des Belagerungszustandes über Berlin; die Bedingungen, woran dieselbe geknüpft sei, wären vorhanden gewesen. Der Terrorismus der socialdemokratischen Agitation gefährdete Ruhe und Ordnung. Im Geheimen dauere die Agitation noch heute fort; deßhalb sei ein Verzicht aus die schneidige Waffe des Belagerungszustandes jetzt un- thunlich. Gegenüber dem Anträge Windthorst erklärt der Minister: Es sei denkbar, daß auch anderwärts die Zustände sich so zuspitzen, daß die Verhängung des Belagerungszustandes nothwendig fei. Leichten Herzens spreche man dieselbe nicht aus. Man brauche die scharfen Waffen des Gesetzes zögernd und ungern, dürfe aber darauf nicht verzichten. — Die Anträge Windthorst und Kayser werden abgelehnt.
Es folgt die Berathung des Antrages SonnemaNn, wonach die Bestimmungen in dem Absatz 3 des § 28 auf Mitglieder des Reichstags oder einer gesetzgebenden Versammlung, welche sich am Sitze dieser Körperschaften während deren Session aufhalten oder dahin begeben, keine Anwendung findet.
Referent Marquardsen spricht sich gegen den Antrag aus, Sonnemann empfiehlt denselben. Das Haus lehnt denselben ab und nimmt den Commissionsantrag an, wonach § 28 aus Mitglieder des Reichstags, welche sich am Sitze dieser Körperschaft während deren Session aufhalten, keine Anwendung findet. Im § 2 schlägt die Commission vor, das Gesetz bis zum 30. September 1884 zu verlängern statt bis 31. März 1886, wie die Regierungsvorlage vorschlug.
v. Ludwig beantragt, das Gesetz auch auf solche Bestrebungen auszudehnen, die, ohne birect socialdemokratisch zu sein, auf analoge Weise die Untergrabung der christlichen und monarchischen Grundlagen der bestehenden Staats- und Gesellschaftsordnung bezwecken, v. Marschall erklärt sich gegen diesen Antrag und für den Commissionsvorschlag. Windthorst ist für positive Maßregeln gegen die Socialdemokratie auf dem Boden des Christenthums und macht für deren Anwachsen den Culturkampf und die dem Christenthum feindselige Schulpolitik der letzten 10 Jahre verantwortlich.
Stumm spricht im Sinne des Commissionsantrages und bedauert die Aussichtslosigkeit, den Regierungsvorschlag zur Annahme zu bringen, der ihm lieber gewesen wäre. Er empfiehlt ebenfalls positive Maßregeln und glaubt, der Reichstag habe mit der Gewerbcnovelle und anderen Maßregeln schon die richtige Bahn betreten.
v. Ludwig befürwortet seinen Antrag. Minister Graf Eulenburg erklärt sich im Namen des Bundesraths gegen den Antrag, Graf Eulenburg widerlegt dann einige Vorwürfe, welche gegen die Handhabung des Gesetzes heute und am Sonnabend erhoben worden sind. Die von Bebel bei der ersten Lesung vorgebrachten Klagen über Mißgriffe von Polizeibeamten seien untersucht worden und hätten sich ganz oder größtentheils als unbegründet erwiesen. Marquardsen empfiehlt die Annahme des S 2. v. Ludwig zieht seinen Antrag zurück. § 2 wird gegen die Stimmen der Social- demokraten, der Fortschrittler und eines Theiles des Centrums angenommen. Eine Reihe von auf das Gesetz bezüglichen Petitionen wird theils für erledigt erklärt, theiis dem Reichskanzler überwiesen — Der Handelsvertrag mit den Haway-Jnseln wird in zweiter Lesung angenommen. — Nächste Sitzung morgen.
