin stnd 3 Stück- grau und 2 bian bezw. bl-ugrau. Man bttt-t um !°rgM>g. Nachf°rschung-nnach■ d-ng°st°hl°"-n J.°n B«ck°r
dem etwaigen Resultat mit dem Bemerken, daß dieselben in grauem Papier und darüber in grauer Leinwand verpackt und mit der Avresfe „jean -oea
-- ~ PreiS vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pß
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aab ich diese in kurzen Worten und hatte gar nicht selten die Genugthuung, Verständlich zu bemerken. Weit entfernt bin ich, mir einzubilden, nur einen Einzelnen „gebessert" zu haben, laffe mir vielmehr an dem Bewußtsein genügen, die schlechten Beispiele nicht um eins vermehrt zu haben.
Sehr zu wünschen wäre, daß auch Zeitschriften, die nur oder vorzugsweise von der Damenwelt gelesen werden, sowie Lehrer an Töchterschulen jede paffende Gelegenheit ergriffen, vor der falschen Wohlthättgkeit zu warnen, die sich in Kupfer, und Nickel-Münzen ausprägt.
Deutschland.
Berlin, 18. Decbr. Das Abgeordnetenhaus verwies das vom Her- renhaus zurückgelangte Viehseuchengesetz an die Agrar-Commission und geneh- mehrere kleinere Vorlagen in der vom Herrenhause vorgeschlagenen Faffung. Die nächste Sitzung findet am 8. Januar statt.
Berlin, 18. December. Von den auf die Erweiterung und Verstär- kung der deutschen Armee bezüglichen Bestimmungen ist zur Zeit nur noch die über die entsprechende Vermehrung der Landwehr-Beztrks-Commandos und die Zutheilung der neu errichteten Regimenter zu bestimmten Aushebungsbezirken rückständig. Es entfallen für diesen Zweck von der Gesammtvermehrung von 25 615 Mann, welche die deutsche Armee erfährt, 390 Mann für die Verstärkung der Landwehr-Bezirks-Commandos, die Vertheilung deffelben steht jedoch noch aus. Nach einer Mitthetlung der „Allg. Milit.-Ztg." sind die beim 1., 2., 3 5 6. 7., 8. und 11. preußischen, dem 12. sächsischen und den beiden bayerischen Armeecorps vom 1. April k. Js. ab über den Normalstand dieser letzteren vorhandenen Infanterie Regimenter bet einem Kriegsfall bestimmt, den Ltnienantbeil der benöthigten Festungsbesatzuvgen zu bilden, wobei jedoch ein späterer Ersatz derselben durch die vierten Feldbataillone der Jnsanterie-Regi- menter vorgesehen bleibt, deren Errichtung für den gleichen Fall durch die Mobilmachungs-Ordre vorgesehen ist und wonach die Zusammenstellung jener Regimenter entweder mit zur Feldoerwendung herangezogenen Landweyr-Regi- mentern oder mit den aus den nickt zu Besatzungszwecken verwendeten vier Feldbataillonen neu zusammeugestellten combtnirten Truppenkörpern zu neuen Reserve-Armeecorps ei folgen würde. Ueber die Vertheilung der neu errichteten Batterien steht jetzt fest, daß durch dieselbe die fahrenden Abtheilungen der Corps-Artillerie-Regimenter der fämmtlichen preußischen Armeecorps von gegenwärtig je 3 auf 4 Batterien erhöht werden. Der Bestand an Artillerie resp. Feldbatterien dieses Corpö stellt sich demnach in Zukunft au 16 fahrende und 3 rettende, oder zusammen je 19 Batterien. Auffällig erscheint, daß nickt zugleich auch die Batteriezahl des 13., 14. und 15. deutschen Armeecorps auf den gleichen Stand gesetzt worden ist. Die Feldarttllerte des 13. wurttem- bergischen und 12. sächsischen Armeec rps wird jedoch gleichzeitig eine Vermehrung um je 2, die der beiden bayerischen Armeecorps zusammen um 4 Batterien erfahren. Außerdem tritt bekanntlich dem 15. Armeecorps das Regiment Corps-Artillerie, jedoch ohne die sonst allerwärts diesem zugetheilte -eitende Abthetlung, neu hinzu. Außer beim 116. (Großh. Hessischen) Jnfanterte-Reg>- ment, das bisher nur aus zwei Bataillonen bestand, und dem nunmehr ein drittes Bataillon hinzutriit, wird ein Ausgleich in der Elatsstarke auch bet den sämmtlichen württembergischen Infanterie-Regimentern statthaben, welche bisher per Bataillon et. en um 54 Mann geringeren KoMand als dieJtonU-- lichen anderen preußisch-deutschen Bataillone besaßen. Die Friedensstärke der gesammien deutschen Armee wird künftig 427,274 Mann betragen.
Irankreich.
Paris, 18. Decbr. Die Behauptung eines Pariser Blattes, daß der erste Secretär der deutschen Botschaft «eflcm mit dem Minister des Aeußern conferirt und diesem gegenüber von Abtretung Kretas an G ckenland gesprochen habe, ist nach der „Agence Havas falsch. Barthelemy hat gestern den Secretär der deutschen Botschaft gar nicht.gesprochen und eS ist auch sonst niemals zwischen ihnen die Rede von der Abtretung Kret^ ge wesen. — Die Befürchtungen eines Conflictes zwischen Kammer , und Senat