Berlin, 20. April. Der „Nordd. Allg. Ztg." zufolge haben die für die Revision der Geschäftsordnung des Bundesrathes bestellten Referenten v. Mittnacht (Württemberg) und v. Liebe (Braunschweig) ihre Anträge dem Bundesrathe vorgelegt. Diese Anträge schließen sich vollständig den Gesichtspunkten des preußischen Antrages an und schlagen außerdem eine Modification des § 24 vor, nach welchem die Geheimhaltung der Verhandlungen in jedem Falle von einem Beschlüsse des Bundesrathes abhängig sein soll; der Antrag der Referenten geht dahin, daß die mündlichen Verhandlungen des Bundesrathes und der Ausschüsse in allen Fällen geheim zu halten seien.
Kopenhagen, 20. April. Die Festlichkeiten zu Ehren der Vega- Expedition haben mit einem gestern Abend in der Börse gehaltenen Banket ihren Abschluß gefunden. Um Mitternacht setzte die „Vega" die Heimfahrt nach Schweden fort.
Leipzig, 19. April. Die hiesige Handelskammer beschloß mit 17 gegen 2 Stimmen eine Petition an den Reichstag, derselbe möge die Vorlage der Reichsregterung wegen der Samoa-Angelegenheit genehmigen.
Petersburg, 19. April, Abends. Der bisherige Gouverneur von Rjäsan, Abaza, ist zum Chef der Oberpreß-Verwaltung ernannt.
Lokales.
Gießen, 20. April. Se. Königl. Hoheit der Großherzog wird, dem Vernehmen nach, der Eröffnung der neuen Aula am kommenden Samstag, den 24. dss. beiwohnen. Das Programm dürfte in folgendem bestehen: Bei der Eröffnungsfeier Mittags 12 Uhr Rede des Rectors, Herrn Professor Dr. L. S euff ert; nach der Feier Diner im „Einhorn", zu welcbem die Profefforen der Universität, sowie die Spitzen der Behörden von Sr. Königl. Hoheit dem Großherzog mit einer Einladung beehrt worden sind. Am Abend Fest- commers in Wcnzel's Garten. — Von größeren Festlichkeiten, wie sie z. B. voriges Jahr in Marburg bei einer ähnlichen Gelegenheit gefeiert wurden, hat man hier absehen müssen.
— Gestern Nachmittag rettete Herr Kaufmann W. Hanstetn einen 5jährigen Knaben vor dem Ertrinken in der eben ziemlich angeschwollenen Wiejeck. Wenn auch die Rettung nicht mit Lebensgefahr verknüpft war, so verdient doch das Hineinspringcn in das ca. 5 Fuß tiefe Wasser alle Anerkennung.
— Ein Dienstmädchen, welches die Finger nicht an sich halten konnte, wurde wegen Diebstahl, begangen an ihrer Herrschaft, eingesteckt.
Vermischtes.
Spangenberg, 15. April. Der in Pfiefe, einem ungefähr eine Stunde von hier entfernten Dorfe, wohnhafte Bauer Wollenyaupt hatte nach dem Tode seiner ersten Frau welche ihm einen Knaben hinterließ, wieder geheirathet. Seine zweite Frau war dem Kinde' welches sehr schwächlicher Natur gewesen sein soll, eine Stiefmutter im wahren Sinne des Wortes, sie vernachlässigte dasselbe gänzlich. Die Lehrer konnten den Knaben in die Schule nicht aufnehmen, und mit der Zeit wurde derselbe von Niemanden mehr gesehen. Die Eltern hatten das arme Kind, statt es zu pflegen, in eine Bodenkammer geschlossen und ihm hier wenn es schrie, etwas Nahrung gereicht. Den verfloßenen kalten Winter hat der Knabe der jetzt 13 Jahre alt ist, ebenfalls in der Bodenkammer auf einem elenden Strohsack zuqeb'racht in den er bet der Kälte hineingekrochen war. Der Knabe, welcher in dem Behälter in seinem Kothe aufgefunden wurde, ist so erfroren, daß ihm jetzt die Füße stückweise abfallen auch ist er jetzt durch die Vernachlässigung erblindet. Gestern war der Landrath, der Kreisphv'sikus und der Staatsanwalt in Pfiefe und es wird nun wohl zur Untersuchung kommen. (T. u. A )
— sE t n armer Kaiser.) Aus „besonderer Quelle" wird der Wiener Allaeme-nen Zeitung geschrieben: „In den nächst,m Tagen erfolgt die Uebersiedelung des kai,erlichen Hofes ‘ von Petersburg nach Livadia. Währeno sonst Tag und Stunde der Abreise des Kaisers lange I vorher schon bekannt waren und der Fahrplan des betreffenden Hoftrains schon Wochen vorher vom Ministerium der Wege und Kommunikationen festgestellt und den beteiligten Eisenbahnen mitgetheilt wurde, wird diesmal sowohl hinsichrlich der Zeit wie der Route absolutes Stillschweigen beobachtet. Daß über Moskau-Losowaja nicht gefahren wird, darüber ist man einiq• man wird dem Kaiser das Passiren jener Stelle der Moskau-Kursker Eisenbahn an welcher der Nachtrain des Hofzuges im vorigen Jahre gesprengt wurde, und die peinliche Erinneruna an jenes Attentat ersparen wollen. Seit zwei Tagen bereist der General-Jnspector der Eisenbahnen, Wirklicher Staatsrath Klewetzki die Linie Bjalystok Brest-Odeffa und inspicirt die Bahn und die Stationen. Man glaubt jedoch, daß dies nur geschieht, um die Nihilisten auf diese 1 Route aufmerksam zu machen und zu täuschen. Die Brest Odessaer Bahn geht durch Geaenden i welche politisch keineswegs zu den sicheren gezählt werden. Viele sonst Unterrichtete meinen ■ vielmehr, daß der Kaiser mittelst der Nikolaj Bahn nach Moskau, von dort nach Minsk und ' von da aus der für den Passagierdienst wenig geeigneten Romnyer Bahn über Niesckin nack Kiew reisen, dort Aufenthalt nehmen und dann erst über Odcffa nach Livadia reisen werde Auch die Weichsel-Eisenbahn und Warschau-Terespoler Bahn werden gegenwärtig untersucht und wird auch angenommen, daß die Reise über Warschau und Krakau, also über österrciclmckcs ‘ Gebier, erfolgen werde. In Odeffa sind zwei Yachten der kaiserlichen Spezialflottille in Dienst ' gestellt. Im Uebrigen wird durch die vielfachen Untersuchungen in Betreff der Sicherheit der Eisenbahnen, das Herumreisen der Ministerialcommiffäre:c. die Reise nur „markirt"- man will eben Attentate dadurch unmöglich machen, daß man die Leute in Betreff der Route täuscht. Selbst eingeweihte Beamte sind der Meinung, daß die Reise nach Livadia nichts als eine Finte
Väter eingehändlgt.
und des ersten Gemeinderathes statt.
134
23
26
60
1800
80
— Aus Raab in Ungarn wird ein sensationelles Ergeigniß — die Auferstehung eine« Gehängten gemeldet. Am 14. April sollte an dem Raubmörder Takacs das Todesurthetl, die Hinrichtung durch den Strang, vollzogen werden Am Morgen um 8 Uhr hatten sich auf dem Hofe des kleinen Eomitatshauses in Raab der Scharfrichter Kozarek mit zwei Gehilfen eingefunden, um ihr trauriges Handwerk an dem Delinquenten, der sich sehr gefaßt und ruhig zeigte, zu verrichten. Gerichtsrath Schmidt verlas unter dem Galgen das Urtheil. Sodann wollte der Delinquent reden, er begann: „Ich sterbe gerne", war jedoch schon beim dritten Worte gerichtet. Die ganze Execution dauerte kaum drei Minuten. Zwei Stunden nach der Hinrichtung verbreitete sich wie ein Lauffeuer die Nachricht in der Stadt, daß in dem Justificirten, nachdem derselbe in die Todtenkammer des allgemeinen Krankenhauses gebracht worden, sich noch Leben zeige. An dem armen Sünder wurden durch die Aerzte sofort Wiederbelebungsversuche angestellt und zwar mit solchem Erfolge, daß derselbe regelmäßig athmete und sich in bewußtlosem Zustande bewegte. Die Aerzte constatirten, daß die Wirbelsäule nicht gebrochen ist. Der Vertheidiger des Raubmörders richtete sofort an Den Kaiser auf telegraphischem Wege ein Gnadengesuch.
Die Frage, was mit dem Unglücklichen zu geschehen habe, der nach der gestern in Raab vollzogenen Hinrichtung am Leben blieb, ist gelöst. Tukacs ist heute Morgen gestorben. Diesem Tod aber gingen furchtbare, qualvolle Schmerzen voraus, welche bis zu Ausbrüchen des Paroxismus führten-
Aus der Schweiz, 11. April. Wie die „Grenzpost" berichtet, ist in der Nacht zum 6. April eine Masse Granit im Innern des großen Gotthard-Tunnels heruntergefallen und hat einen Arbeiter getobte! und fünf andere verwundet. Etwa 500 Arbeiter, welche auf den Arbeitsplätzen von Gösckenen und Airolo beschäftigt waren und an der Tunnelkrankheit leiden, haben im März den Gotthard verlassen, um in ihrer Heimath Italien Heilung zu suchen. Die Unternehmung hat ihnen die Heimreise durch Beiträge von 100, 150 bis 200 Frcs. erleichtert.
Triest, 15. April. Das österreichische Segelschiff Nicolo Tommaseo, welches am 10. März mit 4179 Faß Petroleum von Philadelphia abgegangen, ist am letzten Sonntag zwanzig Meilen östlich von Gibraltar vom Blitze getroffen worden und sammt der Ladung gänzlich verbrannt. Die Mannschaft rettete sich nach Gibraltar.
Mannheim, 12 April. Die „Neue Bad. Landeszeitung" schreibt: Das Großartigste, was auf dem Gebiete des Schachspiels bisher von den bedeutendsten Koryphäen, einem Murphy, Andersen u. A. geleistet wurde, ist bei dem gestrigen, hier im Ballhause begonnenen Schachturnier weit übertroffen worden. Ein Herr Studiosus aus Gießen, der seinen Namcn nicht veröffentlicht haben will (es kann nur Herr stuck, jur. Fritz aus Darmstadt sein), hatte die Riesenaufgabe übernommen, einen Kampf gegen 12 der besten hiesigen Spieler zu entrinn* und zwar vollständig blind ohne alle Notizen und ohne jedes Tableau. Außer den Mitgliedern des hiesigen Schachclubs wohnten dem Turnier viele Freunde dieses geistreichen Spiels aus Nah und Fern an, welche den eminenten Leistungen dieses jungen Künstlers mit stets wachsendem Interesse und Staunen folgten. Der Kampf begann um 2 Uhr Nachmittags und währte gestern bis 9 Ubr Abends, nur einmal durch eine kurze Pause unterbrochen und war das Ergebniß bis dahin, daß der gewandte Kämpfer 4 Gegner „matt" gesetzt und eine Parthie als verloren aufgegeben hatte. Bei letzterer ist zu bemerken, daß durch einen irrtümlichen Zug unseres Helden dieser sich zum Aufgeben der Parthie veranlaßt sah, obgleich ihm Die Zurücknahme des Zuges bereitwilligst zugestanden wurde. Bis Abends 9 Uhr brachte das Turnier dem Studio 8 Gewinne und 2 Remis.
Das „Mannh. Tagbl." schreibt sodann: Bei Beginn der gestrigen Fortsetzung des Kampfes recapitulirtc der Künstler aus dem Gedächtniß den Stand sämmtlicher acht Partbien, die noch auszuspielen waren. Faßt man die ganze Leistung zusammen, so stellt sich dieselbe als eine ganz eminente, als ein Unicum in ves Wortes weitester Bedeutung dar, welche die vollste Bewunderung jedes Schachspielers verdient. Es ist in der That kaum glaublich, daß ein Schachspieler die Stellung von 12 Parthien im Gedächtniß behält und dabei im Spiel selbst einer Reihe von ausgezeichneten Spielern gegenüber eine solche Überlegenheit an den Tag legte, wie es bei dem erwähnten Künstler der Fall war. Für eine solche Leistung ist die Bezeichnung „erstaunlich", „fabelhaft" oder „wunderbar" viel zu gelind, namentlich, wenn man in Betracht zieht, daß zwischen dem Aussetzen des Kampfes am Sonntag A end und der Fortsetzung am Montag Mittag ein Zeitraum von 14 Stunden liegt, während welcher Zeit der Künstler sich mit einer Menge anderer Dinge beschäftigte, ohne eine einzige Figur der noch unerledigten Parthien aus dem Gedächtniß zu verlieren. Wir haben es hier mit einem Phänomen zu thun, welches noch zu feiner Zeit auch nur annähernd erreicht wurde.
— Gewaltige Aufregung ruft in Oberfranken ein Raubmord auf offenem Felde und am Hellen lichten Tage hervor, als ob Niemand mehr sicher sein sollte. Drei Handwerksburschen trafen auf ihrem Marsche in der Nähe des Dorfes Breitenlösau den Flurmeister Sponsel auf dem Felde. Kurz entschloffen fielen sie über ihn mit Revolver und Messern her und ermordeten ihn mit vielen furchtbaren Stichen in Brust, Hals und Rückgrat und mit Schüssen in die Brust. Die Blutbeute war 1 JL 80 H, cie der arme 60jährige Mann bei sich trug. Die Bauern fanden den Ermordeten bald und verfolgten- die Mörder stundenweit, die Nachts vier Stunden von dem Schauplatz des Verbrechens in dem WirthShaus in Donn- dorf angetroffen und verhaftet wurden- Es sind blutjunge Burschen von 16, 18 und 191/, Jahren
Wiesbaden, 17 April. Unsere Stadt ist in große Aufregung versetzt, in Folge eines Todes, welcher durch schwere Mißhandlung heute Vormittag eingetreten ist. In einer Wirthschaft in der Mehg-rgasse „zum Rebstock" entstand heute Nacht Streit, welcher damit endete, daß ein Kaufmanns-Gehülfe, Karl Wilhelmi aus Langenschwalbach, mit blutüberströmtem Kopfe aus der Wirthschaft gewaltsam entfernt wurde und nach wenigen Schritten auf der Straße infolge starken Blutverlustes zusammensank. Der Unglückliche hat zwei etwa 3 Cm. lange Messerstiche auf der rechten Seite der Stirne und am Hmterkopf eine etwa 3'/, Cm. lange, wohl mit einem stumpfen Werkzeuge beigebrachte Wunden davongetragen und wurde alsbald nach dem städtischen Krankenhause verbracht. Die hinterlaffenen Blutspuren sind heute noch in der genannten Straße deutlich sichtbar; die Wirthschaft ist vorläufig polizeilich geschloffen und sind die muthmaßlichen Thätcr verhaftet.
— Eine köstliche Gerichtsverhandlung hat vor einigen Tagen in Wien stattge- fundcn. Martin Schröck, ein wiederholt bestrafter Scbneidergehülfe, der aus dem Wiener Polizeirayon für immer „abgeschafft" ist, hatte sich wegen verbotener Rückkehr zu verantworten. Bei seiner Vernehmung kam es nun zu folgender Auseinandersetzung : Richter: Wie oft sind Sie bestraft worden? Angekl.: Ich kunt's wirkli nit auswendig sagen, aber in mein Notizbüchl steht's eingeschrieben. (Dieses wird nun herbeigeschafft-i Richter (nachdem er dasselbe durchblättert): Ich finde hier lauter kurze Zeiträume eingetragen; waren Ihre Abstrafungen von so kurzerDauer? Anaekll: 's is a so; hab' nur die Zeit eing'schrieben, wo ich in Freiheit war. Richter: Ach so! Nun da haben Sie bereits eine ziemliche Zeit im Gesängniß zugebracht; die Schneiderei scheinen Sie wenig betrieben zu haben? Angekl-: Mein Gott, wer kann dafür? Richter: Doch nur Sie allein. Angekl.: Dös is halt Bestimmung; i bin jetzt schon elf Jahre vazierend und mich ham's halt alleweil gleich. Richter: Was bedeuten diese Ziffern in Ihrem Büchel? Angekl.: Dös sind die Nummern von alli meine Zellen, zum Lotterie setzen hab ich's aufgeschrieben. Richter: Hier ist die Zahl zwei-
sei, um den Kaiser ungefährdet über die deutsche Grenze zu schaffen. Auf welcher Route immer die Reise erfolgen sollte, jedenfalls werden diesmal Vorsichtsmaßregeln in erhöhtem Maße zur Anwendung gelangen. Der gesummte Personen- und Güterverkehr auf der betreffenden Bahn wird fiflirt, die Linie durch vorfahrendc Militärzüge gesichert und Der kaiserliche Train durch Mitnahme ocs kaiserlichen Konvois vor einem Unfall geschützt werden. Wie auch sonst werden Reservebestandtheile für Waggons mitgenommen nnd auf Den Stationen bereit gehalten. Für Die Kommunikationsbehörden und Eilenbahnverwaltungen bildet die projectirte Reise des Kaisers eine große Sorge; Viele werden aufathmen, wenn sie ohne Unfall vorüber sein wird.
NN
M Nigsior Donners ; 23. AM 18
I Donnerst« im SDiftn Men-Slc 30 Raumm-t-r ^<1 632 "
220
— In einer Zeit, in welcher sich selbst gelehrte Volksvertreter für die Wiedereinführung der P rügelstrafe begeistern können, darf man nicht sehr erstaunt sein, wenn ein Bürgermeister sich für competent hält, Ortsangehörigen durch den langen Tactstock des Ortsdieners die berüchtigten Fünfundzwanzig aufzählen zu laffen. Im vorliegenden Falle, der sich in Zell a. H. tm Kinzigthal ereignete, handelt es sich allerdings um zwölfjährige Jungen Anstatt eine angemessene Schulstrafe zu verhängen, erließ die Ortsbehörde folgendes Urtheil: „Herrn.....
basier. Das Betragen Ihres Sohnes . . . betr. Es wurde in heutiger Sitzung über das Betragen Ihres Sohnes . . . Berathung gepflogen. Es wurde mit Entrüstung über daS bekannte Vergehen sich einstimmig ausgesprochen und deßhalb die weitgehendste Strafe über eine solche Handlungsweise von einem Knaben von zwölf Jahren erkannt. Dieselbe lautet nun wie folgt: Mit Gefängniß von 12 Stunden und beim Ein- und Austreten in Arrest jedesmal 15 Ruthenstreiche auf Den bloßen hindern durch den Polizeidiener bestraft. Dieses wird Ihnen zur Kenntniß gebracht, daß Ihr Sohn . . . sich Sonntag, den 4. April d. I., Morgens 7 Uhr zur Straferstehung beim Bürgermeister' Amt zu stellen hat. Zell a. H., den 2. April 18ko' Die Ortsschulrathbehörde. Moffmann." — Ein solches Schreiben wurde jedem der beiden
Ä-B
AL
Ein solches Schreiben wurde jedem der beiden Die Vollstreckung des Urtheiis fand in Anwesenheit des Bürgermeisters
Freitag j h Distril Men-Stä Raummeter
M. A"■ »•r" unb des"'
g'genberto«» l!t [ii mit $8* *b*rf®eS litten, etnt fpmi' ?v leben und M irreren Bühnen Maligen Muh u vorliegenden k «richt M-ck jkrger und der -ö' goflftem Maßevei
hl W
2799?'
"MH
ben
762? ’ S3öt!’«m
Lubi
Zur Fassung Stollen der städ fnb ca. 400 lau| sirte Thonröhren in Partien von * 14 Tagen bis ! sind und treiben jucht, ihre mit en vtrsehenen Offert per lausenden M bis zum 23. d. Uhr aus unserem Die einmaliger in dem vorbesi Olgenwart der « mittenten eröffne.
Gießen, den 2> Grohh. Bürg« m


